»Was wollte und was will die Linke von der Kunst?«Die Frage, welche Rolle die Kunst in gesellschaftlichen Prozessen spielt, zieht sich durch eine Vielzahl von Texten linker Theoretiker*innen. Welcher Stellenwert wird der Kunst in der Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse darin jeweils eingeräumt? Was wird jeweils von der Kunst erwartet? Ist sie Teil emanzipatorischer Veränderungen oder steht sie ihnen im Wege?Kenntnisreich präsentiert Jens Kastner die unterschiedlichen Positionen zur Kunst in den wichtigsten Strömungen linker Theorie. Diese Zusammenschau dient nicht nur als lebendig geschriebene Einführung in das Thema ›die Linke und die Kunst‹. Sie macht auch deutlich, dass innerhalb linker Theorie der Stellenwert der Kunst für die gesellschaftliche Transformation und Reproduktion gemeinhin sehr hoch angesetzt wird und die Hoffnungen auf emanzipatorische Effekte durch und mit Kunst erstaunlich groß sind.
Kastner bietet einen soliden, historisierenden Überblick zum Verhältnis der Linken und der bildenden Kunst. Dabei wird ein gewisses Grundwissen in Kunstgeschichte und linker Theorie vorausgesetzt. Er analysiert, welchen gesellschaftlichen Stellenwert und welche Funktion derr Kunst von zentralen linken Theoretiker*innen in ihrem Theoriegebäude jeweils beigemessen wird. Disclaimer: Obwohl die Kunst in den besprochenen Programmen eine Randposition einnimmt, wird ihr irgendwie doch ziemlich viel revolutionäres Potenzial zugeschrieben. Der logische Aufbau ist dabei sehr gelungen. Im Gegensatz zu anderen Überblickswerken sticht Kastner meines Erachtens dadurch heraus, dass er sehr differenziert auf die einzelnen linken Strömungen eingeht (von orthodoxen Marxist*innen, der situationistischen Internationalen über Feminismus, Postkolonialismus und Postoperaismus) und sich z.B. nicht unter dem großen Label "links" bzw. "marxistisch" dann doch nur auf kritische Theorie versteift, wie es in linken Auseinandersetzungen mit Kunst häufig der Fall zu sein scheint.
Ausgezeichneter Überblick über unterschiedliche Theorieansätze linker Bewegungen/Denkschulen zum Thema Kunst. Auch wenn die bildende Kunst hier der Fokus der Betrachtung ist, kommt auch die Literatur nicht zu kurz. Die große Bandbreite der Ansätze wird dabei keineswegs versöhnt, sondern mit allen Differenzen und Schwächen dargestellt. Sehr brauchbarer, linker Ansatzpunkt, um weiter in dieses, oft nicht besonders zugängliche, Thema (Ästhetik, Kunstkritik) einzusteigen.