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In zwangloser Gesellschaft

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Nach einem Lachanfall in den Katakomben von Rom, der doch irgendeinen Grund gehabt haben muss, macht sich ein junger Mann auf den Weg: Durch Ohlsdorf, Constanţa, Wien und Prag, entlang der Grabsteine Europas größter und kleinster Literaten beginnt er eine Spurensuche - nach den unheimlich Verschwundenen und den Unsterblichen. Häufiger als erhofft stößt er dabei auf knutschende Paare, Bonbonpapier, Champagnerflaschen und dann doch keine Mentholzigaretten; trifft Orgelsachverständige, Totengräber und Hermann Hesses Enkel, und es braucht neben Durchhaltevermögen nicht zuletzt Rotwein, eine Arminius-Schreckschusspistole und eine frisierte Vespa, bis er erstaunt zu dem Schluss kommt: Verschwinden ist Luxus. -- Ein wildes, phänomenales Debüt, das uns berauscht, beglückt und amüsiert und ganz nebenbei ein völlig neues Licht auf das Europa unserer Tage wirft.

237 pages, Hardcover

First published September 2, 2020

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About the author

Leonhard Hieronymi

14 books21 followers

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Community Reviews

5 stars
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4 stars
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2 stars
6 (13%)
1 star
2 (4%)
Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Sebastian.
5 reviews
April 12, 2025
beste Inspiration für Besuche von Friedhöfen.
Seitdem ich es gelesen habe, besuchte Gräber:
Hans Christian Andersen, Søren Kierkegaard, Niels Bohr, Franz Kafka.
Profile Image for Eretrece.
127 reviews1 follower
January 31, 2023
Zum ersten Mal bin ich durch den Literatur-Podcast Laxbrunch auf Leonhard Hieronymi aufmerksam geworden; er war in der am 19.12.21 veröffentlichten Folge zu Dracula zu Gast. Mir ist daraus vor allem in Erinnerung geblieben, dass er an einem coolen Buch über Pinocchio-Eis in Deutschland mitgewirkt hat. Mit 4.75 von 5 Sternen hat "MOSTRO" zum aktuellen Zeitpunkt auch eine beachtliche Bewertung auf Goodreads (auch wenn sie nur auf vier Einzelbewertungen beruht, von denen eine die des Autors selbst ist). In meiner lokalen Stadtbücherei war leider nur "In zwangloser Gesellschaft" verfügbar. Hier geht es statt um Pinocchio-Eis um die Gräber von Schriftsteller*innen, die in Vergessenheit zu geraten drohen. Auch gut (obwohl es nicht überrascht, dass die Goodreads-Bewertung ein wenig niedriger ausfällt).

Eins der ersten Gräber, die der Protagonist des Romans besucht, ist das von Robert Gernhardt, mit dessen Werk ich nicht vertraut bin.
"Vielleicht ist es der ewige Fluch derjenigen Literatur, die Ernst und Spaß miteinander verbinden will, die Gernhardt vom großen Weltruhm bis heute fernhält." (S. 18)
Auf jeden Fall ist auf Seite 18 bereits erkennbar, dass auch "In zwangloser Gesellschaft" zu dieser Art von Literatur gehört.

Bilder deiner großen Liebe ist eins der wenigen Werke, auf die sich Hieronymi bezieht, die ich tatsächlich gelesen habe. Auf S. 54-56 besucht der Protagonist das Grab des Autors, Wolfgang Herrndorf. In meiner Goodreads-Rezension fasse ich Herrndorfs Roman mit dem folgenden Satz zusammen:
"Nach ihrem Ausbruch aus der Psychiatrie folgen wir der Protagonistin Isa, an die sich einige womöglich noch aus Tschick erinnern, auf einer langen Wanderung durch Natur und Zivilisation und wohnen einer Reihe von skurrilen Begegnungen bei."
So ähnlich könnte man auch Hieronymis Roman beschreiben. Bei Hieronymis Protagonisten sind es allerdings eher implizite Hinweise, die auf seinen mal mehr, mal weniger labilen psychischen Zustand hindeuten. Außerdem ist er keine bekannte Figur aus "Tschick".

Den Reisecharakter des Romans könnte man sicherlich auch mit Faserland von Christian Kracht assoziieren (und die Idee, die Gräber verstorbener Schriftsteller*innen zu besuchen, sowieso) - auch hier gibt es (auf S. 111) einen ganz expliziten Bezug. An das Grab des Schweizer Popliteraten reist Hieronymis Protagonist allerdings nicht, denn Kracht lebt natürlich (noch).

Wahrscheinlich würden sich zahlreiche weitere Verbindungen zu Werken der im Roman erwähnten Autor*innen finden lassen, würde man sich besser mit Literatur auskennen als ich. Mir fallen immerhin oft Verbindungen zu Büchern, die ich kurz vorher gelesen habe, ins Auge, und hier habe ich eine zu Dschinns von Fatma Aydemir gefunden: Beide Romane nehmen auf Nietzsches Theorie der Ewigen Wiederkehr Bezug. Bei "In zwangloser Gesellschaft" geschieht dies auf S. 33. "Dschinns" habe ich schon zurück in die Bücherei gebracht, aber denjenigen, die Näheres dazu interessiert, sei die Lektüre sehr ans Herz gelegt.

Und dann habe ich sogar noch eine Verbindung zu einem Tweet von Carolin Emcke gefunden. Der Ich-Erzähler in Hieronymis Roman berichtet über das Grab von Roger Willemsen:
"Der Grabstein war erst knapp ein Jahr alt, daneben eine vom arabischen Frauenverein gestiftete Bank." (S. 38)
Obwohl ich noch nie an Willemsens Grab war, konnte ich mithilfe einer Google-Suche die Vermutung bestätigen, dass die Bank in Wirklichkeit nicht vom arabischen, sondern vom Afghanischen Frauenverein gestiftet wurde, dessen Schirmherr Roger Willemsen war.

Es kann sein, dass der Autor diesen Fehler absichtlich eingebaut hat, um den Protagonisten menschlich wirken zu lassen - oder der Autor ist selber menschlich und irrt. So oder so verschwimmen hier die Grenzen. Ich habe mich gefragt, warum Hieronymi sich entschieden hat, aus der Idee einen Roman und kein Sachbuch zu machen. Schließlich muss er eine ähnliche Reise selbst gemacht haben, um die im Roman bereisten Orte treffend zu beschreiben. Er selbst muss sich stark für verstorbene Schriftsteller*innen interessieren, um solch ein Buch überhaupt zu schreiben. Auf den manchmal schmalen Grad zwischen Realität und Fiktion nimmt Hieronymi an einer Stelle selbst Bezug:
"Am Rande des Friedhofs hatte man eine Wellblechhütte gebaut, die mit einer weißen Plastikplane abgedeckt war: Das war das Archäologische Zentrum. Vor ihm lagen auf Holzpaletten Hunderte Steine, die zum Säubern und Zusammensetzen bereitlagen. Stepanova hatte in ihrem Roman, und vielleicht ist es deshalb ein Roman, nur wenige der aus dem Schlamm aufgetauchten Steine entdecken können." (S. 146)
Vermutlich gibt es in "In zwangloser Gesellschaft" dann doch ein paar mehr Abweichungen von der Realität.

"In zwangloser Gesellschaft" hat mir vor allem am Anfang gut gefallen. Ich konnte mich gut mit dem für Außenstehende möglicherweise skurril wirkenden Vorhaben des Protagonisten identifizieren, denn ich kenne diese Art von Obsession und stimme dem Protagonisten und seinem Bruder zu, wenn sie sagen, dass sie "überhaupt jedes künstliche Schaffen einer "Aufgabe" für eigentlich alle Personen dieser Erde als etwas Überlebenswichtiges" betrachten (S.19).

Wie erwähnt waren mir die meisten Schriftsteller*innen, deren Ruhestätten im Roman aufgesucht werden, im Vorhinein nicht bekannt, und das ist fair enough - schließlich soll es ganz bewusst um solche von ihnen gehen, die kurz davor sind, in Vergessenheit zu geraten. Die Anekdoten, die erzählt werden, sind in sich geschlossen. Man kann ihnen auch ohne weiteres Hintergrundwissen etwas abgewinnen. Trotzdem hätte mir "In zwangloser Gesellschaft" möglicherweise besser gefallen, wäre es mehr um Schriftsteller*innen gegangen, für die ich ein gewisses Grundinteresse mitbringe, aber ja, natürlich macht das die Idee kaputt.

Den Roman kann man auf jeden Fall als ein tolles Mittel sehen, um auf heute relativ unbekannte Autor*innen zu stoßen, denn jetzt finde ich wieder ganz neue Verbindungen. Ich habe jetzt einen Artikel im ZEITmagazin (Achtung, Paywall) gelesen, in dem Jörg Fauser erwähnt wurde, und dann dachte ich: "Ach ja, den kenne ich doch". Dann hat mir Goodreads auch noch einen Roman von Fauser empfohlen, aber überraschenderweise nicht weil ich "In zwangloser Gesellschaft", sondern weil ich "Dschinns" gelesen hatte.

Es wäre tatsächlich cool (nein, "cool" ist das falsche Wort), ganz systematisch ranzugehen und mehr über die erwähnten Autor*innen und ihre Werke zu lernen, aber das wäre eine künstlich geschaffene Aufgabe für sich.

Wie man an der Länge dieser Rezension unschwer erkennen kann, bietet "In zwangloser Gesellschaft" auf jeden Fall viel Stoff zum Nachdenken, und ich liebe es auch, wenn Informationen in mich reinkommen und es richtig in mir arbeitet und in anderer Form wieder etwas aus mir rauskommt, aber genau das war hier das Problem. "In zwangloser Gesellschaft" ist ein unglaublich dichtes Buch und nach etwa der Hälfte war ich einfach gesättigt; ich konnte keine Informationen mehr aufnehmen. Es war nicht mal mehr so, dass sie zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgegangen wären; sie sind einfach an mir abgeprallt. Vielleicht ist das weniger Hieronymis Schuld als meine - vielleicht hätte ich mir mehr Zeit lassen müssen mit dem Lesen. Aber wenn man ein Buch irgendwann wieder zurück in die Bücherei bringen muss, man auch noch andere Bücher lesen will und man dringend eine gewisse Rezension schreiben möchte, bevor man wieder vergisst, was man sagen wollte, ist das eben gar nicht so leicht. Also habe ich weitergelesen. Und so leid es mir tut, weil "In zwangloser Gesellschaft" so beeindruckend voll von Wissen steckt und gleichzeitig auch noch so sehr darüber hinausgeht, ich war froh, als es zu Ende war.

Vielleicht ist das aber auch das Geniale am Roman. Es geht um Schriftsteller*innen, die in Vergessenheit geraten, aber man kann sich unmöglich alles merken. Die Namen, die Anekdoten - vielleicht bleibt das eine oder andere hängen - der Großteil wird, trotz aller möglichen Gegenmaßnahmen, vergessen.
Profile Image for JoBerlin.
359 reviews40 followers
November 26, 2020
"Alles wandelt sich, nichts vergeht" – sagt Ovid. Dass das in unserer schnelllebigen Gesellschaft schon lange nicht mehr zutrifft, ist uns wohl allen schmerzhaft bewusst und so geht es in Leonhard Hieronymis Friedhofserinnerungsbuch auch nicht um die großen, die präsenten Namen, sondern um die langsam Dahinschwindenden , die dem Vergessenen Preisgegebenen.

Dafür reist er in wechselnder Begleitung durch Europa und yes darling, ein bißchen Drumherum ist beigegeben, but is it a novel? Aus meiner Sicht nicht, dazu bleiben die Zeichnungen der Personen zu blass, und wird zu viel über zu warme Sommer lamentiert, wo doch nichts so schnell Schnee von gestern ist, wie das Wetter von heute.

Das schmälert jedoch keineswegs den Wert des Buchs, denn Leonhard Hieronymi ist eine wunderbare Komposition gelungen: Er nimmt uns mit auf eine Reise durch das Reich der Toten, er zeigt uns viele interessante Grabstätten, berichtet von obskur gestorbenen Toden und übt aber auch Kritik am "Literatourismus", dessen massenhaftes Ziel die Besichtigung der Schreibstuben, Schlafzimmern und eben Grabstätten der jeweiligen Lieblinge ist. Und Hand aufs Herz, welcher Literaturinteressierte, welcher Fan hätte sich hier nicht schon eingereiht oder zumindest Pläne gemacht? Denn auch Hieronymis große Liebe zur Literatur, die Berührtheit an so manchem Grab und seine umfassende Kenntniss kultureller Einflüsse und Zusammenhänge machen erst die große Besonderheit seiner Führung aus.

Das alles liest sich flott, ist amüsant und gekonnt locker-leicht geschrieben. Man sollte das Buch jedoch nicht schnell weglesen – es verführt dazu - sondern immer mal wieder zur Hand nehmen und im Gepäck mitnehmen. Das könnte durchaus auf einer Reise nach Constanta, Rumänien sein , um dort nach Ovids versunkenem Grab am Schwarzen Meer zu suchen.
Nichts vergeht so ganz …. Wollen wir uns so und mit der Lektüre des vorliegenden Buchs trösten? Ja, das könnte gelingen. Noch zu Lebzeiten womöglich.
Profile Image for Peter.
599 reviews25 followers
Read
December 24, 2021
Weil ich selbst ein begeisteter Literatengrab- und Friedhofsaufsucher bin, hat mich dieses Buch natürlich interessiert. Die erhofften Besuchsanregungen für diverse Friedhöfe habe ich bekommen, so manchesmal musste ich schmunzeln aber mehr erreichte der Text bei mir nicht. Eine Romanhandlung existiert nicht - eher lose aneinandergehängte Reisefragmente. Manchmal lustig, zeilenweise echt gut aber dann auch oft wieder nicht.
2 reviews
December 22, 2020
Ein wirklich wirklich tolles Buch, das sich wirklich gut lesen lässt! Kann mich nicht entscheiden, welches mein Lieblings-Kapitel ist.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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