Nur die stärksten überleben in der Stadt der Gefallenen und Vergessenen... Nichts für schwache Nerven!
Vorsicht, kann Spoiler zu den "Schattenchroniken von Ereos" enthalten!!
Die "Schattenchronik von Ereos" sind ja schon ein geniales Werk, doch nun hat Benjamin Keck das wohl dunkelste, brutalste und blutigste Prequel dazu erschaffen, das man sich nicht mal in seinen finstersten Träumen hätte ausdenken können. Die bisherigen Abenteuer in Ereos wirken im Vergleich dazu ein wenig "harmlos", aber in Tul weht eh ein ganz anderer Wind. Tul ist die Stadt der Gefallenen, der Vergessenen. Blut, Gewalt, das Ringen um Macht und der tägliche Kampf ums Überleben sind das einzige was zählt. Denn nichts ist umsonst und alles hat seinen Preis. Nur die Stärksten und die Cleversten überleben hier. Das Setting hat der Autor grandios erdacht, aufgebaut und noch genialer umgesetzt. Nicht nur die selbstgestaltete Karte ist ein Hingucker, sondern auch das Cover und die Buchgestaltung fangen die Geschichte um Tul schon sehr gut ein. Die Atmosphäre ist mehr als düster und bedrückend, was der Autor sehr gut einfangen konnte und den Leser auf mehr als nur einer Seite spüren lässt. Gelegentlich lief es mir kalt den Rücken runter und meine Fingernägel mussten sehr dran glauben. Ich kam aus dem Staunen vor diesem Grauen und den Untaten in dieser Stadt fast nicht mehr heraus. Versteht mich nicht falsch, es wirkt in keiner Weise überladen, übertrieben oder ähnliches. Es passt einfach so gut in diese Story und allem drum und dran. Das ist Tul, ganz einfach. Wie Benjamin Keck hier diese Welt erschaffen hat, hab ich so noch nicht erlebt. Ganz zu schweigen von seinen Charakteren. Und da kommen wir auch schon zu unserer Protagonistin, Evva. Von klein auf lebt Evva in Tul und kämpft wie alle anderen ums Überleben und darum einen Weg zu finden, endlich aus diesem Loch zu verschwinden. Auch wenn es sonst keiner mehr tut, sie hofft und kämpft dafür, Tul endlich den Rücken kehren zu können. Aber kann sie es auch schaffen? Mit ihrem besten Freund Toto an ihrer Seite muss sie schnell lernen, dass alles seinen Preis hat und jeder nur eine Figur in einem Spiel um Macht und Reichtum zu sein scheint. Im Kampf gegen die "Kinder des Lichts" und ihrem Priester, anderen Schreckgestalten in allen Formen und Größen sowie den brutalen Wachhunden der Gefängnisstadt, die niemanden entkommen lassen, ist es sehr schwer jemanden zu finden, dem man vertrauen kann. Evva muss das mit viel Leid und Schmerz lernen und ertragen. Aber das allein macht sie nur entschlossener und stärker. Es ist wirklich genial zu lesen und mitzuerleben, wie Evva sich entwickelt und langsam zu der jungen Frau wird, die man aus den Schattenchroniken kennt. Man leidet mit ihr, kämpft mit ihr, lacht mit ihr und weint mit ihr. Und das mehr als einmal... Mit ihr hat der Autor wirklich eine Protagonisten erschaffen, die einem sofort ans Herz wächst und die einen nicht mehr loslässt. Sie in dieser finsteren Umgebung aufwachsen zu lassen, das gleicht schon einem fiesen und gemeinen Plan. Aber es passt, so makaber es auch klingen mag, Evva muss diesen Weg gehen. Wie sie ihn beschreitet und wie sie am Ende angelangt, das solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Ich kann dieses Buch wirklich sehr empfehlen, doch vorsicht, es ist nicht unbedingt für Zartbesaitete geeignet!