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Urban Fantasy: going intersectional

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Urban Fantasy, eines der spannendsten Genres der phantastischen Literatur, bietet den Raum für die literarische Verarbeitung dessen, was uns als Gesellschaft umtreibt.

Das urbane Setting, in dem magische Wesen oft unerkannt unter Menschen leben und wirken, ist ideal, um auf die verschiedenen Diskriminierungsformen in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen: Rassismus, Sexismus, Ableismus, Antisemitismus und weitere Arten der Menschenfeindlichkeit gehören nicht nur in Deutschland zur Alltagswirklichkeit. Auch der privilegierten Öffentlichkeit ist das inzwischen bekannt.

Doch die wenigsten haben bisher etwas von Intersektionalität gehört. Dieser Begriff drückt aus, dass eine Person nicht nur von einer, sondern von mehreren Diskriminierungsformen betroffen ist. Schon eine einzelne Unterdrückungsform macht es für Menschen fast unmöglich, als gleichwertig respektiert zu werden, sich in den Medien repräsentiert zu sehen und gehört zu werden – und je mehr Unterdrückungsformen auf einer Person lasten, desto unmöglicher wird es.

In der deutschsprachigen Fantasy sind intersektionale Charaktere bisher leider rar gesät. Daher räumen wir in Urban Fantasy: Going Intersectional den Geschichten einen Platz ein, die Intersektionalität im Fokus haben, wie die der asexuellen Vampirin, der chronisch kranken lesbischen Hexe, der muslimischen Superheldin, der übergewichtigen Sirene oder der transsexuellen Elfenprinzessin.

Die Anthologie enthält neben einem ausführlichen Vorwort der beiden Herausgeber*innen 21 bisher unveröffentlichte Kurzgeschichten von Nora Bendzko, Jenny Cazzola, Aşkın-Hayat Doğan, Luna Day, Patricia Eckermann, David Grade, Stefanie Huber, Antonia Knoll, Oliver Kontny, Jade S. Kye, Marcel Lewandowsky, Victoria Linnea, Robin Nayeli, Isabella von Neissenau, Lena Richter, Ronja Schrimpf, Schwartz, James A. Sullivan, Teresa Teske, Judith Vogt, Annie Waye und Amalia Zeichnerin.

400 pages, Paperback

First published January 28, 2021

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46 people want to read

About the author

Patricia Eckermann

31 books4 followers

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Community Reviews

5 stars
2 (8%)
4 stars
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3 stars
3 (13%)
2 stars
2 (8%)
1 star
1 (4%)
Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for Noah.
88 reviews24 followers
Read
November 25, 2021
Ich muss sagen, dass es mir sehr schwer fiel, eine Meinung zur Sammlung insgesamt zu formulieren, weil die Geschichten und damit auch meine Gedanken dazu so unterschiedlich waren und sind, weshalb ich das Buch auch nicht mit Sternen bewerten werde.

Einige Geschichten mochte ich wirklich sehr und ich habe sie total gern gelesen. An vielen Stellen fand ich auch den Themenkomplex Marginalisierung, Diskriminierung, Intersektionalität gut umgesetzt. Besonders Geschichten, in denen es gar nicht hauptsächlich um die Marginalisierungserfahrungen der Figuren ging, sondern diese einfach Teil der Lebenswelt der Protagonist_innen waren, fand ich sehr gut, weil so auch gezeigt wird, dass marginalisierte Personen mehr sind als diese Erfahrungen, aber natürlich dennoch von ihnen beeinflusst werden und das ja oft zu kurz kommt, wenn es ~für die Diversity~ schablonenartige Nebenfiguren gibt.

Zu meinen Lieblingsgeschichten gehörte Die letzte Heimkehr von James A. Sullivan, ein großartiges Beispiel dafür, dass diskriminierende und -istische Beleidigungen, wie das N-Wort oder Sexworkfeindliche Begriffe nicht ausgeschrieben werden müssen, um darzustellen, dass eine Figur Diskriminierung erfährt. Insgesamt waren in dieser Geschichte Marginalisierungs-/Diskriminierungserfahrungen ebenso sehr Teil des Lebens der Hauptperson wie die nicht-menschlichen Aspekte und damit verbundene Erfahrungen. Die Geschichte hat zwar düstere Elemente, besonders das Ende ist aber auch hoffnungsvoll, was ich sehr angenehm ausgeglichen empfunden habe. Auch den Schreibstil fand ich sehr angenehm zu lesen und sowohl Worldbuilding-Details als auch die Hintergrundgeschichte der Hauptfigur waren für mich stimmig und weder zu viel noch zu wenig. (Ich wäre aber durchaus neugierig auf mehr Geschichten in diesem Universum!)

Eine weitere Lieblingsgeschichte war Das Innerste der Welt von Lena Richter, die ich besonders für die tolle Umsetzung der Du-Perspektive, das parallele Existieren von magischen Fähigkeiten und einer chronischen Erkrankung sowie ebenfalls für mein Empfinden genau richtig viele Worldbuilding-Details. Besonders gefreut habe ich mich außerdem, dass es eine (erwähnte) Nebenfigur ein Neopronomen verwendet.

Sehr gerne mochte ich auch Wünsch mir die Apokalypse von Nora Bendzko, in der es einerseits um eine Rettung vor der Apokalypse geht und zum anderen um ein, für die Hauptperson verwirrendes, Beziehungsdreieck, dessen Auflösung mich sehr gefreut hat. Die Mischung aus Kampf/Weltrettung und Beziehungsthema fand ich sehr gut gelungen und außerdem ist auch diese Geschichte ein großartiges Beispiel dafür, dass Themen wie Rassismuserfahrungen oder internalisierte Queerfeindlichkeit Teil einer Geschichte bzw. Teil der Erfahrungen von Figuren sein können, ohne dass eine Geschichte sich nur darum dreht.


Was mir leider aber oft gefehlt hat, war einerseits Sensibilität für die Themen, die nicht direkt behandelt wurden. Beispielsweise gab es einige Geschichten, in denen total viele ableistische Begriffe verwendet wurden und das finde ich einfach schade und frustrierend, wenn in Geschichten, die an sich cool sind, die gute Ideen und Ansätze haben, dann gleichzeitig andere Diskriminierungsformen reproduziert werden und unter den Tisch fallen.

Andererseits gab es aber auch einige Geschichten, bei denen ich mich leider fragen musste, ob die schreibenden Personen sich mit den Diskursen der jeweiligen Communities auseinandergesetzt haben & das hat mich schon echt enttäuscht. Vor allem, weil Leser_innen, die sich ebenfalls noch nicht gut mit den Themen auskennen, eventuell problematische Elemente nicht unbedingt bemerken würden, wenn diese nicht innerhalb der Geschichte kritisiert und nicht zusätzlich eingeordnet werden.

Besonders schwierig zu lesen war für mich so beispielsweise Die Prinzessin von Isabella von Neissenau, die leider sehr viel Transfeindlichkeit reproduziert, obwohl ich durchaus sehen kann, welche positive Message („trans Frauen sind Frauen“) sie eigentlich teilen wollte. Eine möglicherweise ähnliche gute Intention hatte die Geschichte Antimykotikum von Oliver Kontny, bei der ich mich allerdings fragen musste, für welche Zielgruppe sie geschrieben wurde, wo genau sich die Intersektionalität zeigen sollte und ob der Verfasser sich mit dem Thema wirklich näher befasst hat. Die Geschichte reproduziert nicht nur durch eine Macker-Hauptperson mit Erzählperspektive die Vorstellung „Männlichkeit“ (nicht explizit toxische Männlichkeit) an sich sei das Problem und eine Art „Krankheit“, die geheilt werden muss, was zum einen ableistisch ist und zum anderen von Marginalisierung betroffene Männer (bspw. trans oder inter Männer) unter den Bus wirft. Außerdem wird intersektionaler Feminismus als eine Art Sekte dargestellt, zu der „Geheilte“ dann gehören, was ich für ein sehr fragwürdiges Bild halte.

Insbesondere, da viele Geschichten belastende Themen behandeln und gerade vor Themen wie Suizid ja selbst von Menschen, die eher spärlich mit CNs/TWs umgehen, häufig gewarnt wird, hätte ich mir für diese Anthologie dringend Content Notes gewünscht. Mich würde sehr interessieren, ob es eine bewusste Entscheidung gegen Content Notes gab und wie diese begründet wurde. Ich kann diese Wahl leider absolut nicht nachvollziehen.

Insgesamt bleiben meine Gefühle also leider gemischt. Es gab Geschichten, die ich sehr gern mochte, einige mit guten Ansätzen und einige, bei denen ich mich nach wie vor frage, warum sie ausgewählt bzw. so abgedruckt wurden.

Ich würde aber trotzdem auf jeden Fall empfehlen, die Sammlung oder auch nur einzelne Geschichten daraus zu lesen, besonders auch, wenn ihr selbst schreibt und/oder euch sonst mit der Darstellung von marginalisierten Figuren beschäftigt. Ich persönlich habe aber, obwohl ich an vielen Stellen kritisch war und das Lesen öfter mal anstrengend fand, auch Anregungen für mich selbst mitgenommen, was funktioniert und was eher nicht und ich denke, gerade wer sich mit dem Thema Intersektionalität beschäftigt, wird vielleicht ein ähnliches Leserlebnis haben.

Aber es gab natürlich auch Geschichten, die mir beim Lesen einfach Spaß gemacht haben, wie beispielsweise die drei, über die ich oben etwas mehr geschrieben habe.
Profile Image for Elea Brandt.
Author 17 books51 followers
May 28, 2021
Ich tue mich schwer mit einer Gesamtwertung, denn es waren - wie bei den meisten Anthologien - Geschichten dabei, die ich sehr mochte, z.B. „Majas Queste“ von Judith Vogt, „Magiebegabt, 35F, in Ausbildung“ von Teresa Teske, „Wünsch mir die Apokalypse“ von Nora Bendzko, „Zuneigungsformen“ von Robin Nayeli oder „Das Innerste der Welt“ von Lena Richter, Geschichten, die mir gut gefallen haben, aber auch solche, die mir überhaupt nicht gefielen, weil sie sprachlich oder inhaltlich nicht meinen Geschmack trafen. Ganz normal so weit.

Leider waren auch einzelne Beiträge dabei, bei denen ich nicht verstanden habe, warum sie in einer Anthologie zu intersektionaler Urban Fantasy gelandet sind. In manchen Geschichten sind sehr explizite -ismen ausgeschrieben, z.B. wird eine trans Figur misgendert oder es fallen homofeindliche Slurs. Das wäre bestimmt eleganter gegangen. Einzelne Geschichten machen auch vor, wie Diskriminierung thematisiert werden kann, ohne dabei -ismen zu reproduzieren (z.B. James Sullivan in "Die letzte Heimkehr" oder Patricia Eckermann in „Die Jurte des Todes“). Zum Teil hatte ich den Eindruck, dass die Geschichten mit Own-Voice-Hintergrund sensibler mit dem Thema umgingen, aber auch nicht immer.

Alles in allem finde ich die Anthologie aber ein super wichtiges und spannendes Projekt und es ist toll, dass es realisiert werden konnte. Deswegen runde ich die 3,5 Sterne auf 4 Sterne auf.
Profile Image for Emma.
747 reviews30 followers
May 15, 2022
3,5 Sterne für die Anthologie allgemein. Für eine Anthologie, die sich intersectional in den Titel schreibt, gab es mir zu viele Stories, bei denen ich mich unwohl gefühlt habe aus dem ein oder anderen Grund und die für mich dort nicht hingehören. Den Umgang mit Religion, Hautfarbe und sexuelle Präferenz fand ich meist gut, Geschlechtsidentität und Ableismus wären allerdings Themen, wo es dringend noch Verstärkung im Lektorat / Sensitivity Reading gebraucht hätte.
In einem Fall fand ich die Geschichte selbst sogar ziemlich gut, bevor mich ein Austausch mit anderen Lesenden darauf gebracht hat, wie ableistisch sie ist. Und das darf in einer Anthologie, die "intersectional" sein möchte, eigentlich nicht sein, dass so etwas unkommentiert und als positiv drin gelassen wird - oder zumindest hatte ich den Anspruch, dass ich so etwas dort nicht finde.

Meine Highlights:
- "Die letzte Heimkehr" (ich liebe Gargoyles!)
- "Burkitty" (auch wenn die Story mich beim Kampfsport etwas verloren hat)
- "Zuneigungsformen"
- "Wünsch mir die Apokalypse" (geht mir immer noch nicht aus dem Kopf)
- "Kreise" (auch wenn es mich ständig in den Fingern gejuckt hat, hier die fehlenden Kommata noch einzufügen, die überall gefehlt haben)


Profile Image for Larakaa.
1,076 reviews17 followers
November 11, 2022
So, so good! Great ideas, great stories, great narrative variety and the perfect example that Fantasy doesnt always have to be super long to work.
Highly recommend!
Profile Image for Rye_roll.
22 reviews3 followers
April 20, 2021
Wunderbare Kurzgeschichten, die nicht nur unterhaltsam waren, sondern gezeigt haben wie Fantasy auch sein kann.
Profile Image for Beta.
361 reviews15 followers
May 29, 2021
Wirklich gut. Teilweise sehr schmerzhaft. Teilweise wunderbar empowernd. Aber bei der Menge an Geschichten, keine einzige nicht-binäre Person? Lesbisch/bi/schwul - davon gab es reichlich, aber es waren cis Personen, immer. Die eine trans* Geschichte war nett, aber so ein bisschen hat es mich schon gewundert. Die dazugefügten magischen Elemente und körperlich/psychischen und sonstigen Herausforderungen haben wunderbar gepasst, Rassismus, Sexismus, alles da. Es wäre nur wirklich schön gewesen, geschlechtliche Identität mehr zu berücksichtigen.
Profile Image for Jenny.
Author 6 books9 followers
February 13, 2021
Normalerweise enttäuschen mich die Anthologien, an denen ich selber beteiligt bin immer ein bisschen. "Urban Fantasy: going intersectional" hat es nicht getan. Ganz im Gegenteil. Ich war von Anfang an wahnsinnig stolz darauf, Teil dieses Projekts zu sein und bin es noch immer! Denn jede Geschichte dieser Anthologie ist faszinierend und einzigartig und die meisten ließen mich mit einem Gefühl zurück, dass ich unbedingt noch mehr davon will. "Urban Fantasy: going intersectional" schließt eine Lücke im deutschen Buchmarkt und zeigt auf, wie wundervoll, divers, bunt und progressiv die Phantastik sein kann, wenn man sich nur traut. Besonders schön fand ich außerdem die Tatsache, dass unter den zahlreichen Geschichten kaum Liebesgeschichten im klassischen Sinne zu finden waren. Liebe ist eben nicht die einzige Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
Schade fand ich nur, dass der Deutsche Phantastik Preis 2021 wieder ausfällt. Denn "Urban Fantasy: going intersectional" hätte ganz bestimmt eine Nominierung verdient.
Profile Image for Der blaue Buchling.
Author 13 books34 followers
March 2, 2021
Ein herrliches Lesevergnügen, das mir wieder einmal bewusst gemacht hat, wie vielfältig und spannend Fantasy sein kann. Da wurde ganz viel mit Ideen und Stil gespielt und es werden viele Wege aufgemacht. Einen besonderen Eindruck hat „Kreise“ von David Grade bei mir hinterlassen, aber auch die anderen Geschichten sind wirklich cool. So macht Fantasy Spaß!
Displaying 1 - 9 of 9 reviews

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