Angesichts der rechtspopulistischen Angriffe auf gegenwärtige demokratische Regierungssysteme mögen radikaldemokratische Theorien auf den ersten Blick wie aus der Zeit gefallen erscheinen. Wäre statt Radikalität nicht eher Mäßigung angezeigt? Dieser Band von Oliver Flügel-Martinsen zeigt, dass Theorien radikaler Demokratie vielmehr in der Lage sind, rechtspopulistischen Parteien und ihren perfiden Inanspruchnahmen demokratischer Semantiken etwas entgegenzusetzen und gleichzeitig liberale Demokratien dort zu kritisieren, wo es demokratietheoretisch erforderlich scheint. Folgt man radikalen Theorien der Demokratie, dann zeugt die derzeitige Krise liberaler, repräsentativer Demokratien nicht von einem Ende der Demokratie, sondern mindestens ebenso sehr davon, dass liberale Demokratien nie demokratisch genug gewesen sind.
Nachdem ich meine Bachelorarbeit über den Demokratiebegriff von Castoriadis schrieb, wollte ich noch eine Platzierung seiner Theorie im wissenschaftlich Kontext verstehen. Die Einführung von Flügel-Martinsen war für mich perfekt, kurz und bündig. Die akademische Schreibweise und die fehlende Erklärung von Fachbegriffen (z.B. Kontingenz oder Institution) wären für mich, vor meiner fachlichen Auseinandersetzung, eine Einstiegshürde gewesen. Im Vergleich zu meiner Castoriadis-Lektüre, wurde auch inhaltlich nur ein geringer Teil angeschnitten. Nichtsdestotrotz bietet es einen kurzen Einblick in das Feld der radikalen Demokratietheorie und erleichtert die Orientierung darin.
Mehr als (nur) eine Einführung, der Autor erklärt, wieso für ihn Radikale Demokratie als ein linkes Project verstanden werden muss und der Begriff „linker Populismus“ widersprüchlich ist.