Ivo wusste immer schon, dass er besonders ist. Besonders cool, besonders talentiert, besonders attraktiv. Alle wussten es, seine Familie, seine Jugendtrainer, seine Freunde im Käfig. Jetzt ist er einer der bestbezahlten Fußballer der Welt. Er verdient 100.000 Euro in der Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken. Wie koordiniert man eine Affäre, wenn man eigentlich keine Freizeit hat? Lässt Ivos Leistung auf dem Spielfeld nach? Und was macht eigentlich seine Frau, während er nicht da ist? Einmal in Ivos Gedankenwelt eingetaucht, lässt sich Tonio Schachingers Debütroman schwer aus der Hand legen. Es ist nämlich dieser rotzige, witzige und originelle Ton des Erzählers, der vom ersten Satz an fesselt. Gespickt mit Wiener Milieusprache und herrlichen Fußballmetaphern gibt der Roman Einblick in das Schauspiel des Profisports und entlarvt seine Spieler als Schachfiguren auf einem kapitalistischen Spielfeld. "Als Ivo jung war, gab es nur einen Ort: ihn selbst. Alles andere, der Fußball, Brügge, London, Hamburg, die Clubs, Autos und Restaurants, waren nur Kulissen, die hinter ihm vorbeigetragen wurden, aber er war der Mittelpunkt, die Sonne, um die sich alles dreht."
Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2019 Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019 Schöner scheitern mit Tonio Schachinger: Der Roman funktioniert eigentlich nicht, aber wie dieser Text im Bugatti mit Goldfelgen gegen die rote Ampel kracht, Oida!, das ist schon interessant zu beobachten. Protagonist Ivo ist ein österreichischer Fußball-Profi mit bosnischen Wurzeln, der in der englischen Premier League seine Luxus-Brötchen verdient, mit seinem Reichtum protzt, mit einer schönen Frau verheiratet ist und überall erkannt wird - kurzum: Ivo ist ein Klischee, der selbstverliebte Fußball-Proll. Und genau damit spielt Schachinger: Der reiche Macho-Kicker kämpft nämlich sehr wohl mit dem Druck, dem Rassismus, der Angst, dem Zynismus seines fremdbestimmten Leben, dem Zwang zu Leistung und Disziplin im Wirtschaftssystem Fußball. Er will frei sein, normal sein, aber er will auch das Luxus-Leben, das er als Sport-Star genießt. Er liebt seine Ehefrau und seine Kinder, aber er beginnt eine Affäre mit einer Frau, in die er als Jugendlicher verliebt war, als noch alles möglich schien. Diese Zerrissenheit steht im Mittelpunkt des Romans, und diese Prämisse ist natürlich erst Mal spannend.
Das Hauptproblem ist allerdings die personale Erzählperspektive: Die radikale Beschränktheit der Sicht, die ja ein Plus des Romans sein könnte, wirkt hier irritierend, da sie nach der Ich-Perspektive verlangt. So hat man den unzuverlässigen Erzähler in der dritten Person, der eine (absichtlich) provokante Weltsicht in (absichtlich) z.T. fragwürdiger Ausdrucksweise darlegt, ohne je über diesen Horizont hinauszugehen, und das ist erzählerisch wenig effektiv - man will das alles direkt von Ivo selbst hören, insbesondere angesichts dieser Information über unseren Protagonisten: "Ivo sind Worte egal; er weiß, dass sie nichts bedeuten." Für solche Sätze, und davon hat das Buch (aus Worten, Sie verstehen) durchaus einige zu bieten, muss man Schachinger gratulieren. Es sind diese doppelbödigen Momente, in denen der Roman Spaß macht.
Außerdem ist Schachinger oft lustig und grotesk (selten bin ich als Deutsche so ausgiebig kreativ beleidigt worden! :-)), was er dann gegen die ernsteren Momente auszuspielen versteht. Der schiefe Vergleich wird hier zur Kunstform erhoben, wenn ein Cordon Bleu als "ultimatives Bild für Geborgenheit" herhalten muss (Hinweis: Die Ehefrau ist der Käse) und Calimero wie ein langweiliges Scheißkind ist, das trotzdem die Bitches bekommt. Die Fußball-Vergleiche und das durchaus vorhandene Namedropping sind ebenfalls kein Problem, auch wenn ich mir sicher bin, dass österreichische Fußi-Fans in diesen Abschnitten mehr aus dem Text ziehen können als ich.
Allerdings sind Teile des Textes einfach drüber. So könnten beispielsweise die detaillierten Beschreibungen von Ivos Obsession mit der Kombi Sex/Essen mühelos den Bad Sex in Fiction Award gewinnen. Mir ist schon klar, dass Schachinger das zur Illustration von Ivos verbal beschränkter Proll-Persona reingebastelt hat, aber "sie reiben sich aneinander, sie fallen rauf und klettern runter, sie sind wie geriffelte Chips, überall Oberfläche, Rillen, Poren" - um Himmels willen, geriffelte Chips? Die "Pussy" seiner Geliebten ist "wie ein Erdäpfelsalat aus Süßkartoffeln". Das steht da echt. Ich könnte jetzt noch Zitate über Schokoladen-Spielchen etc. einfügen, aber - you get the idea.
Alles in allem ist wohl das Problem, dass sich dieser Autor gleichzeitig über seinen Protagonisten lustig machen und Empathie wecken möchte - nicht, dass das grundsätzlich nicht möglich wäre, aber hier funktioniert es einfach nicht. Am Ende fragt sich der geneigte Leser immer noch, wer dieser Ivo eigentlich ist. Der Roman bietet also durchaus mutige Ideen, aber ihn zu lesen bedeutet auch zu beobachten, wie die Geschichte zerfasert und schlussendlich kollabiert - da hilft auch die mit dem Holzhammer reingekloppte Epiphanie des Helden nicht. Und trotzdem würde ich das nächste Buch von Schachinger sofort lesen - mir ist interessantes Scheitern lieber als solide Langeweile, und das Schachinger-Buch, an dem alles stimmt, werden wir früher oder später sicher in den Händen halten.
Die Wuchtl* in der Abseitsfalle Dieses für die Longlist des deutschen Buchpreises nominierte Werk mag vieles sein, aber „ein Roman für Fußballfans und Fußballverweigerer gleichermaßen“ – so wie er im Werbetext auf dem Buchrücken beworben wird – ist er definitiv nicht. Das kann ich als Fußballverweigerin, die aber dennoch eine gemeine Abseitsfalle zu erkennen vermag, hier definitiv unterschreiben.
Das ist insofern sehr schade, denn ich hätte den Roman gar nicht bestellt, wenn er sich in seinen Werbebotschaften nicht so explizit an Nicht-Fußballfans als Zielgruppe gewandt hätte. Alles andere wäre ja unfair, ein Werk zu bewerten, das mich schon im Vorfeld vom Thema her so gut wie gar nicht interessiert. Diese Kombi hat mich aber dann doch neugierig gemacht, und ich wollte unbedingt wissen, wie der Autor diesen Zielkonflikt, beide Gruppen gleichermaßen zufrieden zu stellen, löst. Naja, das ist auf jeden Fall gehörig in die Hose gegangen.
Der Protagonist Ivo Trifunović, mit bosnischen Wurzeln aus der Wiener Vorstadt in den Weltfußball aufgestiegen, ist ein Narziss, aber keiner von der abgrundtief bösen, spannenden Art, sondern auf eine BOBO-Spießerart: meine Häuser, meine Autos, mein Pool, meine Ehefrau, meine Kids, meine Geliebte, mein Boot, mein Job. Zudem eiert er ganz schön unentschlossen herum, ob er seine Alte (Wiener Ausdruck für Ehefrau) tatsächlich mit seiner Jugendliebe betrügen soll oder nicht. Zwar gilt für Ivo nicht das alte Simmeringer Sprichwort: Ich bin ein Fußballer, tu mir beim Denken schwer, aber wie man so einen faden, ordinären, eitlen Zauderer zum Protagonisten eines Romans machen kann, ist mir auch rätselhaft, das lockte mich jetzt auch nicht hinter dem Ofen hervor. Zudem ist der möglicherweise in Deutschland sehr goutierte, anzügliche österreichische Unterschichts-Slang, den manche, die ihn nicht kennen, als rotzfrech bezeichnen möchten, auch nicht grad das Gelbe vom Ei für mich, hatten wir doch alle mindestens ein bis zwei Mitschüler in der Klasse, die sich so machismo-sexistisch und primitiv aufführten.
Was mich aber am meisten gestört hat, sind diese inflationär verwendeten Kicker-Analogien. Der Roman kann keine Situationen oder Gefühlsregungen, also fast nichts beschreiben, ohne einen abstrusen Vergleich an den Haaren herbeizuziehen. Das ist dann genau so, als wäre man in einer Subkultur, in der es essentiell ist, wenn man den Film gesehen hat oder das Buch gelesen, ansonsten versteht man einfach nur Bahnhof. Wie soll ein Nicht-Fußballfan diese Analogien verstehen? Ronaldo ist anscheinend nicht so übel wie Messi (warum auch immer), was ist einen Panenka machen (Ja, Panenka war ein österreichischer Fußballer, aber was war typisches Verhalten für ihn?) und wer zum Teufel ist Peter Hackmair? So geht das zumindest für eine breitere Zielgruppe sicher nicht, ich kann ja nicht die ganzen Lebensgschichtln von diesen A-Z-Kicker-Promis von den 70er-Jahren bis zum heutigen Tag in den einschlägigen Zeitungen nachrecherchieren.
Und selbst wenn der Autor mal nicht nur den Fußball bemüht, kommt er ohne Analogien und Zitierungen nicht aus. Da er offensichtlich viel jünger ist als ich, die mit dem Betthupferl, Dschungelbuch, Kasperl und Petzi aufgewachsen ist, kann ich seine Filme und Fernsehserien und die darin vorkommenden Figuren überhaupt nicht interpretieren und dadurch ergibt sich für mich bei der Übersetzung der Vergleiche in Normalsprech nur ein wildes Kauderwelsch.
"Ivo hatte immer schon Mitleid mit den Bösen. Mit dem Kojoten, der in einer Scheißwüste lebt, wo es sonst nichts gibt und der jedes Mal dafür bestraft wird, wenn er seiner Natur folgt und versucht, diesen arroganten Vogel zu erwischen." […] "Die Guten sind meistens langweilige Scheißkinder, und trotzdem kriegt am Ende Calimero die Bitches und Toni, die coole Ente geht leer aus." […] "Irgendwas wird auch Simbas Vater falsch gemacht haben, damit ihn sein eigener Bruder so hasst. Klar, Scar will König sein, und König wird immer der Sohn vom König und nicht sein Bruder, aber ist es so falsch, gegen diese Ordnung anzukämpfen. Ist es falsch, wenn ein Löwe König sein will. Wenn er es nicht wollen würde, wäre es ja noch schlimmer, dann würde man ihn in die Kategorie von Bernhard Tomic und Nick Kyrgios stecken, in die Kategorie der Ausländer, die nicht genug aus ihrem Talent machen, denen es nichts mehr gibt, zu gewinnen, und die deshalb für immer Ausländer bleiben."
Hä????? Rembrandt??? WTF?? Ich kapiere wirklich nur Bahnhof. Versteht mich nicht falsch, für eine interessierte Mini-Subkultur, die mit diesen Codes aufgewachsen ist und auch noch die beiden genannten Fußballer kennt, mag das grandios sein, aber wenn ein Roman den Anspruch erhebt, für ein breites Publikum geeignet zu sein, dann ist diese Ambition aber so etwas von gehörig in die Binsen gegangen.
Jetzt sollte ich ja nicht spekulieren, warum ausgerechnet dieser Nischenroman für den deutschen Buchpreis nominiert ist, ich ärgere mich aber schon, warum von Kremayr & Scheriau nicht dieser hinreißende feministische Roman Hippocampus, den ich vor Kurzem hier besprochen habe, nominiert wurde. Wahrscheinlich sind aber 51% Frauen in der Bevölkerung eine zu kleine Zielgruppe, als dass sie für den Buchpreis relevant wären, da wird lieber ein Buch für die totalen Fußballfreaks mit den Codes der 90er- und 00er-Jahre nominiert. Dieses Minderheitenprogramm ist sicher relevanter für den auszeichnungswerten Literaturkanon. (Ironie off)
Gegen Ende der Geschichte, also auf den letzten Seiten, macht Ivo übrigens noch eine gute Entwicklung durch, die nicht ganz so irrelevant für Jedermanns und Jederfraus Leben ist, insofern waren die letzten Seiten dann nicht so furchtbar wie die mühsamen restlichen neunzig Prozent der Story.
Fazit: Für Fußballfans kann ich den Roman nicht beurteilen, für -verweigerer ist er aber definitiv komplett ungeeignet. Außerdem strotzt er nur so von vulgären sexistischen österreichischen Dialektausdrücken, die dem Leser als „erfrischend“ und rotzfrech verkauft werden.
*Wuchtl = 1. Fußball 2. Tiefer Pass im Fußball 3. tiefer (primitiver) Scherz in der Sprache
"Nicht wie ihr" von Tonio Schachinger ist für mich der beste Fußball-Roman seit "Hool" von Philipp Winkler. Bei Schachinger geht es aber nicht um die Menschen außerhalb des Fußballrasens, sondern um die Innenansichten eines Spielers.
Ivo ist ein siebenundzwanzigjähriger Fußball-Star, der beim FC Everton spielt. Bei Real Madrid ist er gescheitert. Die Top-Clubs, zu denen er gern möchte, wollen ihn nicht. Für mehr Geld nach China gehen, möchte er nicht. Also bleibt der Österreicher mit bosnischen Wurzeln in England und philosophiert über sein Leben, den Fußball und die Gesellschaft.
Er hat eine Familie, er hat eine Affäre, er hat einen unsympathischen Agenten. Er ist von Fußball besessen. Und er ist selbst größtenteils unsympathisch. Er ist, wie er meint, "nicht wie ihr". Er meint von oben herab zu kommentieren. Gerade das ist es, was ihn und somit den Roman interessant macht.
Man sollte aber ein Interesse für Fußball mitbringen. Wenn man das nicht hat, versteht man das Buch zwar, wird es aber kaum mögen. Es sind die kleinen Details, die zählen. Wenn Ivo beispielsweise von der Europa League als "die kleine, hässliche, teilweise aber viel spannendere Schwester der Champions League" spricht, hilft es, wenn man selbst einmal ein solches Spiel im Stadion erlebt hat. Dieses verzweifelte Gefühl Ivos größer zu sein, als er in Wirklichkeit ist, kann man dort bei Mannschaft und Fans hautnah erleben. Dadurch spricht das Buch stärker zu einem.
Ich bin zwar kein großer Fußballexperte, hatte aber vor einigen Jahren für mehrere Saisons eine Dauerkarte. Dadurch hatte ich einen guten Bezug zum Roman.
Das hat für mich nur zu 80% funktioniert, weil an ein paar Stellen die Hauptfigur durchsichtig wird und man den Autor sehen kann, wie ihm feinsinnige Literaturinstitutsformulierungen durch den Kopf gehen, aber das sind wirklich nur wenige Stellen. Die Handlung ist so mittel und irgendwie auch egal, aber alle Stellen, die von Fußball handeln, und das sind sehr viele, die sind schön.
Eigentlich hat meine Mama gesagt ich darf hier keine Reviews schreiben über Bücher denen ich nicht 5/5 Sterne gebe, aber weil ich anscheinend so viele Fußballracker unter meinen Internetfreunden habe mache ich mal eine Ausnahme.
Das Buch ist im Endeffekt die inoffizielle, unautorisierte Biographie von Marko Arnautovic. Es begleitet den fiktiven österreichischen Profifußballer Ivo auf seinem Weg zwischen Nationalauswahl, Londoner Fußballalltag und den dazugehörigen Parties mit allerlei langweiligen und oberflächlichen Menschen. Ivo selbst ist jedoch auch relativ oberflächlich, deshalb kein Problem. Natürlich gehts auch um Liebe und so Kram, aber das alles ist nicht sonderlich relevant und schon gar nicht bahnbrechend gestaltet (eine Schwäche des Romans, bzw. man muss wohl davon ausgehen, dass die Oberflächlichkeit der Beziehungen Ivos und wie sie dargestellt werden beabsichtigt sind, wenngleich es an manchen Stellen schon arg plakativ ist)
Insgesamt ist dieses Buch vor allem dann lesenswert, wenn man sich ein wenig für Fußball Interessiert, da es weder vom Stil noch von den Figuren her außergewöhnlich ist. Die Stärke des Romans liegt jedoch in seinen sehr präzisen Beobachtungen des modernen Fußballs und all seiner Protagonisten. Ein extrem kurzweiliges, humorvolles Buch, wenngleich es höchsten literaturwissenschaftlichen Ansprüchen wohl nicht stand hält. (Trotzdem longlist Buchpreis 2019 – zurecht!)
Eine Passage die ich besonders treffend fand ist diese: "Möwen sind seelenlose Maschinen, die jedes Jahr aus deutschen Akademien strömen und 500 Pässe spielen können, aber keinen einzigen, der ihnen selbst einfällt. Max Meyer ist eine Möwe oder Goretzka oder Timo Werner. Möwen sind witzlos. Manuel Neuer ist die Protomöwe."
Ich empfehle dieses Buch allen, die Joshua Kimmich gerne mal in die Fresse treten würden.
Der Titel ergibt Sinn! Vom vierten Buch, das ich von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 lese, bin ich begeistert. Allerdings brauchte ich ein bisschen, bis ich mich in Ivo "verwandelte". Wer außen vor bleibt, der wird mit dem Roman nichts anfangen können. Aber ich habe mich bestens amüsiert.
IM EINZELNEN: Er ist nicht wie sie, der Ivo Trifunović. Zum Beispiel verdient er viel mehr als sie, so circa 100 000 Euro pro Woche. Er beneidet die Rapper, Rap ist seine Lieblingsmusik, die zwar viel weniger Geld machen als er, aber wenigstens Zeit haben, es zu genießen und auszugeben, während sein Zeitplan so straff ist, dass er manchmal nicht mehr weiß, wer er ist.
Nein, er ist nicht wie sie, für ihn gelten die Gesetze der Normalsterblichen nicht.
Es dauert ein bisschen bis man sich hineingedacht hat in die manchmal kruden Winkelzüge seines Gehirns, aber dann ist man ganz im Banne des Fußballers Ivo und seiner Sichtweise. Wie er über Meinungsfreiheit philosophiert, das ist einfach herrlich.
Ich erinnere mich an einen Fernsehauftritt von Ulli Hoeneß, vielleicht hat sich der Autor von diesen oder ähnlichen Aussagen inspirieren lassen. Ulli Hoeneß meinte sinngemäß und aufgebracht, nachdem ihm ein Reporter unbotmäßiger Weise kritische Fragen stellte, „Ihr könnt gar nicht mitreden, ihr Luschen, ihr seid gewöhnliche Leute, ihr habt keine Ahnung wie es ist, täglich mit Millionen und Milliarden zu jonglieren“ (ich zitiere nicht, obwohl ich wörtliche Rede verwende).
So denkt auch Ivo. Und muss doch für die Kameras lächeln und einstudierte Floskeln verwenden, wenn er nach dem Spiel interviewt wird, was ihn wütend macht. Ihr armen Doofen da draußen, ihr Minderbemittelten, ihr habt ja keine Ahnung. Keine Privatsphäre, alles wird einem vorgeschrieben, ständig wird man überwacht. Und dennoch: Ivo gefällt es, dass er in einer anderen, sehr abgehobenen Liga spielt.
Wem Ivo missfällt, und das sind sozusagen alle, die werden von ihm mit Flüchen bedacht, alle sind „Hurenkinder.“ Diese Flüche darf er nicht mehr rauslassen, seit er diverse Kommunikationsschulungen durchsitzen musste. Mist, auch Hurenkinder, diese Seminarleiter. Die haben doch von nichts eine Ahnung, diese Assis.
Seine Meinung über einen Sportarzt: „Was ist das für ein Penner, der seine Frau nach 20 Jahren nicht heiratet, obwohl sie eh schon eine gemeinsame Tochter haben? Put a ring on that, motherf*****.“
Tonio Schachinger macht das genial. Sein Protagonist, nicht dumm, aber ungebildet, redet in unkorrekter Grammatik schiach daher. Sein schiefes Englisch ist zum Totlachen.
Schachinger stellt einen Egomanen per se vor, dessen Denken sich um nur um sich selber dreht, um sein Prestige, der sich permanent selbst bemitleidet, der sich jederzeit ungerecht behandelt fühlt und unverstanden, der aufgerieben wird im Fußballbetrieb, der von nicht eingestandenen Existenzängsten geplagt wird bis hin zu Panikattacken, der noch jung, mit siebenundzwanzig, schon mehrere Leben durchlebt hat, der Entspannung im Sex sucht, der denkt, dass ihm alles zusteht, der eine Menge Ähnlichkeit mit bekannten narzisstischen Persönlichkeiten der Szene hat, dem man aufs Maul hauen möchte und der letztlich eigentlich nur geliebt werden möchte, genau wie jedermann. Nicht wie ihr! Genau wie wir! Genial auch das Nachdenken über den Migrationshintergrund.
Es gibt viele Seitenhiebe auf den Fußballbetrieb und bekannte Persönlichkeiten, die sich auf den ersten Anschein hin grob und gemein anhören, aber wir müssen uns bewusst machen, dass wir uns die Gesamtheit des Romans über in Ivos Kopf befinden. Wir sind Ivo.
DIE KRITIK: Ich habe keine.
Fazit. Ein wunderbares Lesevergnügen, auf das man sich aber unumwunden einlassen muss. Für Sport und Fußball sollte man sich schon interessieren, obwohl beides überraschenderweise nicht im Mittelpunkt steht.
Kategorie: Anspruchsvoller Roman. Belletristik. Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019
Ivo Trifunović hat alles, worum ihn viele beneiden: gefeierter Fußballstar bei einem Londoner Verein, verdient 100.000 € in der Woche, fährt einen Bugatti und ist mit einer attraktiven Frau verheiratet, die immer noch alle Blicke auf sich zieht und Ivos Privatleben und die beiden Kinder managt. Doch irgendwas fehlt in Ivos Leben, er hat den Eindruck zu funktionieren, aber der Erfolg gibt ihm nicht mehr den Kick. Er beginnt eine Affäre mit seiner Jugendfreundin Mirna, doch auch das bringt nicht die erhoffte Erfüllung. Er könnte zufrieden sein, aber warum ist er es nicht? Das scheinbar perfekte Leben hat offenbar auch seinen Preis – und der ist hoch.
Tonio Schachinger ist mit gerade einmal 27 Jahren auf der diesjährigen Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet. Das alleine ist schon bemerkenswert, dies dann aber auch noch mit einem Fußballprofi als Protagonisten zu erreichen, ist umso erstaunlicher. Das Cover weist schon unmissverständlich den Weg des Inhalts: der stilisierte Fußball, der einerseits golden schimmert, zugleich aber tiefe Risse aufweist, lässt ahnen, was kommt. Wenn man den Roman aufschlägt, ist man als literaturaffiner Leser vermutlich etwas voreingenommen und hat eine Vorstellung, was einem erwartet. Schnell jedoch gerät man in einen Sog, der einem nicht mehr loslässt und der die Vorurteile nur bedingt erfüllt.
Ivo ist rotzig, ohne Frage, sein Vokabular passt wie die Faust aufs Auge zu einem typischen Straßenkicker, der genau dort sozialisiert wurde und zu jung schon zu viel Geld verdient hat und bejubelt wurde.
"ein paar [Fußballer] schauen ja immer so , als würden in ihren Köpfen Heuballen durch eine Alpenprärie wehen"
Die Herkunft als Kind von Ex-Jugoslawen mit diffusen Nationalitäten hat ihn auch geprägt, wichtiger war jedoch immer das, was er auf dem Platz abgeliefert hat, denn nur das hat darüber entschieden, ob er Österreicher oder Jugoslawe war. Er liebt attraktive Frauen und schnelle Autos, erfüllt jedes Klischee nach außen.
In ihm sieht es jedoch gänzlich anders aus. Der Erzähler sieht das, was nicht aus außen dringt. Die Selbstzweifel, Gefühle der Leere. Er hat alles und doch fehlt etwas. Aber er weiß nicht, was es ist. Das alte Spiel "wenn ich von hier aus treffe, dann kann ich mir etwas wünschen" wirkt nicht mehr, denn er hat keine Wünsche mehr. Beziehungsweise, er hat einen Wunsch, erkennt ihn aber nicht. Materiell ist er gesättigt, aber er hat keine Freiheit. Als Spieler ist er nur eine Figur, die von Verein zu Verein geschoben wird, über die Manager entscheiden, deren Tagesablauf durchgetaktet und fremdbestimmt ist. Die Außenwelt entscheidet über Erfolg und Misserfolg, er selbst kann oft nur passiv zusehen, was mit seinem Leben geschieht.
Ein etwas prolliger Protagonist mit bisweilen unterirdischem Vokabular, das ihn jedoch authentisch wirken lässt. Darunter jedoch verbirgt sich jedoch ein intelligenter Roman, der das System Fußball als gnadenloses Wirtschaftssystem entlarvt, in dem der Mensch zur Ware reduziert wird. Ein ungewöhnlicher Roman, auf den man sich einlassen muss – bei genauer Betrachtung aber mitreißend und überzeugend gemacht.
Ja, ich weiß, 5 Sterne sind etwas übertrieben, aber in der Kategorie Satire/Komödie hat es mich völlig weggeblasen, habe selten derartige Lachkrämpfe bekommen, wie bei diesem herrlichen, feinparodistischen Roman. Vielleicht hat mir dabei geholfen, dass ich die österreichischen Fußballer ein klein wenig kenne und die Art wie sie sich selbst in der Öffentlichkeit in einer Art Karikatur ihrer selbst darstellen, oft vermeintlich unfreiwillig, man denke an Hans Krankl („alles andere ist irrerational“), Toni Polster, „Schneckerl“ Prohaska, … Und dann die Saure-Gurken-Zeiten der ewigen Talente, die nie so richtig aus dem Quark gekommen sind, hier setzt der Roman an. Es stand nirgendwo geschrieben, aber ich hatte von den ersten Seiten an Marco Arnautovic vor mir, und das ließ den Lachknoten explodieren; stellenweise also eine genüsslich-fiese Parodie auf neureiche Sport-Nachwuchsstars, aber kein billiges Schenkelklopferbuch, in der eine „Wuchtel“ die nächste jagt. Schachinger geht zudem recht liebevoll mit seiner Hauptfigur um, und trotz unzähliger unsympathischer Wesenszüge wächst einem die Hauptfigur immer mehr ans Herz; der Ivo ist ein Simpel aber er verfügt über praktischen Hausverstand, er ist impulsiv, reizbar, aber in ruhigen Momenten auch zur Selbstreflexion fähig. Obwohl die Figur mir so fremd ist, konnte ich dank Schachinger besser verstehen, nachvollziehen, mitleben. Ein feiner Roman.
Ich liebe, wie Tonio Schachinger schreibt und dabei aufhört, Tonio Schachinger zu sein, ohne aber zu Ivo zu werden. Es ist einfach viel zu lustig. Ansonsten wars irgendwie leider nicht so spannend...
Aber trotzdem ein paar Zitate:
"Wien liegt ned an der Donau, du Scheißpiefke, die Donau liegt an Wien!"
"[...] genau das heißt es, erwachsen zu werden: Nicht jedem Hurensohn zu sagen, dass er einer ist."
"Neue Worte gibt es nur, um alte Sachen mit ihnen zu sagen."
"Österreich ohne Migranten wäre genauso fad wie Deutschland."
"Am 24. Dezember wacht Ivo auf und könnte sofort jemandem in die Pappn hauen."
"Sie verabschieden sich mit einer Mischung aus Bussi und Kuss, mit einem Bussi auf den Mund, bei dem man nicht sagen kann, wer ein Bussi geben wollte und wer einen Kuss."
"Ivo ist plötzlich nicht mehr unter Menschen, sondern mitten zwischen ihnen allein, was noch viel schlimmer ist, als allein allein zu sein."
Zugegeben, allein schon aufgrund des sprachlichen Stils wird dieses Buch nicht jeder/m gefallen. Tonio Schachinger kann schreiben, richtig gut sogar, mit Wortwitz und Charme, pointiert, phasenweise sogar in Metaphern. Und gleichzeitig bedient er sich hier einer sehr simplen, proletenhaften Sprache, verzichtet auf korrekte Grammatik und vollständige Sätze. Das ganze kombiniert mit aggressiven und oftmals sexistischen Untertönen - das muss man schon aushalten wollen und können. Den durch die Sprache lässt der Autor den Lesenden in den Kopf des Protagonisten Ivo blicken. Von außen wohlgemerkt. Und das macht es schwierig - irgendwie im Kopf zu sein und doch nicht in der Ich-Perspektive.
Und doch-für mich funktioniert das Buch. Ich habe es gerne gelesen und bereue es nicht. Auch wenn ich es kein zweites Mal lesen werde.
ich hätte gerne meine zeit zurück. in den ganzen seiten ist einfach nichts von essenz passiert. ich habe immer weiter gelesen weil ich dachte jetzt kommt etwas was diese geschichte spannend macht aber es kommt nichts. es ist irgendwie ein total unerfüllendes leseerlebnis gewesen, weil sich auch einfach nichts tut. ivos lernkurve ist gleich null. das, was er beschließt am ende gelernt zu haben, kaufe ich ihm einfach nicht ab, weil es so nicht stattgefunden hat. überhaupt ist ivo so ein anstrengender sich stets widersprechender typ, den man nicht mal anfeuern könnte, wenn er antagonist wäre. er weiß nichts über mirna und das was er lernt, ist so oberflächlich, dass ich überhaupt nicht verstehen kann wo da überhaupt der konflikt herkommt mit ihr sein zu wollen, wenn da irgendwie doch nur leere ist. ach, keine ahnung, das buch hat mich einfach sehr unzufrieden gemacht, weil es sich anfühlt wie ein begleitender dokumentarfilm nur dass es nicht auf die spannendsten momente reduziert wurde, sondern jede langweilige autofahrt die es nicht gebraucht hätte. weiß auch gar nicht was ich zu dem ende sagen soll außer seufz?
Hat Spaß gemacht, zwischen Dekonstrukion einer narzisstischen Fußballpersona und den vielerlei Druckfaktoren, die ein solches Leben in der Öffentlichkeit, gerade auch mit Migrationshintergrund mit sich bringt
Auf Sex mit heißer Schokolade werde ich in Zukunft wohl verzichten.
Fußballer Ivo scheffelt Millionen und ist nicht gerade ein Sympathieträger. Aber wie uns Tonio Schachinger in das Innenleben des vermeintlichen Super Machos blicken lässt, fand ich einfach gut und interessant zu lesen. Es gibt keinen ausgereiften Plot, aber dafür sehr pointierte Formulierungen und Sätze, die einfach Spaß machen. Ivo lebt in einer komplett anderen Welt als ich, hat komplett andere Ansichten, aber gerade das hat es so interessant gemacht. Denn in einigen Momenten, wenn es dann um Zweifel, Sehnsucht, Verlust geht, ist einem dieser selbstgefällige Antiheld doch irgendwie näher und ähnlicher, als einem vielleicht lieb ist.
Manche Geschichten sind nicht des Erzählens wert. Und meiner Meinung nach gehört diese dazu. Ein Jahr den (fiktiven) erfolgreichen und berühmten Fussballer Ivo zu begleiten und seine Gedanken zu teilen - dass hätte ich mir deutlich interessanter vorgestellt. Doch was hier über rund 300 Seiten ausgebreitet wird, hat einen Informations- und Unterhaltungswert, für den auch 100 Seiten ausgereicht hätten. Ivo ist ein Egomane in Reinform und dazu von schlichtem Gemüt. Worte sind nicht so seins und am liebsten würde er allen aufs Maul oder sonstwohin schlagen, denn verdient hätten sie es allemal. Er ist ein richtiger Proll, der jedoch glaubt, der Einzige mit Ahnung zu sein von was auch immer und betrachtet praktisch alle als ihm völlig unterlegen. Doch wehe, man erkennt dies nicht an, dann ist Ivo kurz vorm Ausrasten und mit seiner mühsam antrainierten Gelassenheit ist es schnell vorbei. Denn tief in seinem Innern steckt er noch immer voller Minderwertigkeitskomplexe, die auf keinen Fall ans Tageslicht kommen dürfen. Es ist wirklich grandios, wie überzeugend der Autor Tonio Schachinger diesen Tonfall darstellt und die kompletten 300 Seiten durchhält. Für mich wurde Ivo immer mehr zu einer realen, wenn auch unsympathischen Person. Doch es hat mir trotzdem nicht geholfen, denn auch der beste Stil macht eine lahme Geschichte nicht zu einer fesselnden Lektüre. Und lahm ist diese Geschichte. Es passiert nahezu nichts, ausser dass Ivo Fussball spielt, mit seiner Frau schläft und sie betrügt und mit ihr bei Familienfesten und Sponsorenveranstaltungen erscheint. Seine Gedanken kreisen überwiegend um sich selbst und seine Großartigkeit und die Unzulänglichkeiten der Anderen - womit praktisch der Rest der Welt gemeint ist. Ab und zu geraten ihm gerade durch die Schlichtheit seines Wesens witzige Gedanken: "Also liest Ivo seiner Tochter die Geschichte von Narziss vor, einem schwulen Typen, der auf sich selber steht und eigentlich niemandem etwas Böses tut, außer irgendeine Frau nicht zu erhören, die auf ihn steht. Und weil die nicht mit der Ablehnung klarkommt, verflucht sie ihn. Was soll DAS seiner Tochter sagen? Dass man sich nicht zu oft in den Spiegel schauen soll, OK, aber das war ja nicht der Fehler. Der Fehler von Narziss war einfach, Pech zu haben und an eine böse Frau zu geraten, die, wenn man ehrlich ist, ihn sowieso verflucht hätte, wenn nicht deswegen, weil er sie nicht angeschaut hat, dann später, wenn sie draufgekommen wäre, dass er schwul ist, oder sie sich nach ein paar Jahren Ehe langweilt. Also, was hätte er machen sollen?" Aber für die fast 300 Seiten sind es einfach zu wenige solcher Lichtblicke. Nach ca. 150 Seiten habe ich mich dabei erwischt, dass ich immer oberflächlicher gelesen habe, weil ich nur noch fertig werden wollte. Schade drum, denn der Tonfall ist ausserordentlich gut getroffen.
Ein Sportlerroman der anderen Art: Mit viel Wiener Lokalkolorit und jeder Menge wunderbaren österreichischen Worten und Formulierungen schreibt der 27jährige Tonio Schachinger die Geschichte des 27jährigen Profifußballers Ivo Trifunovič, und man muss gar kein Fußballfan sein, um sich festzulesen. Man darf aber gern Fußballfan (oder Sportfan) sein, um das Buch doppelt zu genießen. Ivo ist mit der schönen Jessy verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Aber irgendwie ist er auch verliebt in seine Ex-Klassenfreunin Mirna. Ivo liebt überdies schnelle, teure Autos und den Wohlstand, den ihm seine Karriere beschert. Ob Mirna auch Ivo liebt? Wer weiß das schon. Ist auch egal. So wie einiges egal ist in einer Welt, in der Männer für Millionen an Clubs verkauft werden. Irgendwann dann, wenn sie nicht mehr in der ersten Liga spielen können, nach China oder so. Es macht sehr viel Vergnügen, Ivo ein Stück auf seinem mal mehr, mal weniger ereignisreichen Leben zu begleiten. Und das sage ich nicht nur, weil mir die Sprache, in der dieser Roman geschrieben ist, so unglaublich gut gefällt.
Das Buch finde ich insgesamt gelungen, von der ersten Seite an taucht man in die Geschichte ein. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Das Buch ist sehr klar strukturiert wurden und die Handlung ist nachvollziebar. Die Charaktere sind gut vorstellbar und wirken auf mich sehr authentisch. Dem Autor gelingt es sehr detailliert auf die Szenerie, Charaktere, Umgebung und Emotionen einzugehen und den Leser zu faszinieren. Auch inhaltlich gesehen ist diese Geschichte stimmig.
Man denkt, man könnte auf den sehr reichen (Einkommen 100.000 Euro die Woche) aber nicht so gebildeten (er ist halt Profifußballer) Ivo ein gnädiges bisschen von oben herabschauen. Aber Ivo denkt auf seine Weise über dieselben großen und kleinen Fragen des Lebens nach, auch er möchte gerne (manchmal) anders handeln, auch er möchte einfach glücklich leben. Doch die Verhältnisse, sie sind nicht (immer) so. Ein großartiges philosophisches und dabei wunderbar lustiges Buch.
Man muss nicht sich sonderlich für Fußball interessieren, um das Buch zu mögen. Es ist eine Beziehungsgeschichte, die uns auch ermöglicht, einen Blick hinter die Kulissen der Fußballwelt zu werfen. Extrem lebendig, toll geschrieben. Angeschnitten werden auch Themen wie Männlichkeit, klassische Rollenverteilung, Reichtum usw. Sehr gelungen.
Als absolut nicht fußballbegeisterte Person hat mich das Buch sehr gefesselt. Tonio Schachinger erzählt nachvollziehbar und glaubwürdig aus dem Milieu, ohne dass die Sprache jemals plump daher kommt, es passt jeder Satz.
Für einen Debütroman sehr gelungen. Man wird entführt in das Leben und die Gedanken eines Profi-Fußballers, der trotz seiner Berühmtheit und seines prall gefüllten Bankkontos ganz ähnliche Sehnsüchte, Unsicherheiten, Sorgen und Euphoriegefühle empfindet wie der Rest der Bevölkerung. Letztendlich möchte er lieben und geliebt werden und muss für sich eruieren, welche Frau dafür die Richtige ist.
Hmmm, anders als „Echtzeitalter“ hab ich es zu Ende gelesen, aber so richtig gepackt hat es mich nicht. Die Figur war mir sehr unsympathisch, was sie vermutlich auch sein soll. Das hat es mir schwer gemacht, ihren seitenlangen Gedanken gerne zu folgen.