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Jahresringe

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Von der Suche nach Heimat und uns selbst:
eine große deutsche Familien-Geschichte am Rand des Hambacher Forstes

Heimat, das ist für Leonore Klimkeit vor allem der Wald nahe des kleinen Dorfes, in dem die aus Ostpreußen Vertriebene Zuflucht gefunden hat. Zwischen den hohen Bäumen findet sie Trost und neuen Lebensmut.
Doch als Leonores Sohn Paul zwölf Jahre alt ist, muss der Wald dem Braunkohle-Tagebau weichen, das Dorf wird umgesiedelt. In einer Neubausiedlung am Rand der Kreisstadt versucht Leonore, für Paul und später die Enkel Jan und Sarah eine neue Heimat zu schaffen. Die immer weiter fortschreitende Rodung des Waldes treibt jedoch einen tiefen Keil in die Familie – bis sich die Geschwister schließlich als Gegner gegenüberstehen: Denn während Jan einen der gigantischen Schaufelradbagger des Braunkohle-Konzerns steuert, schließt sich seine Schwester Sarah den Wald-Besetzern im Hambacher Forst an.

Unaufgeregt und einfühlsam erzählt Andreas Wagner eine berührende Familien-Geschichte, die immer wieder die Frage stellt, was Heimat bedeutet. Gleichzeitig porträtiert sein Roman auf anschauliche Weise die Nachkriegs- und Wirtschaftswunder-Zeit in Deutschland, die Folgen des Braunkohle-Abbaus nicht nur für die Landschaft und die Ereignisse rund um den Hambacher Forst.

256 pages, Hardcover

First published September 1, 2020

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About the author

Andreas Wagner

1 book1 follower
Andreas Wagner, 1978 in Neuss geboren, arbeitet als Schulsozialarbeiter an einer Realschule. Jahresringe ist sein erster Roman.

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Displaying 1 - 20 of 20 reviews
Profile Image for Bine.
810 reviews112 followers
June 22, 2021
Von vorne bis hinten einfach nur ein richtig gutes Buch. Obwohl die 3 Teile teils sehr unterschiedlich waren, habe ich keinen Favoriten. Ich fand sie alle absolut berührend und beeindruckend. Ein wahnsinnig gutes Debüt, das ich noch so einigen empfehlen werde.
Profile Image for Maria.
632 reviews14 followers
August 31, 2020
Das Debüt des Autors "Jahresringe" ist in drei thematische Abschnitte geteilt. Jeder Teil widmet sich einer Generation: Großmutter Leonore, deren Sohn Paul und dessen Kinder Jan und Sarah. Thematisch üb erwiegt die Frage nach Heimat und der Umgang mit dem Verlust eben jener.
Inhaltlich habe ich in den drei verschiedenen Teilen starke Diskrepanzen erlebt. Der erste Teil, in welchem Leonore als Familienälteste im Fokus steht, war aus meiner Sicht am differenziertesten und facettenreichsten geschrieben. Leonore ist mir als Charakter sehr sympathisch geworden, sie scheint mir ein realistischer und vielschichtiger Charakter. Die Geschichte ihrer Flucht und ihrem Ankommen in der neuen Heimat wurde einfühlsam und authentisch beschrieben. Im zweiten Teil wird der weitere Verlauf der Familiengeschichte mit Fokus auf Leonores Sohn Paul geschildert. Hier gab es in meiner Wahrnehmung einen ersten Bruch, vermutlich der Fokusänderung geschuldet. Pauls Geschichte konnte mich emotional weniger mitnehmen, zugleich fand ich ihn weitaus weniger sympatisch und facettenreich. Pauls Kinder Jan und Sarah sind im dritten Teil nur sehr oberflächlich in ihren Charaktereigenschaften skizziert, so dass ich zu ihnen gar keine emotionale Verbindung aufbauen konnte. Leonore blieb durch alle Teile hindurch mein roter Faden, hielt die Handlung kohärent.
Der Schreibstil ist ruhig und angenehm, allgemein ist dieses Buch ein eher stilles. Große Spannung ist hier nur selten zu finden, vermisst habe ich sie aber nicht.
Die Geschichte umfasst eine politisch aktuelle Thematik: Die Braunkohlegewinnung und den Hambacher Forst. Bisher habe ich mich mit dieser Sachlage nur rudimentär beschäftigt und finde dieses Buch einen guten Zugang dazu. Der Autor schafft es, die vielschichtigen Perspektiven zu vereinen und im Kontext der Frage: Was ist Heimat? zu vereinen. Das hat mir gut gefallen und mich über Schwächen in den Charakterdarstellungen und dem allgemeinen Handlungsverlauf hinwegsehen lassen.
Nichtsdestotrotz hat der Autor eindeutig versucht viele Fragestellungen und Thematiken in dieses Buch einfließen zu lassen. In meinen Augen hätte es mehr als 256 Seiten gebraucht, um diese in einigen Stellen in der verdienten Ausführlichkeit zu beleuchten.
Profile Image for Syndala.
58 reviews3 followers
September 1, 2020

Andreas Wagner spinnt mit seinem Debütroman „Jahresringe“ eine fesselnde Geschichte über eine Familie und ihre Verbindung zum Bürgerwald, welcher später als Hambacher Forst bekannt werden sollte.
Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt, welche stellvertretend für die drei Generationen der Familie Klimkeit stehen.
Die Handlung beginnt mit einem ostpreußischen Flüchtlingsmädchen, welches nach langer Flucht in Lich-Steinstraß zuerst eine Unterkunft und schließlich eine Heimat findet. Im späteren Verlauf der Handlung erhält man ebenfalls Einblicke in die Gedanken und Gefühle ihres Sohnes und später auch die ihrer beiden Enkelkinder.
Persönlich gefiel mir der erste Teil des Buches, in dem Leonores Geschichte erzählt wird am besten. Die anderen beiden Teile des Buches sind jedoch trotzdem gut und haben ihre Momente.

Das Buch lässt sich wirklich gut und flüssig lesen. Auch wenn ich nicht immer mit den Handlungen aller Charaktere einverstanden war und zum Teil eine andere Meinung zu den Ereignissen hatte, so waren ihre Motive und Beweggründe doch stets nachvollziehbar.
In dem Roman spielt Heimat, Familie und der Bürgerwald eine zentrale Rolle. Die Verbundenheit der einzelnen Generationen mit dem Wald wird und ihre jeweiligen Gründe dafür werden wirklich gut dargelegt.
An manchen Stellen ist der Roman sehr berührend und ergreifend, vor allem an den Stellen die Leonore behandeln.
Das Ende stellt für mich einen gelungenen Abschluss der Geschichte dar.

Fatit: Ein Buch zum Zeitgeschehen, dass selbst zum nachdenken über die Umwelt und Heimat anregt. Ich habe das Buch wirklich gebannt und gerne gelesen.
Profile Image for Julia.
271 reviews54 followers
August 31, 2020
Diese in drei Teilen erzählte Familiengeschichte lebt im Wesentlichen von ihrem guten Lesefluss, den detailreichen Darstellungen und dem unglaublich starken ersten Teil. Das Gesamtpaket kommt, trotz der eher schweren Thematik, ziemlich leicht daher, an manchen Stellen im ersten Drittel haftet dem Roman gar etwas Surreales an - und um ehrlich zu sein hat mir genau dieser Aspekt in den beiden folgenden Teilen gefehlt. Der Übergang auf die zweite und dritte Generation gelingt in meinen Augen nur bedingt. Zwar schafft es Wagner, die Familiendynamik und die Entwicklung des Hambacher Forsts ganz gut zu verknüpfen, die Umstände, die den Generationswechsel einleiten, empfand ich leider als zu gewollt. Die Charaktere, insbesondere die Geschwister der dritten Generation, bleiben im Verhältnis zu Leonore, deren Fluchtgeschichte und der damit verbundenen Suche nach Heimat bis zum Ende das Gerüst bildet, leider sehr blass. Mir fehlte hier teilweise einfach eine klarere, innere Perspektive. Aufgrund seiner Thematik wird der Roman wohl viele Leser/innen begeistern - mir blieb er aber über weite Teile schlichtweg zu oberflächlich und deshalb nur eine sehr eingeschränkte Empfehlung von mir.
33 reviews1 follower
January 30, 2021
Packende Geschichte, vor allem, wenn man die Problematik im dritten Teil aufgrund des Wohnortes hautnah miterlebte. Mir persönlich sind die Aktivisten zu positiv dargestellt. Es ist gut, dass es sie gibt, denn sie haben durch ihren Einsatz zum Hambi- Erhalt beigetragen. Allerdings auch nicht immer mit fairen und gewaltlosen Mitteln. Und doch sieht man die Abholzung nach der Lektüre mit anderen Augen.
Profile Image for Vicky.
285 reviews32 followers
August 26, 2020
Der Hambacher Forst, einer der ältesten deutschen Wälder und Heimatort vieler seltener Tier- und Pflanzenarten, ist zum Synonym für die deutsche Umwelt(zerstörungs)politik geworden. Andreas Wagner hat die Rodungsgeschichte dieses Waldes und die damit verbundenen menschlichen Schicksale zum Gegenstand seines Debütromans gemacht. Die Handlung wird bestimmt durch die umstrittene Thematik des Braunkohletagebaus, die mit der Abholzung von Waldgebieten, die an den Lebensraum der Romanfiguren angrenzen sowie der Zerstörung und Umsiedlung ganzer Dörfer einhergeht.

Wir alle kennen den Hambacher Forst und wissen um seine prekäre Situation. Andreas Wagner aber will mit seinem Roman genauer fokussieren: Wer sind neben der Natur die Leidtragenden der Rodung, wer die Opfer, wer die Täter, wer die Aktivisten. Natürlich sind seine Figuren fiktiv, aber so oder so ähnlich hätte es ablaufen können bzw. ist es tatsächlich abgelaufen, nur eben mit anderen (realen) Personen. Die Firma RWE, die den Braunkohleabbau in NRW betreibt, wird sogar explizit genannt und nicht etwa unter fiktivem Namen verklausuliert.

Schauplatz der Handlung von “Jahresringe” ist das kleine “Doppeldorf” Lich-Steinstraß in Nordrhein-Westfalen, das an den Hambacher Wald oder Bürgewald, wie er auch genannt wird, angrenzt. Die “Entwurzelungsgeschichte” dieses Ortes, der tatsächlich im Zuge des Braunkohle-Tagebaus umgesiedelt wurde, wird exemplarisch anhand der Familie Klimkeit erzählt, deren “Gründerin” Leonore Klimkeit ist. 1946 wird die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Heimatvertriebene im äußersten Westen der jungen Republik “angespült”. Ein auf traditionelle rheinische Lebkuchen (“Moppen”) spezialisierter Bäcker und dessen Mutter nehmen sie bei sich auf, sie erlernt das Handwerk und wird zur Ersatztochter der Familie. Ihre Geschichte geht dem Leser (zumindest wenn ich für mich spreche) sehr nahe. Als “das Flüchtlingskind” oder “die Evangelische aus dem Osten” bleibt sie zeitlebens eine Außenseiterin der Dorfgemeinschaft, die sich trotz aller Anstrengungen als “Fremde” nie integrieren kann. Nur im Wald fühlt sie sich frei und geborgen, wie auch später ihr Sohn Paul (“Alles hier war echt. Alles war Geschichte. Alles war Natur." S.114) . Aber der Wald ist in Gefahr.

Von 1946 bis 2018 wird die Geschichte der Familie weiter verfolgt, immer vor dem Hintergrund der Abholzung des Hambacher Waldes. Von 1976-1984 steht Leonores Sohn Paul im Fokus, später dann ihre Enkelkinder.

Andreas Wagner erzählt unaufgeregt, ohne Schnörkel, aber mit großer Intensität. Sein Erzähler ist allwissend, er macht Verweise in die Zukunft. Vor allem arbeitet der Autor mit einer starken Symbolik und Elementen des magischen Realismus. Das titelgebende Maiglöckchen-Motiv zieht sich leitmotivisch durch den Roman.

Gerne hätte ich manche Figuren ausführlicher verfolgt und mehr über sie erfahren. Zum Beispiel über Pauls Vater oder Jan und Sarah. Was ist aus ihnen geworden? Wie haben sich ihre Anschauungen und Pläne angesichts der Ereignisse im Wald verändert? Schade dass das Buch dann doch ein wenig zu kurz war für einen opulenten Familienroman. Dennoch ist das für mich kein Grund, keine 5 Sterne zu geben: Ein beeindruckendes Debüt mit wichtigem Thema!




343 reviews5 followers
September 1, 2020
Chapeau, Andreas Wagner für dieses Debüt eines Familienepos'. Ein besonderer Heimatroman über die eindringliche Suche nach Heimat. Eine große deutsche Familiengeschichte am Rand des Hambacher Forstes. Als junges Mädchen flieht Leonore aus Ostpreußen in den Westen und verliert dabei nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre Heimat. Leonore hat nur ein Ziel vor Augen: den Westen. In einem kleinem Dorf umgeben von Bäumen findet sie ein neues Zuhause für sich und ihren späteren Sohn. In diesem kleinen Ort zwischen Köln und Aachen, in dem sie ein Zuhause und Arbeit findet, bleibt sie zeit ihres Lebens eine Fremde. Einzig im riesigen Bürgerwald fühlt sie sich geborgen. Für Leonore Klimkeit ist Heimat vor allem dieser Wald nahe des kleinen Dorfes, in dem die aus Ostpreußen Vertriebene Zuflucht gefunden hat. Zwischen den hohen Bäumen findet sie Trost und neuen Lebensmut. Doch als Leonores Sohn Paul zwölf Jahre alt ist, muss der Wald dem Braunkohle-Tagebau weichen, das Dorf wird umgesiedelt. Eine Kleinigkeit für den Kohlekonzern, für die Bewohner ist es jedoch ein Verlust, der sich über Generationen vererben wird. In einer Neubausiedlung am Rand der Kreisstadt versucht Leonore, für Paul und später die Enkel Jan und Sarah eine neue Heimat zu schaffen. Jahre später zieht Paul in dem seelenlosen Neubaugebiet zwei Kinder groß, Leonores Enkelkinder Sarah und Jan, die sich schließlich als Gegner in verfeindeten Lagern gegenüberstehen. Die immer weiter fortschreitende Rodung des Waldes treibt jedoch einen tiefen Keil in die Familie: Denn während Jan einen der gigantischen Schaufelradbagger des Braunkohle-Konzerns steuert, schließt sich seine Schwester Sarah den Wald-Besetzern im Hambacher Forst an. Hier müssen sie entscheiden, wie sehr sie bereit sind, für ihre Heimat zu kämpfen.
Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie, die versucht ihre Wurzeln und Heimat zufinden ohne sich dabei selber zu verlieren. Dieses Wissen, dass man eigentlich nicht erwünscht ist. Zu Wissen, dass die Heimat verloren ist. Wird es jemals eine neue Heimat geben? Das bringt der Autor sehr gut rüber. Dabei schafft er es ohne Ausschweifungen und mit viel Emotionen das Schicksal dieser Familie darzustellen. Gleichzeitig zeichnet er ein Stück der (Nachkriegs)Geschichte Deutschlands und des Hambacher Forstes, welche uns bis heute bewegt. Eine Geschichte von drei Generationen, deren Leben vom Braunkohlabbau am Niederrhein geprägt ist, bekommt Aktualität durch die Ereignisse am Hambacher Forst, die in diesem Buch eine zentrale Rolle spielen. Unaufgeregt und einfühlsam erzählt Andreas Wagner in seinem Debütroman eine berührende Familiengeschichte, die immer wieder die Frage stellt: Was ist Heimat? Eine Bemerkung zu dem schlichten Cover, die Jahresringe von Bäumen findet man bei genauer Betrachtung im Einband wieder, in der Mitte durch den Buchtitel, ein zartes entwurzeltes Maiglöckchen in voller Blüte, das sich genau so durch die ganze Geschichte zieht. Dieses ganz besondere Buch, das lange lange nachhallt, werde ich ganz bestimmt nochmal lesen. Eine sehr reale lebendige Geschichte, einfühlsam und spannend.
46 reviews
September 1, 2020
Die Verbundenheit mit dem Wald
2020 schon beinah wieder in Vergessenheit geraten, beschäftigt sich der Roman „Jahresringe“ mit der Problematik der Abholzung des letzten Teiles des Hambacher Waldes – oder wie Andreas Wagner aufklärt: dem letzten Rest des einst so gigantischen Bürgewaldes. Dabei geht er nicht nur auf die Aspekte ein, die 2018 beinahe täglich in den Nachrichten zu sehen waren, sondern verknüpft die Geschichte des Waldes mit dem Leben dreier Familienmitglieder dreier Generationen, die in irgendeiner Art und Weise in enger Beziehung zum Wald stehen.
Da wäre einmal Leonore, die kurz vor Ende des 2. Weltkrieges vom Osten nach Westen flieht und in einem kleinen Dorf (Lich-Steinstraß, welches es auch tatsächlich gegeben hat) eine neue Heimat. Doch auch wenn sie bleibt und von einem Moppenbäcker freundlich aufgenommen wird: Für die meisten Dorfbewohner bleibt sie eine Fremde und eine Außenseiterin. Trost findet Leonore im gigantischen Bürgewald, in dem sie sich sicher und geborgen fühlt. Ähnliches empfindet auch ihr Sohn Paul, mit dem sich der zweite Teil des Romans beschäftigt. Gemeinsam mit seinem Freund John erkundet er stundenlang den Wald und fühlt sich dort wohl. Doch dann passiert – auch für den Leser sehr überraschend – ein schlimmes Unglück und kurz darauf müssen die Bewohner von Lich-Steinstraß umsiedeln: Das Dorf soll abgebaggert werden.
Während der erste und der zweite Teil des Buches weit in der Vergangenheit spielen, ist der dritte und letzte Teil hochaktuell, da er sich mit den Entwicklungen der Jahre 2016 bis 2018 beschäftigt. Ohne allzu viel zur Handlung verraten zu wollen, fand ich es sehr gut, dass der Autor nicht nur die eine Seite der Medaille beleuchtet hat: Neben Aktivisten kommen auch Mitarbeiter von Rheinbraun zu Wort – schließlich darf man trotz aller Naturschutzaspekte nicht vergessen, dass die Kohle Jobs und Geld in die Köln-Aaachener-Region gebracht hat.
Auch wenn das Buch keine großen Überraschungen beinhaltet – die aktuelle Geschichte des Hambacher Waldes ist schließlich bekannt – hat mit der Roman doch recht gut gefallen und ich habe ihn gerne gelesen. Vor allem für Menschen, die hier aus der Gegend kommen, eine klare Empfehlung!
74 reviews
August 31, 2020
Vertreibung aus der Heimat

Leonore ist seit zwei Jahren auf der Flucht in den Westen. 1946 strandet sie in Lich-Steinstraß und ist auch dort – wie überall – nicht wirklich willkommen. Nur der Moppenbäcker Jean Immerath hat Mitleid mit ihr und nimmt sie in seinem Haus auf. Leonore hilft ihm im Haus und im Laden und zwischen den beiden entsteht eine liebevolle Vater-Tochter-Beziehung. Für alle anderen im Dort bleibt sie aber der Flüchtling, die Evangelische aus dem Osten und wird misstrauisch beäugt. Nur im Dorfdepp Adam findet sie einen Freund, dem sie ihre Nöte und Ängste anvertrauen kann.

Die Geschichte von Leonore hat mich sehr berührt und beschäftigt. Was bedeutete es damals über Jahre kein wirkliches Zuhause zu finden. Alle Angehörigen sind tot oder verschollen und man ist völlig auf sich allein gestellt. Noch nicht einmal erwachsen, muss Leonore unvorstellbares durchgemacht haben.

Auch Leonores Sohn Paul erfährt den Verlust der Heimat – dieses Mal nicht verursacht durch einen Krieg, sondern durch den Braunkohleabbau. Auch das mag ich mir nicht vorstellen. Der Ort an dem man aufgewachsen ist, so gänzlich zu verlieren. Selbst wenn man mittlerweile woanders lebt, kann man doch immer wieder zurückkommen und die Plätze seiner Kindheit besuchen. Dies bleibt Paul leider verwehrt.

Im letzten Drittel werden wir durch Leonores Enkelin Sarah mit der Gegenwart konfrontiert – hier geht es um die Auseinandersetzungen in und um den Hambacher Forst. Und letztendlich geht es auch hier um den Verlust der Heimat – dieses Mal in Form des möglichen Verlustes der Erde für die Menschheit.

Der Roman gliedert sich insgesamt in drei Abschnitte, in denen wir Leonore und ihre Nachkommen jeweils über mehrere Jahre begleiten. Dazwischen gibt es aber wiederum eine Lücke, so dass wir zeitlich springen. Diese Erzählweise hat mir sehr gut gefallen. So erklärt sich auch das, für einen Familienroman, doch recht dünne Buch. Ich hatte aber zu keiner Zeit den Eindruck, dass mir etwas fehlen würde.

Ein großartiges Buch und kaum zu glauben, dass es sich um ein Debütroman handelt. Ich bin auf das nächste Buch von Andreas Wagner mehr als gespannt.
25 reviews
September 28, 2020
Dieses Buch gliedert sich in drei Teile, die jeweils die Lebensgeschichte der drei Generationen Leonore, Paul sowie Jan und Sarah umfassen. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Betrachtung von Heimat und deren Verlust.
Während Leonore als aus Ostpreußen Vertriebene in dem Wald des kleinen Ortes, wo sie letztendlich landete Zuflucht findet, erfährt ihr Sohn Paul diesen Verlust durch den sich nahenden Braunkohletagebau. Seine Kinder, Jan und Sarah, wiederrum stehen sich schließlich als Gegner in der Thematik Hambacher Forst gegenüber.
Das wunderbar gestaltete Cover machte mich zusammen mit dem treffenden Titel und der Inhaltsbeschreibung auf dieses Buch aufmerksam. Voller (Vor)Freude stürzte ich mich ins Lesen. Leider wurde ich mit dem Buch erst nicht so ganz warm. Obwohl im Vorwort angekündigt ist es gerade das Unaufgeregte, mit dem Andreas Wagner diese Familiengeschichte erzählt, die dem Ganzen an Farbe fehlen lässt. Vor allem im ersten Teil, der Leonores Geschichte erzählt, steht für mich zu viel Spirituelles und Unrealistisches (z.B. Leonores „Samenraub“) im Raum.
Der zweite Teil um Paul liest sich dagegen schon deutlich besser, auch wenn er als Person relativ farblos bleibt. Lediglich bei der Entscheidung zur Umsiedlung zeigt er mit seiner Ablehnung zum Verkauf Charakter, lässt sich letztlich aber doch noch kaufen.
Mit Sarah und Jan gelingt der Sprung, der sowohl mit der Sprache als mit dem Geschehen in die Gegenwart und zum überraschenden Schluss führt. Durch Leonores Schilderungen (sowie Gedanken) an Sarah schließt sich letztendlich auch ihr Lebenskreis.
Alles in allem ein lesenswertes Buch, das zum Nachdenken des Umgangs mit der Natur anregt. Und dennoch bleibt ein Gefühl zurück, das vieles nur angerissen und undeutlich bleibt.
1,413 reviews7 followers
August 24, 2020
Beeindruckender und tiefgründiger Debütroman
Mit „Jahresringe“ hat Andreas Wagner einen beeindruckenden und tiefgründigen Debütroman veröffentlicht.
Das Buch ist in 3 Teile mit ca. 80 Seiten eingeteilt. Jeder Teil ist einer Generation gewidmet. Verbunden sind die Teile durch Leonore und durch den Wald.
Im ersten Teil wird von Leonore erzählt, die als junges Mädchen aus Ostpreußen geflüchtet ist und Zuflucht in einem kleinen Dorf findet. Dort geht sie dem Moppenbäcker Hannes in der Backstube, dem Laden und bei der Versorgung seiner alten Mutter zur Hand.
Immer, wenn die Zeit es erlaubt geht Leonore in den Wald, hier fühlt sie sich heimisch und frei.
Im zweiten Teil steht Leonores Sohn Paul im Vordergrund. Paul und sein Freund „John“ sind unzertrennlich und erleben so einiges zusammen. Auch sie sind gerne im Wald. Doch der muss immer mehr dem Braunkohleabbau weichen.
Der dritte Teil ist dann den Kindern von Paul, Sarah und Jan gewidmet. Auch hier spielt der Wald eine große Rolle.
Während Jan einen Schaufelradbagger steuert und dabei hilft den Wald zu roden gehört Sarah zu den Aktivisten die in Baumhäusern gegen die Rodung des Waldes demonstrieren.
„Jahresringe“ hat mich beeindruckt. Das Buch ist unterhaltsam und gleichzeitig tiefgründig.
Es behandelt ein Thema, dass die Menschen beschäftigt und über das man sich Gedanken machen sollte.
Es zeigt den Wandel der Zeit, die Zerstörung der Umwelt und der Natur die im kleinen Anfängt und irgendwann kaum noch zu stoppen ist.
Für so ein Debütromane muss ich einfach 5 Sterne vergeben.
37 reviews
October 3, 2020
Der Umgang mit der Heimat

Der Roman Jahresringe geht über drei Generationen hinweg, die sich alle die Frage stellen müssen, was für sie Heimat bedeutet. Leonore kommt als Jugendliche nach dem zweiten Weltkrieg in das nordrhein-westfalische Dorf und versucht dort Fuß zu fassen. Später als ihr Sohn Paul erwachsen ist, müssen sie ihr Dorf auf Grund des Kohlekraftwerks verlassen und umsiedeln. Ebenso ein großer Teil des von Leonore so geliebten Bürgewald muss weichen. Wieder einige Jahre später, sind Pauls Kinder von Konflikten im Zusammenhang mit dem Tagebau betroffen. Sarah steht als Aktivistin ihrem Bruder Jan gegenüber, der für den Feind am Steuer des riesigen Schaufelradbaggers sitzt.

Andreas Wagner erzählt in einer sehr kurzweiligen Art und Weise die Geschichte einer Familie und deren Umgang mit ihrer Heimat. Als Leser*in kommt man nicht drum herum, sich auch die Frage zu stellen, wie man selber reagiert hätte, wenn man der eigenen Heimat beraubt würde. Würde man kämpfen? Würde man sich damit abfinden?
In dem Roman spielen die Motive des Walds, der Familie und Heimat eine tragende Rolle. Bei dem Thema Familie hatte ich erwartet, dass der Roman sich tiefer gehend mit dem Konflikt der Geschwister auseinandersetzt, was jedoch nicht der Fall ist, da dieser erst recht spät im Buch einsetzt.

Alles in allem ein schöner Roman, der Emotionen hervorruft und auch zum Nachdenken anregt.
297 reviews
August 25, 2020
Meinung:
Dieses Buch konnte mich sowohl durch das Cover, als auch durch die unsagbar spannend klingende Kurzbeschreibung in seinen Bann ziehen, weshalb ich es natürlich lesen musste.
Der Einstieg in das Buch fiel mir dann allerdings nicht so leicht, wie erhofft, dies lang vor allem an dem etwas sperrigen (zumindest in meinen Augen) und weniger flüssigen Schreibstil, der für mich auch nicht unbedingt die Qualität oder den Anspruch hatte Emotionen im Leser zu wecken. Da ich allerdings ein sehr auf Emotionalität fixierter Leser bin, war dies für mich zunächst ein Stolperstein. Doch nach eine kurzen Eingewöhnungszeit konnte ich den Schreibstil besser nachvollziehen und lernte in teilweise sogar schätzen. Die Geschichte und Handlung an sich sind unglaublich klug durchdacht und sprechen von einer hohen Intelligenz und einem bestechenden Können des Autors, denn diese hatte wirklich alles zu bieten, was ein gutes Buch benötigt. Die Charaktere an sich waren solide gezeichnet, dennoch fehlte mir auch hier der individuell emotionale Schliff.

Für mich ein solides Buch, das nach dem etwas holprigen Anfang den Weg in mein Leserherz durchaus gewinnen konnte.
1,050 reviews9 followers
March 26, 2021
Der Wald spielt für drei Generationen eine große Rolle.
Für die Großmutter ist er Heimat.
Für den Sohn der Ort in dem Abenteuer und Freundschaft erlebt.
Für die Enkel ist er Arbeitsplatz und Rebellion.
Fast leise ohne große Dramaturgie wird das Drama unserer Umwelt erzählt.
Krieg, Vertreibung und Abholzung, sehr unterschiedliche Themen, aber immer hat es unmittelbar Folgen für die Menschen.
Die Verstromung der Kohle im Tagebau war eine Zeitlang ungeheuer wichtig, nur wenige haben die Folgen für die Umwelt und das Klima erkannt und sind dagegen angegangen. Heute wissen wir es besser, vielleicht zu spät.
In einem Mikrokosmos mit wenigen Menschen erzählt der Autor, wie es im Großen aussieht. Die Charaktere sind sehr fein gezeichnet, ihre Handlungen stehen mehr zwischen den Zeilen, außer die harte Arbeit, die ist all gegenwärtig. Ein Schulterzucken, eine Grimasse, eine Handbewegung erzählen mehr wie tausend Worte. Ein Kuss, ein Streicheln zeigen die ganze Liebe. Eine Erinnerung erzählt die gesamte Vergangenheit.
Ein nachhaltiges Buch.
Profile Image for Estrelas.
948 reviews
August 30, 2020
„Jahresringe“ erzählt die Geschichte einer Familie in drei Generationen - beginnend mit Leonore, die es nach dem Krieg ins Rheinland verschlägt, über ihren Sohn Paul, mit dem sie wegen des näherrückenden Tagebaus erneut umsiedeln muss, bis hin zu dessen Kindern in der heutigen Zeit, die dem Kohleabbau unterschiedlich gegenüberstehen.
“Allein Düsseldorf! Welchen Klang das hatte! Die Stadt war eine Insel weit draußen in einem undurchdringlichen Ozean. Abenteuerlicher ging es kaum.” Das Typische des Orts mit seinen Besonderheiten, wie einem bestimmten Gebäck, und die Umstände der jeweiligen Zeit, wie die Musik, die die Jungs hören, hat der Autor gut eingefangen. Auch das große Thema Heimat wird greifbar.
Das Buch liest sich gut, ist aber recht unspektakulär. Die Figuren bleiben eher unnahbar; manche Details wirken aufgesetzt und zu konstruiert, um glaubwürdig zu sein. Ich hatte mir von dieser Familiengeschichte mehr erwartet.
Profile Image for Inge H..
448 reviews7 followers
September 1, 2020
Verlorene Heimat
Der Roman Jahresringe von Andreas Wagner ist ein ergreifendes Werk.
Mich hat die Geschichte über drei Generationen gefesselt.

1946 taucht die junge Leonore Klimkeit in einem Dorf als Flüchtling aus Ostpreußen an.
In dem Dorf wird sie die ganze Zeit nicht akzeptiert. Von dem Moppenbäcker wird sie aufgenommen. Es ist interessant wie sie sich, auch noch als evangelische , behauptet.

Der Abschnitt mit ihrem Sohn Paul, zeigt auch noch die dörflichen Ansichten. Paul ist der Sohn einer Flüchtlingsfrau, und auch noch unehelich.
Der letzte Teil zeigt Eleonores Enkel und ihr Kampf um den Hambacher Forst.
Am Ende erfahren wir ein wenig aus Leonores Leben aus Ostpreußen, das sie aber der Familie nur teilweise erzählt.

Andreas Wagner schreibt ungeheuer gut und detailliert. Der Kampf um die Heimat gegen den Kohleabbau ist beeindruckend. Diese Familiengeschichte ist weitschichtig und mit realer Sprache gut zu lesen.
Empfehlenswert.
2,282 reviews13 followers
September 1, 2020
Zum Inhalt:
Leonore findet in einem kleinen Ort nahe Jülich als Vertriebene aus Ostpreußen eine neue Heimat. Als ihr Sohn zwölf Jahre ist soll sie wieder weichen und zwar für den Braunkohleabbau. Lange wehrt sie sich, irgendwann wird aber das Dorf umgesiedelt. Findet sie und ihre Familie eine neue Heimat?
Meine Meinung:
Eigentlich beschriebt die Inhaltsangabe viel zu wenig davon, was dieses Buch eigentlich ist, denn es ist so viel mehr als nur eine Geschichte von der Suche nach Heimat. Es ist eine Geschichte, die sehr leise daher kommt, aber ungeheuer viel hinterlässt. Die Art und Weise wie hier die Geschichte erzählt wird, ist beeindruckend und berührend. Es ist so erstaunlich, dass dieses Buch ein Erstlingswerk ist, denn es steht Werken von Autoren mit großer Erfahrung in nichts nach. Ich fand es richtig toll und hoffe, dass der Autor weiter schreibt.
Fazit:
Eine literarische Perle
Profile Image for yellowdog.
855 reviews
September 1, 2020
großartiges Buch

Jahresringe ist ein Roman, der drei Generationen umfasst und dabei von Kriegsjahren bis zur aktuellen Situation am Hambacher Forst abdeckt.

Die junge Eleonore ist Kriegsvertriebene aus Ostpreußen, die in einem Dorf in Nordrhein-Westfalen bei einem Bäcker eine neue Heimat findet und doch immer eine Außenseiterin in der dörflichen Gemeinschaft bleibt.
Andreas Wagner zeigt das Dorfleben glaubhaft und bei ihm ist Sympathie für die Außenseiter des Dorfes spürbar.

im zweiten Teil steht Eleonores Sohn Paul im Mittelpunkt.
Im letzten Abschnitt sind es die Enkel Jan und Sarah. Mit ihnen sind wir hanezu in der Gegenwart angekommen.

Ich halte den Roman gerade in seiner Gesamtheit für gelungen.
Die starken Figuren machen das Buch so großartig.
Profile Image for Śpiewająca kobieta.
66 reviews
January 5, 2023
Das Buch fängt so bescheiden an. Bescheiden wie Leonore Klimkeit selbst.
Dabei hat es so viel zu bieten: universelle (Nach)kriegsgeschichte, Familienstory, (un)love story, Freundschaftstory, eine Prise Magie, eine Handvoll Naturliebe, Klimaaktivismus und mehr.

Es erzählt von der Unausweichlichkeit des Schicksals, den Versuchen, diesem doch noch zu trotzen oder dieses doch mit Gelassenheit, ja Dankbarkeit zu akzeptieren.

Ich liebe es.
Displaying 1 - 20 of 20 reviews

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