Chur im Visier des Bösen Chur 1949: Während der Festlichkeiten des Eidgenössischen Schützenfestes wird der Stadtpräsident erschossen aufgefunden. Neben ihm liegt die Leiche der besten Schützin der Schweiz. Alles deutet darauf hin, dass sie die Täterin ist, die sich danach selbst gerichtet hat. Doch die Spur führt Landjäger Caminada in die Schlucht am Stadtrand, ins ominöse Quartier Täli, für dessen Bewohner andere Gesetze zu gelten scheinen. Zwischen Altstoffhändlern, Gastarbeitern und Trödlern entdeckt er in einem verruchten Tanzlokal Hinweise, die ihn erschaudern lassen. Dann wird eine weitere Tote im Bergwald der Schlucht gefunden ...
Ich liebe die Bücher von Gurt und dieses hier hat mir von den bisher Gelesenen am besten gefallen. Es ist dabei nicht in erster Linie die - wie bei ihm immer - verzwickte Kriminalgeschichte, die begeistert (wobei die wirklich spannend ist), sondern vielmehr das stimmige Zeitgemälde und der vom Autor geschaffene Mikrokosmos mit all den liebevoll gezeichneten Charakteren, wobei immer auch die unsympathischsten der Figuren sich noch einen liebenswerten Zug bewahrt haben.
Helvetia 1949 ist ein Krimi, der in Chur während dem Schutzenfest spielt. Es fangt mit einer ermordeten Serviertochter vom Restaurant Meiersboden an. Dieses liegt im hinteren Plessurtal, wo das Leben hast und oft gesetzwidrig ist. Dann folgen noch mehrere Morden und Verdächtigen. Bis am Ende bleibt es spannen, wer genau dahinten steckt, und welches Motiv. Das Buch hat ein gut konstruierte Spannungsbogen, mit immer wieder kleinere Spannjungbogen, die neugierig machen. Leider ist im Buch auch viel Information hinein gestopft, um die Zeitgeist zu illustrieren und einige Male gibt es sogar Wiederhohllungen. Für die eine Person ist es vielleicht interessant, aber für mich hat die Information beim Lesen gestört oder sogar gebremst. Leider werden viele Wahrnehmungen nur visuell beschrieben, und da ich die Gegend kenne, fehlte mir z.B. die Quetschende Geräusche der Arosabahn, oder der feuchte Geruch des Schluchtes oder der Felsen. Der Schreibstil ist nicht ganz meine. Immer wieder benutzt Philipp Gurt (Bündner-)Dialekt ausdrücke, die vermutlich für Leser ohne Schweizerdeutsch-Kenntnisse eher schwierig sind. Ich habe sie schön gefunden. Aber oft nicht verstanden wieso er genau dort das Dialekt benutzt und beim nächsten Aussagesatz wieder nicht. Also das Buch hat absolut positive Punkten (Spannungsbogen, Dialekt) aber auch ein paar Schwachstelle (Info-Menge, die viele Personen, Schreibstil). Deswegen nur 4 Sternen. Wem kann ich das Buch empfehlen? Ganz klar Leute die Krimi, Geschichte und die Schweiz (oder noch besser Chur) lieben.
Philipp Gurt hat hier einen sehr authentischen Kriminalroman geschrieben: Nicht nur der Zeitgeist ist sehr gut getroffen, sondern auch die Charaktere mit ihrem sympathischen Schweizer Dialekt. Oft lese ich Bücher, welche in der Nachkriegszeit spielen, doch während dem Lesen geht das Zeitbild oft unter und es ist einem irgendwann nicht mehr richtig bewusst. Hier wird immer wieder beiläufig die Situation nach dem Ende des Krieges bemerkbar gemacht: Sei es beim Essen ohne Rationierungsmarke oder bei den veränderten Lebenssituationen der Bürger. Vor allem bei den Ermittlungen wird deutlich: Es war eine andere Zeit! Ein Mörder wurde nicht nach zwei Tagen durch Fingerabdrücke und DNA-Tests überführt. Es gab keine Überwachungskameras, keinen schnellen Informationsaustausch. Dies führt dazu, dass der Krimi auch etwas ruhiger ist, als Krimis in der modernen Zeit. Das soll aber keinen Falls heißen, dass dieses Buch langweilig ist! Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis schafft Herr Gurt es hier, den Leser bis ans Ende in die Irre zu führen und im Ungewissen zu lassen. Die Lösung war unerwartet und hebt sich von anderen ab. Und auch wenn mir dieser Ansatz sehr gut gefallen hat, muss ich hier einen kleinen Abstrich machen, da ich mir zumindest für das Ende einen etwas größeren Knall gewünscht hätte.
Was mir sehr gut gefallen hat, waren zudem die Darstellungen und Entwicklungen der Charaktere, insbesondere die von Diakon Veranzze und Peter Marugg. Jeder hat seinen eigenen Charm, seine eigene Macken oder Charakterzüge. Ich finde die Vorstellung gut, dass in einem schweizer Täli, umgeben von Wald und Bergen eine kleine Gemeinschaft lebt, in der sich jeder kennt, jeder über jeden redet und jeder sein eigenes kleines Geheimnis hat. Zuletzt möchte ich die Bildgewalt des Romans loben: Dieser sommerliche Wind, das Bild der Berge und der Menschen auf ihren Velotöfflis: Das alles wurde zu einem tollen Bild in meinem Kopf!
Fazit: Ein authentischer Kriminalroman, der mich mit schweizer Dialekt, Bildgewalt und tollen Charakteren überzeugen konnte! Empfehlung für alle, die gerne mal abseits von Krimis in modernen Zeiten lesen möchten!