"Kästner ist mit jedem Gedichtband ein lyrischer Reporter seines Zeitalters. Die Menge tut es. Das sind keine einzelnen Gedichte mehr, das sind Kollektionen von Gedichten, die zur Biographie ganzer Klassen und Schichten von Deutschen gehören." So Hermann Kesten über Erich Kästner.Der Gedichtband "Herz auf Taille" erschien erstmals 1928: zehn Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, fünf Jahre vor dem "Tausendjährigen Reich". Ein maßgeschneidertes Herz gab es freilich auch damals nicht, Kästner erfand jenes "auf Taille". Das ist halb Lyrik, halb "Schnauze mit Herz", und es ist mit Recht unvergessen geblieben. Dieser Band enthält zudem die ebenso originalen wie originellen Zeichnungen der Urausgabe von Erich Ohser. ("Die ganzseitigen Bilder dürfen über das Sofa gehängt werden", meinte Kästner dazu.)"Die Zeit fährt Auto. Doch kein Mensch kann lenken.Das Leben fliegt wie ein Gehöft vorbei.Minister sprechen oft von Steuersenken.Wer weiß, ob sie im Ernste daran denken?Der Globus dreht sich und geht nicht entzwei."Das etwa ist die Tonart von "Herz auf Taille". Es gibt eine Generation, die das auswendig konnte. Es wird eine andere geben, die das wieder auswendig lernen will, weil es frisch gedacht ist wie "am ersten Tag".
Erich Kästner (1899–1974) was a German author, poet, screenwriter and satirist, known for his humorous, socially astute poetry and children's literature. A stout pacifist and democrat, he was expelled from the national writers' guild during the Nazi era, with many of his books being burned in public. Today, he is widely regarded as one of Germany's most prolific and beloved children's book authors.
Herz auf Taille ist der erste Gedichtband (sein erstes Buch überhaupt btw!) von Erich Kästner und erstmalig 1928 erschienen. Kästners Gedichte werden unter "Gebrauchslyrik" gefasst, ein Genre, das er maßgeblich (mit-)prägte. Im Vorwort von 1965 erklärt Kästner die Genese des Begriffs und was es damit auf sich hatte: "Das Buch erschien und hatte, bei Freund und Feind, Erfolg. Nur so sei zur Zeit Lyrik möglich, schrieb man. Und man schrieb, es sei überhaupt keine Lyrik. Nun, es war Anklage, Elegie, Satire, Feuilleton, Glosse, Ulk, Frivolität, Epistel, Pamphlet und Bänkeltext. Und wenn’s keine Lyrik war, konnten wir den Kritikern auch nicht helfen. Man musste sie nicht einmal bedauern. Es gab ja noch Lyrik, schlechte und sogar gute, zur Genüge! Ganz und gar verschwand das literarische Unbehagen erst, als das Schlagwort »Gebrauchslyrik« auftauchte. Mit diesem Etikett war die bedrohte Etikette wieder hergestellt. Und die Platzanweiser atmeten erleichtert auf. Aber das politische Unbehagen wuchs. Mit der ›Gebrauchslyrik‹ schien man sich auch abgefunden zu haben, doch keineswegs mit dem Gebrauche, den ich und andere davon machten. Zeitgedichte gegen Zeitgeschichte, ein ungleicher Wettkampf!"
Ich erkenne an, dass Kästner in seinen Gedichten oft den Finger in die Wunde legt; spricht er doch die soziale Ungleichheit, die prekäre wirtschaftliche Lage der Angestellten, die "Untertanenmentalität", den Militarismus und Chauvinismus reaktionärer Kreise an. Da hier auch frühe Gedichte von 1924 erscheinen, spielt die Inflationszeit mit ihren sozialen und ökonomischen Folgen eine größere Bedeutung als in späteren Gedichtsammlungen.
Dennoch war der Gedichtband im Großen und Ganzen nichts für mich und ich konnten mit vielen Gedichten überhaupt nichts anfangen – weder auf sprachlicher noch auf inhaltlicher Ebene. Erschwerend hinzu kommen die krass rassistischen Be- und Zuschreibungen in vielen Gedichten (das N-Wort wird unglaublich oft gedroppt; Schwarze Menschen werden als "Menschenfresser" und Schwarze Frauen als "M*-Köpfe", die "steif wie Schokoladeneis" sind beschrieben etc. etc.), die mich wenig überraschen (weißer deutscher Dichter der 1920er-Jahre), aber trotzdem nicht verzücken.
In Bezug auf Frauen bricht Kästner viele Tabus (Abtreibungen, außerehelichen Sex, Prostitution etc. werden verhandelt), aber auch mit den vermittelten Frauenbild habe ich (in Teilen) meine Probleme, da Frauen von Kästner oft auf ihre Körper (als "Ausflugsorte" für Männer) reduziert werden. Besonders schlimm fand ich den "lustigen" Ton im Gedicht über ein 14-jähriges Mädchen, das von ihrem Bruder sexuell belästigt und ihrem Nachbarn und Lehrer vergewaltigt wird. Dazu dann noch die geschmacklose Zeichnung Erich Ohsers von dem Kind in "anzüglichen" Posen. Bah. Einfach nur widerlich.
Dennoch möchte ich zwei Gedichte mit euch teilen, die ich wirklich schön fand und die der Grund für die 2-Sterne-Bewertung sind. Yes, you read that right. Ansonsten wäre das hier eine 1-Sterne-Veranstaltung für mich gewesen. Bei den zwei Gedichten handelt es sich um "Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?" und "Herr im Herbst".
Mit dem ersten der beiden parodiert Kästner das berühmte Lied "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?" Johann Wolfgang von Goethes. Kästners Gedicht ist von seiner pazifistischer und antimilitaristischer Grundhaltung geprägt. Kästners Gesellschaftskritik tropft aus jeder Zeile: "Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn? / Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen! / Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn / in den Büros, als wären es Kasernen. [...] Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen / und mit gezognem Scheitel auf die Welt. / Dort wird man nicht als Zivilist geboren. / Dort wird befördert, wer die Schnauze hält." Es verwundert nicht, dass Kästners Bücher zur NS-Zeit verbrannt wurden und er selbst mehrfach verhört wurde und ein Publikationsverbot bekam.
Das Gedicht "Herr im Herbst" finde ich so toll, weil es mir wie ein Vorläufer zu Kästners letztem Gedichtband Die 13 Monate (aus den 50er-Jahren) scheint. Dort finden wir so zauberhafte Zeilen wie: "Nun wirft der Herbst die Blätter auf den Markt." oder "Das Jahr wird alt und zieht den Mantel an." oder "Wozu die Blätter bunt sind, wenn sie fallen? / Na ja, man muß nicht alles wissen wollen. / Mir gehts nicht gut. Und ähnlich geht es allen." Eine ähnliche Zeilen (über die Vergänglichkeit des Lebens und der Welt) findet man auch in "Die Zeit fährt Auto": "Die Zeit fährt Auto. Doch kein Mensch kann lenken. / Das Leben fliegt wie ein Gehöft vorbei."
In diesen Zeilen brilliert Kästner. Da gefällt er mir richtig gut. Mit der Gebrauchslyrik des jungen Mannes, der ziemlich oft durchblicken lässt, wie viel Sex er hat (inkl. Spiegel vor und über'm Bett...), kann ich eher weniger anfangen. Let's just say it's the duality of men. ;)
"Herz auf Taille" ist Erich Kästners erstes Buch, eine Gedichtsammlung, die im Jahr 1928 veröffentlicht wurde. Das Werk bietet einen aufschlussreichen Einblick in das lyrische Schaffen des jungen Erich Kästner.
Die Gedichte in dieser Sammlung sind vielseitig und abwechslungsreich. Kästner präsentiert eine breite Palette von Themen und Stimmungen, die von humorvollen und leichtfüßigen Versen bis hin zu tiefsinnigen und gesellschaftskritischen Gedichten reichen. Dies sind vor allem Charakteristiken seiner frühen Veröffentlichungen und wurden mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten leider seltener. "Herz auf Taille" befasst sich mit Fragen der Liebe, der Politik, des Alltagslebens und sozialer Veränderungen. Kästner scheut sich nicht, den Aufstieg der Technik, die allgegenwärtige Schnelllebigkeit der Gesellschaft und die dominierende rückwärtsgewandte politische Haltung kritisch zu beleuchten.
Eine bemerkenswerte Eigenschaft von Kästners Schreibstil ist seine Fähigkeit, komplexe Themen auf eine einfache und klare Weise anzusprechen. Dies ermöglicht es ihm, eine breite Leserschaft anzusprechen und ihnen einen Spiegel vorzuhalten. Es ist daher nicht überraschend, dass nach der Veröffentlichung von "Herz auf Taille" die Aussage aufkam: "Seit Kästner liest man wieder Gedichte." Seine Worte behalten auch fast 100 Jahre nach ihrer Entstehung ihre Relevanz und Aktualität bei.
„Da sitzt er nun und deutet damit an, daß Bildungsmangel gräßlich schaden kann. Es ist der Tiefsinn dieses Sinngedichts: Lernt fremde Sprachen! - Weiter will es nichts.
Anlässlich des 125. Geburtstages, den Erich Kästner heute feiern würde, habe ich Gedichte von ihm gelesen. Seine offene Art spricht Bände und begeistert mich.
Ebenfalls ein toller Gedichtsband, auch wenn auch hier natürlich bei weitem nicht alle drin sein können. Dafür hat Kästner einfach zu viel geschrieben (ein Gesamt-Gedichtband wäre also wünschenswert). Inhaltlich brauche ich nichts mehr sagen, denke ich, denn wir reden über Erich Kästner! :-)
Der beste deutsche Dichter fuer mich ist bestimmt Erich Kaestner mit seinen ironischen, unglaublich dramatischen und schoenen Gedichten ueber einfache Leute, die ueberleben wollen.
Kästners erster Gedichtband von 1928. Wie immer macht mir Erich Kästner viel Spaß, aber im Vergleich zu späteren Werken fehlt mir ein wenig der Flow, sowohl in vielen der einzelnen Gedichte als auch in der ganzen Sammlung.
Die Gedichtsammlung von Erich Köstner finde ich nett. Es geht um viele Facetten der Zwischenkriegszeit. Ich werde allgemein mit Gedichten nicht warm aber die Sammlung ist ein netter kleiner Eniblick in die Zeit.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Wie schon beim Lesen von „Lärm im Spiegel“ waren Kästners Gedichte für mich Licht und Schatten. Als stärkste Licht empfand ich „Knigge für Unbemittelte“, was sich wie eine böse Vorahnung der bald folgenden NS-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg liest: „Sterbt höflich und sagt Danke sehr.“.
Kästners erster gedichtband wartet bereits mit klassikern wie dem chemisch gereinigten weihnachtslied oder dem kanonenblühenden land auf. Frisch, frech und völlig absurd.