Ein Mensch, der sich selbst für eine Belastung hält, hinterfragt auch im Erwachsenenalter kaum, warum er/sie/they keine gesellschaftliche Teilhabe bekommt; warum behinderte Menschen so selten in den Medien auftauchen; warum immer noch Barrieren existieren, wo es doch längst mehr als eine Lösung gäbe. Behinderte Menschen, die glauben, eine Belastung zu sein, stellen keine oder wenige Ansprüche und Bedingungen. Stattdessen sind sie dankbar über jede Form von positiver Aufmerksamkeit - oder auch: sauber, satt und still.
So wichtig und so schnell gelesen! Also bitte investiert die 2€ und nehmt euch die paar Minuten, um euch mit dem Thema Behinderung auseinanderzusetzen! Dieses Buch ist der erste Schritt in Richtung Inklusion.
Kurze, extrem informative Zusammenfassung, was Ableismus ist und wie er sich äußert. In meinen Augen Pflichtlektüre für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen, und hervorragend für Einsteiger*innen geeignet.
Ein schöner, persönlicher und vor allem wichtiger Einstieg zur Sichtbarmachung ableistischer Strukturen.
Für Menschen, die sich tiefer mit der Thematik beschäftigen wollen und den Anspruch haben, die Tiefe der Problematik zu reflektieren, würde ich allerdings andere Texte empfehlen, wie etwa Akbabas und Bräus ethnographische Studie in "Rekonstruktion sonderpädagogischer Praxis". Hier wird deutlich, dass anders, als es bei Kollodzieyski rüberkommt, sogenannter inklusiver Unterricht an gemeinsamen öffentlichen Schulen ebenso problematisch Ableismus fördert, wie gesondeter Förderunterricht. Er bietet sogar eine Perspektive, wie eine positive Entwicklung aussehen könnte.
Im Sinne einer linguistischer Perspektive möchte ich außerdem auf die noch nicht abgeschlossene Studie zu sprachlichen Grenzziehungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung von Theresa Schweden verweisen. Sehr lesenswert und wichtig!
Juli ist Disability Pride Month! Ein guter Zeitpunkt, um sich mit Ableismus auseinander zu setzen - dafür gibt es natürlich keinen schlechten Zeitpunkt. Auf 17 Seiten bringt Tanja Kollodzieyski den Lesenden nahe, was Ableismus eigentlich bedeutet und wie tief verankert er in unserer Gesellschaft ist.
Dabei ist Ableismus, also die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen, ein Problem, das sehr viele Menschen betrifft. Wie Tanja Kollodzieyski schreibt, sind lediglich 5% der Behinderungen von Menschen in Deutschland angeboten, 95% werden im Laufe des Lebens erworben.
Trotz dieser Allgegenwärtigkeit von Menschen mit Behinderungen, werden diese nur allzu oft unsichtbar gemacht und nicht ernst genommen. Gesellschaftlich wird wenig bis nichts dafür getan, das zu ändern. Die Ausbeutung von Menschen mit Behinderungen in Werkstätten ist nur eines von vielen Beispielen, es finden sich etliche mehr - auch in unserer Sprache.
Wer sich noch nicht an das Thema rangetraut hat, findet im Text von Tanja Kollodzieyski einen guten Einstieg. Dabei sollte es selbstverständlich nicht bleiben - es gibt viele Aktivist*innen, die über Ableismus aufklären und für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen.
Eine schnelle genaue Einführung oder eher eine schnelle Einsicht in das Thema Ableismus, Behindertenfeinflichkeit, die eine tolle Ausgangsbasis zum weiterdenken und zur Selbstreflexion bietet. Lässt sich sehr schnell lesen, hallt dann aber nach.
"Menschen mit Behinderung sind nicht fehlerhaft, sondern die Welt geht missbräuchlich mit ihnen, uns, um." Ich habe viel aus dem kleinen Büchlein mitgenommen. Es appelliert in klaren Worten, was sich ändern muss, und was ich dafür machen kann.