Ein erfolgreicher Buchhändler beschliesst, sein Leben zu ändern: Er verlässt Frau und Tochter und sagt sich von der Liebe los. Doch etwas treibt ihn zurück. Er verspürt keinen Hass, nur Ekel und vollkommene Leidenschaftslosigkeit. Alles drängt zu einer Entscheidung. Endlich glaubt er einen Weg gefunden zu haben, seine Frau hinter sich zu lassen. „Ich verblieb mir selbst, als ein unheilvoller Ort, an dem ich nicht sein und von dem ich nicht fliehen konnte“, heisst es bei Augustinus über jenen überdruss, der schliesslich zu einer Gefahr auch für andere wird. Mit präziser Kühle beschreibt Lukas Bärfuss in seiner fesselnden Novelle, wie der Entschluss, um der eigenen Freiheit willen seiner Liebe zu entsagen, ins Verhängnis führt.
Bei der Novelle handelt es sich um das Prosa-Debut vom Schweizer Autor Lukas Bärfuss, der bis dahin vor allem als Dramatiker Bekanntheit gewonnen hat. Es geht um einen Buchhändler mittleren Alters, der seine Frau und Tochter verlassen hat, um so Freiheit zu gewinnen. Er empfindet Überdruss und Abneigung gegenüber dem Leben und fügt sich gleichgültig in alle Forderungen, die von außen auf ihn zukommen. Die Novelle beschreibt eine Reihe von Ereignissen, die seinen Versuch, sich vom eigenen Leben loszusagen, radikal in Frage stellen. In den meisten Rezensionen kommt die Erzählung nicht allzu gut weg, z.B. weil die Leute genug haben von Protagonisten ohne Lebenslust, die sich so treiben lassen und zu nichts Bezug aufbauen. Mir hat sie allerdings ganz gut gefallen und ich war bei der Lektüre einigermaßen gefesselt. Bärfuss schafft meines Erachtens eine interessante und eigenwillige Perspektive, die für mich neu und nicht berechenbar war. Insofern eine nette kleine Lektüre für zwischendurch.
„Was sollte ich sagen? Ich hatte keine Bücher dabei. Seit einiger Zeit lese ich nicht, in allen Büchern steht dasselbe. Ein Mensch erlebt etwas, das er in seinem Leben noch nie erlebt hat, und dies macht ihn entweder glücklich oder es macht ihn krank und bringt ihn um. Ich erkenne mich in diesen Geschichten nicht. Das wirkliche Leben ist nicht so. In Wahrheit geschieht nie etwas, alles ist eine Abfolge der immergleichen Ereignisse, und am Ende wartet nur der Tod, und dahinter ist nichts.“