Gerda und Yann sind urbane Thirtysomethings und gerade in ein heruntergekommenes altes Haus am Stadtrand gezogen. Gerda ist arbeitslos, investiert ihre ganze Energie ins Einrichten – und in eine fixe Idee: Sie leistet sich eine imaginäre Affäre. Diese ist erst nur ein Spiel, doch dann beginnt sie, Gerda mit aller Macht zu verzehren. Yann lernt ein rätselhaftes Mädchen voller Forderungen kennen. Und die Nachbarin Valerie, Anfang fünfzig und Journalistin, steht nach einem folgenreichen One-Night-Stand plötzlich vor der Frage, ob das Leben für sie ausgerechnet jetzt noch einmal neu beginnt. Von drei möglichen Liebesgeschichten finden mindestens eineinhalb nur in der Fantasie statt. Doch dann kommt alles zusammen, und aus einem Zufall wird ein Unfall.
Ein Paar, das (zunächst unfreiwillig) ein traditionelles Rollenbild lebt. Beide finden es – für sich – irgendwie gut. Beide haben Angst, der andere könne es nicht gut finden. Anstatt Aussprache: Allmähliche Entfremdung, fast schon gewaltsame Versuche, das Glück zu zerstören, nur halb unbewusst. «Kuss» ist unterhaltsam zu lesen und hat ein gutes Tempo. In lakonischer Sprache beschreibt Simone Meier das Auseinanderdriften, bereichert es mit genauen Beobachtungen und schafft damit ein kleines Psychogramm unserer Zeit.
(read in german) a good premise - contemporary thritysomething couple in which the wife looses her job and stays at home. the chance to think about traditional & contemporary role models, disappointingly written, lost between too many clichés & cheap jokes.
Gut, Yann schnarchte ein wenig, im Alter würde es gewiss schlimmer werden, aber noch störte es sie nicht, noch störte sie sich nur selbst. Mit ihren ganz persönlichen Träumen und Gedanken. Mit denen sie sich nachts nicht nur um ein paar Zentimeter, sondern um kleine Welten von Yann entfernte, weil sie mit dem zu tun hatten, was zwischen ihnen gerade nicht stattfand. (Seite 58)
Das fröhlich-verspielte Cover von „Kuss“ von Simone Meier täuscht über den Inhalt hinweg. Dieser Roman ist weit mehr als ein leichtes Beziehungsdrama, es offenbart sich stattdessen ein Blick auf die dunklere Seite der menschlichen Seele. Er fördert Sehnsüchte, Begierden, Zweifel und erotische Fantasien zutage, die im Licht des Tages betrachtet geradezu irrsinnig erscheinen, und die dennoch in den Protagonisten Gerda, Yann und Valerie schlummern.
Valerie, spröde und zynisch, ist überzeugt, den Rest ihres Lebens nicht noch einmal mit einem Mann teilen zu wollen. Zu sehr liebt sie ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit. Oder ist es auch Verletzlichkeit, die durch ihre standhafte Verweigerung von Gefühlen und Nähe zum Ausdruck kommt? Gewinnt man vielleicht doch mehr, als man verliert, wenn man sich auf einen anderen Menschen einlässt? Gerda und Yann sind von außen betrachtet ein Vorzeigepaar – er hat einen guten Job, sie versucht sich unfreiwillig, aber nicht minder zufrieden, in der Rolle der Hausfrau, die das frisch bezogene Haus einrichtet und gestaltet. Ideale Voraussetzungen für die Familiengründung also. Doch was bleibt danach noch im Leben, wenn das Knistern des Neuen längst der Vergangenheit angehört? War es das? Und was, wenn dieses Fehlen, dieses Loch in einem selbst, einen dazu antreibt, sich anderen zuzuwenden. In der Fantasie, in Träumen. Und was, wenn dadurch etwas in Gang gesetzt wird, was unwiderruflich ins Unglück führt?
Am liebsten hätte sie sich mit einer Schere ein paar Stufen ins Haar geschnitten, doch sie wusste, von allem, was es zu bereuen gäbe, würde sie dies am meisten bereuen, es wäre so was wie ein Eingeständnis einer Krise, eines Zusammenbruchs. Und dies bei Tag. Nachts war sie es gewohnt. Die Schlaflosigkeit, das trommelnde Herz, die irren Träume. (Seite 156)
„Kuss“ geht an die Substanz. Er hat mich gefordert, vor allem zu Beginn, denn meine Erwartungen waren ganz anderer Natur. Ich erwartete Konflikte, durchaus, aber nicht in dieser Klarheit und, ja, regelrechten Besessenheit. Anstatt sich einander zuzuwenden und das gemeinsame Lebensglück zu genießen, driften Yann und Gerda zunehmend voneinander weg. Impulsiv und triebhaft legen sie es darauf an, ihr Glück zu zerstören. Gesteuert von Verlangen hinterfragen sie ihre Beziehung, sich selbst und ihren Partner. Sie wenden sich anderen zu, erlauben sich Gedankenspiele, geben ihren Sehnsüchten und Wünschen nach. Kaum jemals konkret, aber immer so intensiv gefühlt, dass es immer auch einem Betrug gleichkommt.
Seit dem Abend am Fluss hatte sich etwas in ihm gelöst, Ahnungen von Freiheit machten sich breit, die Mauern von Gewissen und Gewissheit begannen zu bröckeln, und über allem lag eine prickelnde Neugier, der er gerne nachgehen wollte. (Seite 175)
Interessant fand ich, dass Erfahrungen in der Kindheit wichtige Treiber dieser Entwicklung sind. Gerda, die von ihrer Mutter immer niedergemacht wurde, die nie Anerkennung oder Lob erfuhr. Valerie, die ihrer Großmutter und den Besuchen in ihrem Haus hinterhertrauert, deren Leben entzaubert wurde, ein Zauber, der sich in ihren Augen nicht wieder zurückholen lässt. Yann, der in einer perfekten Familie aufwuchs, der Zusammenhalt erlebt und sich fragt, ob es noch mehr gibt, als dieses ideale Familienbild.
Fazit
Dieser Roman von Simone Meier ist gleichzeitig anstrengend und faszinierend, betörend und abstoßend. Ich kann ihn loben und zur gleichen Zeit kritisieren. Was mir gefiel, waren die scharfen Beobachtungen, die ungefilterten Emotionen und der schonungslos direkte Schreibstil. Was mir nicht gefiel, waren die manischen, krankhaft übersteigerten Sehnsüchte. Gerda wirkte wie wahnsinnig, verloren in ihrer Welt. Ich würde sagen, „Kuss“ ist Geschmackssache, bietet aber auf jeden Fall äußerst viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.
Ich hatte irgendwie mehr erwartet. Vll war es auch einfach der falsche Zeitpunkt für dieses Buch. Es geht jedenfalls um ein urbanes Paar Mitte 30, das (zunächst unfreiwillig) eine traditionelle Rollenverteilung lebt. Gerda ist arbeitslos geworden und macht keine Anstalten, sich einen Job zu suchen, während ihr Freund Yann den ganzen Tag bei der Arbeit ist. Ein solches Modell wollen eigentlich beide nicht, doch scheinen sie sich mehr und mehr wohl damit zu fühlen, wollen dies aber nicht so richtig voreinander zugeben. Die Folge ist eine Entfremdung der beiden, mit einer imaginären und einer echten Affaire. Ganz gut zu lesen, dieses Bich uber die Rollenverteilung, frauen und Männern ubd ein paar kleine Love stories
3,5 Sterne. Ich habe zwar nicht wirklich das bekommen, worauf mich der Klappentext hat hoffen lassen, aber die Sprache fand ich interessant und nach einer etwas langatmigen ersten Hälfte ging es inhaltlich dann auch bergauf. Eine klare Empfehlung kann ich nicht geben...dazu hat mich das Buch zeitweise einfach zu sehr verwirrt.
Inhalt: Gerda und Yann sind urbane Thirtysomethings und gerade in ein heruntergekommenes altes Haus am Stadtrand gezogen. Gerda ist arbeitslos, investiert ihre ganze Energie ins Einrichten – und in eine fixe Idee: Sie leistet sich eine imaginäre Affäre. Diese ist erst nur ein Spiel, doch dann beginnt sie, Gerda mit aller Macht zu verzehren. Yann lernt ein rätselhaftes Mädchen voller Forderungen kennen. Und die Nachbarin Valerie, Anfang fünfzig und Journalistin, steht nach einem folgenreichen One-Night-Stand plötzlich vor der Frage, ob das Leben für sie ausgerechnet jetzt noch einmal neu beginnt. Von drei möglichen Liebesgeschichten finden mindestens eineinhalb nur in der Fantasie statt. Doch dann kommt alles zusammen, und aus einem Zufall wird ein Unfall. Mit schonungslosem Blick, Witz und Melancholie seziert Simone Meier den schönen Schein moderner Existenzen und Beziehungen, bis nicht mehr nur die Fassaden bröckeln, sondern das ganze Fundament zu beben beginnt.
Meinung: Dieses Buch ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und Drama. Von Beginn an werden wir in eine zunächst unscheinbare Welt eines Pärchens gezogen, dessen Gedanken, Sorgen und Wünsche mit verwobenen, detailreichen Monologen veranschaulicht werden.
Der Einstieg ins Buch fiel mir recht leicht, aber man merkt direkt, dass Simone Meier nicht die Art Autorin ist, die eine heile, frohe Welt erschafft. Das unterstreicht sie mit ihrem amüsanten und gleichzeitig schonungslos ehrlichen, detailreichen Stil. Je weiter man in die Geschichte vordringt, erkennt man, wie die Hauptfiguren nach und nach ihr wahres Gesicht zeigen, ihre Fassade bröckelt, während sie immer noch versuchen, dies fadenscheinig zu verschleiern.
Wir begleiten insgesamt drei Charaktere durch dieses Buch und jede von ihnen hat eine eigene Geschichte, eine eigene Welt, eigene Probleme, die nach und nach durchsickern. Die Autorin spielt mit Vorstellungen und das sehr detailliert. Anstatt sich ehrlich auszusprechen, werden wahre Emotionen und Sorgen einfach runtergeschluckt - bis die heile Welt zusammenbricht.
Ich muss sagen, dass mich vor allem der Klappentext sehr neugierig gemacht hat. Nach den ersten Kapiteln fiel mir ein, wie tief das Ganze geht. An manchen Stellen habe ich plötzlich nur den Kopf geschüttelt, weil ich manchen Twist nicht erwartet hätte, aber das ist wohl auch die Absicht der Autorin. Sie zeigt einfach, wie scheinbar stabile Lebensmodelle plötzlich zu bröckeln beginnen. Das Buch war ansprechend, unterhaltsam, mit einem erneuten Twist am Ende, sodass der Rest der Fantasie des Lesers überlassen wurde.
Ich glaube, trotz dessen, dass ich nicht alle Motive der Charaktere verstanden habe, würde ich ihre Bücher trotzdem lesen. Es ist etwas anderes, es ist einfach schonungslos ehrlich und gleichzeitig unterhaltsam. Ich hätte mir zwar ein klares "Warum" bei der ein oder anderen Szene gewünscht, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.
Fazit: Schonungslos ehrliche, unterhaltsame Wahrheit, die, die Fundamente von Scheinwelten abreißt
Der Roman wird aus wechselnden Perspektiven erzählt - Gerdas und Yanns, einem Pärchen in ihren 30ern, die gerade in ein Haus am Stadtrand gezogen sind, sowie Valerie, ihrer Noch-Nachbarin, einer Frau in ihren 50ern, deren Großmutter das Haus gehört hat und die auch hier mit ihr am Ende ihres Lebens gewohnt hat, allerdings auch eine Wohnung in der Stadt hat. Gerda ist arbeitslos und "kümmert" sich um das Mietshaus. Ihre langen Tage füllt sie mit seltsamen Gedankenspielen, die sich vor allem nachts sehr gruselig lesen. Sie wird von den anderen Personen als hübsch, blond und roboterhaft beschrieben, ist aber ganz eindeutig sehr viel weniger harmlos als sie wirkt. Yann ist nett, naiv und viel zu bemüht. Er wünscht sich eine Tochter und ist mit seiner Beziehung nicht mehr richtig glücklich, hat aber Angst, sich das einzugestehen. Valerie, die ältere Nachbarin, hadert mit ihrem Alter und dem, was noch kommen wird und es wirkt so, als hätte sie Angst vor dem Alleinsein, wenn sie auch zugibt, dass sie das Alleinsein selbst verschuldet hat.
Wie sich die Situation zuspitzt um die Weihnachtstage und den Leser an Silvester mit einem offenen Ende, das Gänsehaut verursacht, zurücklässt, liest sich so großartig, dass ich den Roman in gerade mal 2 Tagen verschlungen habe. Klare Leseempfehlung!
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Das Ende hätte wirklich nicht sein müssen. Es war etwas überspitzt und ich habe es auch nicht gänzlich verstanden. Aber sonst war das Buch ganz in Ordnung. Nicht ganz mein Stil, aber letztendlich auch nicht super langweilig. Es war ganz interessant zu lesen und insgesamt in Ordnung. Manche Beschreibungen fand ich etwas komisch, andere Sachen konnte ich umso besser nachempfinden. Vielleicht bin ich für viele Sachen aber auch noch zu jung und verstehe sie deshalb nicht ganz.
Easy reading. About a couple in their thirties so even though I could see where they're coming from, I found it a bit hard to relate. Maybe in a few years..