Das goldene Vließ ist ein Drama in 3 Teilen von Franz Grillparzer aus dem Jahr 1819.
Dieses Werk ist das umfangreichste Grillparzers, als Vorlagen dienten das antike Argonautenepos von Apollonios von Rhodos und Medea von Euripides. Die Uraufführung erfolgte am 26. und 27. März 1821 in Wien. Inhaltsverzeichnis
1. Teil – Der Gastfreund 2. Teil – Die Argonauten 3. Teil – Medea
Franz Seraphicus Grillparzer was an Austrian writer who emerged primarily as a playwright. Because of the identity-creating use of his works, especially after 1945, he is also referred to as the Austrian national poet.
Grillparzer’s drama was written as a play to be produced on stage. It was inspired by the classic Greek epic poem “Argonautica” well known, from Homer to Pindar, and written by Apollonius of Rhodes in the 3rd century BC. As well as “Medea” by Euripides (431 BC).
Grillparzer has adapted and shortened his story to suit the stage, and as a result, many interesting events have been sidestepped or excluded. The adventurous voyage by sea, but also in Colchis, like the many challenges Jason had to overcome, and which he succeeded only with the help of Medea. The murder of Medea's brother is presented like an accident, which is an essential modification of the drama and the curse that decided over their future destiny.
The scenes are therefore compacted and dialogs short, but still witty and pleasant to read, but not to forget, it is, first of all, a play on stage.
Medea, the third part of the drama, the return to Greece and then in exile to Corinth, where Jason looks for shelter. All scenes are in and around the king’s castle.
The curse that follows the family shows why the end of the tragedy is inevitable. Jason’s perfidy, Medea’s pleas and subsequent planning, and the murder of the children.
The scenes are simple; all actions are in the dialogs. The dialogs here are great and pleasant to read, but on stage, they seem too long.
However, I have never seen a presentation of Grillparzer's dramas, so I am not really in a position to say.
Ich hoffe, Taylor Swift stößt irgendwann auf die Medea Sage und schreibt einen völlig zusammenhangslosen und inhaltlich absurd verfehlten Song darüber!
Grillparzer wäre vermutlich kein Swiftie gewesen, aber trotzdem cool, dass er Medea aka die Endgegnerin von "i hate my boyfriend" populär in der deutschsprachigen Welt gemacht hat.
Naja, wenn ichs mir überlege- vielleicht wäre er doch ein Swiftie gewesen. Ist Travis Kelce vielleicht Jason???
Ich habe das Stück für das Studium gelesen, und war total überrascht, denn es geht um eine Neuschreibung von Medeas Geschichte. Wir haben in dieser Fassung die Möglichkeit, die Gefühle der Medea kennen zu lernen. Sie erscheint hier gleichzeitig als Heldin und Opfer ihrer Identität: stolze Kolcherin, willige Griecherin, aber von überall ausgestoßen: weil sie -trotz ihrer Versuche- ihre Gefühle für Jason nicht ganz und gar unterdrücken konnte, und weil sie scheiterte, sich bei den Griechen anzupassen. Sie wird ständig als die Barbarin betrachtet, die bei den zivilisierten Menschen nichts zu suchen hat. Die Zivilisation und die Welt der Barbaren werden ständig gegenübergestellt, auch wenn manche Züge von beiden Teilen getragen werden. Zum Beispiel findet man die mütterliche und väterliche Liebe auf beiden Seiten, aber auch die Überlegenheit der Männer. Medea scheint letzendlich das Opfer von Männern zu sein: sie muss ihrem Vater und ihrem Bruder gehorchen, wird aber von Jason verführt, der sie gleich unter seine Kontrolle bringen will. Jason erscheint nicht mehr als der antike Held. Er taucht als ungestümer und eigensinniger Jüngling auf, erweist sich als ehrgeizig und opportunistisch, wirkt aber vor allem egozentrisch. Sein Wille muss durchaus durchgesetzt werden, egal was für die Anderen gut ist. Was man als Ausreden finden könnte (er hat seinen Thron verloren, er ist staatenlos und für seine Familie verantwortlich, seine Träume aus seiner goldenen Jugend wurden nicht verwirklicht), sind sehr schwach (und viele erfahren dasselbe, egal wo und wann sie leben...) in Anbetracht dessen, was Medea erleben muss: der Tod von ihrem Vater und ihrem Bruder, die ständige Demütigung, der Verlust von ihrem Mann und ihren Kindern...). Grillparzer hat diese Geschichte auf eine spannende Weise geschildert, und sein Status als einer der Hauptschriftsteller Österreichs ist durchaus rechtfertigt!
I am quite intrigued by the psychological component of this play! It’s amazing how Grillparzer slowly but steadily creates the downfall of a powerful woman that is less painted as the well-known, hysteric madwoman and more the dog that’s been beaten up all along and finally turns against its oppressors.
Bezüglich Grillparzers Tragödien-Trilogie "Das goldene Vließ" beschäftigte sich der Literaturwissenschaftler Markus Winkler mit der Beziehung zwischen diesem Stück und Goethes Iphigenie auf Tauris. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Untersuchung ist dabei die „Opposition des Griechischen und des Barbarischen“ innerhalb der zwei Dramen. Medea gehört dem Barbarischen an und soll durch Jason ein Teil des zivilisierten Griechenlands werden: „Vielleicht bist du so arg nicht, als du scheinst, / Nur angesteckt von dieses Landes Wildheit“ (S. 48). Sie soll beispielsweise das Saitenspiel lernen und sich vollends von der Zauberei und ihrer "primitiven" Vergangenheit distanzieren. Medea, analog zu Iphigenie, ist die Außenseiterin und fühlt sich unter den Griechen nicht heimisch. Jedoch wird bis zum Ende hin keine Vereinigung oder zumindest Friedensschließung zwischen den zwei Völkern stattfinden. Stattdessen beauftragt Medea am Ende die Tötung der griechischen Königstochter Kreusas und flüchtet vom fremden Griechenland zurück nach Kolchis. Sie kehrt alleine zurück, da sie ihre zwei Kinder aus Rache getötet hat, ihre treue Amme Gora zurücklässt und der Geliebte Jason sie schon längst aufgegeben hat. Voller Gewalt und Schmerz verlässt Medea Griechenland. Asymmetrisch verhält sich da Iphigenie, welche zumindest die Einwilligung des Königs Thoas sucht, bevor sie die Insel lebensfreudig verlässt und damit den Prinzipien des klassischen Kunstideals annähernd entspricht. Winkler schreibt, dass die Trilogie Grillparzer eine „Paradoxie des klassizistischen Humanismus“ aufzeigt und damit klare Unterschiede in der Intention zu Goethes Drama proponiert. Die Tragik der Trilogie Grillparzers besteht also von Anfang an im Streben nach Homogenität und im Umkehrschluss die Annullierung einer Mehrdimensionalität durch das Verschmelzen zweier Kulturwelten, die sich ja im Grunde doch sehr ähnlich sind.
actually ein Buch, das sich sehr schnell liest und man gut auf aktuelle Debatten ummünzen kann in Franz Grillparzers Aufarbeitung des Medea Stoffes, ist Medea eine wesentlich differenziertere weibliche Akteurin, als in vielen anderen Darstellungen, wodurch das Werk gewissermaßen an Aktualität gewinnt
Jason einfach der größte Gaslighter in dieser Version. Aber super, über die drei Stücke werden die Handlungselemente ganz stringent entwickelt und auch wenn ich Medea als Figur hier abgeschwächter finde, als in den Bearbeitungen und Euripides und Seneca, kann man sie doch nicht anders sehen, als die tragische Heldin. Und die kolonialistische Perspektive spielt hier auch wesentlich mehr rein.