Sommergäste dreht sich um die Künstlerin Ellen, die gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Charlotte Urlaub auf der Insel Rockcliffe Isle vor der kanadischen Küste macht. In Rückblenden des ersten Kapitels erfährt man, wie Ellen zunächst als Bildhauerin gearbeitet hatte, bis sie auf einer Kunstreise auf Charlotte getroffen war und sich im Folgenden eher als Unterstützerin ihrer schriftstellerischen Tätigkeit sah. In der Gegenwart beginnt sie jedoch langsam, diese Selbstaufgabe anzuzweifeln und entdeckt durch die Diskussionen mit dem Präparator und Ornithologen Crawford langsam ihre eigene künstlerische Ambition wieder. Gemeinsam schließen sich die drei einer wissenschaftlichen Forschungsreise nach Belgisch-Kongo an, die das komplette zweite Kapitel des Buches umfasst. Das dritte Kapitel beschäftigt sich schließlich mit den Auswirkungen der Reise auf die Hauptcharaktere.
Der Roman ist in 3 große Kapitel unterteilt, jedes betitelt mit einem anderen Vogelnamen, der die Handlung leitet, gefolgt von einem Zitat. Umschlossen wird das Buch durch einen Prolog und Epilog aus Crawfords Sicht, die zugleich die einzigen Kapitel aus einer anderen Sicht als Ellens darstellen. Lediglich in Charlottes Briefen an Freunde, Familie oder ihren Verlag erfährt man darüber hinaus mehr über die inneren Vorgänge der anderen Charaktere.
Passend zum Titel fokussiert sich die Handlung des Buches zumeist auf die Sommermonate, die die Charaktere auf Rockcliff Isle verbringen, die dazwischenliegenden Wintermonate werden meist nur in Nebensätzen zusammengefasst.
Die Handlung schreitet eher langsam voran, was die Geduld, die beim Präparieren sowie der Expedition in Afrika erforderlich ist, wiederspiegelt.
Viele inneren Empfindungen werden nicht klar ausgesprochen, sondern ergeben sich vielmehr aus der Handlung. Passend fand ich insofern vor allem auch, dass Ellen und Charlotte der Zeit gemäß nicht offen zu ihrer Beziehung standen, sondern dies vielmehr unter anderen logischen Nähebeziehungen wie Sekretärin oder ähnlichem verstecken. Auch körperliche Intimität zwischen den Charakteren wird nicht explizit beschrieben, sondern deutet sich nur in Nebensätzen an.
Der Roman ist angelehnt an das Leben der Schriftstellerin Willa Cather sowie des Präparators Allan Moses, die ebenfalls auf einer kleinen Insel ihre Werke geschaffen haben. Dies stellt die Autorin auch im Nachwort noch einmal klar.
Obwohl der Roman so langsam voranschreitet, fand ich ihn in großen Teilen sehr angenehm zu lesen. Vor allem auch im letzten Kapitel überschlagen sich die Ereignisse und die Handlung umfasst einen bedeutend größeren Zeitraum. Einige Entwicklungen haben mich dabei sehr überrascht, widersprachen sie doch den durch den Erzählstil geschaffenen Erwartungen. Gleichzeitig erschienen sie jedoch nie unrealistisch oder unangemessen bezüglich der Entwicklung der Charaktere oder den Erwartungen der damaligen Zeit. Dennoch hat vor allem das erste Kapitel einige Zeit gebraucht, um Interesse beim Leser aufzubauen. Da auch die inneren Motive und Gedanken von Ellen nicht herausgestellt werden, über die sie sich meiner Meinung nach selbst oft unklar ist, fällt es auch schwer, wirklich eine Bindung zu den Charakteren herzustellen.