Wie begegnet man seiner fremd gewordenen Herkunft? – Thilo Krauses eindringlicher Roman über unser Land und unsere ZeitEin junges Paar kehrt nach Jahren zurück ins Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft, aber auch mit einer neuen Fremdheit. Der Erzähler erinnert an den Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern sein Bein verlor. An den öffentlichen Tadel in der Schule beim sozialistischen Fahnenappell. Thilo Krauses erster Roman erzählt vom Versuch der Heimkehr in ein fremdgewordenes Land. Es gibt nicht nur Apfelbäume und Elbwiesen, es gibt auch das Sommercamp der Neonazis, und am Misstrauen des Dorfes droht auch das Paar zu scheitern. Ein intensiver Roman über unser Land und unsere Zeit.
Habe am Ende dann doch ein bisschen länger gebraucht, aber fand die Sprache einfach sehr schön und angenehm zu lesen. Eine tolle Zeitreise zurück in die Kindheit in der DDR mit der Frage, wie Erinnerungen unser Leben prägen.
Ein seltsam diffuses Buch, wie eine Öllampe flackert die Erzählung. Und wie eine Öllampe spendet sie Licht, aber man kann doch nicht lesen. Festung Königstein, Nazis und Liebe. Nichts passt so richtig, und alles fühlt sich abwesend an.
Wie fest brennt sich die Vergangenheit in unser Leben ein, wie lange hallen unsere ehemaligen Taten nach? Thilo Krause untersucht dies mit seinem Buch "Elbwärts" und vermischt damit persönliche Eckdaten mit dem Roman. Angesiedelt in der Sächsischen Schweiz, spielt der Roman zwischen Felsmassiven, Wäldern und Kleinstädten. Der Natur, oder besser gesagt der Umgebung, kommt in der Geschichte eine grosse Rolle zu und dient zur Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat.
Wichtige Gedanken und Fragen werden in diesem Text angesprochen, doch das Buch packte mich nie so richtig. Die Wechsel zwischen den Geschehnissen aus der Kindheit und den heutigen Begegnungen machte "Elbwärts" zwar vielschichtig, die Lamentationen des Erzählers wirkten dafür ermüdend. So fragte ich mich, ob man sein Leben nicht auf einfachere und weniger destruktive Art neu auszurichten vermag. Ob das Vergangene nicht sinnvoller abzuschliessen wäre. Bevor man mit seinen Mitmenschen auf den unvermeidbaren Knall zusteuert.
Einer, der mit dem Alten abschließt und etwas Neues beginnt.
Es geht in dem absolut lesenswerten Roman von Thilo Krause um den Reiz der Ferne und Fernweh, um Sehnsucht und Heimweh, um die romantisch verklärte Kindheit und nicht verarbeitete Erlebnisse, um Rückkehr, Heimat und Herkunft.
Thilo Krause schreibt erst sperrig, spröde und knapp, dann zunehmend poetisch, sehr feinfühlig, sinnlich und mit einem Hauch von Nostalgie darüber, wie der namenlose Ich-Erzähler nach Jahren mit seiner Frau Christina, einer Physiotherapeutin und dem gemeinsamen 4-jährigen Töchterchen in die Heimat, das Elbsandsteingebirge, zurückkehrt. Nicht genau in seinem Heimatort, sondern wenige Kilometer entfernt mietet er auf einem Berg ein heruntergekommenes Haus mit Schimmel an den Wänden.
Leider erfüllen sich seine romantischen Vorstellungen von Heimkehr nicht. Nicht nur er, sondern auch sein Zuhause, die Sächsische Schweiz, hat sich verändert. Und als wäre das nicht genug, führen seine intensive Suche nach was auch immer und seine obsessive Beschäftigung mit seiner Vergangenheit dazu, dass seine Frau ihn mit dem Töchterlein verlässt.
Die Lektüre, eine Art Heimatroman, ist äußerst bewegend und berührend, aber niemals kitschig oder seicht. Ich vermute, dass der Autor darin so einiges an Autobiographischem verarbeitet hat.
Thilo Krause gelingt es mit seiner schönen und bildhaften Sprache und unaufgeregten Erzählweise, die Landschaften, Handlungsorte, Szenen und Charaktere zum Leben zu erwecken.
Wir begleiten den Ich-Erzähler auf seinen Streifzügen und Wanderungen durch die spektakuläre und bizarre Felsenwelt und meinen, die schroffen Felsen, Sandsteine und Riffs, die dicht bewaldeten Tafelberge und das schluchtenreiche Tal vor uns zu sehen. Ausserdem lernen wir Vito und Jan kennen. Der einbeinige Schreiner Vito ist ein früherer Freund des Ich-Erzählers, mit dem er waghalsige Klettertouren unternommen hat und mit dem ihn nicht nur diese Freundschaft, sondern auch ein tragischer Unfall und eine Art offene Rechnung verbindet. Jan ist ein tschechischer Freund, der Führungen für Touristen anbietet und ihn in seinem Touristenbus mitnimmt.
Vito und Jan holen ihren Freund auf den Boden der Tatsachen, sprich in die Realität, zurück. In die Realität, das heißt, zu seiner kleinen Familie und zu der Erkenntnis, dass sein Heimatdorf und dessen Bewohner nicht (mehr) das sind, was er sich vorgestellt und erhofft hat.
Statt offene Arme begegnen ihm, seiner kleinen Familie und seinen Freunden Misstrauen, Argwohn, Unfreundlichkeit, kühle Ablehnung und feindseliges Schweigen.
Der Ich-Erzähler muss vieles verarbeiten und bewältigen ... seine Fremdheitsgefühle, die Veränderung seiner Heimat, in der jetzt glatzköpfige Nazis mit Schäferhunden herumwandern, ein noch nicht verdautes traumatisches Erlebnis, Schuld- und Schamgefühle, die durch Erinnerungen an seine Kindheit aufflackern, und nicht zuletzt die Nazi-Schmierereien und -Parolen auf seinen geliebten Felsen.
Und dann, 2002, kommt auch noch die Elbe ins Spiel...bedrohlich, beängstigend, verhängnisvoll.
Dieser Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt.
Sehnsucht nach einem Ort, den es nicht mehr gibt. Nach einer Kindheit, die anders hätte sein sollen. Nach dem Auslöschen der eigenen Schuld. Mich hat das Buch sehr gepackt. Auch wenn mir verschlossene, unentschlossene Männer als Protagonisten sonst viel Geduld abverlangen: Hier war das anders. Die zunehmende Verwirrung der Zeitebenen, die sich einschleichende Bedrohung durch die zunehmend unverhohlene Feindseligkeit der anderen, schließlich Aufbruch und Ausweg. Grandios komponiert. Ich war nach dem Lesen des Buches nicht überrascht zu erfahren, dass Thilo Krause sonst vornehmlich Lyrik veröffentlicht.
I was interested in hearing about Saxonian countryside, the life there and the problems we hear about the region. Actually I didn´t learn much about it and had the wrong expectation. I didn´t like the main character and got frustrated by the book that won´t give me enough information to make something of it. No, sorry, not my thing ...
Ništa, napustila sam je na polovici. Iako je počela jako zanimljivo, kako je odmicala postajala je sve dosadnija, čudnija, razvučenija. Radnja koja se ispreplitala između sadašnjosti i prošlosti te sve češće nisam imala pojma gdje sam, u kojoj radnji, prošloj ili sadašnjoj. Tako da, ne budem je ocijenila, možda je do mene..🙂
Ich konnte wenig mit dem Buch anfangen. Die Landschaftsbeschreibungen zu Beginn sind ganz schön, aber dann wabert die Erzählung so vor sich hin, ohne in die Tiefe zu gehen. Wieso dann noch völlig unvermittelt Nazis auftauchen, erschließt sich mir nicht.
Ich habe nicht das Buch gelesen, sondern die komplette Lesung gehört. Mir hat die Sprache, in der das Buch geschrieben ist, zwar sehr gut gefallen, aber ich hatte manchmal Probleme, zu folgen, in welcher Zeit wir uns jetzt gerade befinden. Das kann aber vielleicht auch am Leser gelegen haben, der zu wenig stark zum Ausdruck gebracht hat, wenn Zeitenwechsel stattfanden. Angenehm zum hören, da alles sehr gut beschrieben wurde und man sich, wenn man, wie ich, die Gegend überhaupt nicht kennt, trotzdem sehr gut in die Bilder "hineinhören" konnte.
Erinnerte mich stark an "Die Sache mit Finn", ich liebe ja solche Stories von Kids, Vergangenheit und Freundschaften, voller Rückblicke, Reue und Faszination.
* Der Mops umfasst das Elefantenohr. * Warten auf den Blitz. * Rennen vom Felsen nach Hause. * Mit himbeerverschmiertem Mund und zerrissenen Jeans. * Alles, was wir absaßen, war unser Leben. * Thilo geht allein in den Wald, wie Urs Blank. * Thilo taucht nach dem Sitz. * Die Flut bringt das Alte hervor.
Ein Mann zieht mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter in ein Dorf in der Sächsischen Schweiz. Die Frau heißt Christina, die Tochter wird immer nur „die Kleine“ genannt und das Dorf liegt neben jenem, in dem der Mann aufgewachsen ist. Der Erzähler trifft dort alte und neue Freunde, verliert sich in Erinnerungen und versucht beim Streunern durch die Dörfer, die sogenannte Stadt-die-keine-ist und das Elbsandsteingebirge seinen Platz zu finden ─ in diesen Orten, dieser Gesellschaft und seiner Familie. Thilo Krauses neuer Roman „Elbwärts“ porträtiert eine Region und ihre Menschen, ohne auf Vollständigkeit zu bestehen.
Anschaulich und genau setzt Krause kurze, prägnante Sätze, die an Schritte erinnern, die wir als Leserinnen und Leser gemeinsam mit dem zugezogenen Mann gehen. Sie sind alles andere als zielgerichtet, vielmehr ein planloses Durch-die-Gegend-Ziehen. So fängt der Roman, obwohl aus der Perspektive eines jungen Vaters geschrieben, die Stimmung einer traurig-schönen Kindheit und Jugend auf dem Dorf ein. Hier ist man trotz der leerstehenden Häuser und der Weite der Natur nie allein. „Und ich wusste auch, dass das Dorf mir folgte. Gardinen hoben sich oder wehten ins Freie. Köpfe erschienen im Halbdunkel und verschwanden. Ich beobachtete und wurde beobachtet.“