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Die Götter müssen sterben

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Wird sie die Amazonen retten – oder in den Untergang führen?
Düster, dramatisch und atemraubend actionreich: Dark Fantasy aus der Welt der Amazonen

Die Zeit der Unterdrückung ist vorbei!
Troja wird fallen, und die Amazonen werden sich endlich an den Helden rächen, die ihresgleichen töteten. So besagt es eine Prophezeiung von Artemis, der Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt, sollen die Amazonen die Welt beherrschen.
Doch Artemis segnet ausgerechnet Areto mit ihren Kräften, die keine Kriegerin ist und auch sonst kein hohes Ansehen genießt. Wie kann eine wie sie der Macht einer Göttin würdig sein und ihre Schwestern in eine neue Welt führen?
Während Areto lernen muss, mit ihrem Schicksal umzugehen, spaltet ihre Erwählung die Amazonen in zwei Lager – ein Konflikt, der ihrem Volk im Trojanischen Krieg den Untergang bringen könnte. Denn der wahre Feind lässt sich nur mit vereinten Kräften töten. Um das Leid der Amazonen zu enden und sie zur Macht zur führen, müssen nicht nur Helden sterben, sondern auch Götter.

Mit »Die Götter müssen sterben« hat die erfolgreiche Autorin Nora Bendzko (»Die Galgenmärchen«) einen packenden Dark-Fantasy-Roman geschrieben, der nicht nur Fans von Markus Heitz begeistern wird.

512 pages, Paperback

First published June 1, 2021

22 people are currently reading
363 people want to read

About the author

Nora Bendzko

20 books27 followers
Die 1994 geborene Münchnerin wuchs in einer teils deutschen, teils marokkanischen Familie auf. Einmal begonnen, hat das Schreiben phantastischer Texte sie nicht mehr losgelassen.

Der Wunsch, Literatur zu einem festen Bestandteil ihres Lebens zu machen, brachte sie nach Wien, wo sie die Deutsche Philologie studiert. Neben dem Studium arbeitet sie als Lektorin.

Wenn sie sich nicht mit dem Schreiben beschäftigt, singt sie leidenschaftlich. Beide Passionen lebt sie in Metal-Bands wie »Nightmarcher« aus.

Um immer up to date zu bleiben, kann man ihren Newsletter abonnieren: norabendzko.com/dark-letter

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Community Reviews

5 stars
85 (31%)
4 stars
91 (34%)
3 stars
62 (23%)
2 stars
22 (8%)
1 star
7 (2%)
Displaying 1 - 30 of 76 reviews
Profile Image for Sara Bow.
252 reviews1,093 followers
June 23, 2021
5 Sterne - genial geschrieben und toll recherchiert. Danke liebe Nora, dass du so viel hinterfragt hast bei deiner Recherche und uns die Welt der Amazonen näher bringen konntest :)
Profile Image for Buecherwuermchen.
18 reviews5 followers
July 6, 2021
Als die Debatte um mehr Diversität in Medien und Literatur aufkam, wurde oft kritisiert, dass sich progressive Bücher zu sehr auf die Repräsentation von Minderheiten fokussieren und andere handwerkliche Aspekte darüber vernachlässigen. „Hauptsache divers und nichts dahinter“ hieß es häufig. „Die Götter müssen sterben“ von Nora Bendzko hat mich oft an diese Debatte erinnert und darüber nachdenken lassen, wo diese Kritik überhaupt herkommt.

Mir hat das Buch nicht besonders gut gefallen, das gleich vorweg. Ich bewerte Bücher danach, wie viel Spaß sie mir machen, während ich sie lese. Ich sehe öfter über Plotlöcher und Schwächen hinweg, wenn sie mir beim Lesen nicht auffallen oder mich nicht besonders stören. Für mich werden sie erst dann wirklich zum Problem, wenn ich mich beim Lesen darüber ärgere und sie mich aus der Geschichte herausreißen. Mir sind beim Lesen dieses Buches leider viele Dinge aufgefallen, die mich gestört und aus der Immersion gerissen haben. Besonders schade fand ich jedoch, dass die Schwächen so groß waren, dass ich die Aspekte, die gut umgesetzt waren, nicht mehr wertschätzen konnte.

Obwohl einige Probleme, die ich mit dem Buch hatte, auch diesen Aspekt betreffen, ist die Diversität des Buches eine seiner großen Stärken. Repräsentation ist wichtig und „Die Götter müssen sterben“ hat viel davon. Das allermeiste fand ich gut und respektvoll umgesetzt. Ich habe vorher kein deutsches Buch gelesen, in dem eine nichtbinäre Figur vorkommt, für die Neopronomen verwendet werden. Besonders gefallen hat mir auch, dass sich die Autorin traut, mehr als eine Form von Diversität im Buch unterzubringen. Die meisten Bücher fokussieren sich hier auf ein oder zwei Figuren, die ein oder zwei Formen der Diversität repräsentieren, aber „Die Götter müssen sterben“ zeigt, dass auch wesentlich mehr möglich ist. Ich hoffe, dass das Buch hier kein Ausreiße bleiben wird, sondern dass sich die deutsche Phantastik immer mehr in genau diese Richtung entwickeln wird.

Dennoch fand ich ein paar Aspekte ungeschickt umgesetzt. Gestört hat mich beispielsweise die Beziehung zwischen Achill, Penthesilea und Patroklos.

Trotz dessen ist die Diversität in diesem Buch an sich gut umgesetzt, zumindest zum größten Teil. Aber dann auch wieder nicht. Aber das liegt nicht an der Diversität an sich sondern an allem anderen.

Besonders aufgefallen ist mir das bei einer Figur. Callistus ist asexuell und das war in gefühlt jeder Szene, in der er vorkam, ein Thema. Viel mehr erfährt man über ihn nicht. Auch viele andere Figuren, die in irgendeiner Weise Diversität repräsentieren, bleiben über diesen einen Aspekt heraus sehr blass. Da ist die Frau, die mit zwei Männern verheiratet ist. Da ist die Person, die nichtbinär ist. Da ist die Priesterin mit der Zwangsstörung. Die Figuren wirken wie leere Schablonen. Man könnte meinen, sie werden auf diese Aspekte reduziert, wenn man sich jedoch die anderen Figuren ansieht, die im Roman auftauchen, merkt man schnell, dass das Problem viel grundlegender in der Charakterisierung der Figuren liegt. Selbst mit den drei Perspektivträgerinnen wurde ich nie wirklich warm. Ich hatte nicht das Gefühl, sie wirklich zu kennen oder dass sie sich entwickeln. Achill kam kaum vor und war die einzige Figur, die mich wirklich interessiert hat. Alle anderen Figuren waren mir schrecklich egal. Areto war nur ganz kurz davor mich furchtbar zu nerven, weil sie nach einem vielversprechenden Start eigentlich nichts mehr will und keine eigene Agenda hat, sondern nur den Plänen anderer hinterherläuft. Insofern glaube ich nicht, dass sich die Autorin hier zu sehr auf Diversität fokussiert, um ihren Figuren darüber hinaus noch einen Charakter zu geben, ich glaube eher, dass die Charakterisierung ganz unabhängig davon nicht gut war und für mich persönlich überhaupt nicht funktioniert hat.

Teilweise fand ich die Art, wie Diversität erwähnt und besprochen wurde, etwas plump. Das lag aber nicht an der Diversität, sondern am Schreibstil, der auch andere Aspekte sehr plump wirken lies. An vielen Stellen soll das Buch wohl bewusst altertümlich klingen, was teilweise etwas befremdlich wirken kann. Mir fehlte jedoch auch an vielen anderen Stellen Fingerspitzengefühl und Finesse. Das Buch war lesbar, aber nicht besonders gut und ging an vielen Stellen nicht genug in die Tiefe, blieb oberflächlich und sehr deskriptiv. An vielen Stellen sind mir grammatikalische Fehler aufgefallen. Meiner Meinung nach hätte sie das Lektorat ausmerzen müssen, deshalb möchte ich das der Autorin gar nicht ankreiden. Ich war am Ende wirklich überrascht, dass das Buch überhaupt ein Lektorat hatte, so häufig sind mir diese Fehler ins Auge gesprungen.

Kritiker von Diversität merken häufig an, dass Figuren zu Stereotypen verkommen, die über die Repräsentation die sie verkörpern hinaus keine Tiefe haben und nur darüber definiert werden. Gerade weil Kritiker das auch über dieses Buch sagen könnten, merkt man, wie haltlos diese Kritik eigentlich ist. Das Problem ist nicht die Diversität, das Problem ist die Charakterisierung der Figuren an sich. Diversität selbst macht das Buch nicht besser oder schlechter, hier geht es schlicht um handwerkliches Können. Und ja, häufig werden Figuren in Romanen zum Beispiel auf ihre Sexualität reduziert, sobald sie nicht heterosexuell sind. Das Problem ist dann aber nicht, dass sie nicht heterosexuell sind, sondern dass sie schlecht geschrieben wurden. Das Argument spricht nicht gegen mehr Diversität sondern eher dafür, dass manche Menschen einen dafür Grund suchen, warum Bücher weiß-männlich-cis-hetero bleiben sollten.

Was ich sehr gerne gelesen hätte ist ein Buch über Achill, Penthesilea und Patroklos, erzählt aus ihren drei Perspektiven. So problematisch wie ich einige Aspekte ihrer Beziehung fand, sie war letztendlich doch am interessantesten, gerade wegen ihres tragischen Endes. Von den drei Perspektivträgerinnen fand ich Penthesilea letztendlich doch am spannendsten und ich hätte mir gewünscht, dass auf einige ihrer inneren Konflikte mehr eingegangen worden wäre. Hier wurde leider viel Potenzial verschenkt.

Areto konnte mich leider am allerwenigsten von sich begeistern. Am meisten Entwicklung macht sie in den ersten 100 Seiten durch, danach wird sie leider immer blasser. Das traurigste ist, dass man sie einfach aus dem Buch streichen könnte, der Plot würde sich nicht verändern. Sie bleibt das Buch über passiv und läuft mit, folgt Hinweisen und Prophezeiungen, hat aber nie eine eigene Agenda. Sie soll wohl vor allem als Identifikationsfigur für den Leser dienen, das funktioniert hier aber leider nicht besonders gut, weil sie dafür auch wieder zu passiv bleibt. Zudem dient sie als Repräsentation für psychische Störungen, die hier als "Schatten" auftauchen. Die Autorin hat selbst gesagt, dass bewusst offen gehalten ist, an welcher Krankheit sie leidet. Gut umgesetzt fand ich das an dieser Stelle nicht. Prinzipiell fand ich die Idee nicht schlecht, den Schatten hier als Metapher zu wählen, um in einer Zeit über die Krankheit sprechen zu können, in der es dafür noch nicht das Vokabular gab, das wir heute haben. Die Metapher geht hier jedoch zu weit. Die Trennung zwischen Areto und dem Schatten war so groß, dass es wiederum unrealistisch gewirkt hat. Sie spricht mit einer Distanziertheit von ihrem Schatten, die für die allermeisten Störungen sehr untypisch ist. Stellenweise las es sich wie Schizophrenie, dann wieder wie eine Depression. Repräsentation ist hier wichtig, allerdings sollte es dann so geschrieben sein, dass sich Personen auch damit identifizieren können und sich nicht so sehr in einer Metapher verlieren, dass es unrealistisch wird.

Clete war eine Figur, von der ich nicht wusste, warum sie überhaupt eine eigene Perspektive hat. Sie hat mich nicht genervt und war teilweise durchaus sympathisch, aber sie macht im Buch keine wirkliche Entwicklung durch und erfüllt auch sonst eher die Rolle eine Nebenfigur. Ich hätte mir gewünscht, dass ihre Perspektive entweder eine der anderen Figuren mit mehr Potenzial bekommen hätte, oder dass sie etwas zum Plot beigetragen hätte, das sie über den Status einer Nebenfigur erhoben hätte.

Das Buch will sehr feministisch sein, an einigen Stellen war ich mir aber nicht sicher, ob es mit den Amazonen einen Gegenentwurf zum Patriarchat anpreisen möchte oder nicht. Stellenweise wirkt es so, auf der anderen Seite wirkten die Amazonen für mich teils genauso abschreckend. Am Ende wird zwar richtigerweise angemerkt, dass die Gesellschaft der Amazonen ebenfalls nicht perfekt ist, andere Aspekte werden jedoch nicht reflektiert. Ich hatte stellenweise das Gefühl, dass sich das Buch nicht entscheiden kann, ob es mit den Amazonen einen positiven Gegenentwurf zum patriarchalen Athen aufzeigen will, denn so offen und divers wie die Gesellschaft der Amazonen ist, wirkt es stellenweise so, oder ob es aufzeigen will, dass keine Gesellschaftsform wirklich perfekt ist. Durch diese Unentschlossenheit ist dieser Aspekt am Ende leider nur schwammig und verwirrend. Sehr spannend hingegen fand ich den Blutdurst der Amazonen durch das Erbe von Ares und den Götterwahn der Helden.

Eins meiner Probleme war, dass die Amazonen teilweise so geschrieben waren wie die schlimmsten Machokrieger, die man sich vorstellen kann. Wenn erwachsene Frauen darüber sprechen, dass sie sich auf den „Lustknaben“ freuen, den sie sich im Bordell gönnen werden, dann finde ich das nicht besser, als wenn erwachsene Männer sich auf ein „Lustmädchen“ freuen. Reflektiert wurde dieser Aspekt jedoch nie. Ich hätte mich gefreut, wenn man hier nicht einfach das Athener Ideal der unterwürfigen Frau durch ein anderes ersetzt hätte, sondern gezeigt hätte, dass verschiedene Ideen von Weiblichkeit gleichzeitig existieren können. Ich wünsche mir Phantastik, die zeigt, dass es okay ist, wenn man eine starke Kriegerin sein will, aber auch, dass es okay ist, wenn man das nicht will und gerne Blumen pflückt. Areto wäre eine gute Gelegenheit gewesen, zu zeigen, dass man auch auf andere Weise eine starke Kriegerin sein kann, leider wurde dieses Potenzial hier verschenkt.

Generell ist das Buch voller Sex. So viel, dass es mich irgendwann wirklich gestört hat. Zum einen sind da die Sexszenen. Die waren nicht besonders gut geschrieben und haben mich eher abgestoßen als irgendetwas sonst . Das ist die eine Sache. Auf der anderen Seite wird aber auch sonst ständig über Sex geredet. Ununterbrochen. Hinzu kommt der Inzest, ständig, überall. Man muss fair sein und sagen, dass Inzest und Sex in der griechischen Mythologie ohnehin schon sehr präsent sind und sich das Buch hier im Prinzip nur treuer an die Vorlage hält als andere Adaptionen. Dennoch war es an vielen Stellen einfach nur unnötig, beispielsweise bei . Das hätte nicht sein müssen, es hätte nichts geändert, wenn es nicht im Buch gewesen wäre und scheint mir am Ende nur als Schockeffekt eingefügt worden zu sein. Sexualität darf in so einem Buch natürlich durchaus stattfinden, aber hier war es einfach übertrieben.

Und dann ist da der Plot, der… ja, worum geht es im Buch eigentlich? Das habe ich bis zum Ende nicht verstanden. Die Prämisse ist interessant, Artemis wählt ausgerechnet Areto aus, um die Amazonen als ihre Auserwählte in die Schlacht um Troja zu führen. Warum? Keine Ahnung. Das wird bis zum Ende nicht erklärt. Nicht nur hat dieser Aspekt auch innerhalb der Geschichte keinen wirklichen Grund, auch auf der Metaebene führt die Auswahl von Areto als Auserwählte die Geschichte nirgendwo hin und dient am Ende nur dazu, ihr einen Grund zu geben, mit den anderen nach Troja zu reisen. Überhaupt handelt der Großteil des Buches davon, dass die Amazonen nach Troja reisen, ein richtiges Ende gibt es aber auch nicht. Wozu das Ganze? Was soll mir die Geschichte am Ende sagen? Keine Ahnung. Nichts führt irgendwo hin.

Die Autorin dekonstruiert und hinterfragt viele Mythen. An vielen Stellen gelingt das gut, an anderen nicht und gerade wenn es um den trojanischen Krieg geht, scheint die Autorin nicht sicher zu sein, was sie eigentlich sagen will. Angeblich geht es um einen Apfel, der der schönsten Göttin gegeben wurde. Dann wieder nicht, der Mythos wird hinterfragt. Dann geht es aber doch wieder nur um diesen Apfel. Das Problem ist hier, dass in so einem Fall eben auch alternative Erklärungen angeboten werden müssen. Wenn es gar nicht wirklich um einen Apfel geht, um den sich die Göttinnen zanken, worum geht es dann? Irgendwie muss der Krieg ja ausgelöst worden sein und wenn er so eine zentrale Rolle spielt, sollte das auch erklärt werden. Die Autorin scheint an vielen Stellen Mythen dekonstruieren zu wollen und erklärt, warum Mythen und Erzählungen nicht immer vollständig getraut werden sollte, was ja auch spannend ist. Sie kann sich dann aber nicht entscheiden, was denn sonst hinter allem steckt und lässt häufig zu große Lücken und zu viel Interpretationsspielraum für den Leser.



Insgesamt war das Buch vielleicht auch einfach nichts für mich. Anderen hat es gefallen und das freut mich wirklich. Ich stehe absolut hinter den Entwicklungen, für die dieses Buch steht, mich konnte es aber leider nicht überzeugen. Mir sind die Charaktere eines Buches und ihre Beziehungen untereinander unglaublich wichtig und ich hoffe, dass ich irgendwann auch epische Fantasy finde, die dem gerecht wird.

Beim Lesen musste ich oft daran denken, dass Kritiker Büchern mit viel Diversität gerne den Vorwurf machen, sie würden sich zu sehr auf Diversität fokussieren und darüber vergessen gute Bücher zu schreiben, aber letztendlich macht Diversität ein Buch nicht schlecht. Diversität wird zwar immer ein Faktor bleiben, der ein Buch grundsätzlich besser macht, solange die Repräsentation gut umgesetzt ist. Dennoch können Bücher mit Divestität schlecht geschrieben sein, wenn grundlegende handwerkliche Aspekte nicht gut umgesetzt wurden. Wenn einem ein Buch mit viel Diversität nicht gefällt ist das okay. Dann sollte man aber auch die eigentlichen Gründe dafür erkennen. Liegt es daran, dass das Buch einfach nicht gut geschrieben ist oder eher daran, dass man ein Buch mit Diversität nicht mögen will? Das Buch ist letztendlich nicht wegen sondern trotz der enthaltenen Diversität nicht besonders gut. Ich wünschte, ich hätte das Buch mehr gemocht. Aber vielleicht lassen sich ja andere davon inspirieren und trauen sich, mehr Diversität in ihre Bücher einzubauen.
Profile Image for Katto.
152 reviews17 followers
August 17, 2021
Ich habe lange überlegt, wie ich diese Rezension am besten verfasse, oder ob ich sie überhaupt verfassen möchte.

Ich habe die Autorin einige Zeit lang auf Twitter verfolgt und so natürlich über ihr Buch erfahren. Zuerst habe ich versucht ein bisschen Abstand davon zu halten und erstmal abzuwarten, aber natürlich fand sich immer wieder Lob oder gute Bewertungen auf meiner Timeline. Also, sehr viel eigentlich. Dadurch bin ich dann neugierig geworden. Woran ich aber nicht gedacht habe ist, dass man als Autorin seinem Werk durchaus voreingenommen ist und auch nur positive Sachen mit anderen teilt. Bei der einen kritischen/negative Review, von der etwas geteilt wurde, wurde ein Satz einfach nur völlig aus dem Kontext gerissen und damit geworben - daher kommt auch meine Scheu vor dieser Review.
Gut, schließlich habe ich mich also doch entschieden das Buch zu lesen. Ich muss zugeben, dass meine Erwartungen zu diesem Zeitpunkt schon recht hoch waren, einfach durch den ganzen Hype den ich mitbekommen habe. Aber auch ohne diese hohen Erwartungen wäre ich doch recht enttäuscht gewesen.

Ab diesem Punkt enthält die Review Spoiler und ich werde einige Gedanken (in unabhängiger Reihenfolge) auflisten.

Fangen wir einfach mal bei der Hauptperson Areto an, die eigentlich nicht viel zur Entwicklung der Geschichte beigetragen hat. Selbst ohne sie, wäre das meiste vermutlich sehr ähnlich abgelaufen und das Auge der Artemis hatte jetzt auch keine tragende Rolle.

Die Idee der Diversität der Charaktere war gut, aber die Umsetzung mangelhaft. Nicht-binäre Personen werden als “Vielselige” bezeichnet, dieser Begriff erinnert mich aber eher an die indigene Bevölkerung und deren Two-Spirit Identität und nicht an “klassische” nicht-Binarität. Ich habe mich durch Iphito auch nicht repräsentiert gefühlt (aber ich bin mir auch nicht sicher, ob ich mich in dieser Geschichte überhaupt repräsentiert sehen möchte).
An sonstiger Repräsentation findet man Polygamie/Polyamorie, einen asexuellen Sklaven und wie erwartet natürlich auch Lesben. Was mich hier gestört hat war, dass das wohl auch die Haupteigenschaften dieser Personen waren und den Charakteren sehr viel Tiefe gefehlt hat.
Die Dreierbeziehung zwischen Penthesilea, Achilles und Patroklus hat mir leider überhaupt nicht gefallen.

Prinzipiell gibt es in dem Buch ein großes Thema: Sex. Viele Gespräche über Sex, nicht ansprechende Sexszenen. Viele der Sexszenen waren einfach nur überflüssig und haben absolut nichts zur Geschichte beigetragen. Die einzige Sexszene die mir einfällt die irgendwie eine Bedeutung hatte, war die zwischen Areto und Clete am Tor zur Unterwelt, obwohl ich das eigentlich auch sehr unpassend fand, an solch einem Ort miteinander zu schlafen.

Dass bei den Amazonen nicht alles schön und in rosa Zuckerwatte gepackt ist, ist mir durchaus bewusst. Aber das typische Macho-Gehabe, Gespräche über “Lustknaben” und dergleichen fand ich einfach nur abstoßend. Gleich vorneweg: Das ist nicht, weil die Amazonen Frauen sind “und Frauen sich nicht so zu verhalten zu haben”, bei Männern und “Bad Boys” finde ich dieses Verhalten genauso unangenehm.

Aretos Schatten: Eine Metapher für eine (unspezifizierte) psychische Krankheit. Das mit einem Schatten oder eine Dunkelheit höre/lese ich jetzt nicht zum ersten mal, aber irgendwie wirkt das ganze wahnsinnig distanziert und willkürlich auf mich.

Zur Story: Ich konnte keinen zusammenhängenden Plot erkennen. Ja, es ist viel passiert aber das ganze hat irgendwie keinen roten Faden. Die Rückblenden in Penthesileas Zeit auf Skyros haben mich auch ziemlich aus dem ganzen rausgerissen, da mir nicht sofort klar war, dass diese Ereignisse in der Vergangenheit liegen. Und obwohl mir die Beziehung zwischen Penthesilea, Achilles und Patroklus nicht sonderlich gefallen hat und ich hier einige Probleme hatte, war das doch der interessanteste Teil am gesamten Buch (wenn man den Sex ignoriert).
Der Teil von Dionysos und seinen Mänaden hat mir auch nicht gefallen und ich möchte am liebsten vergessen, was ich da gelesen habe.

Kurz gesagt: Der Anfang mit Areto in Athen war okay, das Ende bei der Schlacht um Troja auch. Zwischendrin hab ich mich eigentlich hauptsächlich nur geärgert und ich hätte das Buch wahrscheinlich einfach abbrechen sollen, aber dafür war ich dann doch zu stur.

Diese Review beende ich mit dem ersten Satz, der mir in den Sinn gekommen ist, nachdem ich das Buch endlich fertig gelesen habe:
“Das Lesen dieses Buches war ein schlimmerer Kampf, als der um Troja.”

Gemeinsam gelesen mit Tess.
Profile Image for Roxane Bicker.
Author 19 books28 followers
June 13, 2021
Mit "Die Götter müssen sterben" legt Nora Bendzko eine düstere Interpretation der griechischen Sagenwelt vor. Die Amazone Areto zählt sich nicht zu den Kämpfenden, doch als gerade sie von der Göttin Artemis auserwählt wird, muss sie sich entscheiden. Ihr Weg führt sie an der Seite ihrer Schwestern durch die Unterwelt bis vor die Tore Trojas.
Das Buch ist zwar düster und blutig, aber der Geschichte angemesseh. Es ist gendergerecht und respektvoll geschrieben, besonders gefreut haben mich die diversen Charaktere mit u.a. nicht-binären und asexuellen Personen.
Nora Bendzko erzählt die Geschichte hauptsächlich aus der Perspektive von Areto, Clete und Penthesilea, hinzu kommen Rückblicke und die Sicht der Göttin Artemis. Dies reißt für mich die Geschichte etwas auseinander, macht es tw. nicht ganz einfach zu folgen, auch konnte ich nicht wirklich eine Beziehung zu den Personen aufbauen, sie bleiben blass und gehen nicht in die Tiefe. Die größte Lücke besteht für mich zwischen dem Ersten und Zweiten Gesang, wo einfach viel zu viel Zeit übersprungen und damit gerade die Entwicklung von Areto viel zu sehr aus der Geschichte herausgenommen wird. Das Ende war mir viel zu offen, da hätte ich mir einen runderen Abschluss gewünscht und auch sonst hat sich mir nicht wirklich erschlossen, warum nun gerade Areto die Erwählte war und was sie mit diesem Status bewirken sollte.
Alles in allem war das Buch okay, hat mich aber doch leider etwas enttäuscht zurückgelassen. Nora Bendzko hat vieles richtig gemacht, an dem sich andere durchaus orientieren sollten, und ich würde auch gerade deswegen eine Leseempfehlung aussprechen, aber gerade an der Story und der Darstellung der Personen hapert es noch etwas.
Profile Image for Letanna.
1,947 reviews60 followers
June 1, 2021
Ausgerechnet die Amazone Areto wird von der Göttin Artemis mit ihrem Auge gesegnet. Areto ist aber keine Kriegerin und auch keine Amazone von Geburt her. Jetzt muss sie sich mit ihrem neuen Schicksal abfinden, was nicht einfach für sie ist.

Bei diesem Buch haben mich das Cover und auch der Klappentext sehr angesprochen, deshalb wollte ich es auch unbedingt lesen. Der Einstieg in die Geschichte war nicht so einfach. Die Handlung ist doch recht komplex und der Stil auch eher ungewöhnlich. Die Autorin erzählt hier auf ihre eigene Art den Untergang von Troja und mischt das ganze mit einer guten Portion Fantasy. Die Grundidee hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Am Anfang gibt es mehrere größere Zeitsprünge, die dafür gesorgt haben, dass mir die Charaktere erst einmal etwas fremd waren. Das hätte man sich für meinen Geschmack sparen können und diese wichtigen Ereignisse besser als Rückblenden erzählen können.

Die Autorin legt sehr viel Wert auf die Charakterentwicklung. Es viele verschiedene Protogonisten, für meinen Geschmack leider auch etwas zu viele, so bin ich immer wieder durcheinander gekommen, denn es gibt leider kein Glossar mit Namen.

Insgesamt fand ich das Buch nicht schlecht, kein Highlight, aber eine Leseempfehlung gibt es trotzdem von mir. Ich vergebe 4 von 5 Punkte.
Profile Image for Sirene.
729 reviews72 followers
September 5, 2021
Götter, Helden, Amazonen und viel Blut. Meine Güte, das Buch war blutig! Nicht ohne Grund gibt es am Anfang des Romans einen Hinweis darauf, aber wie man so ist, denkt man sich natürlich nicht viel bei der Warnung und so war ich, trotz jeglicher Warnung, überrascht.

Doch kommen wir zu dem Roman von Nora Bendzko, dabei handelt es sich nicht um einen Debütroman, aber ihren ersten Roman im Hause Droemer Knaur. Sonst gibt es noch einzige Veröffentlichungen unter unterschiedlichen Kleinverlagen oder Selbstverlagen, darunter hauptsächlich Kurzgeschichten.
Inhalt

Troja wird fallen – und die Götter müssen sterben! So besagt es eine Prophezeiung von Artemis selbst, der mächtigen Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt und das Schicksal der Götter besiegelt ist, sollen die Amazonen die Welt beherrschen.
Doch Artemis segnet ausgerechnet die junge Areto mit ihren Kräften, die keine Kriegerin ist und auch sonst kein hohes Ansehen genießt. Wie kann eine wie sie der Macht einer Göttin würdig sein und ihre Schwestern in eine neue Welt führen? Während Areto lernen muss, eine Anführerin zu sein, spaltet ihre Erwählung die Amazonen in zwei Lager – ein Konflikt, der ihrem Volk im Trojanischen Krieg den Untergang bringen könnte.
Schon wieder Troja?

Wenn man eine Geschichte über Götter lesen möchte, kommt man nicht an einer Adaption von der Schlacht von Troja vorbei. Ich kann gar nicht mehr aufzählen, wie viele ich gelesen haben über das letzte Jahrzehnt. Aber woran liegt das? Es war die eine Schlacht, wo alle Götter sich haben mitreisen lassen. Und genau diese Schlacht hat zahlreiche verschiedene Aspektmöglichkeiten für Autoren.
Und überraschend für mich war, die Amazonen als erzählendes Volk zu Troja zu haben. Oft waren es die Helden der Schlacht oder Frauenschicksale. Aber die Amazonen, von denen habe ich in dem Kontext noch nicht gelesen.
Kriegerinnen und ihr Schicksal

Am besten hat mir in diesem Buch gefallen, dass wir hier verschiedene Amazonen und ihr Schicksal, ja ihre Vergangenheit, kennen lernen durften. So viele Charaktere gefielen mir und ich denke, zu denen selbst, hätte ich gerne ein Buch gelesen. Nicht, dass die Autorin sich nicht ausreichend Zeit für sie nahm, ganz in Gegenteil. Immer wieder im Wechsel wurde die Vergangenheit von der einen oder anderen erzählt. Das waren mir die liebsten Momente im ganzen Buch.
Andere Dinge blieben auf der Strecke…

Die Protagonistin dafür, blieb auf der Strecke. Sie bekam zu Beginn ihre ganze Handlung erzählt und immer wieder gab es Einschübe zu ihr, oftmals heroische. Aber so ganz, wie die anderen Kriegerinnen, kam sie bis zum Ende nicht rüber. Sie blieb für mich am blassesten von allen Charakteren.
Außerdem war es manchmal nicht leicht, zwischen den ganzen Intrigen, Machenschaften und zahlreichen Dialogen, mitzukommen. Beim Lesen musste ich mich durchaus ein gewisses Maß konzentrieren, konnte mich beim Lesen nicht so stark vertiefen, wie ich es mir gewünscht hatte. Womöglich wäre es mit einer etwas flüssigeren Sprache leichter gewesen, aber das ist mal eine Vermutung.
Andererseits wurden hier viele Erzählungen und Personen aus der Saga aufgenommen, was mir ebenfalls gut gefiel, und alles sehr üppig machte.
Blut, Kampf und das Spiel mit den Sexualitäten

Was das Buch deutlich abhebt, von anderen Adaptionen, ist neben der blutigen Gewalt, die sich durch viele Kämpfe zielt, die Sache mit den Geschlechtern.
Noch ein Wort zur Gewalt, das ist natürlich objektiv zu betrachten, wer mit wie viel auskommt, was es nicht gab, worüber ich froh bin, ist explizite Gewalt an Frauen von Männern. In dem Roman sind es Schlachten und Kämpfe.
Nun zu den Sexualitäten, neben vielen gleichgeschlechtlichen Beziehungen und Liebe, gibt es auch eine nichtbinäre Person im Buch – es ist auf jeden Fall ein Roman, dass ich nur LGBTQ+ Fantasy zählen würde.
Zum Schluss

Ich liebe es Geschichten um die Sagen und Mythen zu lesen, besonders wenn es um Troja oder die alten Helden geht. So konnten man bei mir mit diesem Buch nicht viel falsch machen. Andererseits war es doch zäher zu lesen, nach einem sehr guten Start, als ich gedacht hatte und besonders die blasse Entwicklung der Protagonistin empfand ich als schade.
Trotzdem ein gelungenes Buch, das viel aufgreift und die Erzählpersepktive der Amazonen auf Troja fand ich klasse! Allein aus dem Grund bereits eine Empfehlung!
Profile Image for himbeerbuch.
424 reviews41 followers
August 7, 2022
Die Götter müssen sterben ist eine fulminante Dark Fantasy rund um die Amazonen. Für mich war es perfekt, dieses Buch zu dieser Zeit zu lesen, denn es schloss quasi nahtlos an meine letzte Lektüre zur griechischen Mythologie, Ich, Ariadne von Jennifer Saint an und eröffnete mir eine noch viel größere Welt, die in klassischen Erzählungen zur griechischen Mythologie eher keinen Platz finden.

Das Hörbuch war durch die tolle Sprecherin ein echter Genuss. Außerdem kam es mir Mir so vor, als wäre total gründlich recherchiert worden, was man in vielen kleinen Details in der Geschichte merkt. Besonders der Anfang hat mir außerordentlich gut gefallen!

Jedoch habe ich auch einige Kritikpunkte:

Der Plot franste mir zu sehr aus. Das Buch zog sich für mich nicht wirklich, aber irgendwie hätte ich mir eine stringentere Erzählung gewünscht anstatt der kleinen, “questigen” Abschnitte.

Bis auf zwei Figuren konnte ich keine Bindung zu den Charakteren aufbauen. Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass es mir für einen einzelnen Band zu viele Perspektiven waren. Ich glaube, mich hätten weniger Perspektiven in einem Buch mehr begeistern können; zum Beispiel fand ich die Storyline um Clete und Areto total interessant und die Figuren waren mir sympathisch, aber dadurch, dass wir alles aus beiden Perspektiven erzählt bekommen, war deren Beziehung einfach ein bisschen langweilig.

Mir fehlte eine gewisse Pfiffigkeit in der Charakterisierung der Figuren und der Erzählung an sich. Ich fand einige Metaphern recht plump und für mich uninteressant umgesetzt. Den Charakteren hätten mehr Feinheiten gut getan - wobei das vielleicht auch an der Vielzahl der Figuren lag. Außerdem hat mir die düstere Atmosphäre im Schreibstil etwas gefehlt, obwohl es in der Handlung viel Düsterheit gibt.

Und ich glaube, ich mag meine Dark Fantasy lieber, wenn es wenige wirklich krasse Schockmomente gibt, als zu viele, die sich irgendwann abnutzen — was hier zum Ende hin der Fall war. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.


Trotz der ganzen Kritik muss ich sagen, dass ich das Buch gerne zuende gehört habe. Besonders faszinierend fand ich die Kultur der Amazonen, und wie diese in der von patriarchaler Gewalt definierten Gesellschaft (& Götterwelt) dargestellt werden. Ich mochte, wie die verschiedenen Sexualitäten ergründet wurden, und auch die drastischen Konsequenzen in der Handlung haben sehr gut in die Story gepasst.
Profile Image for Jennifer.
103 reviews8 followers
August 3, 2021
Ich liebe alles an diesem Buch. Die großartigen Figuren, die Kämpfe, die vielfältigen Beziehungen und Beziehungsmodelle, egal ob liebevoll oder hasserfüllt oder auch wie sich Personen und Ereignisse langsam entwickeln. Nebenbei hab ich auch noch viel über griechische Mythologie gelernt. Ganz wunderbar!
Profile Image for feder_magie.
812 reviews12 followers
August 15, 2021
Das war nun mein erster Ausflug in die griechische Mythologie. Es ist bekannt, dass die Geschlechtergrenzen nur kleine Rollen spielen und schon das konnte mich an dem Buch begeistern. Allerdings ist es etwas schwierig, mit nur wenig Vorwissen ins Buch einzusteigen, ich habe mich nebenbei immer mal wieder ein wenig bei Mr. Google informiert.

Neben selbstverständlicher Homosexualität fanden wir auch nicht-binäre Figuren oder auch pansexuelle Figuren.

Noch nie habe ich in einem Buch so viel Diversität und Charaktervielfalt gesehen. Wobei letzteres leider dazu geführt hat, dass ich irgendwann von der Masse an Göttern und Namen erschlagen wurde. Eine kleine Charakterauflistung wäre glaube ich ganz praktisch gewesen, besonders, weil ich auch nicht alle Götter kannte, aber Mr. Google war auch hier zur Stelle.

Sprachlich hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es ist sehr literarisch und der Geschichte angepasst. Die Atmosphäre ist spürbar und es war, als würde ich das Blut der Götter selbst auf der Zunge schmecken.

An Brutalität wurde nicht gegeizt und meistens ging die Geschichte rasant voran. Leider gab es ab der Mitte ein paar Stellen, die mich nicht so recht fesseln wollten, aber man kann ja auch nicht immer nur durch die Story rasen.

Die Amazonen und die Welt in der sie leben wurde beeindruckend und bildgewaltig gestaltet und ich liebe diese starken Frauencharaktere einfach sehr. Neben Blutvergiessen, Kampf und Tod gibt es natürlich auch Sex und den fand ich an den passenden Stellen sehr gut eingesetzt und einfühlsam, aber auch heiß beschrieben.

„Die Götter müssen sterben“ ist ein Buch voller Vielfalt und Recherchearbeit. Im Nachwort wird klar, wie sehr sich die Autorin in diese Geschichte gekniet hat, um uns LeserInnen ein ganz besonderes Leseerlebnis zu schenken und ihren Charakteren und jedem, der sich mit ihnen identifiziert, den größten Respekt entgegenzubringen. Es ist nunmal nicht alles schwarz oder weiß. Es gibt noch so viel dazwischen.

Danke Nora, für diese tollen Lesestunden.
Profile Image for Moni2506.
394 reviews
August 7, 2021
„Die Götter müssen sterben“ ist das Verlagsdebüt von Nora Bendzko, in dem es um das Volk der Amazonen und ihrem Kampf ums Fortbestehen geht. Erschienen ist der Roman im Juni 2021 bei Droemer-Knaur.

Eine Prophezeiung von Artemis, der Göttin der Jagd, verspricht den Amazonen das Ende ihrer Unterdrückung, doch dafür müssen sie in den Kampf um Troja ziehen. Die Aussicht auf Rache an den Helden, die sie einst zurückschlugen, nährt ihre Kampfeslust, doch die Auserwählte ihrer Göttin spaltet das Volk in unterschiedliche Lager. Ausgerechnet Areto wird gesegnet. Eine Frau, die nicht als Amazone geboren wurde und keine Kriegerin ist. Wie kann es sein, dass ausgerechnet sie das Amazonenvolk in eine glorreiche Zukunft führen soll? Mit ihrem Schicksal hadernd, muss sie sich erst in ihre Rolle einfinden und auch sonst läuft den Amazonen die Zeit davon. Ihr Konflikt könnte dafür sorgen, dass ihr Eingriff in den Trojanischen Krieg zu spät kommt und so für ihren Untergang sorgen.

Dieses Buch lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Der Klappentext klang spannend, auch wenn ich mit Amazonen bisher nicht viel am Hut hatte. Das Buch geisterte viel durch meine Timeline bei Twitter und bei Erscheinen habe ich es oft bei instagram gesehen. Bücher, die extrem gehypt werden, meide ich eher, aber hier hat mich zusätzlich noch neugierig gemacht, das Pronomen „sier“ mal in Gebrauch zu sehen.
Der Einstieg in das Buch fühlte sich noch recht bekannt an. Eine patriarchalische Gesellschaft, Frauen kennen genau ihren Platz und werden unterdrückt, da war man allerdings auch noch bei den Griechen. Das Bild wendet sich komplett, sobald man in Themiskyra und bei den Amazonen ankommt. Plötzlich ist alles und jeder queer und es findet sich vieles an diversen Themen wieder, was regelmäßig auf twitter diskutiert wird, zumindest, wenn man da in einer bestimmten Bubble unterwegs ist. Liebe und Sexualität wird sehr frei gelebt, man redet offen darüber, auch mit seinen eigenen Kindern, viele unterschiedliche Sexualpartner sind kein Problem und noch vieles mehr. Stellt euch also auf einige explizite Szenen ein. Obwohl ich darauf vorbereitet war, dass das Buch sehr divers sein wird, hat es mich anfangs dennoch erschlagen. Mit der Zeit legt sich das und es rücken andere Themen in den Fokus.
In diesem Roman haben Frauen die Macht. Sie werden zu Kriegerinnen ausgebildet, was den Männern wiederum verwehrt bleibt. Sie sorgen sich um ihr Volk und beschützen es. Man sollte meinen, die Welt der Amazonen müsste ein bessere sein und das ist sie auch in manchen Bereichen, dennoch sind auch die Amazonen nicht perfekt und sie leben uns auch nicht das Idealbild einer Gesellschaft vor. Sie sind kriegerisch, haben Blut- und Rachedurst, sie halten Sklaven und Hurenjungen und halten teilweise an barbarischen Traditionen fest. Es gab einige Szenen in diesem Kontext, die ich als problematisch wahrgenommen habe. Andere können das allerdings besser benennen als ich.
Der Schreibstil war insgesamt für mich gut lesbar und auch an die Verwendung des Pronomens „sier“ hatte ich mich schnell gewöhnt. Die Autorin klärt im Nachwort darüber auf, dass es in Wirklichkeit etwas anders genutzt wird als sie es im Buch getan hat. Ich finde das ein bisschen schade, verstehe aber auch die Beweggründe. Aufgefallen ist mir auch, dass das kleine Wörtchen „man“ nur sehr selten verwendet wurde und es waren sicher noch andere Feinheiten im Buch, die mir so nicht aufgefallen sind. Wichtig zu wissen, es wird in diesem Buch teils sehr vulgäre Sprache benutzt. Mochte ich nicht unbedingt, hat mich allerdings auch nicht gestört.
Der Aufbau der Geschichte war für mich ok. Die Geschichte wird langsam aufgebaut und es werden auch mehrere Sprünge in die Vergangenheit getan, um die Beweggründe einzelner Personen zu erklären. Irgendwie habe ich allerdings auch wieder das Gefühl, dass mir der Klappentext schon wieder zu viel verraten hat. Der Konflikt der Amazonen, der auf dem Klappentext angedeutet wird, nimmt den größten Teil des Romanes ein und man nimmt hier nochmal eine Abzweigung und da nochmal eine, um dann bei 80% endlich mal in Troja anzukommen. Dazwischen waren viele spannende Szenen, keine Frage, aber ich hätte mir die Geschichte ein bisschen konsequenter vorangetrieben gewünscht.
Gut gefallen haben mir die fantastischen Elemente. Ich mochte es wie die Gottheiten immer wieder in echt in Erscheinung getreten sind, in dem es beispielsweise dunkel wurde oder sich eine Statue verwandelte. Das hatte für mich etwas sehr Atmosphärisches. Allerdings wurde es mir zum Ende hin zu viel an Personal und ich konnte Gottheiten, Halbgötter und Helden nicht mehr wirklich unterscheiden. Es ist hier sehr viel Wissen zur griechischen Mythologie eingeflossen, aber ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass man der Geschichte besser folgen kann, wenn man sich schon vorher ganz gut damit auskennt.
So war es für mich dann auch beim Mitfiebern mit den Personen ganz unterschiedlich. Clete und Areto konnten mich mit ihrer Geschichte berühren, die im gesamten Buch mit am präsentesten sind. Ich mochte Phileas und Callistus. Antianeira, Lacomache und ihre Familie, Penthisilea und Kaystros sind mir im Gedächtnis geblieben, viele habe ich aber bereits wieder vergessen. Bei den Göttern sind mir Artemis, Ares und Eris noch am ehesten im Kopf geblieben. Wenn die Geschichte zum Kampf der Götter geschwenkt ist, ist das eher an mir vorbei gerauscht und ich wusste teilweise auch nicht mehr, wer für welche Seite kämpft. Dementsprechend wenig habe ich an diesen Stellen mitgefiebert.
Der Roman hat sich das Genre Dark Fantasy redlich verdient. Es geht teilweise sehr brutal und blutig zu und das ist nichts für schwache Nerven. Wenn ihr das nicht mögt, dann lasst die Finger von dem Buch. Es wird teilweise bewusst eine sehr düstere Stimmung erzeugt und auch Depressionen spielen im Buch eine Rolle. Ich kann euch keine Person in diesem Buch nennen, die unversehrt bleibt bzw. ist, sei es nun körperlich oder seelisch.
Am Ende des Buches gibt es ein ausführliches Nachwort samt Danksagung, dass uns etwas zur Recherche und die Beweggründe der Autorin zu mancher Darstellung im Buch verrät. Vor dem Beginn der Geschichte gibt es eine Triggerwarnung. Diese wurde an die Geschichte angepasst und als Vorrede der Göttin deklariert. Hat mir persönlich gut gefallen, weil man dann noch besser einschätzen konnte, was auf einen zukommt und es hat definitiv nicht gespoilert, aber ich könnte mir vorstellen, dass Personen, die darauf angewiesen sind, vielleicht nochmals an anderer Stelle eine ausführliche und übersichtliche Liste bevorzugt hätten.

Fazit: Eine Geschichte, die sich die Einordnung ins Dark Fantasy Genre redlich verdient hat. Brutal und düster wird der Kampf der Amazonen um ihre Zukunft geschildert. Viele diverse Themen sind in diesem Roman vertreten, allerdings gibt es auch einige problematische Szenen. Wer sich für die Welt der Amazonen interessiert und nicht vor Kampfgetümmel und gewaltvollen Szenen zurückschreckt, der findet in Nora Bendzkos Verlagsdebüt mit Sicherheit eine spannende Geschichte.
Profile Image for MariaH.
370 reviews1 follower
June 9, 2021
Für Fantasy Fans ist das Cover ein absoluter Eye-Catcher und so wurde auch ich auf das Buch noch vor dem Erscheinen neugierig. Dem Klappentext nach sollte es zudem genau nach meinem Geschmack sein, denn Dark Fantasy lese ich ganz gerne und über Amazonen liest man allgemein sowieso viel zu wenig.

Viel erfuhr man aus Sicht von Nora Bendzko über die Amazonen. Ihre zwar offene, aber doch sehr harte Lebensweise. Mit göttlichem Blut gesegnet für den Blutrausch und immer mit Blick auf ehrenvolle Kämpfe und Siege. Ihre Lebenskultur ist so, wie man sie sich eigentlich wünscht: Allen Völkern gegenüber aufgeschlossen, Hautfarbe und Aussehen sind irrelevant und die sexuellen Neigungen bunt gefächert ohne jegliche Urteile. Lediglich die Männer schneiden auf den ersten Blick schlecht ab, denn grundsätzlich werden sie als frauenverachtende Vergewaltiger und Schänder gesehen, die erst mal das Gegenteil beweisen müssen. Erst dann werden sie von den Amazonen respektiert.

Obwohl man von Anfang an mit sehr vielen Namen und Charakteren konfrontiert wird, gefielen mir die ersten Kapitel ganz gut. Der Schreibstil zwar recht knapp und nüchtern, aber für manch einen Roman aus dem Dark Fantasy Genre nicht ungewohnt. Peu à peu gewann man trotzdem einen Überblick, welche Charaktere für die Geschichte tatsächlich relevant sind.

Mit der Zeit stellte ich jedoch fest, dass mir irgendwie der etwas tiefere Zugang zu den Charakteren und deren Geschichte fehlte. Es schien mir mehr wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die dem Titel nach zum Ende der Götter führen sollten. Und das alles durch die Protagonistin Areto, die nicht mal eine richtige Amazone ist. Die ganzen Schicksale waren zwar ineinander verwoben, wurden oft aber ziemlich nüchtern und knapp beschrieben. Etwas ausführlicher wurde es bei den Kämpfen und Gewalttaten, die nicht beschönigt wurden.

Düster ist die Geschichte auf jeden Fall und findet sicherlich einige Fans. Vor allem, wer zusätzlich an der griechischen Mythologie interessiert ist. Denn hier greift die Autorin in die Vollen: Es dürften so ziemlich alle Götter und Helden zumindest mal erwähnt worden sein. Mich hat die Geschichte jedoch leider nicht ganz so sehr angesprochen, wie ich es mir gewünscht habe.
Profile Image for alicia.
209 reviews15 followers
February 28, 2023
✦✦✦

jay, für so viel diversität! nay, für diversität als einzigen charakterzug.
(extra-jay, für nice mythologie und starke frauen)
Profile Image for Das Bücherwunderland.
153 reviews
August 23, 2022
Spannender historischer dark fantasy Roman welcher von der ersten Seite an packen konnte.
Ich konnte das Buch nicht aus der Handlegen und kann es euch nur sehr empfehlen!
(4,5)
Profile Image for Larissa.
53 reviews11 followers
December 22, 2021
Mega, fällt genau in das Schema, das ich aktuell gerne lese: mythische Geschichten mit einem frischen Touch neu erzählt, empowerend, dark, spannend :)
Profile Image for Jenny.
Author 6 books9 followers
November 22, 2023
Klappentext:
Wird sie die Amazonen retten oder in den Untergang führen?
Troja wird fallen – und die Götter müssen sterben! So besagt es eine Prophezeiung von Artemis selbst, der mächtigen Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt und das Schicksal der Götter besiegelt ist, sollen die Amazonen die Welt beherrschen. Doch Artemis segnet ausgerechnet Areto, die keine Kriegerin ist, mit ihren Kräften. Wie kann eine wie sie der Macht einer Göttin würdig sein? Aretos Erwählung spaltet die Amazonen in zwei Lager – ein Konflikt, der ihrem Volk im Trojanischen Krieg den Untergang bringen könnte.

Meine Meinung:
Eines vorweg: „Die Götter müssen sterben“ ist ein recht komplexes, gut geschriebenes und gut lektoriertes Buch, das in mir viele verschiedene Gedanken und Gefühle ausgelöst hat. Ich mochte es sehr – daher auch die 4-Sterne-Bewertung – habe aber auch einige Kritikpunkte, die ich in dieser Rezension zur Sprache bringen möchte.
Fangen wir gleich am Anfang an. Noch vor Beginn der Geschichte setzt Nora Bendzko ihrem Roman mit der Vorrede der Göttin eine Art Triggerwarnung voraus. Ich finde das sehr gut, denn ich bin ein großer Fan von Triggerwarnungen. Allerdings waren sie mir in diesem Fall zu wenig ausgereift. Nora Bendzko erwähnt zwar, dass es in ihrer Geschichte oft gewalttätig, blutig und explizit sexuell zugeht und das auch Depressionen eine Rolle spielen. Allerdings habe ich persönlich bis jetzt erst selten Dark Fantasy Werke gelesen und fühlte mich auf manche Szenen unvorbereitet.
Trotzdem hat mich „Die Götter müssen sterben“ von Seite 1 an in seinen Bann gezogen. Ich mochte den bildhaften Schreibstil der Autorin sehr und auch die Welt der Amazonen hat mich fasziniert. Besonders wie divers diese ist. Wir finden sapphische, asexuelle, polyamoröse, nicht-binäre und behinderte Charaktere vor. Besonders letztere haben bei mir aber einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Ich weiß, dass Nora Bendzko sehr viel Wert auf eine sensible Darstellung von Diversität gelegt hat, aber ich hatte das Gefühl, dass das Thema Behinderung beim Sensitivity Reading vielleicht etwas stiefmütterlich behandelt wurde. Einerseits hat es mich gefreut, wie selbstverständlich inklusiv die Gesellschaft der Amazonen ist, andererseits fand ich das aber ein bisschen unrealistisch, wenn man bedenkt, dass die Handlung laut Nachwort in der späten Bronzezeit spielt. Es gibt zum Beispiel eine Figur, die einen Fuß verloren hat. Trotzdem scheint sie komplett ohne Einschränkung zu leben und bekleidet als Stratega sogar einen sehr hohen Posten in der Gesellschaft der Amazonen. Nur an einer Stelle wird erwähnt, dass sie einen speziellen Steigbügel zum Reiten braucht. Und sie benutzt einen Gehstock. Den kann sie aber auch problemlos als Waffe benutzen, um im Kampf anderen Leuten damit auf den Kopf zu hauen. Einerseits fand ich es sehr gut, dass die Stratega so selbstverständlich als behindert dargestellt wird, andererseits gab sie für mich aber auch deutliche Supercrip-Vibes ab. Auch Areto, eine der Hauptfiguren ist für mich eine Art Supercrip. Sie ist die Auserwählte von Artemis und als solche erhält sie das Auge der Göttin. Am Anfang der Handlung hat Areto also noch zwei Augen, bis die Göttin kommt, sich ein Auge ausreißt und es Areto einsetzt. Aretos ursprüngliches Auge wird davon sozusagen verdrängt und sie trägt fortan eine Augenklappe über dem Auge der Göttin. Areto benutzt ab jetzt also nur noch eines ihrer Augen zum Sehen, hat damit aber keinerlei Probleme. Sie hat am Anfang zwar Schmerzen, aber die vergehen recht schnell. Für mich ein bisschen supercrip. Außerdem hat Areto immer wieder depressive Schübe, die im Buch als „Schatten“ bezeichnet werden. Dieser Schatten ist Areto zwar lästig, aber er beeinflusst weder ihr Leben noch die Handlung nachhaltig. Oder zumindest ist mir nichts dergleichen aufgefallen. Es gibt nur eine Szene, in der der Schatten Areto wirklich Probleme bereitet und es kurz brenzlig wird und das ist in der Unterwelt.
Apropos fehlende Probleme: Die Amazonen brennen sich eine Brust ab, als Zeichen, dass sie nun zu der Göttin Artemis gehören. Nora Bendzko sagt selber im Nachwort, dass sie dieses Bild, das sie aus antiken Mythen übernommen hat, wenig realistisch findet, es ihr aber so gut gefallen hat, dass sie es beibehalten hat. Ich hab mich bloß gefragt, ob die Amazonen, die ja durchaus such Kinder kriegen sollen und wollen, damit keine Probleme beim Stillen bekommen. Besonders bei einer Figur, die Mutter von Zwillingen ist, habe ich mich gefragt, ob die nicht eine schlimme Nippelentzündung bekommen hat. Auch tragen viele der Amazonen Narben. Und ja, es gibt Menschen mit Heilkräften in ihrer Welt, wodurch erklärt ist, warum es so wenige Einschränkungen gibt, aber wir sehen nie jemanden seine Narben eincremen oder sonst wie pflegen. Dabei ist Narbenpflege so wichtig.
Last but not least haben wir das K-Wort. Es gibt eine Figur die den Beinamen „Herrin der Krüppel“ trägt. Krüppel ist heutzutage ein verpöntes Wort für Menschen mit Behinderung. Es sollte nicht von nicht-behinderten Menschen benutzt werden. Menschen mit Behinderung verwenden es hingegen auf ironische Art und Weise als Selbstbezeichnung und als so genanntes Trotzwort. Da die „Herrin der Krüppel“ selbst eine Behinderung hat, kann der Beiname durchaus als Trotzwort gelesen werden. Sie trägt den Beinamen aber vor allem, weil sie gerne selbst andere Leute verstümmelt, um sie zu bestrafen. Daher kann „Krüppel“ auch wieder als Beleidigung und Erniedrigung gelesen werden und „Herrin der Krüppel“ als Spottname. Dass die Figur häufiger mit diesem Namen, als mit ihrem Vornamen angesprochen wird, hat mich ein bisschen gestört.
Besonders getriggert hat mich aber etwas anderes. Einen großen Teil der Handlung nimmt der Kampf der Amazonen gegen den Gott Dionysus und seinen „Hof des Gelächters“ ein. Das Zusammentreffen mit den Göttern Pan und Dionysus und dem Hof, war für mich besonders anstrengend zu lesen, da die sexuellen und sonstigen Gewalttaten des Hofes recht ausführlich und grafisch dargestellt wurden. Besonders schlimm war für mich aber eine Stelle, in der erwähnt wird, dass Dionysus besonders gerne mit Leuten, wie der Herrin der Krüppel schläft, also mit Leuten, die versehrt sind oder eine körperliche Behinderung haben. Diesen Fetisch nennt man Devotismus und er reduziert Menschen mit Behinderung häufig völlig auf eben dieses eine körperliche Merkmal. Gerade Frauen sind häufig Avancen von Männern ausgesetzt, die sich nur aufgrund ihrer Behinderung für sie interessieren, nicht einmal wegen ihres ganzen Körpers. Es ist ein großes Problem in der Behinderten-Community, über das aber sehr selten gesprochen wird. Ich jedenfalls habe eine Weile gebraucht, bis ich das Bild von Dionysus als Devotée wieder aus meinem Kopf bekommen habe.
Aufgrund solcher Szenen und Trigger fand ich „Die Götter müssen sterben“ etwas anstrengend zu lesen. Dabei mochte ich die Handlung und Figuren eigentlich sehr. Die Geschehnisse werden aus drei Perspektiven beleuchtet. Der von Areto, ihrer Geliebten Clete und der der Amazonenkönigin Penthesilea. Leider bleiben Cleto und Areto als Figuren ein bisschen blass und tragen nicht wirklich viel zur Haupthandlung bei. Areto ist lesbisch, depressiv, keine Kriegerin und Mutter eines Sohnes, sowie die beste Freundin des asexuellen Sklaven Callistus. Sie wird von der Göttin Artemis ausgewählt und erhält ihr Auge. Dadurch erhält sie immer wieder Visionen, von dem was Artemis gerade im Krieg erlebt. Clete ist eine junge Kriegerin und die beste Jägerin der Amazonen. Sie trägt den Beinamen „Schildhaut“, weil sie immer versucht andere zu beschützen. Nachdem der Trupp der Amazonen in Richtung Troja aufgebrochen und von einem Drakon angegriffen werden, reisen Areto und Clete in die Unterwelt, um herauszufinden warum. Diesen Teil der Geschichte mochte ich sehr und es hat mir gefallen, wie die Autorin klassische Mythen aufgenommen hat und gleichzeitig weniger bekannte Dinge, wie die Orphiker einfließen hat lassen. Später verwundet Areto Artemis schwer. Doch das ist eigentlich schon ihr ganzer Beitrag zur Handlung. Denn als die Amazonen kurz vor Troja stehen, bleibt sie – schwer verletzt von einem Kampf um Callistus Ehre – zurück.
Die Amazonenkönigin Penthesilea hingegen ist in meinen Augen die Hauptfigur, die am besten ausgearbeitet ist. Sie ist eine komplexe Figur, die von Zweifeln, Blutdurst, Stolz, aber auch von der Liebe zu ihrer Familie und der Loyalität zu ihrem Volk getrieben ist. Ich mochte sie sehr und habe auch die Rückblenden, die ihre Liebesgeschichte mit Achilles und Petrokles zeigen, gerne gelesen. Ein bisschen schade fand ich, dass sie einmal in Troja angekommen, so schnell gestorben ist.
Überhaupt hatte ich ein paar Probleme mit dem Pacing von „Die Götter müssen sterben“. Über weite Strecken bewegt sich die Handlung nur sehr langsam voran. Die Nebenhandlungen, wie der Trip zur Unterwelt und die Rückblenden von Penthesilea nehmen sehr viel Raum ein. Sie sind aber auch sehr interessant und spannend geschrieben und beleuchten weniger bekannte Aspekte der griechischen Mythologie. Daher fand ich sie sehr gelungen. Trotzdem kommt die Handlung erst im letzten Drittel so richtig in Fahrt und man erfährt, wieso die Götter überhaupt sterben müssen. Ich war dann allerdings auch sehr enttäuscht darüber, dass die Götter am Ende gar nicht gestorben sind.
Apropos Ende: Das Ende ist sehr offen und wirkt ein bisschen sehr übers Knie gebrochen. Viele Storylines werden schnell und etwas oberflächlich beendet, wie z.B. das Zusammentreffen von Areto und ihrer ehemaligen Geliebten, von dem ich mir viel mehr erwartet habe als nur ein kurzes Gespräch. Nachdem Penthesilea von Achilles im Kampf getötet wird, bekommt Clete es mit der Angst zu tun. Sie sieht ein, dass Troja wahrscheinlich fallen wird und beschließt, Phileas, den Sohn von Areto, und Kaystros, den Sohn und Erben von Penthesilea aus der Stadt zu bringen, gemeinsam mit ein paar anderen der Nebenfiguren, die ich im Laufe des Romans sehr liebgewonnen habe. Leider erfahren wir nicht, was aus ihnen wird, denn der Roman endet damit, dass Areto ihnen entgegenreitet und damit, dass die Autorin noch die anderen wichtigen Ereignisse des trojanischen Krieges, wie Achilles Tod und das Trojanische Pferd noch kurz zusammenfasst. Das fand ich ein bisschen unbefriedigend. Auch, dass Clete Phileas plötzlich als ihre Familie betrachtet, fand ich ein bisschen übers Knie gebrochen. Außerdem mochte ich die Nebenfiguren, wie Bramusa, Lacomache, Kaystros und Iphito, wirklich sehr gerne und ich würde wirklich gern wissen, wie es mit ihnen und der Gesellschaft der Amazonen weitergeht. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja Stoff für eine Fortsetzung?
Insgesamt ist „Die Götter müssen sterben“ ein sehr ungewöhnlicher und komplexer Roman. Ich habe ihn gerne gelesen, auch wenn er mich mehrmals getriggert hat. Er zeigt, wie divers und feministisch man selbst klassische Motive inszenieren kann. Ich fand ihn auch sehr inspirierend, mich wieder mehr mit der griechischen Mythologie zu befassen. Da er aber wirklich sehr dark und grafisch und blutrünstig ist, würde ich ihn nicht uneingeschränkt empfehlen.
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Profile Image for Katrin.
132 reviews20 followers
August 8, 2021
Seit vielen Jahren lebt Areto bei den Amazonen. Dabei ist sie weder als Kriegerin geboren, noch ist sie in der Kriegskunst besonders bewandert. Deshalb erstaunt es alle, als Artemis, Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen, ausgerechnet sie zur ihrer Auserwählten macht und sie mit ihren Kräften segnet. Und das, wo sich die Prophezeiung, dass Troja fallen wird, und die Amazonen sich an den Helden rächen werden, die ihresgleichen töteten, schon bald zu erfüllen scheint. Areto ist hin und her gerissen zwischen ihrem Verstand und ihrer Berufung.

Die Götter müssen sterben! Aber warum eigentlich? Ist es nicht vielmehr so, dass die Götter verehrt werden? Wer sich ein bisschen mit den griechischen Sagen beschäftigt hat, der weiß, dass die Zeus, Aphrodite, Hades, Poseidon und Co. eigentlich nur das tun, worauf sie gerade Lust haben und sich köstlich amüsieren, wenn sie mit den Sterblichen ein wenig spielen können. Und genau da setzt Nora Bendzkos Adaption der griechischen Sagen an. Die Amazonen sind es leid, der Willkür der Götter ausgesetzt zu sein, zumal diese nur Krieg, Tod und Unglück für sie bringt.

Nora Bendzko interpretiert die alten griechischen Sagen auf düstere und absolut faszinierende Weise neu. Die Amazonen sind ein kriegerisches und grausames Volk, aber ebenso gütig und keinesfalls männermordende Bestien. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind ebenso selbstverständlich wie queere Geschlechtsidentitäten. Letzteren wird mit dem Pronomen „sier“ Respekt gezollt. Beim Lesen bin ich zuerst über den Begriff gestolpert, da ich diesen noch nirgendwo vorher gelesen hatte, allerdings war aus dem Kontext ziemlich schnell ersichtlich, wen das Pronomen bezeichnet. Im weiteren Verlauf war „sier“ dann ganz selbstverständlich.

Wenn man erwartet, dass Götter erhabene Wesen sind und Helden mehr oder weniger unfehlbar, dann wird man enttäuscht. Nora Bendzkos Charaktere sind ambivalent, machen Fehler und gerade die Götter und Helden verhalten sich ganz und gar nicht so, wie man es erwarten könnte. Gut, die Götter machen was sie wollen, sind dabei aber kein bisschen erhaben und göttlich.

„Die Götter müssen sterben“ ist düster, leidenschaftlich, kämpferisch und spannend. Es wird gelebt, geliebt, intrigiert, Krieg geführt und gestorben und die Geschichte lässt einen erst mit der letzten Seite wieder los.
Profile Image for Milena.
57 reviews
June 10, 2021
Nach leichten Startschwierigkeiten konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Zu Beginn habe ich mich nicht ganz zurecht gefunden mit den Namen und wechselnden Szenen. Als ich dann aber alle Charaktere und Namen zuordnen konnte, habe ich mich in einer so spannenden Welt wiedergefunden, die mich sehr bewegt hat. Insbesondere die Entwicklung und die facettenreiche Darstellung der einzelnen Charaktere hat mir sehr gut gefallen.

Ich muss zugeben, dass ich erwartet hatte, einen Roman über die Amazonen im Trojanischen Krieg zu lesen. Aber es ging um viel mehr Mythen und die gesamte Geschichte der Amazonen. Diese Perspektive finde ich viel interessanter (und auch politischer). Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung gibt.
Profile Image for Buchdrache.
335 reviews19 followers
June 21, 2021
Insgesamt ist »Die Götter müssen sterben« ein Roman, der auf jeden Fall durch seine Diversität punktet, welche mit angemessener Sensitivität behandelt wurde. Etwas von dieser Mühe hätte gern auch in die Ausarbeitung einiger Charaktere fließen können. Insgesamt jedoch bleibt es ein unterhaltsamer Roman, der gut und gern als Paradebeispiel herhalten kann, wie Diversität aussehen kann.

Mögliche Trigger
- Suizidalität
- Depressionen
- Gewalt gegen Mensch und Tier
- sexuelle Gewalt
- Sklaverei
- Blut, Krieg und Tod
- Verlust von Angehörigen
Profile Image for Nicci307.
11 reviews
October 31, 2021
Ein schöner Ausflug in die Antike. In manchen Passagen leider sehr zähflüssig zu lesen. Auch der Perspektivwechsel immer zwischen durch ist etwas anstrengend.
Profile Image for Feysiriel.
8 reviews
November 20, 2021
War leider nicht mein Fall. Ab Seite 62 habe ich es abgebrochen. Bis dahin war mir alles zu schnell, zu langweilig und zu vulgär beschrieben.
Profile Image for Catwithbooks.
2,393 reviews9 followers
June 23, 2021
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, der Klappentext fand ich echt interessant und eine Amazonen Geschichte habe ich noch nie gelesen. Wenn dann hatte ich diese Figuren in anderen Büchern am Rande gehabt, aber nie als Hauptthema.

Bei griechischen Mythologie mit ihren Göttern und Helden, kann ich nie widerstehen. Mit den Amazon ist damit ein tolles Setting gelungen, auch wenn man ja weiss wie es mit Troja geendet hat. Aber das Ganze drum herum war sehr spannend gemacht und ich habe die Geschichte verschlungen.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, dies fand ich hier sehr angenehm. Die Geschichte ist damit sehr lebendig geworden.
Man lernt das Leben der Amazon kennen. Ihre Art ist an sich sehr locker.

Mit der Auserwählten Areto konnte ich leider teils nicht so ganz was anfangen, zu ihr habe ich kein Draht gehabt, anders als bei anderen Charakteren. Das war für mich irgendwie merkwürdig, das ich zu einen der wichtigsten Charakteren keine Verbindung hatte und ich Areto eher etwas farblos empfand. Cleto habe ich gern gelesen. Es gibt aber noch jede Menge andere interessante Charaktere, über die ich teils noch mehr erfahren hätte. Die Götter und andere mystische Wesen kommen hier gut vor und werden nicht nur einfach erwähnt.
Das Ende hat mich nur zum Teil gefallen, hier möchte ich nu nicht zu viel verraten.

Der Schreibstil war flüssig und angenehm. Und werde mir noch ein anderes Buch der Autorin gönnen, da diese wohl auch sehr gut sein sollen.
Profile Image for Ralf Schneider.
55 reviews1 follower
April 15, 2022
Wenig begeistert mich mehr, als eine neue Geschichte, in der sich Elemente befinden, die mich an alte Geschichten erinnern oder diese neu erzählen. Mythologeme sind etwas Faszinierendes. Und welche Geschichten könnten inspirierender sein, als die von unsterblichen Gött*innen und ihren Erlebnissen mit sterblichen Erden-Menschen?

So war mit Nora Bendzkos Roman ‚Die Götter müssen sterben‘ sofort meine Neugierde geweckt und meine Erwartungen durchaus hoch. Die griechische Mythologie war meiner Erinnerung nach selten Teil meiner Schulbildung und schaffte es nur mit viel Zufall und temporär aufflammendem Wissensdurst in meine eigene Mythen-Phantasie. Zumal sie mit nordischer, ägyptischer und römischer Mythologie um Aufmerksamkeit konkurrierte. Von indischen, asiatischen, persischen, nordamerikanischen, australischen und afrikanischen Mythen mal ganz abgesehen. Das Besondere an der griechischen Mythologie aber war für mich immer, dass sie von der römischen vereinnahmt, um- und weitererzählt wurde, bis sie bekanntermaßen der europäischen Christianisierung zum Opfer fiel. Zwar bieten auch Legenden und Geschichten rund um das den Dornbusch und das Kreuz viel Interessantes und Mythenhaftes, aber so richtig in Schwung kommen monotheistische Erzählungen nicht wirklich 😉

Wir kennen alle den Ausgang der griechisch-antiken Geschichte, nämlich, dass Troja fallen wird und man sich eigentlich fragt, wie soll denn bei diesem wohlbekannten Ende eine spannende Geschichte erzählt werden? Nora Bendzko gelingt es! Sie schafft es, zahlreiche spannende Erzählstränge miteinander zu verknüpfen, sie in traditionelle Überlieferungen einzuweben und völlig neue historisch-mögliche Begebenheiten und denkbare Mythen zu erschaffen. Dabei lässt sie Protagonist*innen Geschichten durchleben, die so wenig gut oder böse sind, wie männlich oder weiblich, hetero- oder homosexuell ihre Charaktere sind. Einfühlsam und detailverliebt schildert Nora Bendzko Interaktionen zwischen Mensch und (Halb-)Gött*in. Ob es Gespräche sind oder körperliche Zusammentreffen aus sexuellem oder militärischem Anlass, Bendzko lässt die/den Leser*in durch ihre offensichtlich tiefgreifende Recherche jede Begebenheit detailliert nachempfinden, während die Szenen vor dem inneren Auge Gestalt annehmen. Am Ende fühlt man immer mit. Gleichgültig, ob es gute oder weniger gute Gefühle sind. Und wer denkt, es mangelt in einem von einer Autorin verfassten Roman an Waffen und blutrünstigen Feinheiten … der irrt … aber sowas von!

Sobald ich von Nora Bendzkos Roman erfuhr, kamen mir Geschichten wir Dan Simmons ‚Ilium‘ und Neil Gaimans ‚American Gods‘ in den Sinn und ich fragte mich, weshalb sich scheinbar nur männliche Autoren mit derlei machtvollen und vor Gewalt triefenden Erzählungen beschäftigten? Ich fand keine befriedigende Antwort. Hervorragend also, dass ich durch andere Vertreter*innen der Progressiven Phantastik von diesem Juwel erfuhr und der Sache auf den Grund gehen konnte, wie sich eine Frau von Männern dominierten Mythen mit nicht männlichen Protagonist*innen nähert.

Das Urteil sei vorweggenommen: Nora Bendzko näherte sich nicht dem Thema, sie nagelte es! (Das sagt man doch so, oder? Wenngleich ich dabei spontan christlich-motivierte Assoziationen im Kopf habe ;-))

Zur Zeit des Trojanischen Krieges, sollte er stattgefunden haben, drehte sich die Welt natürlich weiter und es geschah sicherlich mehr, als Homer oder all die anderen Erzähler(*innen?) sich da aus den Fingern kitzelten bzw. mündlich tradierten. Da fällt mir ein … was, wenn gar nicht Homer der Verfasser der Ilias war, sondern dessen Frau … oder noch besser, seine Mutter Kreitheïs? Das ist aber vielleicht eine andere, noch nicht erzählte Geschichte.

Sei’s drum. Die Vorstellung, dass nur Männer in Schlachten gekämpft haben sollen, störte mich schon immer und was bei Kelten und Wikinger Alltag gewesen ist (ich freue mich schon wie Bolle auf die ‚Schildmaid‘ von Judith und Christian Vogt!), kann doch am Mittelmeer nicht völlig vorbei gegangen sein! Dass Chroniken und vermeintlich historische Aufzeichnungen wohl hauptsächlich von Männern verfasst worden sind, ließ in mir schon früh den Verdacht aufkeimen, dass, gemäß der Devise, die Sieger schreiben die Geschichte, es hier vielmehr oft geheißen haben mag: Männer auf der Siegerseite schrieben die Geschichte, in der Männer siegten.

Das mag aus männlicher Sicht nestbeschmutzend wirken, klingt für mich aber, würde ich mich in die Rolle eines beauftragten männlichen Chronisten hineinversetzen, völlig nachvollziehbar. Zumal getreu der Minnesänger-Devise „Wes Brot ich es, des Lied ich sing“ man ja an sein eigenes Wohl denken muss(te).



Was also, wenn nicht-männliche Protagonist*innen auch in der griechischen Geschichte wesentlich differenzierte Rollen gespielt haben, die sich jenseits geraubter Trophäen oder von Drogen benebelter Orakel bewegten? Was, wenn die bisher nicht wirklich sympathisch oder realistisch gezeichneten Amazonenkriegerinnen eine völlig andere Rolle im Trojanischen Krieg gespielt haben, als es uns Homer und seine Nachfolger weismachen wollten?

Da Mythen hervorragend dazu geeignet sind und es eigentlich auch ihrer Natur entspricht, erscheint die Neuinterpretation von Nora Bendzko der am Trojanischen Krieg Beteiligten völlig logisch und es ist nahezu natürlich, den Blickwinkel zu weiten und Frauen bzw. Nicht-Männern das Wort zu erteilen. Unsere heutige Zeit ist ideal dazu geeignet, um all das, was uns die Geschichte überliefert hat, neu zu bewerten und uns zu fragen, was wir eigentlich davon wissen, wie das Verhältnis von Frauen, Männern und Diversen in historischen Zeiten war, wenn wir nur Überlieferungen aus männlicher Feder kennen?
Ich würde mir wünschen, dass die Neuerzählungen aller (!) Mythen im Stile Nora Bendzkos auf uns wartet.
Profile Image for Susi Aly.
778 reviews9 followers
October 17, 2021
Seit ich „Die Götter müssen sterben “ von Nora Bendzo das erste Mal gesehen habe, wollte ich es unbedingt lesen.
Ich hatte keine allzu großen Erwartungen und vielleicht war das auch gut so, denn diese Story hat mich absolut umgehauen, ich bin immer noch völlig von der Rolle von diesem Setting, den Charakteren und der Wortgewalt.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr fesselnd, einnehmend und absolut bildhaft.
Die Atmosphäre rauh, schmerzvoll und düster.
Bei dieser Story erwarten uns unglaublich viele Charaktere, was zwar gut ist, da man sie sehr gut kennenlernt, aber auch sehr schwierig, da es gerade am Anfang viel wirkt und man erstmal den Überblick bekommen muss
Dabei erfährt man auch die unterschiedlichsten Perspektiven, was Ihnen mehr Raum und Tiefe zur Entfaltung gibt.
Mich haben ganz besonders Areto, Clete und Penthesilea beeindruckt und gleichermaßen begeistert. Mit ihrer Vielfalt, Ausdruckskraft und ihrer Lebendigkeit und Fülle.
Sie beherrschen das Geschehen komplett und ziehen dadurch einfach so unglaublich in den Bann.
Ich hab sie von erster Sekunde vergöttert und so tief mit Ihnen gefühlt und gelitten.
Zwischendurch ist mir fast mein Herz gebrochen, weil es so gewaltig, beängstigend und so intensiv war.
Insgesamt einfach sehr lebendige, vielschichtige, greifbare und authentische Charaktere, in die man sich wunderbar hineinversetzen und ihre Handlungen, sowie Gedankengänge nachvollziehen kann.
Bezüglich der Namen und Positionen wäre jedoch ein Glossar gut gewesen, wo man hätte noch einmal nachschlagen können.

Ich muss dazu sagen, dass ich neben dem Print, auch das Ebook und Hörbuch gelesen sowie gehört habe. Weil mir im Print doch die Schrift etwas zu klein war und es zunächst sehr anstrengend zu lesen war.
Was eine absolute großartige Entscheidung war.
So musste ich das Buch nicht einen Moment zur Seite legen.
Und Yesim Meisheit hat es so schön gesprochen. Mit so viel Gefühl, Ausdruckskraft und Feingefühl.
Dadurch hat man es gleich so viel intensiver gefühlt. Einfach unglaublich.
Der Einstieg hat mich sofort unter sich begraben. So beklemmend, schmerzhaft und dramatisch. Von Trauer und Wut behaftet.
Mir hat es sofort den Boden unter den Füßen weggezogen und ich stand einfach nur extrem nah am Abgrund und wusste nicht ,was ich fühlen und denken sollte.
Mit diesem Einstieg legt Nora Bendzo die Messlatte für den kommenden Verlauf sehr hoch,erzeugt jedoch gleichzeitig unglaubliche Spannung und zeigt direkt das sie kein Blatt vor den Mund nimmt.
Ich war zunächst ziemlich schockiert und sprachlos,wie brutal und doch leidenschaftlich hier agiert wurde, aber gleichzeitig hat es mich auch unglaublich fasziniert und nicht losgelassen.
Etwas Schwierigkeiten hatte ich bei den Namen, da sie doch ziemliche Zungenbrecher sind.
Ebenso sind es recht viele Charaktere, so das man erstmal den Überblick bekommen muss.
Doch gelingt das erstmal, kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Mir hat die Entwicklung der Charaktere so unglaublich gut gefallen, besonders bei den Hauptcharakteren wurde mir immer wieder das Herz schwer, ganz besonders bei Areto.
Denn hier wird ganz klar gemacht, dass sie mitunter schwere Entscheidungen zu treffen haben, die sie alles kosten könnten.
Dadurch bekommt die Tragik dahinter ,eine völlig neue Dimension.
Die Idee mit den Amazonen und Göttern hat mir unglaublich gut gefallen und Nora Bendzo hat daraus etwas sehr Vielfältiges und Einzigartiges gemacht.
So brutal und perfide die Amazonen manchmal auch handeln , so spürt man definitiv wie tief und intensiv ihr Herz brennt.
Das sie kämpfen für sich und für die, die es nicht können.
Liebe bekommt hier sehr viel Raum, was es so unglaublich emotional gemacht hat und mich dabei fast zerstört hat.
Die Tragik dahinter ist fast zum greifen nah.

Die Handlung ist extrem rasant und actionreich.
Keine Minute Stillstand, keine Zeit zum nachdenken. Es passiert so unglaublich viel.
So gehaltvoll, so intensiv und tragend.
Teilweise wusste ich nicht wohin mit meinen Emotionen, weil es mich so fertig gemacht und gleichzeitig so mit Liebe erfüllt hat.
Denn neben all der Brutalität, gibt es auch sehr sanfte und leise Töne, die es auf eine völlig andere Ebene gehoben haben.
Ich liebe es von vorn bis hinten.
Weil es auch die psychologischen und zwischenmenschlichen Aspekte nicht außen vorlässt.
Das Ende kam für mich viel zu schnell und ich weiß noch immer nicht, wohin mit meinen Gedanken.
In meinen Augen ein unglaublich episches und emotionales Werk, das mich komplett beeindruckt und begeistert hat.

Fazit:
Nora Bendzo hat mit „Die Götter müssen sterben “ ein episches, emotionales und verdammt vielschichtiges Werk zu Papier gebracht, das mich komplett unter sich begraben und völlig zerstört zurückgelassen hat.
Brutal, düster und beklemmend.
Aber mit so einer Magie und Intensität behaftet, dass ich einfach nur im Himmel war.
Amazonen, Götter und ein Kampf, der aussichtsloser kaum sein könnte.
Nora Bendzo nimmt kein Blatt vor den Mund und das auf gleich mehreren Ebenen.
Ich bin absolut beeindruckt und begeistert.
Von Areto, Clete, Penthesilea.
Von allem. Der Leidenschaft und Ausdruckskraft und der Vielfalt an Emotionen.
Ein absolutes Highlight, das mich mit seinen Twists und Entwicklungen absolut überraschen konnte.
Profile Image for Joe.
52 reviews
April 26, 2025
Mir hat dieses Buch trotz des ansprechenden sprachlichen Stils leider überhaupt nicht gefallen. Es gibt keinen roten Faden, die Figuren sind flach. Dass die Autorin Wert auf Diversität legt, ist toll, aber es wirkte teils sehr aufgesetzt.
Profile Image for Sofia.
445 reviews18 followers
June 28, 2021
Vielen lieben Dank an den Knaur Fantasy-Verlag für das Rezensionsexemplar!
Meine Rezension spiegelt selbstverständlich trotzdem meine ehrliche Meinung wider.

Aufmachung:
Das Cover sieht super aus! Man sieht eine Amazone und im Hintergrund den Mond – beides ein Hinweis auf Artemis, die im Buch natürlich eine wesentliche Rolle spielt. Mir gefällt es auch besonders gut, dass nicht auf dem ersten Blick erkennbar ist, dass es sich bei dem Cover um ein gemaltes Bild handelt.
Der Titel passt ebenso gut. Zum einen wird er im Text erwähnt, zum anderen bekommt er durch den Inhalt auch mehrere tiefere Bedeutungen. Solche Momente mag ich sehr gerne!

Meine Meinung:
Ich habe mich riesig auf „Die Götter müssen sterben“ gefreut, immerhin geht es um die Amazonen, den Trojanischen Krieg und im Allgemeinen um griechische Mythologie. Genau mein Fall!
Bereits jetzt kann ich auch schon sagen, dass mir die Umsetzung an sich super gefallen hat, auch wenn mich das Buch im Ganzen nicht hundertprozentig abholen konnte.

Zunächst einmal gefällt mir Nora Bendzkos Take auf die Amazonen sehr gut! Historisch und mythologisch weiß man nicht besonders viel über die Amazonen und Vieles ist sehr stark umstritten. Bendzko hat Teile des Bekannten und des Mythos genommen und hat ihre ganz eigene Version der Amazonen geschaffen, die überzeugen kann.
Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass die Autorin nichts beschönigt. Die Amazonen sind Kriegerinnen, die vom Kriegsgott Ares abstammen – und dementsprechend brutal, blutig und gewalttätig hat sie sie auch dargestellt. Gleichzeitig sind die Frauen nicht weniger menschlich, weshalb man trotzdem noch sehr gut mit ihnen sympathisieren und mitfühlen kann.
Vor allem aber ist dieses Buch und die Darstellung der Amazonen ein Paradebeispiel für feministische Literatur in der Fantasy! Selbst wenn mich nicht alle Aspekte des Buches überzeugen konnten – dadurch hat „Die Götter müssen sterben“ es geschafft, mich zu inspirieren, zu berühren und zu motivieren und alleine deshalb verdient das Buch einen besonderen Platz in meinem Regal.

„Abfall? Bei den Göttinnen, das warst du nie. Das ist keine Frau dieser Welt, und wenn es tausend Männer sagen.“ (S. 290)

Die Namen der einzelnen Amazonen (und auch der anderen Figuren) sind dabei zwar etwas schwierig zu merken und teilweise auch sehr ähnlich. Trotzdem erhält jede Figur einen eigenen Unterton im Schreibstil, sodass es einem sehr leichtfällt, sie voneinander zu unterscheiden. Das ist definitiv auch ein Pluspunkt, denn gerade bei so vielen Figuren ist das nicht selbstverständlich!

Dennoch würde ich sagen, dass ich „Die Götter müssen sterben“ niemandem empfehlen würde, der nicht wenigstens Grundlegendes über die Ilias, den Trojanischen Krieg und griechische Mythologie weiß, denn vieles wird hier beim Leser vorausgesetzt und nicht weiter erläutert. Das soll keine Kritik sein, im Gegenteil. Es wäre in meinen Augen eher unpassend, wenn die Autorin hier unnötig weit ausgeholt hätte, zumal der Fokus hier ja ganz offensichtlich auf den Amazonen liegt und der Trojanische Krieg, auch wenn er ein wesentlicher Auslöser für den ganzen Plot ist, eher im Hintergrund eine Rolle spielt. Vorwissen würde ich hier trotzdem voraussetzen, auch, weil es einem sonst mitunter nicht so leichtfällt, die einzelnen Figuren auseinander zu halten.

Im Übrigen hat mir auch die Darstellung der einzelnen Götter sehr gut gefallen. Ähnlich wie die Amazonen sind sie blutrünstig, brutal und manisch dargestellt – wie unsterbliche Götter eben. Auch hier hat die Autorin also nichts beschönigt oder „verniedlicht“.
Diese Ehrlichkeit und Ungefiltertheit ist der größte Pluspunkt des Buches und macht seinem Genre der Dark Fantasy alle Ehre.

Das klingt bis jetzt also alles sehr positiv und so habe ich das Buch durchaus auch wahrgenommen. Warum konnte „Die Götter müssen sterben“ mich also nicht völlig überzeugen?
Das kann ich leider auch nicht so wirklich beantworten. Ganz wesentlich liegt es daran, dass das Buch teils doch sehr langatmig ist. Nicht selten hatte ich bspw. das Gefühl, an die 200 Seiten gelesen zu haben, während es in Wahrheit bloß um die 50 waren. Ab und zu musste ich mich sogar regelrecht dazu überreden, weiterzulesen. Aber weshalb genau ich das Gefühl hatte, dass das Buch so zäh ist, kann ich nicht wirklich festmachen. Möglicherweise, weil der Schreibstil nicht meins war, vielleicht hätte ich mir auch ein paar mehr rasante Stellen gewünscht? Ich weiß es nicht zu 100 %, ich kann nur sagen, dass mich das Buch nicht so sehr gefesselt hat, wie ich es mir gewünscht habe.
Das ist natürlich jetzt extrem subjektiv, das ist mir bewusst. Deshalb werde ich dem Buch auch nur einen Punkt abziehen. Es hat eben alles richtig gemacht, was es richtig zu machen gibt, und ich habe keine handfesten Kritikpunkte. Der Funke ist bloß nicht übergesprungen, was vielleicht auch daran liegt, dass es möglicherweise nicht der richtige Zeitpunkt für mich gewesen ist.


Fazit:
„Die Götter müssen sterben“ ist eine große Empfehlung für alle Mythologie- oder Dark Fantasy-Fans, oder für Leute, die feministische oder queernormative Fantasy lesen wollen und kein Problem damit haben, wenn es etwas blutiger zugeht.
Nora Bendzko interpretiert den Mythos um die Amazonen neu und setzt ihn in überzeugender, greifbarer Weise um. Das Buch setzt Vorwissen über die griechische Mythologie, speziell über den trojanischen Krieg voraus, aber diejenigen, die gerne Bücher darüber lesen, werden hier ein paar interessante Lesestunden finden.
Ich habe keine objektive Kritik an „Die Götter müssen sterben“ zu äußern. Dennoch muss ich sagen, dass es mir zwischendurch leider zu zäh und zu anstrengend zu lesen war. Woran genau das gelegen hat, kann ich jedoch nicht sagen, es gibt keinen Anker im Buch, an dem ich dieses Gefühl festmachen könnte. Deshalb – weil das Buch also alles richtig gemacht hat, und es für mich möglicherweise nur der falsche Zeitpunkt war – werde ich dem Buch nur einen Punkt abziehen und empfehle es jedem, der sich für die Amazonen interessiert oder ein feministisches Buch lesen möchte.
4/5 Lesehasen.
Profile Image for Elaine Ker.
1,646 reviews22 followers
January 5, 2023
Ach, es wird schwer sein, dieses Buch zu beurteilen! Ich hatte nicht erwartet, dass dieser Roman so ist, wie es ist. Es bedeutet nicht, dass es schlecht ist, aber irgendwie bin ich enttäuscht… Würde ich es wieder lesen, würde es mir wahrscheinlich mehr gefallen, da ich nicht etwas anderes erwarten würde.
Ich liebe griechische Mythologie, also war es schön, dieses Universum zu sehen. Besonders mit einem kritischen Blick ! Das habe ich richtig geliebt, auch wenn ein bisschen mehr Erklärungen willkommen gewesen wären. Ich kannte viel, aber ich wusste nicht auswendig, welcher Gott auf welcher Seite im Krieg um Troja stand. Ich glaubte, Apollon wäre gegen Troja (da er wie Poseidon betrogen wurde, als er die Mauern gebaut hat).
Weil die Amazonen epische Kriegerinnen sind, hatte ich ein Abenteuer mit viel Epik und Triumph erwartet. Ein bisschen wie Iron Widow, vielleicht ? Helden, die grausam sind, Frauen, die dagegen kämpfen, manchmal mit grausamen Mitteln. Ein Gefühl der Stärke und der Rache.
Leider war es nicht so. Es gibt nur wenig Triumph und viel Frustrierung : die Gottheiten sind unfair, die Männer sind schrecklich und gewinnen. Es ist alles sehr unfair, und ich fühlte mich eher entmutigt. Kriegerinnen, die vor nichts zurückschrecken, aber doch von Helden wie Theseus & Co besiegt werden. Na toll. Natürlich ist es am Anfang so, aber ich hatte irgendwie geglaubt, es würde sich ändern… nein.
Ich habe aber geliebt, dass dieses Buch voller Nuancen ist. Es war jedes Mal eine Erleichterung ! Zum Beispiel wird erklärt, dass die Königinnen ihre Söhne an Ares opfern müssen, als sie noch Babys sind. Aber dann wird erklärt, dass Frauen, die mit einem Penis geboren sind, als normale Frauen akzeptiert sind. Ein bisschen absurd : die “Söhne” der Königinnen waren dann vielleicht Töchter… Aber später wird diese Absurdität besprochen und kritisiert !
Sklaverei wird auch besprochen, und wir haben Figuren, die nicht-binär, lesbisch, asexuell, polyamorisch sind, die Depression, PTSD oder * haben, die BDSM mögen, viele Figuren sind nicht weiss (was auch der Geographie entspricht). Ich habe besonders gemocht, wie die psychischen Krankheiten besprochen wurden : selbst ohne moderne Vokabeln war es sehr klar, was es entspricht, vielleicht sogar noch klarer, als wissenschaftliche Erklärungen, weil die Beschreibungen sehr auf Gefühle ruhten.
Ich fand die Geschichte spannend und emotional !
Besonders Penthesileas Kapiteln habe ich geliebt. “Natürlich” lieben die Amazonien frei, und eine Kriegerin hat zwei Ehemänner, aber es ist doch was anderes, von nahem eine Beziehung zwischen drei Personen zu sehen. Es war tragisch, und mit so vielen Gefühlen ! Einfach toll. Penthesilea war auch sehr spannend, wenn sie kämpfte… ach, sie ist wirklich meine Lieblingshauptfigur.
Leider war das letzte Kapitel ein bisschen… was soll das ? Die Figuren reden darüber, was sie gut und falsch gemacht haben. Zum einen finde ich solche Gespräche doof : dass sollten doch die Leser*innen für sich finden ! Ich will nicht, dass ein Buch mir am Ende sagt “die Heldin hat früher geglaubt, dass sie alles machen kann, aber jetzt hat sie verstanden, dass es besser mit Hilfe geht”. Wenn das Buch gut geschrieben ist, dann empfinde ich diese Evolution auch ohne Erklärung. Wenn Bücher so etwas tun, habe ich immer den Eindruck, dass dier Autor*in mich für blöd hällt.
Aber noch schlimmer : die Erklärungen des Buches entsprachen überhaupt nicht, was ich gefühlt hatte. (Ich versuche, nicht zu spoilen, aber bespreche wage das Ende :) Die Figuren behaupten, dass der Krieg besser gelaufen wäre, wenn sie die Amazonen nicht idealisiert hätten, und wenn sie vereint wären. Aber… Das ist nicht wahr ? Sie waren immer sehr vereint, es gab zwar Verachtung gegenüber Areto, aber das hat das Szenario nicht beeinflusst. Das Einzige, was ich sehen kann, ist der Zweikampf. Wäre es nicht gewesen, hätten sie 2 Kriegerinnen mehr im Kampf gehabt… genug, dass es anders wäre? Das glaube ich nicht. Ihre Kraft und Anzahl war nicht, was fehlte.
Profile Image for Gwynnys Lesezauber.
344 reviews8 followers
July 15, 2021
»Ich habe einige unheilbare Wunden und weiß, dass noch mehr folgen werden«, sagte sie. »Eine andere Frau würde eine ausgestreckte Hand nicht fortschlagen, nicht in einem fremden Land, wo sie sonst allein unter Feinden wäre. Aber ich weiß es besser, Areto. Zum Würgen und Schlagen bedarf es beider Hände. Es ist grausam, doch ehrlich. Wer dich dagegen füttert, braucht nur eine Hand und kann die andere hinter dem Rücken verbergen. Ich kann dir nicht trauen. Und du solltest es mir gleichtun.«
Aus Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko

FAKTEN
Das Buch Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko ist im Juni 2021 bei Knaur Taschenbuch erschienen. Es ist als Print, eBook und Hörbuch erhältlich. Es handelt sich um einen in sich abgeschlossenen Einzelband.

KURZMEINUNG
Brutal ehrliche Dark Fantasy, die auf vielen Ebenen emotional aufwühlt, begeistert und fasziniert.

KLAPPENTEXT
Troja wird fallen, und die Amazonen werden sich endlich an den Helden rächen, die ihresgleichen töteten. So besagt es eine Prophezeiung von Artemis, der Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt, sollen die Amazonen die Welt beherrschen.
Doch Artemis segnet ausgerechnet Areto mit ihren Kräften, die keine Kriegerin ist und auch sonst kein hohes Ansehen genießt. Wie kann eine wie sie der Macht einer Göttin würdig sein und ihre Schwestern in eine neue Welt führen?
Während Areto lernen muss, mit ihrem Schicksal umzugehen, spaltet ihre Erwählung die Amazonen in zwei Lager – ein Konflikt, der ihrem Volk im Trojanischen Krieg den Untergang bringen könnte. Denn der wahre Feind lässt sich nur mit vereinten Kräften töten. Um das Leid der Amazonen zu enden und sie zur Macht zur führen, müssen nicht nur Helden sterben, sondern auch Götter.

SCHREIBSTIL & CHARAKTERE
Dieses Buch ist in sich so gewaltig, dass es eine kleine Weile brauchte, es zu verdauen. Normalerweise schreibe ich Rezensionen für Bücher, die mir außerordentlich gut gefallen haben, sofort. Doch in diesem Fall musste sich die Geschichte erst setzen und ihren Platz in meinen Gedanken und meinem Herzen finden.
Es ist auf so vielen Ebenen ein gelungenes Werk. Zwischen den Zeilen singt es, zeigt trotz der fantastischen Aspekte die brutale und groteske Ehrlichkeit – das dahinter der schillernden Sagen um die Griechen und ihre Götter.
Doch was mich so überzeugt hat, war die Unerbittlichkeit, mit der Nora Bendzko das Leben der Amazonen, das Leben aller in der damaligen Zeit, beschrieben hat. Weder waren die Kriegerinnen nur blutgierige und Männer fressende Furien – das kam nur manchmal ein wenig raus ^^ – noch trugen sie Blumen im Haar und lebten friedlich zusammen. Die Natürlichkeit, die hier mitschwingt, die Offenheit, die sie ihren Protagonist:innen schenkt, das alles fasziniert und fesselt. Es erschreckt jedoch auch, bringt zum Schlucken, zum Tränen wegblinzeln und vor allem dazu, die Gefühle der Charaktere in mir zum Klingen zu bringen bis sie der Geschichte antworten. Ein unbeschreibliches Lesegefühl!
Dahinter findet sich eine greifbare Atmosphäre – ich übertreibe nicht, wenn ich Euch sage, dass ich während so mancher Kampfhandlung das Blut auf meiner Zunge schmecken konnte. Nora Bendzko schreibt bildgewaltig. Ich hatte den Schlachtenlärm im Ohr, sah die Handlung vor meinem geistigen Auge und wurde mitten hineingezogen, in diesen Strudel aus Liebe, Hass, Verrat, Ehre, Verlust und Intrigen. Sehr zugesagt hat mir ihre Interpretation der Götter – so stelle ich sie mir auch immer vor. ^^
Dennoch möchte ich das Buch nicht verfilmt wissen, denn ich glaube nicht daran, dass man dieser Umgebung gerecht werden könnte. Es lebt definitiv von der eigenen Vorstellungskraft.

MEIN FAZIT
Bild- und emotionsgewaltige, düstere Fantastik, die von ihrer brutalen Ehrlichkeit und ihrer greifbaren und authentischen Atmosphäre lebt. Episch!

MEINE BEWERTUNG
Höchstwertung!
5/5 Goldene Zahnrädchen
©Teja Ciolczyk, 15.07.2021

Profile Image for Eule und Buch.
350 reviews7 followers
July 19, 2021
4,5* (aufgerundet)
„Die Götter müssen sterben“ wurde mir freundlicherweise vom Knaur Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt. Auf meine Meinung hat dies keine Auswirkungen.

Als die Amazonen Athen angreifen, um ihre geraubte Prinzessin zurückzuholen, schließt sich Areto ihnen an. Obwohl sie dafür alles gibt und sie sich in deren Gesellschaft ein neues Leben aufbauen kann, gilt sie immer noch als Außenseiterin. Als die Amazonen beschließen, Troja zu Hilfe zu eilen, segnet die Göttin Artemis ausgerechnet Areto und gibt ihr göttliche Kräfte. Auf dem Weg nach Troja spaltet nicht nur diese Erwählung die Amazonen in zwei Lager. Doch die Feinde lauern überall und nur vereint können sie besiegt werden.

Ich muss gestehen, es fiel mir zu Beginn etwas schwer, in die Geschichte einzufinden. Es kam mir so vor, als wolle die Autorin eine Erzählung der Art „Frauen = gut, (hässliche) Männer = böse“ schreiben. Allerdings war dies nur in der Zeit, in welcher Areto in Athen ist so und dort sieht man die Welt durch ihren Blick. Dass sie die Männer, die ihr und anderen Frauen Unrecht antun als abstoßend empfindet ist absolut nachvollziehbar. Tatsächlich gibt es im weiteren Verlauf des Buches eine sehr nuancierte Sichtweise auf Männer, Frauen und andere Geschlechter, die ich so bisher selten gesehen habe! Besonders gut daran hat mir gefallen, dass die Autorin zwischen den Zeilen auch auf Probleme aufmerksam gemacht hat, die in einer eher matrtiarchisch geführten Gesellschaft auftreten können. Auch im Feminismus gibt es Gruppen, die andere Randgruppen ausschließen wollen. Dass dies in dieser sehr feministischen Geschichte nicht ignoriert, sondern problematisch gezeigt wurde, habe ich als sehr mutig und gut gelungen empfunden.

Die Geschichte wird aus den Perspektiven von drei Amazonen erzählt: Areto, ihrer Geliebten, Clete, und einer der Amazonenköniginnen, Penthesilea. Durch die Wechsel erhält man andere Sichtweisen und Einblicke. Da die erzählte Geschichte, wie auch die Gesellschaft der Amazonen sehr komplex sind, sind eben diese Einblicke wertvoll für das Leseverständnis. Auch wenn ich zu Beginn sehr viel lieber aus Aretos Perspektive gelesen habe, so hat sich dies später sehr verändert und ich war froh über jeden Wechsel, um mehr zu verstehen und die anderen Charaktere besser kennen zu lernen.

Die Charaktere des Buches sind sowieso etwas Besonderes. Bei der Diversität, die hier herrscht, ohne dass dies groß betont werden muss, könnten sich viele eine Scheibe abschneiden. Es gibt viele verschiedene Formen der Diversität nebeneinander und alle wurden gut und respektvoll umgesetzt. Trotz diesem positiven Aspekt fiel es mir oft schwer, mit den Charakteren warm zu werden. Abgesehen von den drei Protagonistinnen, deren Gedankenwelt man mitbekam, fühlten sich viele Nebencharaktere doch sehr unterentwickelt an. Besonders schwierig fand ich hier die vielen Thematiken, die aufgeworfen, aber nie weiterverfolgt wurden. So gibt es viele Nebencharaktere, die bestimmte Traumata erlitten haben. Diese werden zwar erzählt, danach aber nie wieder aufgegriffen. Auf der einen Seite sorgt dies für eine dichte und bedrückende Atmosphäre, die für einen Dark Fantasy Roman sehr passend ist, auf der anderen Seite kommen dadurch eben die meisten Themen des Buches zu kurz.

Grundsätzlich hat mir die Geschichte allerdings sehr gut gefallen. Den größten Teil des Buches nimmt die Reise der Amazonen nach Troja ein. Normalerweise finde ich lange Reiseperioden in Büchern eher abschreckend, allerdings gibt es auf dieser definitiv genug Abwechslung. Es passiert wirklich viel, dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass einzelne Geschichtsstränge hier zu kurz kamen, im Gegensatz zur eben erwähnten Problematik mit den Charakteren.

Fazit:
Mich konnte „Die Götter müssen sterben“ definitiv überzeugen. Auch wenn ich noch gewisse Schwächen spezifisch bei der Vielzahl an Thematiken sehe, ist es dennoch ein Buch voll Diversität, Spannung und einer tollen Geschichte!
Profile Image for Barbara.
209 reviews6 followers
July 5, 2021
Als die Amazonen in Athen einfallen, um ihre vom König entführte Schwester zu befreien, stellt sich die Hausangestellte Areto gegen ihren Herrn und gegen ihren Ehemann – und flüchtet.
Nur skeptisch nehmen die Amazonen die junge und schwangere Ehefrau auf. Doch nach Jahren des Zusammenlebens, ist aus Areto ein Mitglied der Gemeinde geworden, wenn auch keine Kämpferin.
Doch als der Krieg zwischen Troja und Sparta seinen Höhepunkt erreicht, ruft die Göttin Artemis ihr Amazonenvolk zum Krieg auf – und erwählt die kampfunerfahrene Areto überraschend zu ihrer Begünstigten.
Nicht zum Erfreuen jederfrau des Amazonenvolkes …


Dieses Buch war eine Achterbahnfahrt für mich. Einerseits haben wir die tolle Welt (die griechische Mythologie gibt einfach unglaublich viel her), andererseits jedoch eine Geschichte, der es an einem roten Faden fehlt.
Wir folgen drei verschiedenen Frauen (wobei ich erwähnen muss, dass alle drei Perspektiven bis auf einige Seiten denselben Weg der Geschichte gehen, also alle drei dem Amazonenvolk angehören – hier hätte man eindeutig mit einer entfernteren Perspektive, z. B. Andromaches oder auch Helenas, mehr Spannung erzeugen können): der zarteren Areto, der kriegerischen Clete und der Königin des Volkes Penthesilea. Letztere war mir eindeutig dank ihrer standhaften Art die liebste Perspektive.
Alle drei Frauen (nun ja, Clete wohl am wenigsten) haben mit ihren Dämonen zu kämpfen: Areto leider Zeit ihres Lebens an eine Depression und auch darunter, dass die Göttin Artemis ausgerechnet sie erwählt hat, die erst einmal in ihrem Leben ein Schwert in Händen gehalten hat.
Penthesilea weigert sich, sich dem Plan des Gottes Ares zu fügen, sein Kind auszutragen, wodurch ihr dieser auch kein Kind mit einem anderen Mann gewährt.
Clete ist eine rastlose Kämpferin.
Warum also konnte es mich nicht überzeugen? Trotz der vielen spannenden Ideen (Der Hof des Gelächters war einfach wunderbar und auch die kurzen Perspektiv-Wechsel, in denen wir durch die Augen der Göttin schauen), fehlte mir letztendlich der rote Faden. Die Frauen sind den größten Teil des Buches auf einer Reise, müssen sich den Gefahren stellen, um letztendlich in Troja anzukommen, um dort gegen die Spartaner (und Achilles‘ Myrmidonen) zu kämpfen. Doch warum sie viele Dinge tun, ist – so war es in meinem Empfinden – nicht ausreichend erklärt. Mir fehlte hier eindeutig die Überzeugung der Figuren, zu kämpfen, die Anweisung ihrer Göttin fand ich nicht ausreichend dafür, alles aufzugeben.
Der Schreibstil machte es mir zudem ebenfalls ein wenig schwer. Die Autorin verzichtet häufig darauf, Erklärungen durch wörtliche Rede abzugeben, sondern „fasst diese zusammen“.
Beispiel: im letzten Drittel des Buches hält eine Person eine „flammende Rede“ – diese Rede wird jedoch nur in zwei Sätzen beschrieben. Das weckte bei mir einfach keinerlei Emotionen. Ich bin überzeugt, hätte man häufiger auf wörtliche Rede gesetzt, wären so viel mehr Gefühle transportiert worden. Schade.

Fazit: Das Buch hat mich gut unterhalten und macht allein durch die Vielfalt der mythologischen Figuren großen Spaß, konnte mich aber von der Geschichte her einfach nicht überzeugen. Ich bin aber sicher, dass – vor allem Fans der düsteren Götter – ihren Spaß damit haben werden.
137 reviews1 follower
July 29, 2021
Inhalt: Der Kampf um Troja beginnt. Auch das Volk der Amazonen zieht auf Geheiß und mit dem Segen der Göttin Artemis in den Kampf. Doch bereits zu Beginn kommt es innerhalb der Amazonen zu Disputen. Artemis‘ Segen fiel nicht auf eine große Kriegerin, sondern auf Areto, eine Schreiberin und ehemalige Athenerin, die vor einigen Jahren bei den Amazonen Unterschlupf gefunden hat. Nicht jede ist zufrieden mit dieser Wahl. Aus Amazonensicht ist sie schwach. Kann Areto dem Anspruch, der mit der Segnung einhergeht, gerecht werden?

Persönliche Meinung: „Die Götter müssen sterben“ ist ein Dark Fantasy-Roman von Nora Bendzko. Erzählt wird er wechselweise aus den Perspektiven von Areto, einer Athenerin, die bei den Amazonen lebt, Clete, einer Amazonenkriegerin, und Penthesilea, einer Königin der Amazonen. Es ist also eine spannende Mischung unterschiedlichster Perspektiven. Besonders interessant war für mich die Perspektive Aretos. Sie ist keine Amazone, das Kämpfen ist ihr fremd, sodass sie einen anderen Blick auf das Leben der Amazonen hat. Zugespitzt wird die Lage dadurch, dass ausgerechnet sie, die Nicht-Kriegerin, von der Göttin Artemis gesegnet wird. Der Einstieg in das Buch fiel mir etwas schwer. Das lag einerseits daran, dass man mit vielen Figuren konfrontiert wird und man sich zunächst in der Figurenkonstellation orientieren muss. Andererseits fehlte mir zu Beginn auch etwas der rote Faden und die Handlung stand eher still, wodurch Spannung verloren ging. Zuletzt muss man sich auch erst an den Erzählstil gewöhnen. Er ist stellenweise in Wortwahl und Satzbau pathetisch, was sehr gut zu den antiken Vorbildern passt, aber gleichzeitig etwas ungewohnt ist, sodass man sich zunächst „hineinlesen“ muss. Mit der Zeit legen sich aber diese Anfangsschwierigkeiten, man findet immer besser in die Handlung hinein und wer sich nicht abschrecken lässt, wird belohnt. Die Handlung nimmt an Tempo und Spannung zu, denn auf ihrer Reise nach Troja müssen die Amazonen einige Gefahren überwinden. Viele dieser Episoden, wie diejenigen, die im Hades spielen, die Konfrontation mit Dionysos‘ Hof des Gelächters, der wahnsinnig lachend durch das Land der Skythen marodiert, oder die Szenen, die Penthesileas Vergangenheit beleuchten, sind unheimlich stark – sowohl atmosphärisch als auch sprachlich. Teilweise sind sie auch brutal, allerdings nicht so sehr, dass es abschrecken würde. Beeindruckt haben mich auch die vielfältigen Figuren, die im Roman in Erscheinung treten. Die Figuren sind durchweg divers, wodurch sich „Die Götter müssen sterben“ vom Mainstream der Fantasy-Literatur abhebt. Es treten in „Die Götter müssen sterben“ sowohl homosexuelle, asexuelle als auch bisexuelle Figuren auf. Auch eine non-binäre Figur spielt eine größere Rolle, wobei mir hierbei sehr gut gefallen hat, wie diese Figur pronominal angesprochen wird. Außerdem finden sich Figuren, die mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben. Jeder Figur wird innerhalb der Handlung mit Empathie, Offenheit und Sensitivität begegnet. Insgesamt ist „Die Götter müssen sterben“ ein Fantasyroman, durch den man sich zu Beginn etwas „kämpfen“ muss. Wer weiterliest, wird allerdings belohnt: mit beeindruckenden, queeren Figuren und vielen starken Szenen.
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