Spannender Fall aus der Kunstwelt, in der der Autor, ein westdeutscher Kunstkritiker, mit seinem Zeitungsartikel über die Rechtsdrift einiger ostdeutscher Künstler zum Anlass und Motiv eines der berühmtesten unter ihnen - Neo Rauch - wurde. Die ganze Welle wird hier beschrieben und analysiert und von mehreren Seiten durchleuchtet. Aber trotz des versöhnlichen Schlusses stimmt die beschriebene kulturelle Differenz zwischen Ost und West sehr nachdenklich in Anbetracht der anstehenden Wahl.
S.18: Eine sachliche Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen freier Kunst ist schon kaum mehr möglich. Dadurch aber könnte (…) mehr verloren gehen, als selbst viele heutige Kritiker dieser Idee sich wünschen.
(…)
Würden ohne künstlerische Experimente mit anderen Weltbildern und ohne freie Ausgestaltung von Phantasien in Kunstwerken nicht Fähigkeiten der Imagination verkümmern, die aber etwa wichtig sind, um die Gegenwart besser zu erkennen und um in der eigenen Lebenswelt bewusster handeln zu können?
S.74: Polarisierung zwischen zwei „Kulturalisierungsregimen“ (Andreas Reckwitz) - Hyperkultur, Vielfalt und Kosmopolitismus vs. „Kulturessentialismus“, Geschichte und Herkunftsort
S.98: Dass bezogen auf Kunst keine objektiven Kriterien für Qualität existieren, verleiht Erfolgen und Trends (…) oft den Charakter des Willkürlichen und des strategisch Gemachten.
S.132: Bilder sind (gegenüber Texten) freier und unverbindlicher, und da sich das, was auf und mit ihnen gezeigt wird, je nach Ort und Gegenüber anders deuten lässt, ist auch die Rolle von Künstlern schillernder; sie können immer zugleich Provokateure und Clowns, Spieler und Radikale sein.