Mit „Das Glück auf der letzten Seite“ von Cathy Bonidan, hat die Buchhändlerin meines Vertrauens mal wieder einen Volltreffen gelandet. In etwa einmal im Monat kaufe ich ein Buch auf ihre Empfehlung, auch wenn ich von mir aus vermutlich nicht dazu gegriffen hätte. So war es auch bei diesem Buch, einem Briefroman, der einige Monate in meinem SUB vor sich hingedümpelt ist. Ich hatte auch jetzt keine Lust auf die Geschichte und habe entsprechend geringe Erwartungen an das Buch gehabt. Doch siehe da, die Überraschung ist gelungen, denn ich habe das Buch gefeiert. Vermutlich war jetzt die Zeit und meine Leseeuphorie einfach perfekt für die Geschichte.
Mitelpunkt der Geschichte ist ein unveröffentlichtes Manuskript, das Anne Lise, einer Französin Mitte-Ende 40 zufällig in die Hände fällt. Da sie der Text tief berührt hat schickt sie das Manuskript an eine in der Geschichte verzeichnete Adresse und bekommt auch prompt Antwort: von Sylvestre, dem Verfasser der Geschichte selbst, der ihr erzählt, dass er das Manuskript vor gut vierzig Jahren auf einem Flug nach Kanada verloren hat. Anne-Lise spannt ihre Freundin Maggy ein und gemeinsam machen sie sich daran, den Weg des Manuskripts während der letzten vierzig Jahre zu rekonstruieren. Was sich bei dieser Recherche alles ereignet, auf welche Menschen sie treffen, die alle Sylvestres Text gelesen haben, ist absolut zauberhaft.
Ich liebe die Anne-Lise, die sich in Dinge einmischt, die sich nichts angehen (was ihr selbst durchaus bewusst ist), die neugierig ist und nicht locker lassen kann, bis sie ihr Zeil oder ihre Ziele erreicht hat. Auch ihre Freundschaft zu Maggy liebe ich. Wie oft habe ich über die beiden schmunzeln und sogar laut lachen müssen. Aber auch alle anderen Menschen, die ihren Weg kreuzen sind Menschen, wie Du und ich, die ihre eigenen Geschichten haben und sich echt anfühlen, jede auf ihre ganz eigene Art. Ich fühlte mich wie ein Teil von ihnen, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass ich Sylvestres Idee grandios fand zu einem Treffen all jener, deren Leben seine Geschichte in den letzten 40 Jahren gekreuzt hat. Den Trubel, das Gelächter, die Wärme zwischen diesen so unterschiedlichen Menschen, die sich ohne das Manuskript nie kennengelernt hätten, war so sehr greifbar, dass ich bei diesem Treffen gerne dabei gewesen wäre. Das kann ja nur gut werden, wenn sich Lesefreunde treffen!
Mag sein, dass das Ende, die Auflösung ein wenig zu rosarot geraten und ein bissl Kitsch gestreift hat, aber für mich war das in diesem Fall wirklich gut ertragbar, da ich die Charaktere einfach liebgewonnen habe und man sich dann einfach für sie für dieses Ende freut. Ein Wohlfühlroman mit einer wundervollen Sprache und liebenswerten Protagonist*innen, der mich zum richtigen Zeitpunkt erwischt hat und den ich gerne weiterempfehle.