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Die Schweigende

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München, 2019. Im Garten der Familie Remy verdorren langsam die Rosenbüsche, die zur Geburt der drei Töchter gepflanzt wurden. Imke, Angelika und Anne sind längst erwachsen und gehen ihrer Wege – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater beigesetzt wird. Denn auf dem Sterbebett nahm er Imke ein Versprechen ab, das schnell eine zerstörerische Kraft entfaltet – und das sie alles hinterfragen lässt, was sie über ihre Mutter zu wissen glaubt.
1956. Im Nachkriegsdeutschland wächst eine neue Generation heran. Die lebenslustige Karin spart für ihre erste Jeans, träumt von Elvis Presley und davon, später Ärztin zu werden. Sie ahnt nicht, dass die Schatten der Vergangenheit lang und mächtig sind – und welch verheerenden Folgen eine spontane Entscheidung haben wird. Nicht nur für sie.

544 pages, Paperback

Published October 26, 2020

42 people are currently reading
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About the author

Ellen Sandberg

14 books28 followers
Ellen Sandberg is the pseudonym of Inge Löhnig.

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Community Reviews

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285 (53%)
4 stars
183 (34%)
3 stars
53 (9%)
2 stars
5 (<1%)
1 star
6 (1%)
Displaying 1 - 30 of 53 reviews
Profile Image for Kath26.
251 reviews15 followers
August 10, 2021
Nachdem ich von Ellen Sandbergs vorletzten Roman „Das Erbe“ fast schon ein wenig enttäuscht war, so hat sich die Autorin mit „Die Schweigende“ selbst übertroffen. Ich kann es kaum erwarten, was neues von ihr in den Händen zu halten – egal ob unter Inge Löhnig oder ihrem Pseudonym Ellen Sandberg veröffentlicht.

Ellen Sandberg erzählt uns in „Die Schweigende“ die Geschichte der Familie Remy, allen voran die Geschichte von Karin und ihren drei erwachsenen Töchter Anne, Imke und Geli, die sich nach dem plötzlichen Tod von ihrem Ehemann bzw. Vater Jens neu zusammenraufen müssen. Erschwerend hinzu kommt die Aufgabe, die Jens kurz vor seinem Tod seiner Tochter Imke, übertragen hat: Sie soll Peter suchen, von dem sie noch nie gehört hat. Sie stößt dabei auf ein Familiengeheimnis, dass als Leser kaum zu ertragen ist und das vieles erklärt, was im Leben von Karin, in ihrer Ehe und in ihrer Beziehung zu ihren Töchtern nicht gut gelaufen ist.

Das Buch ist auf zwei Zeitebenen erzählt, doch wer jetzt eine Wohlfühlgeschichte im Stil einer Lucinda Riley o.ä. erwartet, hat noch nie ein Buch von Ellen Sandberg gelesen. Denn dann wüsste man, dass es zumindest in dreien der vier Ellen-Sandberg-Romane um unfassbar grausame und ungerechte Zeiten in der deutschen Geschichte geht. Ich hatte während der kompletten 518 Seiten einen dicken, fetten Kloß im Hals, musste mehr als einmal mit den Tränen kämpfen und das quasi auf Seite 1 an, startet mit dem Tod von Jens Remy, den wir zwar eigentlich nicht wirklich kennenlernen dürfen, wo aber von Anfang an klar ist, wie groß, wie unüberbrückbar sie Lücke ist, die sein Tod in das Leben seiner Familie gerissen hat.

Hauptfigur in diesem Roman ist Karin, die wir in den Vergangenheitsabschnitten als Jugendliche in den 50er Jahren kennenlernen. Karin, „der es nie gelungen war, über ihren Schatten zu springen und ihre Töchter fest in den Arm zu nehmen, sie zu knuddeln und zu kitzeln, bis sie kreischten, ihnen übers Haar zu streicheln, sie zu küssen und zu liebküssen, ihnen zu sagen, wie sehr sie sie liebte, wie wunderbar sie waren.“ Karin, „die manchmal Sprüche losließ, die einen schaudern machten. Sie wie damals, dachte Geli, als ihre Schulfreundin Monika im Alter von 16 Jahren im Wäldchen hinter der Schule vergewaltigt und ermordet worden war und die ganze Schule unter Schock stand. Der ganze Ort. Und was sagte Karin? „Manchmal ist es vielleicht besser tot zu sein.““ Karin, „von der es keine lustigen oder traurigen Geschichten, keine Anekdoten gab, wie ihr Mann sie von seiner Kindheit erzählt hat.“ Und dabei gab es diese Geschichten, sie wurden nur nie erzählt, denn was sie erlebt hat, war schon allein als Leser kaum zu ertragen oder zu verdauen und hatte nicht nur Auswirkungen auf Karins eigenes Leben sondern auch auf das ihrer Töchter. Und dabei war ihr Leben zunächst ein hoffnungsvolles, gutes Leben bei ihrer alleinerziehenden Mutter nach dem Krieg. Nur sieht man das als 15-16 jähriger Teenager nicht immer ein, das hat sich bis heute nicht geändert.

Wie nicht anders zu erwarten besticht Ellen Sandberg auch hier mit ihrem grandiosen Erzähltalent, eine guten, unkomplizierten Sprache aber so vielen gewaltigen Bildern, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und über 300 Seiten an einem gemütlichen Sonntag weggesuchtet habe. Man fühlt mit den Figuren mit, man riecht den Himbeergeruch, den ich an sich so liebe, aber gegen den ich zusammen mit Karin einen absoluten Widerwillen verspürt habe, der mir einen Brechreiz verschafft hat. Auch der Flair der 50er Jahre kommt super rüber, zumindest zu der Zeit in Karins Jugend, als sie mir ihrer Clique rumhängt und der neuen Musik aus dem Kofferadio lauscht. Die Zeit in der es nach dem schrecklichen Krieg langsam wieder Bergauf geht. Das hat die Autorin in meinen Augen alles ganz wunderbar gemacht. Nur einen kleinen Kritikpunkt habe ich und das die etwas zu überspitzte Charakterisierung der einen Tochter, die in meinen Augen echt überzeichnet war. Doch das hat Ellen Sandberg gekonnt mit eine ganz wundervollen Liebesgeschichte wett gemacht, der Liebe zwischen Karin und Jens, die zwar nur im Hintergrund lief aber dafür umso wichtiger, vor allem für Karin und ihr Leben war.

„Die Schweigende“ ist ein ganz wundervoller Roman, wenn auch mit einem schwer zu verdauenden Thema. Ein Buch voll von Ungerechtigkeiten und körperlichen und verbalen Grausamkeiten, aber auch ein Buch mit tollen Figuren, die man versteht, mit denen man mitleidet und die man nie vergessen wird.
Profile Image for auserlesenes.
365 reviews17 followers
November 21, 2020
Karin Remy (79) fällt in ein tiefes Loch, als ihr etwa gleichaltriger Mann Jens nach einem Herzinfarkt plötzlich stirbt. Auch die gemeinsamen Töchter Geli (50), Imke (Ende 40) und Nesthäkchen Anne vermissen ihren liebevollen Vater sehr. Einer von ihnen, nämlich Imke, hat er noch im Sterben ein Versprechen abgenommen: Sie soll einen gewissen Peter finden. Wer ist der Unbekannte? Und warum kennt ihn ihre Mutter offenbar, streitet das aber ab? Imke beginnt zu recherchieren und stößt auf grausame Geheimnisse...

„Die Schweigende“ ist ein Roman von Ellen Sandberg.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus etlichen Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht der vier Frauen, wobei Karins Kapitel zum Teil in der Gegenwart und zum Teil in den 1950er-Jahren spielen. Der Aufbau ist gut durchdacht und funktioniert prima.

Der Schreibstil ist unspektakulär, aber anschaulich und einfühlsam. Der Autorin gelingt es mit ihren Beschreibungen, viele Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen und Atmosphäre zu schaffen. Etwas störend sind in der ersten Auflage die zahlreichen (Tipp-)Fehler, die dem Korrektorat entgangen sind.

Von den vier Frauen steht vor allem Karin im Vordergrund. Ihr Charakter verfügt über am meisten psychologische Tiefe und wirkt recht realitätsnah. Ziemlich klischeehaft werden dagegen ihre Töchter dargestellt. Vor allem Anne wird als Figur stark überzeichnet. Sie kommt als Karikatur der egoistischen Karrierefrau rüber und wäre auch aus inhaltlicher Hinsicht für die Geschichte verzichtbar gewesen. Wie bei ihren Schwestern wird ihr Denken und Fühlen sehr gut deutlich. Die Töchter bleiben jedoch insgesamt charakterlich recht schablonenhaft und eindimensional.

Die Grundthematik der Geschichte ist wichtig und interessant. Karins Erlebnisse, die von wahren Begebenheiten inspiriert sind, machen den Roman bewegend und rütteln auf. Die fundierte Recherche ist dem Buch anzumerken. Es regt dazu an, nachzudenken und sich weitergehend zu informieren. In einer Art Nachwort erklärt die Autorin, wie sie zu dem Thema gekommen ist. Zudem zeigt die Geschichte auf, wie die Vergangenheit auch in das Leben nachfolgender Generationen hineinwirken kann.

Eine gewisse Spannung bleibt bis zum Ende des Romans erhalten, indem Karins Geheimnisse nur Stück für Stück aufgedeckt werden. Manche Enthüllungen sind überraschend, andere etwas vorhersehbar. Auf rund 500 Seiten ist die Geschichte größtenteils kurzweilig und schlüssig.

Das stimmungsvolle, etwas düstere Cover passt sehr gut zum Inhalt. Der Titel ist ein wenig überspitzt, aber geht in Ordnung.

Mein Fazit:
„Die Schweigende“ von Ellen Sandberg ist ein unterhaltsamer Roman, der einem erschütternden Thema die nötige Aufmerksamkeit verschafft. Nicht ganz gelungen ist allerdings die Ausgestaltung der Protagonistinnen.
Profile Image for Janine.
1,447 reviews21 followers
May 21, 2021
"München, 2019. Im Garten der Familie Remy verdorren langsam die Rosenbüsche, die zur Geburt der drei Töchter gepflanzt wurden. Imke, Angelika und Anne sind längst erwachsen und gehen ihrer Wege – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater beigesetzt wird. Denn auf dem Sterbebett nahm er Imke ein Versprechen ab, das schnell eine zerstörerische Kraft entfaltet – und das sie alles hinterfragen lässt, was sie über ihre Mutter zu wissen glaubt.
1956. Im Nachkriegsdeutschland wächst eine neue Generation heran. Die lebenslustige Karin spart für ihre erste Jeans, träumt von Elvis Presley und davon, später Ärztin zu werden. Sie ahnt nicht, dass die Schatten der Vergangenheit lang und mächtig sind – und welch verheerenden Folgen eine spontane Entscheidung haben wird. Nicht nur für sie."

Die Geschichte wird aus der Sicht der drei Töchter (Gegenwart) und aus der Sicht der Mutter (Vergangenheit) erzählt.
Und ich finde, dass sich die beiden Perspektiven sehr gut ergänzt haben.
Ich war auch direkt in der Geschichte drin und aufgrund der kurzen Kapitel wollte ich immer weiterlesen. Insbesondere die Vergangenheit hat mich sehr gefesselt, war spannend und interessant und wurde sehr gut von der Autorin dargestellt.
Einfach nur grausam, wenn man bedenkt, dass da was wahres dran ist. Also manche Stellen haben mich da sehr berührt und auch schockiert. Wie traurig einfach.
Im Gegensatz zur Gegenwart. Das Theater mit dem den Schwestern fand ich teilweise etwas nervend und ich finde die Charaktere entsprechen einfach nur Klischees. Da hätte man mehr daraus machen können.
Dennoch hat mich dieses Buch positiv überrascht, weil das Buch "der Verrat" mir überhaupt nicht zugesagt hatte. Ich bin froh, dass ich der Autorin noch eine Chance gegeben habe.
Ich kann dieses Buch empfehlen an diejenigen die gerne Romane lesen, die von Familiengeschichten handeln.
Profile Image for Lazy_bookelf.
177 reviews11 followers
June 6, 2022
Wenn die Schatten der Vergangenheit das ganze Leben verdunkeln... Eine wirklich erschütternde Familiengeschichte,spannender erzählt als so mancher Thriller.
Profile Image for Lisas.buchträume.
13 reviews4 followers
January 10, 2021
Ich habe diesen Roman beendet und fand ihn großartig.
Ein absolut spannender Roman.

Wo fang ich an?
Also der Schreibstil ist sehr fließend und einfach. Die Kapitel sind aus der Sicht der drei Töchter und von Karin (Gegenwart und Vergangenheit). Dieser Aufbau ist sehr gut durchdacht und sehr gut umgesetzt.

Der Charakter von Karin wird am tiefsten erklärt und wirkt sehr realitätsnah. Durch ihre Sichtweise versteht man Handlungen viel besser. Alle drei Töchter werden sehr stark charakterisiert, alle unterschiedlich und durch die Kapitel aus ihrer Sicht kann man auch in sie hineinfühlen.

Die Grundthematik handelt von Karins Vergangenheit im Heim und den Erlebnissen dort, und rund um ihren Bruder. Es ist eine dramatische Familiengeschichte, mit mehr Tiefen als Höhen.

Eine gewisse Spannung bleibt bis zum Ende vorhanden, da nur langsam das Puzzle aus der Vergangenheit zusammengefügt wird.

Alles in allem ein sehr fesselnder Roman, der eine sehr tragische Geschichte perfekt verpackt.
Profile Image for Fabienne.
52 reviews2 followers
May 18, 2021
Ich habe lange kein so gutes Buch mehr gelesen!
Es geht um Karin, die Ende der 50er Jahre in einer neuem Generation aufwächst. Doch durch unüberlegtes Handel wird Sie mit Ihrem Bruder in ein Erziehungsheim der barmherzigen Schwestern geschickt....
Dann gibt es noch Zeitsprünge in die Gegenwart, in der Karin drei eigene Töchter großgezogen hat, mit nicht so viel Liebe wie Sie es eigentlich wollte...
Das Buch muss man unbedingt gelesen haben!
Profile Image for Diekleineraupe27.
49 reviews1 follower
February 12, 2021
Ich konnte es kaum erwarten, den neuen Roman von Ellen Sandberg in den Händen zu halten und los zu legen. Bisher konnte mich die Autorin mit ihrem Schreibstil, ihrer Sprache und ihren Geschichten vollends begeistern. Ich habe alle ihre Bücher inhaliert. Sie haben mich immer sehr zum Nachdenken gebracht und alle ihre Geschichten hallen immer noch nach.
Und was soll ich sagen, auch in ihrem neusten Roman “die Schweigende” konnte die Autorin mich wiedermal völlig in ihren Bann ziehen. Zwischen mit leiden, sich mit freuen, mit weinen und pures Entsetzten war alles dabei. Dabei kam die unterschwellige Spannung definitiv nicht zu kurz.
Die Geschichte spielt auch hier auf zwei Zeitebenen, eine interessanter als die andere und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ellen Sandberg hat es hier auch wieder geschafft, beide Zeitebenen gut auseinander zu halten, sodass man beiden Zeiten sehr gut folgen konnte. Ich wollte unbedingt weiter lesen und wissen wie es in der Gegenwart sowohl als auch in der Vergangenheit weiter geht. Ich habe zeitweise nicht gemerkt wie schnell ich durch die Seiten geflogen bin. Durch den sehr bildhaften und flüssigen Schreibstil der Autorin hatte ich jede Szene aber auch die Protagonisten ganz klar vor Augen und konnte mir alles sehr gut vorstellen, was mich ebenfalls wieder mal sehr begeistert hat..
Gerade die Zeit in der Vergangenheit, die das dunkle Geheimnis von Karin in der Nachkriegszeit beschreibt, hat mich während des Lesens sehr mitgenommen und kann es immer noch nicht verstehen, wie in der Nachkriegszeit mit Menschen und vor allem in diesen Fall mit Kindern in Kinderheimen umgegangen wurde. Solche Naziverbrechen wurden leider viel zu lange geheimgehalten.
Knappe 520 Seiten waren super schnell gelesen und am Ende war ich nicht nur etwas traurig, dass die Geschichte schon vorbei ist, sondern lies das Ende mich auch sehr nachdenklich und ein wenig traurig zurück.
Wer also die bisherigen Romane von Ellen Sandberg gelesen hat, sollte auf jedenfalls auch zu diesem Buch greifen! Und wer noch kein Buch von ihr gelesen hat, kann ohne Probleme dieses Buch lesen, denn es sind alles in sich abgeschlossene Geschichten. Aber wer einmal ein Buch von ihre Gelesen hat´, wird definitiv an gefixt und noch zu den anderen Büchern greifen wollen.
Profile Image for Andrea.
928 reviews46 followers
August 30, 2021
Karin fällt in ein Loch, als ihr geliebter Mann Jens verstirbt. Er war ihr Halt, denn Karin hat viele Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit, von der auch ihre 3 Töchter nichts wissen.
Besonders Imke, die mittlere Tochter, versucht, Licht in das vergangene Leben ihrer Mutter zu bringen, hat sie doch ihrem Vater in seinen letzen Augenblicken versprochen, einen gewissen Peter zu finden. Doch wer ist Peter? Bei ihrer Mutter stößt sie auf eine Mauer des Schweigens.

Ellen Sandberg hat mit "Die Schweigende" wieder einen großartigen Roman geschrieben, der ein dunkles Kapitel in der Geschichte Deutschlands aufarbeitet. Die Beschreibungen der Thematik sind teilweise schwer zu ertragen und sind mir wirklich nah gegangen. Ellen Sandberg schreibt gewohnt rutschig, das Buch ist auch aufgrund seiner Spannung ein echter Pageturner. Man merkt auch, dass wirklich gut recherchiert wurde. Was mich gestört hat war das Verhältnis der Schwestern, der Töchter von Karin. Ich verstehe die Intention der Autorin hinter diesem Verhalten, mir war es aber insgesamt zuviel Drama. Ansonsten aber eine volle Leseempfehlung für diesen Roman
Profile Image for Booklunatic.
1,120 reviews
August 14, 2023
4 Sterne

Gewohnt gute Unterhaltung. Das Thema der kirchlichen Erziehungsheime in den 60ern - schauderhaft, aber nichtsdestotrotz spannend und interessant. Vor allem wie sich das noch Generationen danach auswirkt...ließ mich auch mal wieder darüber nachdenken, welche Traumata ich so von meinen Eltern und Großeltern geerbt habe. Ja, auch da gibt es das ein oder andere...
PS: Aber diese Anne hätte ich ja echt an die Wand klatschen können.
71 reviews
June 9, 2025
3,5 ⭐️ Eine fesselnde Familiengeschichte und über die Erziehungsweise(n) in Kinderheimen in den 60ern. Hauptsächlich bin ich wegen des Hauptcharakters Karin dran geblieben, die Passagen über ihre Töchtern waren okay. Die Storylines der Töchter hätte man rückblickend getrost weglassen können, die waren für mich sehr flach, fast schon konstruiert und vor allem Anne hat mich eher gernevt. Das Ende hat meiner Meinung nach nicht zu Karins Charakter bzw. dazu gepasst, wie sie über das Buch hinweg aufgebaut wurde. Nichtsdestotrotz ein lesenswertes Buch - insbesondere der Thematik wegen!
Profile Image for Michael Madel.
555 reviews11 followers
March 20, 2024
Während ich dies schreibe, stehe ich noch unter dem emotionalen Schock, den die deprimierende und niederschmetternde Lektüre dieses sehr aufrüttelnden Romans bei mir hervorgerufen hat. Ich bin unsicher, ob ich dieses Buch empfehlen soll... Doch ja, ich tue es. Die Figurenzeichnung ist zwar stellenweise etwas holzschnittartig, doch Inhalt und Plot entschädigen bei Weitem.
Profile Image for Book-addicted.
891 reviews
January 31, 2021
*Inhalt*
2019: Karin Remy hat drei Töchter: Angelika, Imke und Anne. Alle drei erwachsen und alle gehen sie ihre eigenen Wege. Als Ehemann und Vater Jens stirbt, nimmt er seiner Tochter Imke auf dem Sterbebett ein Versprechen ab, das die ganze Familie in Aufruhr bringt...

1956: Karin ist ein junges und energiegelades Mädchen voller Träume und Ziele, das sich nicht unterkriegen lässt und ihr eigenes Leben lebt. Die Konsequenzen ihres Handelns sind ihr lange nicht bewusst, bis es zu spät ist... und sie für immer verändert... 

*Erster Satz des Buches*
"Sie lag im Gras und blinzelte in die Sonne, die durchs Blätterdach fiel und tanzende Lichtreflexe auf ihr Kleid malte."
- DIE SCHWEIGENDE, E. SANDBERG - S. 7 -

*Meine Meinung*
Ellen Sandberg ist das Pseudonym der Autorin Inge Löhnig. Bisher hatte ich noch kein Buch der Autorin gelesen und ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass sie mich ausgerechnet mit einem Familienroman begeistern könnte. Doch sie hat es geschafft - und zwar mit einer sogartigen Wirkung.

"Die Schweigende" ist ein Roman, der in verschiedenen Zeitebenen spielt, nämlich rund um 1956, aber auch im Jahr 2019. In beiden Zeiten begegnet uns Karin, die Hauptfigur in unserer Geschichte. 1956 ist Karin noch ein Teenie mit Träumen und Visionen, ein Wildfang und ihrer Zeit voraus, was den Anfang vom Ende ihrer unbeschwerten Jugend besiegelt... 2019 ist Karin eine gebrochen Frau, die vor kurzem ihren Mann verloren hat und keine Nähe zulassen kann. Doch wie wurde sie zu der Karin aus dem Jahre 2019?

Ellen Sandberg hat mich mit ihrem Roman nicht nur gefangen genommen, sondern regelrecht überfahren. Die Ereignisse überschlagen sich in beiden Zeiten, ohne die Geschichte zu überladen und als Leser kann man kaum loslassen. Wenn ich nicht gelesen habe, habe ich mich gedanklich damit beschäftigt und mich immer danach gesehnt, weiterlesen zu dürfen. Die Charaktere sind authentisch und egal, ob sie mir sympathisch oder unsympathisch waren - sie haben alle ihre Rolle gespielt und das ziemlich perfekt. Allen voran war mir Karin immer am nächsten, auch wenn sie wohl einer der vielschichtigsten Charaktere des Romanes war; aber auch ihre Tochter Anne faszinierte mich mit ihrer dauerhaft pessimistischen und selbstzerstörerischen Art. Der familiäre Zwist, der im Laufe des Buches immer deutlicher zum Vorschein kommt zeigt, berührt und fesselt nicht nur, sondern weckte in mir immer das Bedürfnis, als Vermittlerin tätig zu werden.

Während des Lesens spürte ich so ziemlich alle Emotionen, die man beim lesen nur verspüren kann und das Kopfkino war sehr aktiv. Neben Wut, Hoffnung, Angst, Zuneigung und Trauer verspüre ich besonders am Ende auch Erleichterung und die trieb mir fast die Tränen in die Augen. 

Der Schreibstil ist bildhaft, lebhaft, mitreißend und fesselnd - ich will mehr davon! 

*Infos zum Buch*
Seitenzahl: 544 Seiten
Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 978-3-328-10485-8
Preis: 16,00 € (Broschiert) / 12,99 € (Ebook)

*Infos zur Autorin*
"Ellen Sandberg ist eine erfolgreiche Münchner Autorin. Ihre groß angelegten Spannungs- und Familienromane stehen regelmäßig in den Top Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie arbeitete zunächst in der Werbebranche, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit ihren Romanen »Die Vergessenen«, »Der Verrat« und »Das Erbe« bewegte und begeisterte sie ihre Leserinnen und Leser. Unter ihrem bürgerlichen Namen Inge Löhnig veröffentlicht sie eine erfolgreiche Krimireihe." (Quelle: Verlagshomepage)

*Fazit*
Ein absolut fesselnder und mitreißender Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte!

Wertung: 5 von 5 Sterne!
Profile Image for Jette.
18 reviews1 follower
August 15, 2024
Langeweile: 0/10
Gänsehautmomente: 10/10
Dargestellte Mahlzeiten: -2/10 (Kinderheimessen zu der Zeit hat einem wohl nicht so geschmeckt 😶)
Beschreibung der Umgebung: 10/10
Unerwarteter Plot-Twist: 8/10
Sympathie zum Hauptcharakter/Lieblingscharakter: 5/10, großes Mitleid 😲
Google notwendig: 0/10
Geschichts-Ass, um es zu verstehen: 0/10
Empfehlung: 10/10 -Hammer Buch! Es handelt von einer Frau, die in ihrer Jugend in einem Kinderheim der Nachkriegszeit war und die damit verbundenen Erfahrungen und Folgen für ihr Leben.
Cover-Sympathie: 0/10, lasst euch nicht abschrecken - Es sieht aus wie ein Mutti-Buch, aber ist ganz toll!
Profile Image for Tinstamp.
1,107 reviews
February 13, 2021
Bisher habe ich alle drei Spannungsromane von Ellen Sandberg aka Inge Löhnig gelesen. Am Besten hat mir ihr erstes Buch "Die Vergessenen" gefallen, aber "Die Schweigende" kommt gleich danach und hat mich begeistert. Die Geschichte war für mich ein Pageturner und eine richtig tolle Lektüre.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Im Gegenwartsstrang befinden wir uns in München im Jahre 2019. Der Tod von Jens Remy, liebender Ehemann und Vater, wirft seine Frau Karin und die drei Töchter, aus der Bahn. Während Karin für ihre Töchter Imke, Angelika und Anne immer die unnahbare und gefühlskalte Mutter geblieben ist, liebten die Mädchen den Vater sehr. Durch seinen Tod scheint die Familie langsam auseinanderzudriften und Karin lässt sich mehr und mehr gehen. Der geliebte Garten wirkt ungepflegt, genauso wie sie selbst. Von den drei erwachsenen Töchtern macht sich nur Imke Sorgen um ihre Mutter. Die mittlere Tochter ist die einzige Empathische der dreien Frauen. Sie ist zuverlässig und pflichtbewusst. Ihr Vater hat ihr zudem kurz vor seinem Tod eine Bitte mit auf den Weg gegeben: Sie soll Peter suchen und finden. Doch wer ist Peter? Weder Imke, noch Anne oder Angelika kennen einen Peter und Karin will nach Imkes Nachfrage keinen Peter kennen. Doch Imke erkennt sehr schnell, dass ihre Mutter nicht die Wahrheit spricht und beginnt zu recherchieren.

Im Vergangenheitsstrang erleben wir als Leser Karins Jugendzeit in den späten 50iger Jahren. Das junge Mädchen ist ein aufgeweckter und lebenslustiger Teenager, liebt Elvis und möchte gerne Ärztin werden. Ihre alleinerziehende Mutter arbeitet schwer, um ihr diesen Traum zu erfüllen. Doch sie rechnet nicht mit der Gehäßigkeit ihrer Mitmenschen. Karins Zukunft und die ihrer Familie wird mutwillig zerstört...

Während Imke sich immer mehr mit Karins Vergangenheit auseinandersetzt und herausfindet, dass ihre Mutter einige Zeit in einem Heim verbracht hat, sind ihre beiden Schwestern Angelika und Anne nicht daran interessiert. Vorallem die sehr selbstsüchtige Anne sieht nur sich selbst im Mittelpunkt und verachtet ihre "erfolglose" Schwester Imke und alle Menschen um sich herum, die es nicht zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben. Als sie selbst ihren Job verliert, sind alle anderen daran Schuld und Anne ist blind vor Wut. Rücksichtslos verfolgt sie ihre Pläne. Auch Angelika lässt sich nach dem Tod ihres reichen Mannes von einer Affäre zur nächsten treiben und interessiert sich nicht für ihre Mutter und deren Verlust. Beide Frauen leben in ihrem eigenen Kokon, während Imke immer mehr furchtbare Wahrheiten wie körperliche Misshandlung, Gewalt und Missbrauch "zum Wohle des Kindes" aufdeckt, die ihre Mutter im Kinderheim durchleben musste.

Die Figuren sind zwar etwas schwarz-weiß gemalt, aber trotzdem vielschichtig.Man entdeckt immer wieder neue Facetten bei jedem der Charaktere. Die Autorin bleibt jedoch ihrem Schema treu, wobei sie immer eine sehr gutmütige, empathische Frau in den Mittelpunkt stellt und ihr gegenüber die intrigante und rücksichtlose Gegenspielerin.
Der Schreibstil ist fesselnd und bildhaft. Man fiebert mit den Figuren mit und vorallem im Vergangenheitsstrang hat man oftmals Angst weiterzulesen. Die Ereignisse schockieren dermaßen, dass man fassunglos vor der Geschichte sitzt.

Ellen Sandberg hat im Nachwort erzählt, dass sie "Die Nickel Boys" von Colson Whitehead gelesen und die Lektüre sie furchtbar mitgenommen hat. Sie dachte in Deutschland gäbe es keine derartigen Missstände, wie damals in den USA....doch sie hatte sich getäuscht. Sandberg begann mehr und mehr zu recherchieren und stieß auf Unglaubliches.
Die Autorin schreibt: "Ich wollte - stellvertretend für unzählige andere - das Schicksal eines Heimkindes lebendig werden lassen. Vor allem wollte ich zeigen, welche Auswirkungen diese Art von "Pädagogik" bis in die nächste und übernächste Generation haben kann, und ich hoffe, dass mir das gelungen ist."

Da ich bereits einige Romane zu diesem Thema gelesen habe, kenne ich schon diverse Erzählungen zum Thema Kinderheim oder auch Heime für schwangere Mädchen, wo es ähnlich brutal zuging. Besonders die Heime, die von Nonnen geführt wurden, waren ide Furchtbarsten. Und trotzdem bin ich immer wieder aufs Neue schockiert, wie Menschen mit anderen Menschen und vorallem mit Kindern umgehen und sie für ihr weiteres Leben unfähig machen zu lieben.

Fazit:
Eine sehr berührende und erschütternde Geschichte, die unter die Haut geht und fesselnd erzählt wird. Ein packendes Familiendrama, das ich gerne weiter empfehle!
Profile Image for liz.
63 reviews1 follower
June 7, 2022
★★★★ → Die Geschichten aus der Vergangenheit gekoppelt mit der Gegenwart sind unfassbar spannend. Vorallem ist es eine super Möglichkeit um über die Vergangenheit aufzuklären.
26 reviews
March 16, 2025
3,5⭐️
Am Anfang hat das Buch bei mir ein bisschen Zeit gebraucht, bis ich damit warm wurde, da nicht allzu viel passiert und oft sehr ausführliche Details beschrieben werden. Dafür wurde das Buch dann aber nach den ersten hundert Seiten immer spannender. Das Thema ist sehr wichtig und es war sehr interessant, sofern man es so nennen kann, über den damals üblichen Umgang in Kinderheimen zu lesen.
Was mir allerdings etwas gefehlt hat, war das kleinste bisschen an Empathie. Die drei Töchter werfen ihrer Mutter alles vor (wobei hier auch kaum beschrieben wird, was Karin zu so einer schlechten Mutter, wie sie sie sehen, macht) und sagen dann, nachdem alles „geklärt“ ist, ihre Mutter habe immer ihr bestes gegeben. Die Strategie der Mutter, über ihre Vergangenheit nicht zu reden, ist denkbar schädlich, aber nachvollziehbar. Dass der Vater seine Töchter nie beiseite genommen hat oder die Töchter sich selbst überlegt haben, dass wohl etwas schlimmes passiert sein muss, dafür nicht so sehr.
Anne fand ich unerträglich, aber ich verstehe ihre Rolle für die Handlung. Allerdings finde ich ihr Verhalten trotzdem sehr oft gar nicht nachvollziehbar, wobei ich vermute, dass dies so beabsichtigt war.
Profile Image for Bella.
268 reviews2 followers
February 24, 2023
Eine Empfehlung meiner Buchhändler

Mit der Aussage das könnte Ihnen gefallen habe ich das Buch mitgenommen und war dann etwas vorsichtig. Weibliche Autoren haben es bei mir einfach schwerer mich zu überzeugen das sie spannend sein können.
Na aber meine zwei Buchhändler kennen mich doch sehr gut und daher gab ich der geschichte die Chance mich zu überzeugen.
Schon der Einstieg versprach ein tiefgründige geschichte mit Einblick in die unmittelbare deutsche Geschichte. Ein Erinnerungsfetzen an die eben doch nicht so blühenden Zeiten eines Landes das sich von einer Diktatur mit anschließemden Krieg erholt.
Ganz langsam so das man ie genug Informationen hat wird einem hier ein Thema nahe gebracht von dem ich zB noch gar nichts wusste. Klar ist sicherlich viel passiert was man unter der Decke halten wollte doch hört man grade was hier Kinderheime und Co angeht doch viel aus anderen Länder und selten aus Deutschland.
Als dann letztendlich das alles aufgeklärt wurde konnte ich meine Tränen nicht mehr zurrückhalten. Ich war, bin und bleibe absolut überzeugt von der Autorin und habe vor noch viel mehr von ihr zu lesen.
2 reviews1 follower
October 4, 2021
Hard to put down

Great book by a great author better known for her crime thrillers written under her other pen name, Inge Löhnig. The story unfolds alternating from the current time and written from the perspective of the main character and each of her three daughters and events that happened about 50 years prior. Highly recommended.
1,382 reviews6 followers
December 5, 2020
Roman um die Heimerziehung von Kindern und Jugendliche um 1960 unter dem Deckmantel der Kirche, die in unglaublicher Brutalität und Gemeinheit die Kinder "erziehen" wollten. Eingebettet in eine Familiengeschichte, die allerdings ein wenig "seifenoper mäßig" rüber kommt.
Profile Image for Claudia Stückner.
635 reviews5 followers
November 20, 2020
"Eine Seele ohne Schweigen ist wie eine Stadt ohne Schutz, und wer das Schweigen pflegt, bewahrt seine Seele." (Thérèse von Lisieux)
München 2019:
Karin Remy fällt nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes in eine tiefe Depression. Ihre drei Töchter Geli, Imke und Anne sind fassungslos, wie ihre Mutter sich immer mehr gehen lässt. Doch keine der drei Schwestern kommt gut mit ihrer bis dahin herzlosen, kalten Mutter klar. Alle hingen sie am Vater, der ihnen so viel Liebe und Wärme vermittelt hatte und nun tot ist. Allen voran Imke, die ihrem Vater am Sterbebett noch versprechen musste, nach Peter zu suchen. Doch wer ist dieser Peter und wo soll Imke suchen, wenn die eigene Mutter nichts über die Vergangenheit preisgibt? Erst als sie bei ihrer Suche der Vergangenheit auf den Grund geht, kann sie die eigene Mutter immer besser verstehen.
1956:
Karin ist ein unbeschwerter Teenager, der gerne mit den Freunden feiert, Jeanshosen trägt, Rock´n Roll hört und später Ärztin werden möchte. Doch eine Entscheidung soll das Leben für sie und ihre Familie für immer verändern.

Meine Meinung:
Das geheimnisvolle Cover mit dem verwilderten Garten und Haus machen mich neugierig auf diese Geschichte. Ich hätte niemals gedacht, dass sich dahinter eine solch deprimierende, traurige Geschichte steckt. Das in mehrere kurze Kapitel eingeteilte Buch wird von zwei maßgeblichen Handlungssträngen dominiert. Zum einen geht es um die Gegenwart der drei Schwestern Geli, Imke, Anne und ihre Mutter Karin. Im anderen erfahre ich, was Karin damals als junge Frau miterleben musste. Dieses Buch beschreibt sehr gut, wie die nächste Generation durch die belastende Vergangenheit der Mutter sich entwickelt und ebenfalls wiederum betroffen wird. Das kann selbst ein guter Vater nicht alles ausgleichen, auch wenn er sich noch so große Mühe gibt wie im Fall von Jens Remy. Die 50 Jahre stehen heute noch für Zucht und Ordnung und haben dadurch leider einen bitteren Nachgeschmack. Den zu dieser Zeit wurden oft Kinder den Eltern entzogen und in Heime gesteckt. Eltern fatalerweise falsch beschuldigt und angeklagt. Alleinerziehende von Nachbarn oder gar Freunden denunziert und ihrer Kinder beraubt. Dass es solche Methoden selbst bei uns in Deutschland gab, war mir nicht neu und das es in diesen Heimen nicht gerade zimperlich zuging, ebenfalls nicht. Doch das, was Karin erleben musste, ist schon wirklich hart, gefühllos und außerordentlich grausam. Daneben erfährt der Leser allerdings noch, wie sich ihre Töchter entwickelt haben, die durch ihre lieblose Art von ihr erzogen wurden. Erstgeborene Geli hat ein bisschen die Lieblosigkeit ihrer Mutter übernommen und ihre eigenen Kinder ebenfalls recht herzlos erzogen. Imke hat schon immer sehr an ihrem Vater gehangen, deshalb möchte sie unbedingt ihr Versprechen einlösen, das sie ihm gegeben hat. Sie ist auch diejenige, die ihre Mutter am meisten unterstützt, auch wenn sie selbst wenig Liebe von ihr erfahren hat. Doch sie scheint nicht nachtragend zu sein, sondern versucht sich in ihre Mutter hineinzuversetzen und zu hinterfragen. Anne, die jüngste dagegen, wurde verwöhnt ohne Ende und gleichzeitig ist sie schon immer eifersüchtig auf ihre Schwestern gewesen. Was sicher von einem unüberlegten Satz der Mutter herrührt. Nach dem Tod des Vaters und ihren Problemen im Job entwickelt sie sich immer mehr ins Negative. Das ist der Grund meines Punktabzuges, den die Person Anne finde ich viel zu übertrieben und unglaubwürdig dargestellt. Anne ist hier überaus nachtragend, rachsüchtig, lieblos, eifersüchtig, berechnend und absolut egoistisch dargestellt. Sie misstraut jedem und selbst ihr Ehemann Alex kommt irgendwann nicht mehr an sie heran. Für mich hätte die Autorin diesen Charakter ruhig etwas unspektakulärer darstellen können, dann wäre das Ganze glaubwürdiger gewesen. Deshalb gebe ich diesem Buch 4 von 5 Sterne, weil es ein Thema angreift, vor dem wir alle und besonders die Kirchen sich nicht verschließen sollten.
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November 9, 2020
Erschütternd

Kurz vor seinem Tod verspricht Imke ihrem Vater Jens, herauszufinden, was mit Peter geschah. Dabei hat sie keine Ahnung, wer Peter eigentlich ist. Sie beginnt zu recherchieren und stößt auf ein unfassbares Geheimnis aus der Vergangenheit ihrer Mutter. Währenddessen beginnt es in der Familie zu brodeln: Mutter Karin schafft es nicht, den Tod ihres Mannes zu verwinden und zwischen Imkes Schwestern Geli und Anne entbrennt ein erbitterter Streit ums Geld.

Ellen Sandberg schreibt gewohnt angenehm, unkompliziert und fesselnd. Binnen kürzester Zeit war ich von ihrer Geschichte vollkommen gebannt. Die Autorin erzählt abwechselnd aus der Sicht von Mutter Karin und ihren Töchtern Anne, Imke und Geli. Es geht dabei sowohl um deren aktuelle Situation als auch um Rückblenden aus Karins Jugend.

Wie auch in ihren früheren Romanen hat die Autorin einige sehr schwierige, unbequeme Charaktere konstruiert. Es fällt schwer, uneingeschränkt Sympathien für eine Figur zu empfinden. Die drei Schwestern Imke, Geli und Anne sind sehr unterschiedlich, obwohl sie doch in derselben Familie großgeworden sind. Anne beispielsweise wird als äußerst unangenehm beschrieben: geltungssüchtig, rachedurstig, rücksichtslos, aufbrausend, berechnend. Auch zu Mutter Karin, die alle von sich stößt, baute ich keine emotionale Verbindung auf. Erst nachdem ich ihre ganze Biographie kannte, wurden ihre Reaktionen für mich verständlicher und nachvollziehbarer. Ellen Sandberg schildert sehr anschaulich, wie Menschen zu dem werden, was sie sind, welchen Einfluss bestimmte unvorstellbar schreckliche Ereignisse, erlittene Traumata, auf das ganze Leben haben und wie diese sogar noch nachfolgende Generationen berühren können. Da sei ihr verziehen, dass manche Figuren recht einseitig dargestellt werden, dient das doch teilweise dazu, Mitgefühl für verlorene, zerstörte Seelen zu wecken. Und das haben diese dringend nötig.
Auch in „Die Schweigende“ tauchen Figuren aus vorherigen Büchern der Autorin auf, Manolis Lefteris oder die beliebte Kommissarin Gina Angelucci. Diese kleinen Gastvorstellungen gefallen mir als Fan gut.

Unvorstellbar! Schockierend! Grausam! Entsetzlich!
Leopold, ein Betroffener, bringt es auf den Punkt. „Manches kann man fast nicht erzählen. Dafür hat der Mensch keine Worte. Die müsste man erst erfinden. Worte für das, was die hier getan haben.“
Was Karin und andere Kinder unter dem Deckmantel der Nächstenliebe und Barmherzigkeit erleiden mussten, dafür gibt es wirklich keine Worte. Ich möchte gerne glauben, dass die Autorin das alles nur erfunden hat. Aber ich fürchte, dass es sich durchaus ähnlich zugetragen hat und dass die beschriebenen Zustände nicht rein fiktional, sondern leider realistisch sind.
Alle Menschen habe ihr Päckchen zu tragen, aber manche Päckchen sind so schwer, dass ich mich frage, wie es nur möglich ist, sie überhaupt zu schultern.
Unfassbar, wozu Menschen fähig sind, wenn erstmal eine Schwelle überschritten ist, wenn Gewalt und seelische Grausamkeit irgendwann Normalität werden und alle Hemmungen fallen...Zu oft sind es die Kinder, die schutzlos ausgeliefert sind, die keinen Fürsprecher, keine Lobby haben, die vergessen werden und die büßen müssen.
Ellen Sandbergs Roman schockiert, schont nicht, geht wirklich unter die Haut und wird mir noch sehr, sehr lange im Gedächtnis bleiben. Erschütternd, aber absolut lesenswert!
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1,457 reviews12 followers
December 23, 2025
Nach dem plötzlichen Tod von Jens, der als liebevoller, fürsorglicher Vater alles zusammengehalten hat, droht die Familie Remy auseinanderzubrechen. Mutter Karin vergräbt sich in ihrer Trauer und sucht Zuflucht im Alkohol, die Konflikte unter den sehr unterschiedlichen Töchtern verstärken sich. Während Geli, die Älteste, am liebsten alles ausblenden und sich auf ihr eigenes Leben inklusive neuem Liebesglück konzentrieren möchte, versucht Imke, die immer die "Pflegeleichte" war, allen gerecht zu werden, obwohl auch sie sich schwertut mit der kühlen und emotionsarmen Art der Mutter. Nesthäkchen Anne ist eine eiskalte Karrierefrau, die zuletzt eine schwere Niederlage hinnehmen musste und jetzt an allen Fronten auf Rache sinnt, sowohl im beruflichen als auch im familiären Umfeld.

In dieses Minenfeld hinein fällt die Bitte des Vaters, die er kurz vor seinem Tod an Imke gerichtet hat: sie soll unbedingt Peter suchen. Der Name sagt ihr nichts, die Mutter behauptet auf Nachfrage, keinen Peter zu kennen. Doch Jens' letzter Wunsch lässt Imke nicht los und sie findet nach und nach einiges über Karins Vergangenheit heraus, das die Mutter über all die Jahre totgeschwiegen hat - und worüber sie auch jetzt eigentlich nicht reden möchte.

In Rückblenden wird parallel zur Gegenwartshandlung aufgeblättert, was Karin als Jugendliche erleben musste. Sie war in den 50er Jahren ein lebenslustiges und ein wenig rebellisches Mädchen, das Bluejeans und Rock'n' Roll liebte, gerne mit ihrer Clique abhing und später studieren wollte, ein ganz normaler Teenager eben. Doch in das spießige und immer noch althergebrachten Ansichten über Disziplin, Gehorsam und Moral verhaftete Umfeld passte das nicht und hatte sehr bittere Konsequenzen für Karins Familie.

Was genau geschehen ist, möchte ich nicht spoilern. Es sei nur so viel verraten, dass es um die grauenhaften "Erziehungs"methoden in einem kirchlich geführten Fürsorgeheim geht, unmenschliche und definitiv unchristliche Zustände, die einem beim Lesen die Haare zu Berge stehen und wünschen lassen, dass die Autorin ein bisschen arg dick aufträgt. Dem Nachwort zufolge ist das aber leider nicht der Fall.

Das Buch folgt dem bewährten Aufbau mit zwei Zeitebenen und kleinen Cliffhangern. Die Gegenwartshandlung verfolgen wir abwechselnd aus Karins Sicht und den Perspektiven der drei Töchter. Der permanente Kleinkrieg der Schwester zerrt manchmal etwas an den Nerven und Annes hochgiftige Art erschien mir in dieser extremen Ausprägung doch ein wenig "drüber", aber trotzdem ist die Familiendynamik großartig eingefangen. Alle drei Frauen leiden auf ihre eigene Weise unter der Kälte der Mutter, die sich wiederum aus ihren Erfahrungen erklärt, von denen die Mädchen jedoch keine Ahnung haben.

Imkes Recherche liest sich hochspannend, und die Szenen aus dem Erziehungsheim sind wahrlich nichts für schwache Nerven, die haben mich richtig wütend gemacht. Selbst ein kleines bisschen Freundlichkeit oder eine Tasse Tee und ein Keks müssen dort hart erkauft werden, das kleinste bisschen Vertrauen der Kinder und Jugendlichen wird gnadenlos ausgenutzt und derartiger Kadavergehorsam gefordert, dass die Heiminsassen gar keine Möglichkeit haben, aufzubegehren oder gar Hilfe zu holen.

Ein erschütternder Roman, der sehr gekonnt Spurensuche, Familiendramen und Zeitgeschichte verbindet.
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November 9, 2020
Eine fesselnde und gleichzeitig erschreckende Geschichte
„Die Schweigende“ ist der neue Roman von Ellen Sandberg.
Wie schon in den vorherigen Büchern der Autorin gibt es auch hier wieder zwei Zeitebenen.
Einmal die Gegenwart, wo Karin um ihren verstorbenen Mann trauert, sich in dem großen Haus einsam fühlt.
Die Töchter Imke, Geli und Anne sind erwachsen und führen ihr eigenes Leben, haben ihre eigene Familie.
Die Kinder haben sich immer mehr zu ihrem Vater hingezogen gefühlt. Er war es der die Familie zusammengehalten hatte, der den Kindern die nötige Wärme gegeben hat.
Karin war eher eine gefühlskalte Mutter. Die Mädchen können sich nicht erinnern, dass sie von ihrer Mutter einmal in den Arm genommen wurden.
Imke hat ihrem Vater auf dem Sterbebett versprochen eine ihr unbekannte Person zu finden, die mit der Vergangenheit ihrer Mutter in Verbindung steht.
So fühlt Imke sich verantwortlich für ihre Mutter, bietet ihre Hilfe an, was auf Unverständnis bei den Schwestern und auf Ablehnung bei der Mutter stößt.
Die 2. Zeitebene führt den Leser zurück in die Jahre 1956 – 1958.
Karin, ihr Bruder Peter und ihre Mutter führen eigentlich ein normales Leben.
Nur, dass die Mutter für den Familienunterhalt sorgen muss da der Vater im Krieg gefallen ist.
Die Kinder gehen aufs Gymnasium, haben gute Noten. Karin möchte einmal Medizin Studieren und Peter aufs Konservatorium.
Dann schließt Karin sich einer Clique an, hört gerne Rock n Roll und trägt Jeans.
Das ruft 2 Nachbarinnen auf den Plan die Karin mit skeptischer Miene mustern und beobachten.
Als eines Tages das Jugendamt vor der Tür steht beginnt das Blatt sich zu wenden.
In der Gegenwart wechseln sich die Kapitel zwischen Karin, Imke, Geli und Anne ab.
Man erfährt mehr über die Frauen und über ihr Leben.
Zwischendurch gibt es immer wieder Kapitel die in Karins Vergangenheit zurückführen.
Am Anfang liest sich das Buch wie eine schöne Familiengeschichte.
Doch dann wird aus der Geschichte eine schreckliche Erinnerung aus Karins Leben.
Ellen Sandberg beschreibt die Zustände in dem Erziehungsheim schonungslos und ungeschönt.
Mir hat es nicht nur einmal den Atem verschlagen welche Zustände damals geherrscht haben müssen.
Man hat ja schon viel über die Misshandlung der Schutzbefohlenen in Kinderheimen gelesen.
In diesem Buch erlebt der Leser das geschehen hautnah mit.
Langsam beginnt man Karin zu verstehen. Begreift warum sie keine Gefühle zulassen kann.
Bekommt mit, welche Auswirkungen das auch noch auf die nachfolgende Generation hat.
Ellen Sandberg hat diesem Buch ein wichtiges Thema zugrunde gelegt.
Ein Thema über das nicht geschwiegen werden darf, auf das die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht werden muss.
Ich kann nicht abschätzen wie viele Menschen es da draußen gibt die ähnliches erlebt haben.
Man kann das Erlebte nicht mit einer Wiedergutmachung vergessen machen. Aber man soll die Menschen hören, ihnen das Gefühl geben, dass sie gehört werden. Dass sie geliebt werden. Dass sie vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft sind.
Hinter dem Namen Ellen Sandberg verbirgt sich keine geringerer als die Bestsellerautorin Inge Löhnig die ich für ihre spannenden Krimis schätze.
Der Name Ellen Sandberg ist mittlerweile genauso bekannt und steht für grandiose Romane und menschliche Schicksale.
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July 31, 2022
„Die Schweigende“ von Ellen Sandberg befasst sich mit den Frauen der Familie Remy. Im Mittelpunkt stehen Karin und ihre drei Töchter Imke, Geli und Anne sowie das problematische zwischenmenschliche Verhältnis der vier.
Von je her begegnet Karin ihren Kindern eher unterkühlt und unnahbar. Als Vater Jens überraschend stirbt, droht die Familie auseinander zu brechen. Während Anne und Geli ohne groß mit der Schulter zu zucken mit der Mutter brechen würden, beginnt Imke – aufgrund eines Versprechens, welches sie ihrem Vater auf dem Sterbebett gab - in der Vergangenheit zu graben.
Ein zweiter Handlungsstrang befasst sich mit Karin, die aus heutiger Sicht ein ganz normaler Teenager war. Sie interessiert sich für Mode, Kosmetik und Jungs. Doch die Konventionen der 50er Jahren waren gnadenlos. Hinzu kam, dass Karins Mutter alleinerziehend war. Die spießbürgerlichen Nachbarn fühlen sich belästigt und zeigen sie an, wodurch eine Maschinerie in Gang gesetzt wird, die einfach nur sprachlos macht.
Die Autorin beschreibt detailliert die Zustände in einem Kinderheim und man ist als Leser einfach nur schockiert, welchen Misshandlungen und Grausamkeiten die Kinder damals ausgesetzt waren, ohne Chance auf Unterstützung oder Hilfe.
Ich mag Ellen Sandbergs Schreibstil sehr gerne und es ist mir auch dieses Mal schnell gelungen in die Geschichte hineinzukommen und interessiert dabeizubleiben. Dies war mein 5. Buch der Autorin und was mir mittlerweile etwas negativ auffällt ist, dass das Grundgerüst stets einem festen Muster folgt. Raffgier, Habsucht, sexuelle Schwierigkeiten – sind Themen, die Frau Sandberg scheinbar nicht loslassen. In jedem Buch gibt es mindestens eine Person, die sich extrem rücksichtslos verhält, auf eine Weise, die völlig überspannt wirkt. In „Die Schweigende“ ist es Anne, deren Rachegelüste schon an Wahnsinn grenzen.
Am ehesten konnte ich mit Imke warmwerden. Sie gibt sich Mühe, die Familie zusammenzuhalten und möchte ihre Familie verstehen.
Geli ist von ihrer Art her zwar manchmal etwas anstrengend, ihre Verhaltensweisen waren aber trotzdem nachvollziehbar für mich.
Karin mochte ich in der Vergangenheitshandlung wirklich gerne, während sie mir in der Gegenwart nicht sonderlich sympathisch war. Obwohl ich tiefstes Mitgefühl für das ihr widerfahrene Unrecht hatte, konnte ich dennoch nur bedingt verstehen, warum sie ihren Töchtern genau das verwehrt, was sie sich selber so lange gewünscht hat.
Die Männer in der Geschichte halten sich eher im Hintergrund und scheinen zu sympathisch und verständnisvoll für ihre Frauen. Alle vier sind vom Charakter her der selbe Typ.
Insgesamt liest sich „Die Schweigende“ gut weg, ohne dass Langweile aufkommt. Da ich aber bereits die anderen Bücher der Autorin gelesen habe, hat mir hier das Innovative gefehlt.
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November 18, 2020
Madame Katze

Karins Mann Jens ist nach über 50 Jahren Ehe plötzlich verstorben. Für Karin und ihre drei Töchter ist die Welt nicht mehr wie sie war. Jens fehlt in jedem Moment. Karin bringt es nicht fertig, ihre Gefühle auszudrücken. Doch Jens hat vor seinem Tod einen Auftrag an Imke erteilt. Imke war immer die Tochter, die keine Probleme gemacht hat. Sie ist genau die Richtige für die Aufgabe. Geli, selbst schon verwitwet, ist gerade dabei, eine neue Beziehung aufzubauen. Und mit Anne liegen alle irgendwie im Clinch oder Anne ist es, die allen unterstellt, sie wollten ihr nichts Gutes.

Imkes Aufgabe erweist sich als spannend, aber auch schwierig, denn sie muss tief in die Vergangenheit ihrer Mutter dringen. Eine Vergangenheit, über die Karin am liebsten schweigt. Was kann damals nur geschehen sein, dass es Imkes Mutter verstummen lässt. Imkes Schwestern sind doch eher mit sich selbst beschäftigt. Geli musste den Tod ihres Mannes verwinden und auch Anne hat einen schlimmen Rückschlag hinnehmen müssen. Doch ihr Mann will sie bei einem Neuanfang unterstützen. Die Leere nach dem Tod ihres Mannes bringt Karin jedoch dazu, sich ihren Erinnerungen anzunähern. Und so machen sich Imke und Karin von unterschiedlichen Ausgangspositionen auf, um die Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Licht zu bringen.

Wie sie selbst schreibt, ist die Autorin durch ein Buch inspiriert worden. Wenn man dieses Buch kennt, wird man gleich eine positive Einstellung vom vorliegenden Roman finden. Auch wenn sich einiges an Annes Charakter nicht erschließt, so wird dieses kleine Manko durch die Schilderung von Imkes Suche und den Erinnerungen von Karin wettgemacht. Imke lässt nicht locker und Karin wagt es schließlich, sich der Vergangenheit zu stellen. Eine Kindheit in den 1950ern kann durchaus leichte Momente gehabt haben, wie auch Karin zum Glück erfahren hat, allerdings konnten aus heutiger Sicht Kleinigkeiten schwerwiegende Folgen haben. Die dramatischen Ereignisse sind mitreißend zu lesen und mitunter denkt man, das kann doch nicht sein. Der Roman ist fesselnd geschrieben und wie Karin selbst sagt, ist sie am Ende so klar wie schon lange nicht mehr. Mit Karin und Imke hat die Autorin fesselnde Persönlichkeiten geschaffen, deren Geschichte ausgesprochen lesenswert ist.
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November 16, 2020
ORIGINALAUSGABE
Paperback , Klappenbroschur, 544 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-328-10485-8
Erschienen am 26. Oktober 2020
16,00 €
Manche Erinnerungen hinterlassen tiefe Narben auf der Seele …
München, 2019. Im Garten der Familie Remy verdorren langsam die Rosenbüsche, die zur Geburt der drei Töchter gepflanzt wurden. Imke, Angelika und Anne sind längst erwachsen und gehen ihrer Wege – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater beigesetzt wird. Denn auf dem Sterbebett nimmt er Imke ein Versprechen ab, das schnell eine zerstörerische Kraft entfaltet – und das sie alles hinterfragen lässt, was sie über ihre Mutter zu wissen glaubt.

1956. Im Nachkriegsdeutschland wächst eine neue Generation heran. Die lebenslustige Karin spart für ihre erste Jeans, träumt von Elvis Presley und davon, später Ärztin zu werden. Sie ahnt nicht, dass die Schatten der Vergangenheit lang und mächtig sind – und welch verheerenden Folgen eine spontane Entscheidung haben wird. Nicht nur für sie.

Nach dem großen Erfolg von »Das Erbe« der neue Roman der Bestsellerautorin Ellen Sandberg.

Zur Autorin
Ellen Sandberg ist eine erfolgreiche Münchner Autorin. Ihre groß angelegten Spannungs- und Familienromane stehen regelmäßig in den Top Ten der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie arbeitete zunächst in der Werbebranche, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Mit ihren Romanen »Die Vergessenen«, »Der Verrat« und »Das Erbe« bewegte und begeisterte sie ihre Leserinnen und Leser. Unter ihrem bürgerlichen Namen Inge Löhnig veröffentlicht sie eine erfolgreiche Krimireihe.

Meine Videorezension ist zu finden auf meinem Blog lenisveasbücherwelt.


Mein Fazit
Ich habe ja bisher alle Ellen Sandberg-Romane gelesen. Hier geht es um die 50er Jahre in einem Kinderheim und in der Gegenwart um Karin und ihre drei unterschiedlichen Töchter. Karins Geschichte konnte mich absolut berühren, sie hat in der Jugend sehr viel durchgemacht.
Auf der anderen Seite hatte das Buch aber auch seine Längen. Nichts desto trotz kann ich hier eine klare Leseempfehlung aussprechen für eine berührende Lebensgeschichte.
Von mir bekommt Die Schweigende 4 Sterne.
4 von 5 Sternen
Cover, Buchdetails und Klappentext: ©Penguin Verlag
Infos zur Autorin: ©Penguin Verlag
Rezension: ©lenisveasbücherwelt.de
Beitragsbild: ©lenisveasbücherwelt.de
Profile Image for Tiaras Bücherzimmer.
329 reviews5 followers
May 3, 2021
Die Geschichte ist mir sehr unter die Haut gegangen und wird auch bestimmt noch lange Zeit in mir nachwirken.
Karin kann Nähe und Berührungen nur sehr schwer zulassen und auf ihre Kinder wirkte sie deswegen auch immer sehr Gefühlskalt. Auf dem Sterbebett hat Imke ihrem Vater versprochen, nach einem gewissen Peter zu suchen. Durch diese Suche wird schnell klar, warum Karin so ist.
In diesem Buch wird dem Leser einiges abverlangt und ich hatte oft Tränen in den Augen, wie grausam das Hauspersonal und die Schwestern mit den Kindern umgegangen sind und was alles vertuscht wurde, damit nur ja nichts an die Öffentlichkeit dringt.
Es wird auch erzählt, inwieweit die Kälte der Mutter sich auf ihre Töchter ausgewirkt hat und wie deren Leben verlaufen ist.
Annes Lebenseinstellung konnte ich absolut nicht nachvollziehen und sie ist ein wahres Biest und geht über Leichen, wenn sie ein bestimmtes Ziel vor Augen hat.
Imke war mir am sympathischsten. Sie ist sehr bodenständig und ist im Gegensatz zu ihren Schwestern trotzdem immer für ihre Mutter da.
Geli war mir weder sympathisch noch unsympathisch, sie hat ebenfalls einen schweren Schicksalsschlag erlitten und musste sich erst wieder zurechtfinden.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und bildhaft und trotz der Schwere der Thematik bin ich nur so durchs Buch geflogen. Wollte ich doch unbedingt wissen, was es mit diesem Peter auf sich hat.
Fazit: Eine Geschichte, die unter die Haut geht, die ich aber unbedingt empfehlen kann. Dies war mein erstes Buch von Ellen Sandberg, aber mit Sicherheit nicht mein letztes.
Profile Image for reading_marianne.
16 reviews1 follower
April 5, 2021
Karin und Jens Remy leben in einem Haus in München. Geli, Imke und Anne sind die 3 erwachsenen Töchter der beiden. Als Imke ihren sterbenden Vater besucht, nimmt er ihr ein Versprechen ab. Sie soll Peter suchen. Aber wer ist Peter? Ihre Mutter schweigt und will davon nichts hören. Imke fängt mit der suche an und findet ziemlich bald heraus das in der Vergangenheit ihrer Mutter schlimmes passiert sein muss.

Der Schreibstil unbeschreiblich schön. So voller Gefühle und flüssig zu lesen.

Die Charaktere waren alle sehr authentisch. Ich konnte mich in deren Gedanken und Emotionen hineinversetzen und mitfühlen. Anne war die einzige von der Familie Remy für die ich kein Verständnis aufbringen konnte und die ich auch absolut nicht mochte. Sie ließ mich oft mit dem Kopf schütteln.

Die Kapitel sind jeweils aus den Perspektiven von Karin und ihren jeweiligen Töchtern geschrieben. Karins Kapitel sind sowohl aus der Gegenwart als auch aus der Vergangenheit im Nachkriegsdeutschland.

Besonders Karins Kapitel aus der Vergangenheit haben mich in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt. Von Zorn, Wut, Sprachlosigkeit und Mitleid war alles dabei. Ich war so Schockiert das ich nach diesen Kapiteln eine kurze Pause einlegen musste, um es erstmal sacken zu lassen.

Alle Kapitel sind so aufgebaut, dass man immer weiterlesen will. In diesem Buch gab es keine einzige Seite die nicht interessant und spannend ist

Dieser Roman ist in meinen Augen einfach grandios. Die Schweigende war für mich der erste Roman von Ellen Sandberg. Definitiv werde ich noch ihre anderen Romane lesen.
Profile Image for yesterday.
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December 28, 2020
Anhand einer fiktiven Hauptperson und ihrer Familie spricht Ellen Sandberg hier in ihrem Roman (wie auch in den Vorgängern) wieder ein ernstes, wichtiges Thema an. Nachdem der Zweite Weltkrieg schon länger vorbei war, wurde vielen Kindern in Deutschland dennoch das Leben, zumindest aber ihre Jugend richtiggehend versaut.

Und das im Namen der katholischen Kirche in bestimmten Heimen. Auf die Umstände wurde erst viel später hingewiesen und die betreffenden Institute geschlossen. Wie lange Betroffene damit zu kämpfen hatten und haben, ist schwer vorstellbar. Einen kleinen Einblick gibt die Autorin in “Die Schweigende”.

Über welche Geheimnisse in ihrer Familie lange geschwiegen wurde, erfährt Imke Remy eher durch Zufall und da sie neugierig ist, forscht sie nach. Die beiden Bücher, die sie zum Thema Kinderheime liest, sind ebenfalls fiktiv, aber Ähnliches findet man online auf jeden Fall.

Die Geschichte um Imke wird ergänzt durch Rückblicke, die erschreckend authentisch wirken. Ein wenig viel Raum nehmen aktuelle Streitereien zwischen Familienmitgliedern ein, da steigern sich die Charaktere schon stark hinein und das wirkt etwas zu überzeichnet.

Alles in allem ein wichtiges Thema spannend und eindringlich umgesetzt, ein Roman mit Krimi-Elementen und einem Cameo-Auftritt einer aus anderen Büchern bekannten Ermittlerin.
Profile Image for dasfraeuleinliest.
275 reviews5 followers
June 25, 2023
„Die Schweigende“ ist ein emotionales, spannendes (Familien-)Drama, das sich mit den unmenschlichen Erziehungsmethoden der deutschen „Erziehungsheime“ in den 50er/60er Jahren und den damit verbundenen gesundheitlichen Folgeschäden Betroffener beschäftigt. Karin wurde als Teenager zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Peter vorsätzlich ihrer Mutter weggenommen und in das katholische Erziehungsheim Sankt Marien gesteckt. Dort musste sie, wie alle anderen, bis zur Volljährigkeit die brutale „Erziehung“ der Nonnen und weiterer Angestellter ertragen, was sie nachträglich bis ins Erwachsenenalter geprägt hat und somit auch Auswirkungen auf die Beziehung zu ihrem Mann, den drei Töchtern und weiteren Personen aus Freundes- und Familienkreis hatte. Durch den ständigen Perspektivenwechsel zwischen Karin und ihren drei Töchtern kann man sich sehr gut in die Figuren hineinversetzen und ihre Gedanken nachvollziehen. Es gibt auch einige Rückblicke in Karin’s Jugendzeit. Ich fand es sehr interessant, Imke (eine der Töchter) dabei zu begleiten, wie sie nach Karin’s Bruder Peter, der damals aus dem Heim verschwunden ist, sucht und dabei der Vergangenheit (und somit der schrecklichen Wahrheit) auf die Spur kommt. Die Geschichte hat mich emotional sehr ergriffen und wird nicht das letzte Buch der Autorin sein, das ich lese.
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