Das Schicksal einer Krankenschwester im Kultviertel St. PauliSvantje Claasen verbindet als Krankenschwester erfolgreich Beruf und Familie. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, meldet sie sich freiwillig an die deutsch-französische Front. Plötzlich findet sie sich auf feindlicher Seite wieder und muss fürchten, ihre Familie nie wiederzusehen.Der dritte Band der aufwühlenden historischen Saga um Krankenschwester Svantje Claasen für Fans der Serien "Call the Midwife" und "Die Charité". Rebecca Maly studierte Altskandinavistik und Runenkunde und war mehrere Jahre in Amerika und Deutschland als Drehbuchautorin beim Film tätig. Sie veröffentlichte eine Vielzahl an Romanen und wurde 2017 für "Die Schwestern vom Eisfluss" mit dem Delia-Preis ausgezeichnet.
Der Erste Weltkrieg verändert alles - packende Fortsetzung der Reihe
„Der Krieg und die Zukunft. Vom einen gab es zu viel, vom anderen viel zu wenig.“
Svantje Falkenberg arbeitet 1914 weiterhin als Krankenschwester. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kümmert sie sich hauptsächlich um schwerverwundete Soldaten. Auch Tochter Karoline meldet sich freiwillig, um als Helferin im Krankenhaus die Kriegsverletzten zu versorgen. Doch dann verliebt sie sich in einen der Patienten, Jonathan. Als der zurück an die Front muss, fällt Karoline eine folgenschwere Entscheidung.
Autorin Rebecca Maly formuliert gut verständlich und klar. Sie wechselt immer wieder die Perspektive und beschreibt die Situation der verschiedenen Figuren Svantje, Raik, Hilde oder Karoline intensiver. Vor allem in Raiks wörtlicher Rede verwendet sie auch Ausdrücke aus dem Hamburger Dialekt. Das wirkt authentisch, schließlich spielt die Geschichte in Hamburg und Raik stammt aus recht einfachen Verhältnissen.
Die Figuren sind aus den ersten beiden Bänden der Reihe schon bekannt. Zur besseren Übersicht hätte ich mir allerdings vorne ein Personenregister als Erinnerungsstütze gewünscht. Hauptfigur ist Svantje, die ihren Traum verwirklichen konnte, als Krankenschwester zu arbeiten und das trotz ihrer Heirat mit Friedrich. Svantje ist eine bewundernswerte, sehr patente Frau, die wirklich alles für ihre Familie tut. Ein Wiedersehen gibt es auch mit Raik Albers, Svantjes Jugendfreund, und Richard Harkenfeld, der heimlich ein Verhältnis mit einem Mann hat, zu jener Zeit noch ein Unding. Interessant, wie sich die bekannten Figuren unter dem Einfluss des Krieges weiterentwickeln. Richard wird beispielsweise als Soldat zum „Dieb“ und „Mörder“, worunter er sehr leidet.
Anfangs fiel es mir etwas schwer, mich ins Geschehen hineinzuversetzen, die Handlung zog sich ein wenig. Aber schon bald nahm die Geschichte Fahrt auf und ich wurde wieder mitgerissen. Die Figuren kommen nicht zur Ruhe, nichts ist berechenbar, der Krieg ändert alles, nimmt in jeder Hinsicht die Verlässlichkeit. Der grausame Erste Weltkrieg wird durch den ständigen Schauplatz- und Perspektivwechsel aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Sehr fesselnd und tragisch, was die Figuren erleiden müssen. Vor allem gegen Ende geht es sehr dramatisch zu. „Jahre des Aufbruchs“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe um die Krankenschwester von Sankt Pauli: fesselnd, unterhaltsam, aufwühlend. Der erste Band „Tage des Schicksals“ hat mir dennoch ein kleines bisschen besser gefallen, vermutlich weil darin die einzelnen Personen noch mehr im Fokus stehen und die Protagonisten mehr agieren als reagieren.
In Band 3 der Reihe sind wir im 1. Weltkrieg angekommen. Svantje arbeitet im Krankenhaus und versorgt dort schon bald die ersten Verwundeten von der Front. Auch ihre Tochter Karoline wird dort als Helferin tätig. Bei den männlichen Personen steht immer die Einberufung im Raum, wobei Svantje alles versuchen will ihre Familie diesbezüglich zu schützen.
Das Buch ist gewohnt gut geschrieben und ermöglichte es mir mich gleich wieder in die Charaktere hineinzuversetzen.