Hat man als Frau schlechte Laune, heißt Hast du deine Tage? Dabei besteht der Zyklus aus mehr Phasen als der Menstruation und den Tagen dazwischen. In jedem Lebens- und Zyklusabschnitt nehmen unterschiedliche Hormone Einfluss auf den weiblichen Körper - deshalb gibt es für eine Frau bessere oder schlechtere Zeitpunkte, um eine Gehaltsverhandlung zu führen, ein schwieriges Gespräch zu suchen oder eine große Anschaffung zu tätigen. Diese Stimmungsschwankungen können soweit führen, dass sich Frauen vor allem in der zweiten Zyklushälfte selbst nicht wieder erkennen. Sina Oberle erklärt in ihrem Buch, wann welche Hormone im weiblichen Körper aktiv sind, was sie mit dem Wohlbefinden machen und wie du sie optimal für deine Lebensführung nutzen kannst. Außerdem erklärt sie, wie du deine psychischen Beschwerden vor der Regelblutung in den Griff bekommst.
Kurzfassung: Wie ignorant gegenüber bestehenden Strukturen kann man sein? Sina Oberle: Ja!
Noch kürzer: Unwissenschaftlich, esoterisch, gibt bestimmt bessere Bücher zum Thema
Langes Review: Leider bin ich nicht Mal bis zu dem Teil gekommen, der mich interessiert hätte (Zyklus), da ich dieses Buch abbrechen musste, da die Autorin merkwürdige Ideologien vertritt, welche zu erwähnen in einem Buch zum Thema Zyklus/Aufklärung nicht nur absolut unpassend ist, sondern auch Schaden anrichten kann (Stichworte: "gaslighting", und auch im weitesten Sinne "victim blaming" wird betrieben)
Auszug, der Stelle, an der ich dann schlussendlich abgebrochen habe: ... Ich selbst bin keine Frau, die für den Feminismus kämpft. Wieso sollen wir Frauen dafür kämpfen? Machen wir es doch einfach, sind wir einfach Frauen in voller Freiheit. Und genau das versuche ich. Der Schlüssel liegt für mich in unserer eigenen Mitte. Wenn wir Frauen es schaffen, eins mit unserem Körper zu werden, auf Signale zu reagieren, und das tun, was wir tun möchten, dann ist das für mich eine gesunde Freiheit. Wir Frauen können alles sein, wenn wir das möchten: eine einfühlsame Mutter, eine zielstrebige Arbeiterin und eine feinfühlige Partnerin. All das liegt in unserem Naturell...
Die Autorin behauptet hier ernsthaft Feminismus wäre unnötig, weil man ja einfach mal nur "machen" muss. Man kann alles sein, was man möchte. Ein Schlag ins Gesicht für alle erwerbsarbeitabhängigen/alleinerziehenden/... Personen (dass die ganze Zeit immer nur von Frauen die Rede ist, nicht von menstruierenden Personen werde ich gar nicht weiter ausführen)! Man ist quasi selber Schuld, wenn wir es nicht „schaffen, eins mit unserem Körper zu werden"... Da es laut Oberle ja keinen Grund gibt, zu "kämpfen", muss das patriarchale System, das Menschen nicht nur krank macht, sondern effektiv tötet, wohl nicht abgeschafft werden... Wir können alles sein, was wir wollen und tun was wir möchten, es liegt ja in unserem Naturell... Was uns davon abhält? Wohl wir selbst, und nicht schlechte Bezahlung, zu lange Arbeitszeiten, lückenhafte Kinderbetreuung, körperliche und psychische Erkrankungen etc etc Auch Erkrankungen von Uterus etc wie zB Endometriose sind deshalb schlecht erforscht und es gibt aktuell noch keine Heilung. Grund dafür ist, dass jahrhundertelang nur der männliche Körper in der Medizin eine Rolle spielte. (Stichwort Gender Medizin)
Das Ganze ist mir einfach zu "girlbossy", klassistisch und aus extrem privilegierter Position gedacht 🤮. Ich kann der Autorin nur ans Herz legen, Beatrice Frasls "Patriarchale Belastungsstörung. Geschlecht, Klasse und Psyche" zu lesen, da hier diese Themen unfassbar gut erläutert werden.
Und: warum sind Rezepte inkludiert? Hätte es nicht genügt das Thema gesunde Ernährung zu erwähnen?
Das Buch eignet sich gut als Einstieg in das Thema, kratzt aber meiner Ansicht nach nur an der Oberfläche. Für mich sind noch viele Fragen und Zusammenhänge offen, was aber nicht heißt, dass ich durch das Buch nichts lernen und für mich mitnehmen konnte. Ich möchte mich auf jeden Fall weiter in das Thema einlesen. Das Buch ist nicht sehr wissenschaftlich geschrieben, falls das jemand erwartet, und teilweise wiederholt sich die Autorin in den einzelnen Kapiteln. Sehr gut und lecker finde ich die enthaltenen Rezepte. Aus meiner Sicht wird jedoch viel "um den heißen Brei" herum geschrieben und ich habe die ganze Zeit auf das "Highlight" gewartet, das irgendwie ausblieb. Insgesamt daher für mich eher ein Denkanstoß als wirklich ein hilfreicher Ratgeber.