Ich bin mir echt unsicher, wie ich dieses Buch bewerten soll. Einerseits ist da die Handlung, welche mir generell gut gefallen hat. Wir durchleben Emmas Alltag, welches aufgrund einer toxischen Beziehung völlig den Bach runtergeht und durch jede Menge anderer Begebenheiten eine einzige Achterbahnfahrt der Gefühle ist. Von diesen Gefühlen habe ich viele stark miterlebt. Vor allem wurde ich immer wieder von Wut, Abscheu, Trauer und Schock und Unglaubigkeit ergriffen. Das hat mich sehr beschäftigt und musste ausführlich mit anderen diskutiert werden, weil ich vieles einfach nicht glauben konnte.
Andererseits ist da aber der Schreibstil, welcher leider vieles ruiniert hat. Angefangen mit unzählig vielen Rechtschreibfehlern. Von Tippfehlern, Grammatik, Zeichensetzungs- und Formatierungsfehlern, wie falsch gesetzten Absätzen oder plötzlich fettgedruckten Wörtern, bis hin zu vertauschen Charakternamen war alles dabei. Fehler passieren und sind bei 2-3 Mal ja kein Problem, aber hier wurde ich auf gefühlt jeder 2. Seite rausgerissen und musste bei Wörtern wie "Schweinwerfer" laut lachen. Hinzu kommt die Entscheidung Song Titel im Fließtext einzubauen. Mitten im Text steht dann in Klammern ein Songtitel, welcher die Situation verdeutlichen soll. Die Idee finde ich ja nett, aber erwartet man von uns, aller 5 Minuten das Lesen zu Unterbrechen, um auf Spotify ein neues Lied anzuschalten? Auch etwas was mich sehr vom wesentlichen abgelenkt hat, vor allem wenn Lieder wie "Mädchen gegen Jungs" aus Bibi und Tina vorgegeben werden.
Dann kommen wir zur Länge des Buches. Über große Passagen verfolgen wir einfach nur den Alltag von Emma. Vom Aufstehen, Joggen, die Großeltern besuchen, zur Uni gehen usw. Erleben wir beinahe Tag für Tag kleinste Details eines eher langweiligen Alltags. Sogar das Zähne putzen wird hier an einer Stelle Schritt für Schritt beschrieben. Dadurch wiederholen sich viele Situationen immer wieder und gehen einem schnell auf die Nerven. Andere Szenen, wie z. B. dass Emma jeden Samstag in den Club zum Feiern geht, sind in 2 Seiten abgehandelt. Ankommen, an der Bar was trinken, tanzen und ab nach Hause. Dabei frage ich mich immer wieder, welchen Zweck viele der Szenen erfüllen. Denn es fühlt sich nicht absichtlich geplant und durchdacht an, sondern sehr willkürlich und für die Handlung völlig irrelevant.
Die vielen Charaktere hingegen reichen von absolut hassenswert, über langweilig bis nervig. Die Hauptperson Emma ist mit ihren 18 Jahren noch sehr naiv und erinnert mich in ihrem Verhalten, aber auch in ihrer Sprache eher an eine 12 Jährige. Sie tut einem regelmäßig Leid, wiederholt dann aber ständig die selben Fehler und maneuvriert sich in Situationen hinein, die sie absolut nicht verdient hat, die aber meiner Meinung nach vermeidbar gewesen wären. Abgesehen davon ist sie eine typische Mary Sue. Hübsch, beliebt, sportlich, klug, schreibt gute Noten, hat nette Freunde und eine liebevolle Familie. Auch wenn sich einige dieser Eigenschaften im Laufe der Handlung etwas ändern, passiert doch keine wirkliche Charakterentwicklung. Ihr Verhalten und ihre Aussagen sind des öfteren sogar widersprüchlich.
Generell gibt es hier viele Widersprüche bis hin zu kompletten Logikfehlern. Wenn ich nicht wüsste, dass die Handlung auf wahren Begebenheiten beruht, würde ich vieles als völlig überzogen und unrealistisch abstempeln. Das liegt nicht unbedingt an dem Handlungskern an sich, sondern viel mehr daran, wie die Geschichte erzählt wird.
Für mich leider eine Enttäuschung. Auch wenn es mich stellenweise gut unterhalten hat, konnte Licht Heißt Sehen in keinster Weise überzeugen und diente eher als Auslöser für Diskussionen.