Das Buch ist formal in einen biographischen, einen werkanalytischen und einen abschließenden Teil gegliedert.
Der erste Abschnitt festaltet sich zunächst sehr trocken, da über Bachs vorleipziger Zeit kaum mehr überluefert ist als Daten des Aufenthalts, Amtsbezeichnungen, Heirat und Kinder. Die Leipziger Zeit ist besser dokumentiert, wenngleich nur was die äußeren Umstände angeht, wie die beständigen Querelen mit Rat bezüglich seiner Amtspflichten. Zeugnisse seines inneren Lebens oder der Beziehungen zu Familie und Freunden finden sich dagegen nicht. Oder nicht in schriftlicher Form.
Im zweiten und längsten Abschnitt wird hingegen sehr detailliert herausgearbeitet, was Bachs Kompositionen über die musikalische Praxis und die Stellung des Musikers im protestantischen Deutschland des frühen 18. Jahrhunderts aussagen. Speziell mit Blick auf das Spätwerk zeigt Geck auf, dass Bach zunehmend eine Vorstellung einer "absoluten", keiner anderen Zwecken verpflichteten Musik entwickelt. Voraussetzung hierfür war die Befreiung von ungeliebten Leipziger Amtspflichten.
Daüberhinaus stellt der Autor Werkkategorie für Werkkategorie, angefangen mit dem Vokalwerk dar, welcher Mittel sich Bach bediente, wie er sich zu Sprache und Instrumentalisierung verhielt, welche Konventionen er überwand und welche neuen Einflüsse er adaptierte oder verwarf. Dadurch wird mithin klar, dass seine Genialität auch in großen Teilen seiner zwekgebundenen Werke, ob nun kirchlich oder weltlich, aufscheint.
Diesen Teil noch einmal durchzuarbeiten und dabei die ensprechenden Werke zu hören, ist ein Projekt von mehreren Jahren.
Im abschließenden Teil tritt Geck zunächst der immer noch verbreiteten Auffassung entgegen, Bach sei zu Lebzeiten nicht gebührend anerkannt worden und danach sågar fast vergessen worden.
Auf S. 706 kommt er zu dem Fazit, dass Bachs Musikdenken universell ist, "indem es die Mitte zwischen dem Ordnungsdenken des Mittelalters und dem am Subjekt orientierten Denken der Neuzeit darstellt und keine der beiden Seite zu kurz kommen läßt."*
Danach setzt er sich kritisch mit Forschungsansätzen, die den religiösen Hintergrund, oder aber Beziehungen zu Rhetorik, Emblematik und Zahlensymbolik in den Mittelpunkt rücken. Im Falle von Bachs Beziehung zum lutherischen Christentum, orthodox doch offen für moderaten Pietismus, erkennt erwartungsgemäß an, dass sie zentral für das Verständnis vieler Entstehungskontexte ist. Gleichwohl kann dadurch die Wirkung außerhalb des kirchlichen Kontexts nicht erklärt werden. Mit Blick auf rhetorische Schemen betont Geck hingegen, dass sie Bach sicher kannte, dass er Schemata als Begrenzungen auffasste und überwand. Emblematische und zahlensymbolischen Ansätzen hält er hingegen vor sie seien spekulativ und beliebig, wenn man von einigen wohlbegründeten Beispielen absehe.
* Hier drängen sich Vergleiche zu Shakespeare und Dürer auf.