Jump to ratings and reviews
Rate this book

Das Loch

Rate this book
„Versteh mich nicht falsch. Ich wollte Mutter werden, ich bin gerne Mutter. Aber ich bin auch wütend, seit ich Mutter bin. Ich bin auf sehr vieles sehr wütend. Zum Beispiel auf den heutigen sogenannten Weltfrauentag, an dem ich hier sitze, allein mit dem Kind.“

Lieber Frosch! Lieber Jesus! Liebe Madonna! So beginnen die Briefe einer Mutter, die zu schreiben versucht, aber kaum noch dazu kommt. Seit sie ein Kind hat, fühlt sie sich isoliert und in alten Rollenmustern gefangen. Sie hat viele Fragen: nicht nur zum Muttersein und zur Ehe, sondern zur Welt und zu den Dingen, wie sie sind. Hat sich Jesus schon mal Gedanken übers Kinderkriegen gemacht? Und wie verbringt eigentlich Mohamed den Weltfrauentag? Sie schreibt Briefe an Schneewittchen, an Ulrike Meinhof, an ihren Schwiegervater und Sohn. Je mehr Briefe sie schreibt, desto wütender wird sie: auf die ungerechte Rollenverteilung, auf die Religion und Politik.Simone Hirth gelingt es in ihrem neuen Roman, tief in die festgefahrenen Strukturen unserer Gesellschaft einzudringen. Dabei überzeugt sie einmal mehr mit ihrem ganz eigenen und neugierigen Blick auf die Welt und schafft den Spagat zwischen Wut und Optimismus. Die Dinge müssen eben nicht so bleiben, wie sie sind.

260 pages, Kindle Edition

Published February 4, 2020

Loading...
Loading...

About the author

Simone Hirth

8 books

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
5 (26%)
4 stars
8 (42%)
3 stars
4 (21%)
2 stars
2 (10%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Alexandra .
936 reviews377 followers
March 19, 2020
Wahrscheinlich bin ich die falsche Zielgruppe für diesen Roman, ich kann zwar sehr gut Empathie für überforderte Mütter entwickeln, aber wenn eine Frau fast zwei Jahre nur lamentiert und jammert, ohne zu bemerken, dass etwas mit ihr nicht stimmt, und nicht zu einem Psychologen geht, dann ist mir zwar bewusst, dass so ein Umstand durchaus sehr häufig vorkommen kann, ich muss aber nicht jeden Jammerer und Seufzer in einem Buch niedergeschrieben mitlesen und mitmachen. Wenn ich 75 Euro für eine knappe Stunde Gesprächstherapie kassiere, ist das ja in Ordnung, dann ist das mein Job, aber in einem Buch hat die hier ausgebreitete Depression in diesem gar so exzessiven Detaillierungsgrad einfach für mich zu wenig Existenzberechtigung.

Dabei fing alles eigentlich richtig gut an, ich mag ja Problemromane sehr. Eine überforderte Mutter schreibt in der Karenz mit Lagerkoller infolge der Einsamkeit und dem mangelnden Kontakt zu Erwachsenen Briefe an einen Frosch, ein Murmeltier, Jesus Christus, Mohammed, Schneewittchen, den Bundeskanzler, das Loch, in das sie zu fallen droht und an alle möglichen anderen realen und fiktiven Personen inklusive an Nutella. Sie schreibt sich auf kleinen Zetteln ihre Wut, ihren Frust, ihre Überarbeitung und Müdigkeit von der Seele.Ich wusste ja gleich, wie bei einem Kremayr und Scheriau Roman erwartet, dass es ein bisschen „innovativ“ werden wird, aber das war schon total abgefahren und hat mir am Anfang ausnehmend gut gefallen.

Zwischen Seite 160 und 200, als der Sohn mehr als ein Jahr alt war und abgestillt, sie teilweise auch wieder arbeitet, lamentiert sie aber weiter, es ist zu heiß, die Füße sind im Sommer geschwollen, im Urlaub hat sie Kopfweh, Heimweh, ihr ist schlecht, das Kind quengelt, weint, undundund. An diesem Punkt wird das Gejammer langsam lähmend und man möchte als Leser*in in das Buch hineinrufen, „geh endlich zu einem Arzt und lasse Dir Deine Depression behandeln“. Die Stimmung kippte bei mir etwa auf Seite 170 dieses unglaublichen Lamentos. Das ist so, wie wenn man einer Freundin immer aufmerksam zuhört, anfänglich Mitgefühl für ihre Scheiß-Situation hat und ihr Lösungsvorschläge bringen möchte, die sie nicht einmal anhören will. Die Freundin hat sich so an ihr Gesudere gewöhnt, dass sie Dich als Kummerkasten, als Auskotzstation missbraucht, sie suhlt sich regelrecht im Unglück und im armseligen Leben, in dem man sich selbst nur zu gerne eingerichtet hat. Irgendwann verdreht man nur noch die Augen, so ging es mir mit dem ewigen mittlerweile sinnlosen Gejeiere* im Roman, ich mochte mir nur noch die Augen zuhalten und der Autorin, da sie schreibt, einen Fingerknebel verpassen. Kein einziges positives Erlebnis mit dem Kind wird erwähnt. Nur einmal gibt es die neue Gefühlsregung Neid, als der Mann etwas Positives erlebt hat, denn das Kind ging seine ersten paar Schritte erstmals bei ihm.

"Liebe Wölfin!
vermutlich liest du das und wirst lachen. Du wirst sagen: Aber das haben doch schon Generationen von Frauen vor Dir geschafft, mit mehreren Kindern und mit weniger Mitteln, also was soll das Gejammer?
Du hast natürlich Recht. Das ist alles Gejammer und das ist ja das Schreckliche. Gejammer ist weit entfernt von Literatur. Und Literatur ist das, was ich brauche, wie die Luft zum Atmen. Was ist das eigentlich für ein dämlicher, abgedroschener Vergleich? Und warum fällt mir kein besserer ein?


Auf Seite 217 kommt endlich die Erlösung, schließlich kommt auch die Protagonistin drauf, dass sie eine postpartale Depression hat und geht zum Arzt. Vor allem die Leserschaft seitenfüllend mit jedem einzelnen depressiven Furz zu quälen, und aus Innensicht auch noch tief in jeden Schas* hineinzuschnüffeln, ist schon ein starkes Stück und unnötiges literarisches Flagellantentum, das ich mir nicht unbedingt antun wollte und vor dem ich Euch auch warnen möchte.

Nach der Diagnose gibt es in Babyschritten eine positive Entwicklung der Hauptfigur, aber da musste ich schon zu viel Geduld vorher aufbringen, um ihr noch wirklich anteilnehmend zuhören zu können, allzu sehr hat mich die ganz Geschichte nur noch genervt.

Fazit: Der Roman Das Loch beschreibt sehr authentisch, extrem genau und für mich viel zu lange das Loch einer ausgewachsenen Depression. Ich kann eine Depression auch nachvollziehen und Empathie für Betroffene empfinden, wenn man mich nicht so quält, dass ich beim Lesen auch noch wütend und depressiv werde. Aber vielleicht sieht das jemand anders und ist diesbezüglich duldungsfähiger. Ich war es nicht.

*Schas, der = Furz auf österreichisch
*Gejeiere, das = Gejammer auf österreichisch mit einer weinerlichen Note inkludiert
Profile Image for Wolf Macbeth.
192 reviews1 follower
August 6, 2025
DIE MUTTERFALLE

In "Das Loch" begleiten wir Henriette, eine junge Autorin und frischgebackene Mutter eines einigen Monate alten Jungen, der scheinbar nie schläft. Von Beginn an wird deutlich, dass Henriette in eine tiefe Depression gerutscht ist und sich in einem emotionalen Loch befindet. Um dieser belastenden Situation zu entkommen, flüchtet sie sich in die Welt der Literatur und schreibt leidenschaftliche, fiktive Briefe an verschiedene Personen, Tiere und sogar an Dinge.

Die Briefe sind durchdrungen von Einsamkeit und Verlorenheit, und sie wirken wie verzweifelte Hilferufe an die Außenwelt. Durch die offenen Fragen in den Briefen wird klar, dass Henriette kaum Hoffnung auf Antworten hat. Es ist die pure Verzweiflung, die aus ihren Zeilen spricht, und sie verleiht ihren Briefen eine Mischung aus Humor und Sarkasmus. Die Autorin skizziert gekonnt die emotionalen Herausforderungen, denen sich junge Mütter oft gegenübersehen, und auch die damit einhergehenden Gedanken, die von Selbstzweifeln und Unsicherheiten geprägt sind.

Henriette fühlt sich in ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau überfordert und sieht wenig Positives darin. Es ist ein Gefühl, das viele Frauen (und auch Männer) in ähnlichen Situationen nachvollziehen können. Dieser Aspekt des Buches kann sowohl berührend als auch beklemmend wirken, je nach persönlicher Erfahrung und Perspektive der Leserinnen und Leser.

"Das Loch" ist kein Buch für jedermann oder jede Frau, da es sehr persönliche und tiefgreifende Themen anspricht. Einige mögen es möglicherweise als zu bedrückend empfinden, während andere sich darin wiedererkennen und dadurch zum Nachdenken angeregt werden könnten.

Simone Hirt gelingt es mit ihrem Buch, auf einfühlsame Weise die komplexen Emotionen einer jungen Mutter inmitten ihrer Herausforderungen darzustellen. Die Briefe bieten Einblick in eine Lebensphase, die von vielen unterschätzt oder romantisiert wird. Es ist ein Buch, das trotz der düsteren Stimmung und schweren Thematik eine gewisse Faszination ausübt und die Leserinnen und Leser zum Nachdenken anregt.

Insgesamt empfand ich "Das Loch" als eine bewegende und eindrückliche Lektüre. Es vermittelt ein tiefes Verständnis für die psychische Belastung, die mit der Mutterschaft einhergehen kann. Die Art und Weise, wie Simone Hirt diese Erfahrung einfängt und in fiktiven Briefen verarbeitet, ist bemerkenswert. Eine klare Empfehlung für Leserinnen und Leser, die sich auf eine emotionale Reise einlassen wollen und dabei neue Perspektiven gewinnen möchten.

📚 Weitere Rezensionen auf Deutsch findest du auf meinem Goodreads- und LovelyBooks-Profil.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews