Ein merkwurdiges Schweigen herrscht in der Gegenwartsphilosophie gegenuber dem Essen. In der Vergangenheit hingegen haben sich viele Philosophen intensiv mit moraltheoretischen Fragen eines guten Essens beschaftigt. Die theoriegeschichtliche Rekonstruktion dieses Ernahrungsdiskurses zeigt auf, wie weitreichend und umfassend das tagliche Essen die menschliche Welt erzeugt. Dabei werden zwei Theoriestrange herausgearbeitet: Wahrend der diatmoralische Diskurs die menschliche Essistenz zugunsten eines rein geistigen Glucks entwertet und die Moral einer vernunftlosen Ernahrung lehrt, vergewissert sich das gastrosophische Denken mit der Ethik eines guten Essens der alltaglichen Moglichkeit einer vernunftigen Lebenspraxis. Diese Gegenuberstellung ist einem wesentlichen Ziel praktischer Philosophie verpflichtet: Sie dient der kritisch-theoretischen Begrundung einer besseren Praxis nicht nur des Essens."