Ah, ich hätte jetzt eigentlich gerne eine klassische Alman-Memes-Rezension geschrieben à la "Kann man nicht meckern" oder "Schenkelklopfer!", aber so richtig gepackt hat mich das Buch leider nicht.
Für mich lag das wahrscheinlich an meiner anderen Erwartungshaltung von episodischen Kurzgeschichten über Achim und Anette, wie auch in den Alman-Memes Captions – übrigens nicht zuletzt wegen des Titels, der so überhaupt gar nichts über den Roman verrät und viel besser zu einer Reihe Alman-Kurzgeschichten gepasst hätte. Ich habe mich leider immer wieder dabei erwischt, das Buch nach einer halben Stunde weglegen zu wollen, da sich die Story doch sehr zieht.
Ganz grossartig ist die Beobachtungsgabe, die Sina Scherzant und Marius Notter hier an den Tag gelegt haben. Sehr pointiert und nuanciert, wie man es auch schon von ihrer Meme Page kennt, schaffen sie es, so viele kleine Eigenheiten des deutschen Otto-Normalverbraucher zu erkennen, zu benennen, und unterhaltsam an den Pranger zu stellen, wohlwissend dass wir doch alle ein bisschen Achim und Annette in uns tragen.
Im Großen und Ganzen habe ich mehr Wumms erwartet, bin aber nicht böse, das Buch zu Ende gelesen zu haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für einige absolut witzig ist. Ich persönlich fand es eher spannend, die vielen kleinen hyperdeutschen Eigenheiten herauszufiltern als dass ich die Story sonderlich interessant gefunden hätte.
Ich halte Sina und Marius trotzdem weiterhin für zwei unfassbar talentierte Menschen, die auf ihrem Gebiet glänzen – aber genau das ist es wahrscheinlich, sie sind Meme-Genies, aber nicht die besten Romanschreiber:innen. Ein Gedanke, der mir da post scriptum noch kommt: Vielleicht wäre das Buch anders geworden, wenn nur eine:r der beiden es geschrieben hätte. Vielleicht gab es zu viele Kompromisslösungen, vielleicht ist ein mit 4 Händen geschriebener Roman nie so gut wie einer der nur aus zweien stammt. Vielleicht hätte das dem Buch einen packenderen Schreibstil verliehen, der es ein wenig aufregender gemacht hätte.