Ich fand nicht nur die Idee dieses Buches, sondern auch seine Inhalte wirklich richtig toll. Es gab nicht eine einzige Geschichte, die ich nicht verschlungen und geliebt habe.
Ich habe nur eine minikleine Anmerkung. Neben der Märchenthematik und den weiblichen Protagonistinnen, gab es auffällig viele Geschichten (unten mit einem * gekennzeichnet), die in irgendeiner Form eine oder mehrere psychische Erkrankungen oder Störung(en) beinhalten, was durch die Thematik "Identität" auch logisch erscheint. Ich kann verstehen, dass das spannend ist (find ich ja selbst auch), aber oft verliert man dabei den Blick auf die Personen, die unter eben jenen Störungen oder Erkrankungen leiden (und zwar im echten Leben, jeden Tag) oder dass diese durch extrem grausame Traumata hervorgerufen werden.
Als Beispiel DIS (Dissoziative Identitätsstörung - früher genannt und bekannter als Multiple Persönlichkeitsstörung). DIS wird ausgelöst durch wiederkehrende Traumata in der frühesten Kindheit, die so unvorstellbar und schlimm sind (zumeist auch hervorgerufen durch "Carer", wie zb die eigenen Eltern), dass es dem Kind nur durch dissoziatives Verhalten möglich ist die Situation zu überleben, sich also "abzuspalten" (wir sprechen hier also von Dingen, die Kindern angetan werden, die so grausam sind, dass sie für die meisten Menschen nicht vorstellbar sind). So entsteht DIS. Und dann kommt jemand und denkt "wow diese
vielen Persönlichkeiten sind super spannend. Lasst mich einen Mörder draus machen". Wir kennen das ja schon aus vielen Filmen und Büchern. Naja. Think about it.
Hinzukommt dass einige Erkrankungen einfach auch total falsch dargestellt werden, was es für die Betroffenen auch nicht leichter macht. Ich finde diese Art Geschichten auch spannend, aber kann man bitte zumindest auf die korrekte Darstellung achten? Please?
Ich finde das sollte man beim Lesen und Genießen im Hinterkopf behalten.
Hier meine Einzelbewertung der Geschichten (ich habe bei meiner Bewertung meine oben angebrachte Kritik ausgeklammert, da ich davon ausgehe, dass sämtliche Autoren nichts Böses im Sinn hatten):
1. Livia Fröhlich - Das Geschenk - 4 Sterne
2. Ursula Poznanski - Durchleuchtet - 4 Sterne
3. Michael Thode - du kennst den Ort - 4 Sterne, aber irgendwie hatte ich manchmal das Gefühl hier wurden die Namen vertauscht.
4. Vanessa Krypczyk - Thomas - 5 Sterne
* 5. Romy Hausmann - Julischnee - 4,5 Sterne
* 6. Kathy Tailor - Monster - 5 Sterne
* 7. Andreas Gruber - Christina muss sterben - 4 Sterne
8. Saskia Hehl - Aufgelöst - 4 Sterne
9. Charlotte Link - der Plan - 4 Sterne
10. Julian Gabriel Schneider - Berufsblind - 5 Sterne
11. Mordechai Simons - Geburtstag in der Hölle - 5 Sterne
12. Frank Schätzing - Der Witz und der Tod - 4 Sterne. Die fällt aber eigentlich doch sehr aus dem Rahmen, weil sie einfach komplett anders und besonders ist.
* 13. Pia Schmidt - ich bin Rotkäppchen - 4 Sterne
14. Daniel Holbe - "Wer bin ich?" - 4 Sterne. Diese Geschichte fand ich aufgrund ihrer Aktualität super, da sie die Thematik des Querdenkens behandelt. Das Ende fiel für mich aber etwas kurz aus.
15. Annika Bühnemann - Ach wie gut, dass niemand weiß - 5 Sterne
(*) 16. Michael Tsokos und Wolf Ulrich Schüler Spuren der Gewalt - 4 Sterne
17. Melanie Bottke - das Blind Date - 4 Sterne
18. Robert Hönatsch - entlang der goldenen Ähren - 4 Sterne, sehr bewegend
* 19. Vincent Kliesch - Pauls Begleiter oder Dr. Wundersitz und die nicht sehr nette Helga - 5 Sterne
20. Anne Schmitz - Frei Tod - 5 Sterne
* 21. Wulf Dorn Alice vor dem Spiegel - 4 Sterne
22. Gabriele Störzinger - Siegerin - 4 Sterne. Vorhersehbar, aber gut.
23. Sebastian Fitzek - Niemand - 4 Sterne