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Die Stille der Toten

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Frankfurt im Mai 1967. Im Main wird die Leiche eines ermordeten amerikanischen Reporters angespült, der über die Prozesse gegen die Täter von Auschwitz berichtete. Da der Tote selbst Jude war, gewinnt der Fall enorme politische Sprengkraft. Kommissar Preusser übernimmt die heiklen Ermittlungen und befindet sich bald darauf in einem Geflecht aus Schuld und Vertuschung der dunklen deutschen Vergangenheit. Sind die Mörder von damals die Täter von heute?

352 pages, Paperback

First published September 22, 2020

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Gitti.
1,175 reviews
October 11, 2020
In Frankfurt wird ein Toter aus dem Main gefischt. Es ist 1967 und in Frankfurt laufen die zweiten Auschwitz Prozesse. Es stellt sich heraus, dass der Tote von dort berichtet hat und noch dazu amerikanischer Jude ist. Damit erhält der Fall eine Brisanz, die auch obere Stellen aufhorchen lässt.

Nach und nach stellt sich heraus, dass die Vergangenheit noch immer in die Gegenwart wirkt.

Ich fand das Buch wirklich toll komponiert. Es geht nicht nur um die Aufklärung des Falls, sondern auch um den Umgang der Generationen mit der Vergangenheit. Hauptkommissar Preusser war selbst als Soldat im Krieg und dieser Fall spült bei ihm Erinnerungen hoch, mit denen er nicht gut zurecht kommt. Der jüngere Kollege Wiedemann kann nicht verstehen, warum Preusser immer den Befehlen folgt und nie bereit ist, Regeln auch mal großzügiger auszulegen. Und Preussers Tochter Elke versteht nicht, warum ihr Vater nie über den Krieg spricht. Es treffen hier Generationen aufeinander, die einen wollen einfach weitermachen und die Vergangenheit begraben, die anderen endlich aufbrechen und etwas verändern im Land. So trifft Preusser auch immer wieder auf Studenten, die sich den Protesten anschließen und gerät in Berlin in die Demonstrationen gegen den Schah von Persien. Diese Begegnungen bringen ihn dazu über seine Positionen nachzudenken und sich selbst zu verändern.

Bei seinen Kollegen zeigen sich die unterschiedlichen Umgehensweisen mit der Vergangenheit, da wird geleugnet und verdrängt, nur die wenigsten sprechen ehrlich über ihre Vergangenheit. Am Ende wird immer darauf verwiesen, dass nur Befehle befolgt wurden.

Der Fall an sich hat es in sich und Preusser lernt, doch seinem Gewissen und seinem Bauchgefühl zu folgen, auch wenn seine Vorgesetzten versuchen den einfachen Weg zu gehen. Es kommt immer wieder zu überraschenden Wendungen, auch wenn ich relativ früh ein Gefühl für das eigentliche Motiv hatte, bin ich immer wieder überrascht worden.

Ich würde mich sehr freuen noch mehr von diesem Autor zu lesen, ich habe in letzter Zeit nur selten einen so vielschichtigen Krimi in die Hände bekommen. Von mir eine absolute Leseempfehlung!
Profile Image for Oneofthefoxes.
746 reviews24 followers
September 10, 2020
Solider Kriminalfall. Allerdings hat mich die historische Komponente weniger überzeugt. Vor allem deshalb, weil ich finde, das der Autor diese einfach nicht gelungen in die Handlung eingebaut hat. Vieles ist zu sehr aus heutigem Blickwinkel geschrieben und es wird nicht glaubwürdig vermittelt dass, das Thema Holocaust ein absolutes Tabu war, über das die Generation nicht sprach. Vieles wird auch zu sehr abgehandelt, sodass man fast schon eine Liste abhaken kann. Man könnte sagen der Autor bemüht sich einfach zu sehr darauf hinzuweisen, was man alles so über die 60er Jahre aus heutigem Blick sagt. Nur die Figuren handeln nicht wirklich so oder sprechen über Dinge, die sie so damals nie gesagt hätten. Das wirkt an den betreffenden Stellen zu sehr wie aus einem Leerbuch und nicht wie ein echtes Gespräch.

Anderes das inhaltlich glaubwürdiger wirkt, ist mir trotzdem zu hölzern geraten. Alles in allem fand ich einfach den Schreibstil des Autors nicht so gelungen. Das ist natürlich auch eine Geschmacksfrage, aber ich persönlich fand dadurch dann die Figuren ebenfalls nicht überzeugend.
Trotzdem kann man schon auch erkennen, das gerade auch die Polizei und der restliche Justizapparat durch die Tatsache, das die Beteiligung von Justiz und Polizei am Holocaust nicht aufgearbeitet wurde. Oder nur soweit, wie es Beteiligten die ihre Taten vertuschen wollten passte. Nach wie vor war die ganze Gesellschaft durchzogen von diesen Tätern, speziell im Medizin und Justizbereich wurde das lange Zeit nicht näher betrachtet. Weder im öffentlichen Diskurs noch in der wissenschaftlichen Betrachtung.

Der Mordfall selbst ist finde ich, durchaus interessant und als Fall an sich auch logisch aufgebaut. Allerdings fand ich einiges am Ende nicht so ganz rund. Vor allem die Handlungen des Kommissars, der damit meiner Meinung nach zwar zeigt, das Schweigen über die Vergangenheit in Deutschland zur Normalität wurde, aber den Schluss auch irgendwie pathetisch wirken lässt. Anderes war in der Handlung dann irgendwie zu vorhersehbar. Aber gleichzeitig waren manche Hintergründe auch spannend konstruiert, sodass man schon wissen wollte, wie genau das Ganze dann zusammenhängt.

Insgesamt für mich eine eher durchschnittliche Lektüre, die mich an einigen Punkten leider nicht abholen konnte. Das finde ich schade, da ich die Thematik des Romans sehr wichtig finde und es auch gut fand, das die Hauptfigur und auch weitere Figuren keine reine Weste hatten und damit nicht mal wieder das Klischee vom guten Nazi bedient wurde.

Vielen Dank für die Bereitstellung des Lexemplars an den Aufbau Verlag (via Netgalley)
133 reviews3 followers
December 26, 2020
"Die Stille der Toten" von Maximilian Rosar hat mich vom Thema her sehr angesprochen.
Bis jetzt habe ich wenige Krimis gelesen die in den 60iger Jahren spielen.
Studentenbewegungen, Vietnam-Krieg, sexuelle Revolution - es gibt viele Schlagworte für dieses Jahrzehnt.
Zudem noch immer die Verdrängung der Erinnerungen an den 2. Weltkrieg und die Rolle der Deutschen in diesem präsent waren.
Diese Themen werden in diesem Krimi miteinander verwoben.
Der Tod eines ermordeten Juden in Frankfurt bringt Kommissar Preusser an seine persönlichen Grenzen.
Denn die Hintergründe für diesen Mord liegen in der Judenverfolgung im 2. Weltkrieg.
Und im Laufe der Ermittlungen wird zudem immer klarer, dass einige Personen großes Interesse daran haben, diese zu boykottieren.
Kommissar Preusser lässt jedoch nicht locker und deckt nach und nach erschütternde Dinge auf.
Der Schreibstil hat mir richtig gut gefallen und ich habe das Buch sehr gerne gelesen.
Wer der fehlende Täter, der große Unbekannte, ist, war mir nach einiger Zeit ziemlich klar. Meine Vermutung wurde am Ende auch bestätigt.
Es gab im Laufe der Geschichte zwei Dinge, die mir persönlich nicht so gut gefallen haben. Diese werde ich hier aber nicht erwähnen da ich nicht spoilern möchte.
Und da es sich eher um meine persönliche Meinung handelt und die Handlung insgesamt nicht unbedingt schmälert.
Für mich ein kurzweiliger Krimi mit einem sehr interessanten Thema.
29 reviews
October 23, 2020
Vordergründig muss der Frankfurter Kriminalkommissar Preusser einen Mord aufklären: Ein Toter wurde mit einer Stichwunde aus dem Main gezogen. Es ist das Jahr 1967 und es gärt nicht nur an den Universitäten, der zweite Frankfurter Auschwitz-Prozesss, der gerade in Frankfurt verhandelt wird, bringt Fragen nach Schuld und Verantwortung in eine Gesellschaft, die am liebsten alles aus den Jahren 1933 bis 1945 vergessen würde. Dann stellt sich heraus: Das Mordopfer hat über den Prozess berichtet, war amerikanischer Jude, seinen Eltern ist gerade noch rechtzeitig die Flucht aus Deutschland gelungen. Hängt der Mord mit der Arbeit des Toten zusammen?

Preusser, der selbst ein unbewältigtes Kriegstrauma mit sich herumschleppt und nicht einmal mit seiner Frau über seine Erlebnisse in Russland sprechen kann und will, merkt schnell, dass seine Vorgesetzten am liebsten eine einfache Lösung wollen. Kann es nicht ein Raubmord gewesen sein? Immerhin wurden alle Habseligkeiten des Ermordeten aus dem Pensionszimmer gestohlen, in dem er gewohnt hatte. Es ist mehr als eine Bitte, es ist eine Anweisung, nicht weiter zu ermitteln - und Preusser ist ein Beamter, der noch auf Gehorsam, Disziplin und Pflichterfüllung geeicht wurde. Befehle von Vorgesetzten sind nicht in Frage zu stellen - auch jetzt, wo ihm sein Instinkt sagt, dass noch mehr hinter der Sache steckt? Nachdem er der verzweifelten und verbitterten Mutter des Toten versprochen hat, den Mörder ihres Sohnes zu finden, der ausgerechnet in Deutschland den Tod gefunden hat und wohl in den vergangenen Monaten versucht hatte, das Schicksal seiner in Auschwitz ermordeten Tante zu recherchieren?

Mit seinem Roman "Die Stille der Toten" legt Maximilian Rosar die Handlung in eine Zeit kurz vor der Zäsur 1968 - doch das Aufbegehren ist schon überall spürbar. Bei seinen Recherchen in Berlin gerät Preusser in eine der Demonstrationen gegen den Besuch des Schah, erlebt den Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Das Aufbegehren erlebt er auch im privaten und beruflichen Umfeld: Seine Frau möchte den Führerschein machen, seine Tochter ist ein aufmüpfiger Teenager, sympatisiert mit den demonstrierenden Studenten und will wissen, was ihr Vater im Zweiten Weltkrieg eigentlich getan hat. Der junge Polizist Wiedemann trägt nicht nur lieber Jeans statt Anzug und schwärmt für Jimi Hendrix, er stellt auch blinden Gehorsam in Frage und kann nicht verstehen, dass Preusser nicht deutlich gegen Anweisungen protestiert, die er für falsch hält.

Auf der anderen Seite stehen Vorgesetzte in der Polizei und Justiz, Beamte aus dem Bundesinnenministerium, die die Raubmord-Theorie für die bequemste Lösung halten und in Diskussionen zeigen, wie viel vom Gedankengut der Vergangenheit noch fest in den Köpfen des Sicherheitsapparates verankert ist. In einem jungen Staatsanwalt, der zu den Juristen Fritz Bauers gehört, findet Preusser immerhin einen Verbündeten. Seine Suche nach dem Mörder ist auch ein Kampf gegen braune Seilschaften.

"Die Stille der Toten" ist offensichtlich sorgfältig recherchiert. Die Fragen, die sich Preusser stellen muss, haben weiterhin Bestand - auch wenn heute Methoden des Drucks subtiler geworden sein mögen. Beim Lesen ahnt man zwar relativ schnell, wo die Reise hingeht, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Die Protagonisten sind teilweise ein wenig klischeeförmig geraten, als sei mit pädagogischer Absicht geschrieben worden . Der Generationskonflikt und die ausstehende Vergangenheitsbewältigung, die Rolle der Frau, Kuppel-Paragraf und die Illegalität von Homosexualität - Rosars Roman porträtiert auch eine Zeit, die aus heutiger Sicht sehr weit von einer offenen Gesellschaft entfernt ist.
1,053 reviews9 followers
March 26, 2021
Ein Mord der kein Mord sein darf. Denn wenn es einer ist, werden Fragen aufgeworfen die keiner beantworten will. Wenn es ein Mord ist, müssen sich alle ihrer Vergangenheit stellen und das in einem Land das kollektiv nach vorne schaut und bloß nicht zurück.
Der Autor gibt die Zeit der 60er Jahre in Deutschland eins zu eins wieder. Atmosphärisch dicht als ob man sie als Leser wieder erlebt oder für die Jüngeren unter uns endlich verständlich und nachvollziehbar wird.
Auch hat er eine Erklärung warum viele ihre Taten im 2. Weltkrieg mit "Ich habe nur einem Befehl gefolgt" begründet haben, gefunden. Für mich ein annehmbarer Versuch.
In der Person des Kriminalkommissars kommt alles zusammen. Ein selbstständig denkender Mensch, ein Befehlsempfänger, ein Vater und Ehemann, der mit den Dämonen seiner Taten während des Krieges kämpft.
Er ist Befehlen gefolgt obwohl er es besser wusste. Jetzt begehrt er auf, ändert sein Verhalten und hat damit Erfolg. Die Zerrissenheit dieser Person wurde deutlich, was will ich, was denken die anderen von mir.
Auch seine Kollegen kämpfen auf verschiedene Weise mit der Vergangenheit. Die Älteren wollen vergessen, die Jüngeren wollen Antworten.
Spannender Krimi mit vielen Wendungen, vor diesem Hintergrund ungeheuer nachhaltig.
264 reviews1 follower
April 4, 2021
Der Roman spielt im Jahre 1967 und das Bild, dass Maximilian Rosar von dieser Zeit zeichnet , ist sehr interessant und ich kann mir gut vorstellen, dass es auch so war.
Die Kriminalstory ist eingebettet in diese Zeit der Auschwitzprozesse , der (erstmaligen) Auseinandersetzung mit den Nazi-Greueln, dem Aufbegehren der Jugend.
Ich kann dieses Buch sehr empfehlen
Profile Image for Jürgen.
Author 2 books60 followers
December 21, 2022
Spannender Krimi mit interessanten Figuren. Die Wirtschaftswunder-60 mit ihrer auseinanderdriftenden Gesellschaft zwischen Aufbruch und Protest einerseits und Behäbigkeit und Vergessen-wollen andererseits werden schön dargestellt. Interessanter Plot und guter Schreibstil. Nicht Pulitzer-Verdächtig, aber ordentliche Krimikost.
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