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Das Palais muss brennen

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Abgründig, rasant und mit bitterbösem Sprachwitz erzählt Mercedes Spannagel in ihrem Debütroman von der korrupten rechten Elite, die von ihrer rebellischen Brut zu Fall gebracht wird. Luise ist die Tochter der rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs. Als diese sich ihren neunten Windhund zulegt, holt Luise einen Mops ins Palais, den sie Marx nennt. Die Waffen der präsidialen Jagdgesellschaft schmeißt sie in den Pool, das Teezimmer tapeziert sie mit Artikeln über die Verbrechen der chinesischen Regierung und als ihre Mutter sie mit einem Burschenschafter verkuppeln will, der ihr stolz den Schmiss über seiner Augenbraue zeigt, skandiert sie: »Mensur ist Menstruationsneid!«. Mit ihren Freunden streift Luise durch die Straßen Wiens und schmiedet Pläne, die Regierung zu stürzen. Eine Kunstaktion auf dem Opernball soll das Land verändern – doch es läuft nicht ganz so, wie sie es sich gedacht haben. »Das Palais muss brennen« ist eine scharfsichtige und irre komische Erzählung über den Widerstand in einer tief gespaltenen Gesellschaft. Ein furioses Debüt, mit dem ein neuer, unverwechselbarer Sound Einzug in die deutschsprachige Gegenwartsliteratur hält.

192 pages, Hardcover

First published September 10, 2020

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About the author

Mercedes Spannagel

3 books4 followers

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21 (5%)
Displaying 1 - 30 of 33 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,054 followers
December 2, 2020
Dieses Buch zeigt auf, wie schnell Menschen bereit sind, ohne nachzudenken reflexhaft auf Trigger-Wörter zu reagieren: Luise, die Hauptfigur, ist die Tochter einer rechtskonservativen österreichischen Bundespräsidentin - und deswegen will sie, die Gute, natürlich rebellieren? Luise studiert Jura, trägt Polo Ralph Lauren Hemdblusen, schläft mit Männern aus der Oberschicht und datet schließlich eine Frau mit Gucci-Monogramm-Strumpfhose und Dior Saddlebag. In kompletter Passivität gibt sie sich der Pose hin und tut - nichts, außer mit fremdem Geld zu feiern, pseudo-intellektuelle Sprüche zu klopfen und sich in einem waghalisgen Akt kognitiver Dissonanz auf der Seite der Armen und Unterdrückten zu wähnen.

Das ist es, was Spannagel hier macht: Sie präsentiert uns eine Schießbuden-Hauptfigur, die vom Kommunismus und Baudrillard schwadroniert, in keinster Weise nach ihren proklamierten Idealen handelt und außerdem komplett hohl ist. Es ist wirklich schwer auszumachen, welcher der Charaktere in diesem Buch am bescheuertsten ist, sie alle bestehen ausschließlich aus Klischees, die in der Pop-Literatur der 90er noch entscheidend unterhaltsamer waren. Nehmen wir aber mal an, dass genau das das literarische Verfahren von Spannagel ist, dass es ihr um die Posen der Jeunesse Dorée geht - was ist das Ziel des Buches?

Dies ist ein komplett apolitischer Roman, denn er hat kein nennenswertes Reflexionsniveau und Widerstand erschöpft sich darin, die eigene Mutter "die Bundespräsidentin" zu nennen, während man in ihrem Palais auf Biedermeier-Mobiliar Champagner säuft. Der Wahnsinn. Und das bringt uns zum Hauptproblem dieses Textes: Er ist selbst eine einzige substanzlose Pose. Auch Oberflächen können interessant sein, diese ist es leider nicht - oder zumindest nicht in ausreichendem Maße. Denn man kann das Buch schon lesen, ohne es gegen die Wand werfen zu wollen, viel mehr kann es aber leider nicht.

Mehr dazu gibt's im Podcast!
Profile Image for Alexandra .
936 reviews369 followers
November 21, 2020
Revolutionslüfterl im Wasserglas
Das Ausgangssetting des Romans von Mercedes Spannagel ist grandios. Die Tochter der extrem rechtskonservativen Bundespräsidentin Österreichs, eine Türkise (neue Farbe der konservativen Österreichischen Volkspartei) mit nazibraunen Spritzern, die aus der Unterschicht aufgestiegen ist, rebelliert gegen die Mutti. Leider entpuppt sich diese Rebellion nicht als anarchisch, konsequent, und mit starken Akzenten, sondern sie findet nur so ein bisschen und total Wischiwaschi statt – sozusagen ein Revolutionslüfterl anstatt eines Sturmes in einem winzigen Wasserglas.

Mutti liebt ihre Windhundemeute, Töchterle Luise setzt als Kontrapunkt zur Leidenschaft ihrer verhassten Erzeugerin die Beziehung zu ihrem hässlichen Mops namens Marx. In der Theorie propagiert die Studentin Luise Marxismus und Feminismus, in der Realität lebt sie aber völlig unberührt von ihren Idealen als verwöhntes Rich Kid in Chanel und Prada gehüllt im Palais (das dürfte die Wiener Hofburg sein). Das ist fast so, als würde eine noch immer nicht der Pubertät entwachsene Paris Hilton hin und wieder ein bisschen zickig sein, sich in der Fantasie vorstellen, aus ihrem Leben auszubrechen, ein bisschen frech zu ihren Eltern sein, aber dann doch immer wieder vom Geld und vom leichten luxuriösen Leben korrumpiert werden. Selbstverständlich sind solche Figuren in der Realität häufig zu finden, aber in der Fiktion hätte ich mir einen eskalierenden Mutter-Tochter Konflikt, anarchisches Gemetzel mit vielen bösartigen Aktionen, ähnlich wie bei den Protagonisten meines heißgeliebten Schriftstellers Tom Sharpe gewünscht. Die Ausgangssituation hätte darauf hingewiesen. Das war mir alles viel zu wenig bissig.

Auch in der Liebe sucht sich Luise ausgerechnet wieder einen Schnösel und Elitesprössling aus konservativem Haus aus: TT (Theodor Thies) ist Jus Student, Fechter, aus gutem Stall mit korruptem Rechtsanwaltsvater, der offensichtlich auch ein bisschen, aber nicht viel geläutert, dem deutschnationalen Mindset seiner Familie, wie der schlagenden Burschenschaft abgeschworen hat, dem Rest aber, wie dem Jurastudium und dem Fechten nicht, da würde die Auflehnung gegen die Werte der Upperclass zu weit gehen.

Letztendlich wird die Bundespräsidentin vom Parlament abgesetzt, weil sie mit dem Vater von TT und einem ungarischen Waffenhändler gemauschelt hat und von dieser Korruptionsaffäre ein Video existiert, das im türkisfarbenen Zimmer des Palais aufgenommen wurde. Dieses Video hat aber nicht Luise in einer Geste der Rebellion gegen die Mutter initiiert, sondern es war ein Irrtum ihrer anderen Schwester, die mit ihrem Freund einen Porno á la Paris Hilton drehen wollte und die die Kamera danach auch noch laufen ließ, was die Mutter und ihre Verschwörer in die unabsichtliche Falle tappen ließ. Nach mehreren Verwicklungen wird der Korruptionsbeweis auch noch irrtümlich veröffentlicht.

Fazit: Statt eines veritablen Mutter-Tochter-Konflikts mit politischen Dimensionen und anarchischen Aktionen wurde mir ein bisschen pubertäre Zickerei in Kaschmir und Seide mit Koks, Ketamin, Ecstasy, mit Trüffelpommes und natürlich bouteillenweise mit Schampus serviert, von einer verwöhnten hohen Tochter, die zwar gedanklich ein bisschen rebelliert, aber zu bequem ist, das reiche Nest und ihren Lebensstil wirklich zu gefährden.

Irgendwie schildert eine Szene das ganze Buch und meine Enttäuschung knackig und punktgenau: als eine Swarowski Werbung auf der Toilette klebt, in der eine granatenähnliche Vase mit einem Einstecktuch gezeigt wird. Der Slogan lautet:

"For the anarchist, who has everything."

So schlecht, wie es nun scheint, war der Roman zwar wirklich nicht – manchmal habe ich sogar geschmunzelt, vor allem bei den vagen politischen Andeutungen – aber richtig gepackt hat er mich überhaupt nicht. Schade, denn er hatte wirklich viel Potenzial. Endurteil: Da brannte nichts in mir, mittelmäßig.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
September 24, 2020
Luise ist die Tochter der österreichischen Bundespräsidentin, deren Hundetick ihr nicht nur gehörig auf den Geist geht, sondern mit deren politischer Ausrichtung am rechten Rand die Studentin so gar nichts anfangen kann. Zunächst subtil weitet sie ihren Protest gegen die Mutter zunehmend aus bis sie und ihre Freunde zum finalen Schlag gegen die politische und gesellschaftliche Elite ausholen, der dann aber doch ganz anders ausfällt als geplant.

Mercedes Spannagels Erstlingswerk ist für den österreichischen Buchpreis in der Kategorie „Debütpreis“ nominiert. In den letzten Jahren fanden sich dort ungeahnte Schätze, die eine große Lesefreude bereiteten wie etwa Angela Lehners „Vater unser“, Tanja Raichs „Jesolo“ oder Nava Ebrahimis „Sechzehn Wörter“. Leider konnte die Nachwuchsautorin meine zugegebenermaßen hohen Erwartungen nicht erfüllen. Insbesondere der vielgepriesene junge und vermeintlich neue Ton der Erzählung hat mich leider nicht erreicht.

Der Klappentext klingt nach einer spannenden Mutter-Tochter-Beziehung, die in einen Wettkampf mit ungleichen Mitteln mündet und insbesondere auch eine spannende politische Komponente verspricht. Angekommen ist bei mir eine Studentin, die ihren Trotz in der Art einer 14-jährigen vollpubertären Göre auslebt, die intellektuell nichts beizutragen und schon gar nichts entgegenzusetzen hat, sondern einen hedonistischen Lebensstil frönt, bei dem es dann scheinbar doch gar nicht so relevant ist, wer diesen finanziert, denn so dramatisch unbequem ist es im Palais nicht. Die streitbaren Großthemen bleiben Randnotizen zwischen Party und Drogenkonsum und letztlich völlig nachrangig bis sogar egal.

Ach ja, man könnte die Auswüchse nicht erfolgter Erziehung erkennen, wollte man dem Roman eine Aussage entlocken. Verwahrlost sind die Kinder nicht, verwöhnt viel eher und sie jammern auf verdammt hohen Niveau ohne die Augen für die Realität außerhalb ihres goldenen Käfigs zu öffnen. Mit ein paar vermeintlich cleveren philosophischen Einwürfen können sie auch nicht wirklich Intellekt und Bildung vortäuschen. Man ist dann doch froh, dass sie lediglich Romanfiguren sind und es da draußen eine wirklich interessierte und engagierte Jugend gibt, die viel eher Raum verdient hätte als Luise und ihre Freunde.
689 reviews11 followers
September 13, 2020
Maschinenbau und Schriftstellerei - das ist eine eher ungewöhnliche Kombination. Mercedes Spannagel kombiniert beides: Die Österreicherin studiert in Wien Maschinenbau und hat mit "Das Palais muss brennen" jetzt ihren Debütroman vorgelegt. "Abgründig, rasant und mit bitterbösem Sprachwitz" heißt es im Klappentext über das Buch vom Generationskonflikt zwischen einer korrupten rechten Elite und ihrer rebellischen Brut, das es auf die Shortlist Debüt des Österreichischen Buchpreis geschafft hat.

Ich-Erzählerin ist Luise, die Tochter der österreichischen Bundespräsidentin, einer rechtskonservativen Politikerin, die ihre Liebe eher an ihre neun Windhunde verteilt als an Luise und ihre Schwester Yara, die das Kunststudium ohne Wissen der Mutter geschmissen hat, jetzt in einem Tätowierstudio arbeitet und ansonsten ziemlich depressiv ist. Luise wiederum legt sich aus Protest gegen die Windhunde einen Mops zu, den sie Marx nennt, schwingt gerne revolutionäre Reden, hat aber in der Regel zu wenig Energie, sie umzusetzen. Eher unentschieden ist auch ihr Liebesleben. Sie verliebt sich zwar in die sportliche Jurastudentin Sef, lässt aber auch ihre On-Off-Beziehung Jo nicht fallen, der sich bisher nicht binden wollte.


Der Sprachwitz des Buches entfaltet sich eher in der Länge von Twitter-Nachrichten als in einem kontinuierlichen Fluss. Etwa wenn Luise einem Burschenschaftler "Mensur ist Menstruationsneid" entgegenschleudert. Oder wenn Spannagel Sprachbilder zeichnet wie: "Unsere Herzen waren dicke Kinder, die auf dünnem Boden sprangen. Alles bebte." Das klingt originell, geradezu poetisch. Aber über weite Strecken hinweg besteht die Rebellion der Kinder der rechten Eliten aus Sex, Drogen und Phrasen, nichts davon besonders originell.

Luise, die ihr Jurastudium eher nachlässig betreibt und auch sonst eher apathisch durchs Leben schlendert, mag sich für eine Rebellin halten, die gegen das Establishment kämpft, aber letztlich ist sie eine privilegierte Tochter und hat es aufgrund dieses Status nicht nötig, zu kämpfen oder sich anzustrengen. Ihr fehlt schlichtweg der Elan, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, lieber lässt sie sich von der Köchin im Präsidentenpalais mit Trüffelpommes versorgen.

Nach dem Klappentext hätte ich einen deutlich dynamischeren Roman erwartet mit mehr Biss. Die reizvolle Ausgangsidee fällt in der Umsetzung leider eher durchschnittlich aus. So ist eben auch Luise letztlich gefangen in ihrer eigenen Welt und muss nur dank eines Korruptionsskandals, an dessen Aufdeckung sie nicht ganz unbeteiligt war, lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Denn ihre Mutter, die der Skandal das Amt kostet, macht den Neuanfang nur mit den neun Windhunden. Der ist dann doch ein bissiger Seitenhieb auf die zweite Laufbahn von Politikern nach dem öffentlichen Amt: Sie geht als Beraterin nach Russland, "Öl oder Krieg", es sei ja eh fast dasselbe.
Profile Image for yellowdog.
855 reviews
September 10, 2020
Der Roman ist locker, angenehm verspielt und wirklich amüsant.
Von bitterbösen Sprachwitz, wie angepriesen, würde ich aber nicht gerade sprechen. Einige Dialoge sind zwar toll ironisch, aber insgesamt bleibt der Eindruck des zu harmlosen. Manches wirkt auch zu gewollt.
Mercedes Spannagel Hauptfigur Luise lässt einfach alles auf sich nur zukommen. Sie agiert meiner Einschätzung nicht wirklich, außer ein paar Aktionen und sich einen Mops namens Marx zu kaufen. Naja.

Die Vorschusslorbeeren für das Debüt waren einfach zu dick aufgetragen. Das schürte eine nicht zu erreichende Erwartungshaltung.
Ich würde das Buch irgendwo im mittleren Bereich bewerten. Kann man lesen, aber das Palais brennt nicht, es glimmt nur ein wenig.
Profile Image for Vanessa.
53 reviews3 followers
April 18, 2021
Lange kein Buch mehr an einem Tag durchgelesen. Was aber nicht daran lag, dass es mich gefesselt hat, sondern weil ich es weg haben wollte. Da investiert man so viel Geld in ein Buch, wessen Klappentext so überzeugend und interessant klang, und dann kommt eine lasche Gesichte, ohne roten Faden und mit verschwommenen, unsympathischen Charakteren her, wo gefühlt auf jeder Seite irgendein Hipstercafe oder Bar in Wien genannt wird.(gibts die wirklich?)

Das einzige was am Ende dieses Buches bleibt, ist das kurze “Kennenlernen” einer Protagonistin, die im Drogenkonsum und kindlichen Verhalten ihre Runden dreht und ihre funkelnden Elitewelt, trotz groß Töne schwingenden Reden, nicht den Rücken kehren will.
Profile Image for Sarah.
51 reviews11 followers
October 4, 2023
lag jetzt drei jahre bei mir rum, inhalt war nicht besonders. lässt sich nett weg-lesen, die art zu schreiben ist trotzdem nicht so meins.
Profile Image for moira.cuja.
65 reviews
October 13, 2020
Als Tochter der Österreichischen Bundespräsidentin zu leben ist vermutlich nicht leicht. Vorallem nicht, wenn die Mutter auch noch Teil einer rechten Partei ist und man damit so gar nichts anfangen kann. Was bleibt einem da anderes übrig als Rebellion? Die Frage ist nur wie?

Spitzbübisch und Wortgewandt baut Mercedes Spannagel dort eine Geschichte zusammen, die ich erst nicht so richtig verstehen wollte. Zwar war mir der Schreibstil sehr angenehm und gerade die Wortwitze gefielen gut. Dennoch ließ mich die Story eher enttäuscht zurück, denn politische Revolution war hier wenig zu finden. Stattdessen findet man sich wieder in einem Wust aus Drogen und Sex, Kunstaktionen deren Essenz zwar ganz cool wären, die dann aber doch keiner durchführt. Was hat es mir gesagt? Was brachte mir dieses Buch? Abgesehen von ein paar lustigen, coolen und oft auch etwas undurchsichtigen und verschwörerischen Zitaten eigentlich nichts. Vielleicht gehört es aber auch einfach zu der Art Buch, die Kunstkritiker in den Himmel loben, während jeder normal sterbliche da steht und sich einfach nur fragt wat dat denn sein soll??!
2,277 reviews13 followers
September 10, 2020
Zum Inhalt:
Luise ist die rebellische Tochter der Bundespräsidentin Österreichs. Und rebellisch ist eher harmlos ausgedrückt.
Meine Meinung:
Die Beschreibung des Buchs hörte sich für mich total interessant an, aber irgendwie konnte ich nichts mit dem Buch anfangen. Ich mochte die Geschichte leider nicht wirklich und die Protagonisten fand ich total unangenehm. Mir hat das Lesen auch keinen Spaß gemacht, weil mir auch der Schreibstil so überhaupt nicht lag.
Fazit:
Manchmal erwischt man das falsche Buch
Profile Image for Sophie.
153 reviews8 followers
July 3, 2021
Ich bin mir nicht so wirklich sicher was ich mit dem Buch anfangen soll. Zum einen fand ich es an manchen Stellen eigentlich ziemlich witzig, ich fande es auch gut dass die Hauptperson Luise nicht straight ist und auch den Schreibstil mochte ich eigentlich (obwohl es ein bisschen gedauert hat mich daran zu gewöhnen).
Aber die Beschreibung des Buches passt einfach absolut 0 auf das was im Buch überhaupt passiert und ich glaube das ist auch mit das Hauptproblem hier. Ich bin mir nicht wirklich sicher was das Buch dann im Endeffekt überhaupt aussagen wollte, weil der "Mutter-Tochter Konflikt" und auch die "Rebellin", was in der Beschreibung erwähnt wird, sich eher als Nebensache angefühlt haben.
Im Nachhinein bin ich eigentlich happy, dass ich mir das Buch "nur" aus der Bücherei ausgeliehen habe.
Profile Image for Ruben.
53 reviews
November 5, 2022
Dieses Buch ist ein wilder Ritt. Ich habe ein paar Mal gelacht und ab und an gegrinst. Oft aus Verzweiflung vor der Glaubwürdigkeit. Manchmal weil ich Zynismus schätze, oder einen Satz, oder einen Dialog. Ein Wortspiel. Einen Diss.
Einiges davon ist zitierwürdig, auszugsweise die Prinzessinnen-Geschichte auf S.76, das Hockey-Spiel auf S.91, der Hundedialog auf S.161 oder die Aussagen zum Yogakurs auf S.172

Man könnte diese Erzählung als Liebeserklärung an Sex, Drugs & Rock'n'Roll verstehen, gemessen an der Häufigkeit und Extensivität mit der Drogenkonsum und sexuelle Begegnungen/Anspielungen/Erwähnungen beschrieben werden.
Gerade durch den direkten Kontrast mit Daphnis und Chloe, das ich davor gelesen hatte, war das zusätzlich auffällig. Mythik trifft Realität. Romantische Prüderie die denkt sie wäre Erotik, trifft auf unromantische Erotik die denkt sie wäre ein zynischer Kommentar auf die verlogene Prüderie der aktuellen sexualisierten Medienlandschaft.
Verspielte Erzählung trifft auf abgehackte Prosa.
Und in diesem Kontrast (bei Daphnis und Chloe bringt es Longus trotz aller Versuche, Anläufe und Annährung auf genau eine Erwähnung von Sex, und das nur verklausuliert) musste ich einfach nochmal nachzählen:

Auf knapp 200 Seiten schafft es Mercedes Spannagel elf mal direkt Sex zu beschreiben, weitere vierzehn Mal anzudeuten, dass Sex gerade stattgefunden hat, oder gleich stattfinden wird, und weitere achtzehn Mal ihre Charaktere von Sex sprechen zu lassen.
Da ich gerade dabei war, habe ich auch nachgeschaut wie häufig Drogenkonsum (im Vergleich zu einem ihrer Protagonisten unterscheide ich erst gar nicht zwischen Drogenge- und -missbrauch) beschrieben wird: Einundvierzig Mal. Was bedeutet, dass es von den Drogen zum Sex und zurück meist nicht weit ist und die vielen Verweise auf politische und existentialistische Fragestellungen für ein Post-Millenial-Publikum ordentlich eingepackt sind. Man braucht ja Abwechslung und sinnliche Reize.

Netterweise sind die meisten der häufigen Verweise kursiv gesetzt, was den Überblick erleichtert, allerdings auch nicht alle. Inkonsistenz als Statement quasi.
Abgesehen von jeder Menge Pop-Kultur-Referenzen und Mode/Luxus-Marken, was zum Klientel gehört, kommen folgende Künstler, Philosophen, Verfasser politischer Schriften vor:

Karl Marx
Joseph Stalin
Mao Zedong
Ianina Ilitcheva
Joseph Brodsky
Roland Barthes
Werner Schwab
Marina Abramovic
Walter Benjamin
Jackson Pollock
Jean Baudrillard
Martin Kippenberger
Andy Warhol
Soren Kierkegaard
Jean-Paul Sartre
Pablo Neruda
Ernst Jünger
Hans Holbein der Jüngere
Carl Spitzweg
Ulay
Jacques-Louis David
Bernhard-Viktor Christoph Karl von Bülow
Jean Cocteau
Oscar Wilde
Albrecht Dürer
Keith Haring
Georg Kreisler (bzw. Paul Lehrer)
Ovid
Elfriede Jelinek

Man könnte sich jetzt mit den einzelnen Erwähnungen und ihrem Beitrag zur Geschichte oder Interpretation der Charaktere befassen.
Man könnte aber auch auf die Idee kommen, dass Mercedes Spannagel mit einer umfassenden künstlerischen und politischen Bildung glänzen möchte, oder sie zumindest ihrer ansonsten nur mäßig begabten und belesenen Protagonistin eingibt, um den Erwiderungen der linken Szene an eine rechte Öffentlichkeit (deren Sprachrohr die Protagonistin und ihr Umfeld darstellen) einen intellektuellen Anspruch zu verleihen. Es könnte aber auch sein, dass die Erzählung von Widerstand, zivilem Ungehorsam und einer Aufarbeitung von Familientraumata, einfach viel Raum für Input und Nachdenklichkeit liefert. Dass die aktuelle politische Situation eben nicht in Schwarz und Weiß eingeteilt werden kann, sondern man sich künstlerisch mit den Nuancen dazwischen beschäftigen sollte. Dass gerade intellektueller Protest aktuell häufig in Kapitalismus, Übersättigung und Lethargie versinkt.

Die vorgeschobene Ironie in Aussagen zur Wirkung eines solchen linken Protestes, bei denen sich die Protagonistin entweder selbst hops nimmt, oder von ihrem Arschloch-Quasi-Ex-Partner persönlich beleidigt wird, kokettiert mit Selbstkritik und politischem Fatalismus. Ist das nun Kunst? Oder kann das weg?
Es ist Kunst, und sollte nicht weg.
Auch wenn dieser Kommentar sehr kritisch wirkt, habe ich das Werk mit Vergnügen konsumiert und freue mich darauf mehr von Mercedes Spannagel zu lesen, denn die Sprache ist interessant, auf eine angenehme Art und Weise frei von Schnörkeln und kommt recht schnell zum Punkt. Sie ist unkompliziert ohne dabei aber an Anspruch zu verlieren. Sie überlässt viel den Wegen die das Gehirn des Lesers geht, im Anschluss an die einzelnen, teilweise sehr schönen, Sätze. Für mich zeigt die Jung-Schrifstellerin Potential.

Eine Empfehlung für ein linkes, intellektuelles Publikum, das sich mit dem Protest identifizieren kann und die meisten Anspielungen versteht. Für alle anderen wird die eigentliche Geschichte sehr blass bleiben, darüber helfen auch einige gut getroffene Szenenbeschreibungen und die aufblitzende Sprachpoesie nicht hinweg.
Als subversive Kritik, die ein Durchschnitts-Literaturkonsument so nebenbei mitbekommt eignet sich das Buch wohl eher nicht.
Profile Image for Nor Bert.
48 reviews2 followers
August 21, 2020
Vorab vielen Dank an den Verlag Kiepenheuer & Witsch sowie NetGalleyDE, dass ich dieses Buch für eine ehrliche Rezension vorab lesen durfte.

"Das Palais muss brennen" ist das Romandebüt der österreichischen Autorin Mercedes Spannnagel, die für ihre Texte schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Mit knapp unter 200 Seiten eher ein literarischer Snack als ein episches Werk.

Im Mittelpunkt der bitterbösen Geschichte steht Luise, deren Mutter die rechtskonservative Bundespräsidentin Österreichs ist und mit der sie sich im Dauerclinch befindet. Sie lässt kaum eine Gelegenheit aus, ihre Mutter zu provozieren: Sei es, dass sie sich als Kontrast zu deren neun edlen Windhunden einen Mops zulegt, den sie Marx tauft, oder eine High-Society-Jagdgesellschaft dadurch torpediert, dass sie deren Waffen im Swimmingpool versenkt. Auch politisch lehnt Luise die Partei ihrer Mutter ab, möchte am liebsten die amtierende Regierung durch eine Kunstaktion mit ihrer Schwester Yara zum Wiener Opernball stürzen. Doch es läuft nicht ganz so wie geplant.

Die Thematik des erstarkenden Rechtspopulismus in Europa ist brandaktuell. Der Roman zeichnet am Beispiel der österreichischen Republik scharfzüngig das realistische Bild einer tief gespaltenen Gesellschaft. Dabei ist "Das Palais muss brennen" aber keine todernste Politdystopie, sondern eine rasante, witzige Satire über Widerstand im Spannungsfeld zwischen post-pubertärer Rebellion und politischer Opposition. Mit frischer Sprache erzählt Mercedes Spannagel, wie eine vordergründig auf Moral und Ordnung pochende, darunter aber korrupte rechte Elite von ihren eigenen Kindern gestürzt werden kann. Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern regt auch zum Nachdenken an. So manchem realen Politiker würde man ein Tochter wie Luisa wünschen.

Klare Kaufempfehlung!
Profile Image for Emmi-Sophie.
8 reviews
August 27, 2025
Zuerst was mir positiv aufgefallen ist: Die zeitgenössische Sprache macht den Roman sehr kurzweilig und bringt einen mit Sprachwitz zum Schmunzeln. Es werden viele Themen angeschnitten, die z.B die reiche Elite und die gelebte Doppelmoral entlarven und belächeln lassen. Jedoch stimmt der Klappentext wenig mit dem Buch überein. Ich war gespannt, wie der Umsturz der Regierung von Lu und ihren Freund*innen auf 190 Seiten verpackt werden soll….Kurz und ohne Spoiler: Es war weniger revolutionär als erwartet. Zudem wurde meiner Meinung nach zu viel „name dropping“ von u.a. Philosophen der 80/90er Jahre verwendet. Ich habe leider mehr erwartet, Schade!
Profile Image for Miri.
195 reviews1 follower
October 17, 2020
Ich glaube ich habe schon lange nicht mehr ein Buch mit so vielen Papier Markern versehen wie dieses.

Ich bin einfach ein Riesen Fan von diesem Buch.

War bei einer Lesung mit dabei und ab diesem Moment einfach nur fasziniert.
Irgendwie ist dieses Buch so schräg, aber irgendwie einfach nur geil.
Teilweise mit Sätzen ausgestattet, dass ich mir dachte wow ok halt stop und gleich nochmal gelesen.

Ein rasantes, aktuelles und bitterböses Debüt, einfach viel zu genial um es in Worte packen zu können.
Profile Image for simon.
48 reviews
March 18, 2023
3.5

“irgendetwas (ist) immer zu cringe, bei deiner art links,
bei meiner art links.” - paroli (kafvka)
einige lustige stellen dabei. an den schreibstil musste ich mich erstmal gewöhnen, aber das war kein problem. es hat sich ein bisschen wie “high-society rebellion” mit viel zu vielen privilegien angefühlt, dennoch war es auf jeden fall unterhaltsam. aber bezüglich der politischen message eher schwach. das oben erwähnte zitat fasst es ziemlich gut zusammen.
41 reviews2 followers
February 28, 2021
Interessant, witzig und klug geschrieben, aber die Story ist total abgedreht. Teilweise war es schwer, der Handlung zu folgen. Außerdem sind die Charaktere etwas unsympathisch. Allerdings schnell gelesen.
15 reviews
December 13, 2020
Unterhaltsames Buch, spielt mit Privileg und Überzeugungen. Lustige Szenen die viel Widersprüchlichkeit im Verhalten der Personen des Buches aufzeigen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Kati.
101 reviews3 followers
April 5, 2021
Artifiziell-verderbte, überkandidelte, zutiefst bös-lustige, sehr pointierte Abrechnung. Amüsant!
Profile Image for Theresa.
6 reviews1 follower
June 7, 2021
Wow grandios. Bitte das als Abilektüre statt immer Agnes oder Homo Faber
Profile Image for anne.
62 reviews2 followers
April 11, 2022
nichts hat mich im leben mehr enttäuscht als dieses buch! würde am allerliebsten vergessen, was ich da gelesen habe.
16 reviews
August 1, 2025
Interessant, witzig und klug geschrieben, aber die Story ist total abgedreht. Teilweise ist es schwer, der Handlung zu folgen. Außerdem sind die Charaktere etwas unsympathisch. Aber schnell gelesen!
Displaying 1 - 30 of 33 reviews

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