KLARE NICHT-EMPFEHLUNG
Ich werde mich auf die prägnantesten Sachen konzentrieren, die mir aufgefallen sind und wegen denen ich klar von diesem Buch abrate. Hier die Kurzfassung als Stichpunkte für jeden, der keine Lust hat meine Monsterrezi zu lesen.
Romantisierung von toxischen Verhaltensweisen und sexuellem Übergriff. (Mehrmaliges Eindringen ins Haus der Ex und Stalking; 6-Mal "Nein" wir ignoriert und die traurige Kindheitsgeschichte törnt den Typen weiter an.)
Sexismus. (Sehr, Sehr offensichtlicher Sexismus, der keinesfalls wirkt als sei er bewusst oder gekonnt umgesetzt. "Sie war alles was ein Mann sich wünschen konnte.")
Der Weltenbau ist unnötig umfangreich, enthält zahlreiche Widersprüche und bricht mit dem eigenen Magiesystem
Konsistenz ist nicht vorhanden. (Sowohl bei etablierten Informationen als auch bei den Figuren)
Konstruktion (Protagonisten bis zum Schluss passiv, kaum Foreshadowing, sehr lange Einleitung)
Nun zur ausführlichen Erklärung. Ich habe es nicht als Spoiler gekennzeichnet, da beschriebene Stellen keinen Einfluss auf das eigentliche Plotgeschehen haben, das im Klappentext versprochen wird.
Romantisierung von toxischen Verhaltensweisen und sexuellem Übergriff.
Das Buch beinhaltet drei Protagonisten. Zwei männlich, eine weiblich. Bei beiden männlichen Hauptfiguren werden an wirklich vielen Stellen ihre Verhaltensweisen romantisiert. Anders dringt mehrmals in das Haus seiner Exfrau ein, einmal sogar mitten in der Nacht mit gezogener Waffe in das Kinderzimmer seiner 8-jährigen Tochter. Dennoch wird durch Erzählstil und Reaktion der Figuren (Tochter und Ex) das ganze als romantisch und heldenhaft dargestellt. Nachdem er mehrmals das Haus stalkt und trotz des nächtlichen Vorfalls, bittet ihn seine Exfrau später um Hilfe......wegen Albträumen. Sie weiß von dem Monster nichts wohlgemerkt. Für sie sind es die normalen Albträume eines Kindes.
Thalar geht dagegen in Richtung sexuelle Belästigung. In einer Szene zeigt das Objekt seiner Begierde insgesamt 6-mal sehr eindeutig Unwohlsein und drückt das auch verbal aus. 3-Mal sagt er "Hör auf." In einer anderen Szene insgesamt 3 Zeichen von Unwohlsein. In beiden Fällen interessiert Thalar das nicht und er macht weiter. Am Ende wird er sogar belohnt. Nuallán nimmt romantisch seine Hände und erzählt ihm von seiner traurigen Kindheit.......was Thalar weiter antörnt........
Sexismus
Dieser beschränkt sich nicht ausschließlich auf die männlichen Figuren. Anders spricht seiner Exfrau konsequent ihre eigenen Wünsche und Entscheidungen ab. Er stellt ihre Trennungspläne als "Phase" und "Irrtum" dar. Dies wird durch den Erzählstil nicht als individuelle Sicht des Charakters etabliert, sondern auch hier wieder belohnt. Denn seine Frau knickt immer und immer wieder ein. Anders wird währenddessen durchgängiger als der Beschützer dargestellt. Beschützer seiner armen wehrlosen Mädchen. Dabei ist ihm die Sicherheit seiner Tochter am Ende doch nicht wichtiger als das Bild das sie von ihm hat, denn aus Angst, dass sie in ihm nicht mehr den perfekten Beschützer sieht spricht er zwei Monate lang nicht mehr mit seiner Tochter.
Thalar toppt das ganze noch. Es finden sich gleich zwei Stellen an denen einer weiblichen Figur, die sehr eindeutig als weiblich beschrieben wird, ihr Status als Frau abgesprochen wird allein auf der Basis, dass sie nicht "weiblich" klingt. Eine andere weibliche Figur wird dann doch tatsächlich mit dem Spruch vorgestellt: "Sie war alles was ein Mann sich wünschen konnte." Das bedeutete, so wurde es direkt danach ausgeführt, dass ihr Vater eine gute Abstammung habe und sie selbst fürsorglich und schön sein. Das ist wirklich alles was wir über diese Frau erfahren.
In Nereidas Sicht tritt Sexismus zwar weniger prägnant zutage, aber auch hier ist er zu finden. Da er wie gesagt aber weniger prägnant und offensichtlich ist wie bei den beiden Herren, werde ich es hier nicht näher erläutern.
Der Weltenbau
Was auf dem ersten Blick wie ein spannendes Konzept klingt, erweist sich an vielen Stellen als unausgereift und undurchdacht.
Es wird von einer Welt gesprochen, die eine Dunkelheit wie sie bei uns der Fall ist nicht kenne. Auf wirklich vielen, vielen Seiten danach ist es aber kein Problem diese angeblich nicht existierende Dunkelheit zu finden. Wächter laufen mit Lampen durch die Gegend, weil sie bei Nacht nichts sehen, sie müssen in einer Höhle ein Feuer entzünden, um die durchdringende Finsternis zu vertreiben in der selbst Anders mit seiner "Nachtsicht" nicht sehen kann und so weiter.
Das Magiesystem wird nicht eingehalten. Obwohl es gefühlt tausend Variationen gibt wie sich Gewirrspinnerei äußern kann, wodurch wirklich alles möglich ist, wurde zwischendurch einfach eine komplett andere Magiesorten genutzt, die nichts mit dem etablierten Magiesystem zu tun hat.
In Nereidas Sicht erfolgen einige Infodumps, die definitiv unnötig waren. Entweder waren sie für die gesamte Geschichte nicht relevant oder der erklärte Sachverhalt erklärte sich kurz nach dem Infodum von selbst, anhand eines viel anschaulicheren praktischen Beispiels.
Die Valahari (Das dominante Volk in Ranulith) unterscheiden sich sehr deutlich von den Menschen, aber es laufen exakt die gleichen Nutztiere herum wie bei uns.
Obwohl das Portal zwischen der Erde und Ranulith sehr lange geschlossen war und KEIN Kontakt zwischen den Völkern möglich war, gibt es gleich mehrere, die unsere Sprache (in dem Fall englisch) flüssig sprechen. Zudem können sie komplizierte Fachwörter ihrer eigenen Sprache in Menschensprache übersetzen.....kennen aber das Wort Zaubern nicht?
Konsistenz
Die größte Inkonsistenz ist wohl bei den Figuren.
Eine Figur wird uns beispielsweise vorgestellt und es wird etabliert, dass sie Zwielicht- und Dunkelwesen hasst. Also Anders und Atlar und damit die Hauptcharaktere aus Anders Sicht. Ein paar Seiten später lacht sie freundschaftlich mit ihnen, dann wirft sie ihnen wieder hasserfüllte Blicke entgegen, dann erzählt sie Anders ihre traurige Hintergrundgeschichte und dann will sie ihm wieder am liebsten Nichts über Ranulith erzählen.
Mehrmals vergaß eine Figur was einige Szenen oder Kapitel vorher geschehen ist und war dann überrascht als sie sich wieder damit befassen musste. Diese Gelegenheit wurde dann genutzt, um noch einmal die gedankliche Auseinandersetzung zu dem Thema zu wiederholen. Andere Sachen wurden komplett fallen gelassen sobald sie "abgehakt" waren, wie beispielsweise Anders schwere Alkoholsucht. Er macht einen kalten Entzug durch und denkt danach nie wieder an Alkohol. Einfach so.
Aber es gibt auch so etwas wie negative Konsistenz. Konsistenz an einer Stelle an der Diversität angebracht gewesen wäre. Ich rede davon, dass aus irgend einem Grund die meisten "Bösewichte", die irgendwie gruselig wirken sollen, hämisch lachen. Die Kobaltkrieger lachen, das Monster unter dem Bett von Anders' Tochter lacht, die böse Königin lacht. Es sind alle am Lachen.
Konstruktion
Alle drei Protagonisten bleiben bis zum Schluss passiv. Es gab eine Stelle an der Anders mit einem eigenen Plan um die Ecke kam, aber es war offensichtlich, dass dieser Scheitern musste, da er dem Klappentext widersprach. Es haben bei Anders Nebenfiguren entschieden was gemacht wird, bei Thalar hat eine Nebenfigur entschieden was gemacht wird und Nereida machte den Eindruck als sei sie nur dazu da, um ein wenig Boshaftigkeit der Königin und Infos zum Weltenbau zu transportieren.
Daher überraschte es mich auch nicht, dass sich am Ende des Buches fast nichts getan hat. Der große Diebstahl von Elrojanas wertvollstem Besitz? Sie haben es nach 500 Seiten nicht einmal zur Stadt geschafft. Die große Revolution? Es hakte schon bei den Vorbereitungen. Über einen Angriff oder eine Initative ihrer eigenen Seite wurde nicht einmal gesprochen.
Alle Plot-relevanten Entwicklungen kamen zu den Figuren hin. Das meine ich wörtlich. Es gab eine Stelle, da kamen Verbündete einfach so zu Besuch und haben ihre Hilfe angeboten. Kämpfe kamen zwar vor, doch sie wirkten sehr episodisch.... unsere Helden gerieten eher aus Versehen hinein als, dass sie aktiv danach suchten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Eine große Enthüllung zwischendurch wirkte hochgradig unglaubwürdig, da man in den fast 10 Kapitel, die man in unserer Welt zubrachte keinen einzigen Hinweis darauf erhielt, dass die Aussage tatsächlich der Wahrheit entspricht. Solides Foreshadowing wäre nötig gewesen, wurde aber nicht eingebracht.
Einige Kapitel und Szenen, vor allem am Anfang, hätten getrost gestrichen werden können. Das hätte den Plot in vielen Fällen gar nicht, in manchen nur minimal beeinflusst. Dadurch hätte aber verhindert werden können, dass fast 150 Seiten gebraucht werden bis Anders überhaupt in Ranulith ankommt. Nach 200 Seiten war immer noch nicht alles aus dem Klappentext erfüllt denn bis er dann auch tatsächlich aufbricht vergeht noch mehr Zeit.
Ein Fazit brauche ich an dieser Stelle wohl nicht mehr schreiben. Das war definitiv der Flop meines Jahres.