Amarak? Nur ein Idiot würde nach Amarak segeln! Moment, wieviel zahlt sie uns nochmal? - Yorrick von Dornbarn Der Wendigo ist entfesselt! Einst traditioneller Beschützer der alten Völker jenseits des großen Ozeans, verheert der titanische Dämon nun ganze Landstriche, unterscheidet nicht mehr zwischen Freund und Feind. Die großen Zivilisationen der Ersten fallen unter dem Ansturm des Biests ebenso wie die primitiven Rotnacken in ihren verfallenen Ruinen. Als auch noch die Handelsposten der Alten Welt angegriffen werden, greift die Königin von Hamb zum Äuß Ein Sturmsegler wird losgeschickt, mit ihrer neuesten Geheimwaffe an Bord - Klingensänger Halbar. Natürlich stellt sich dieser nicht alleine einem Dämon entgegen, der sogar Yorrick Furcht einflößt. Die Reise ist lang, die Gefahr unermesslich. Und deswegen muss Königin Aidasha für diesen speziellen Auftrag tief in die Tasche greifen... Im zweiten Band der Klingensänger Reihe geht es hinaus auf die hohe See - und in die schier unendlichen Weiten Amaraks, des sagenumwobenen Kontinents am Ende der Welt. Für Gold und Silber - Tod den Dämonen!
Die Reihe um den Klingensänger setzt sich mit unglaublich guten Ideen und einem starken Verlauf fort. Weshalb ich wieder so begeistert bin, erfährst du spoilerfrei unten im Text.
Meine Meinung zum Cover: Das zweite Cover ist mein absolutes Lieblingscover dieser Reihe. Das Schiff wirkt lebendig und sieht aus, als würde es jeden Moment aus dem Buch herauskommen und in See stechen. Die Konturen sind auf dem Printcover stärker zu sehen als beim Ebook-Cover und wirken realistisch. Wenn ich das Buch in einem Geschäft auf einem Tisch liegen sehe, würde ich sofort danach greifen.
Meine Meinung zum Inhalt: Der zweite Teil der Reihe begann etwas ungewöhnlich, muss ich gestehen. Zuerst war ich irritiert, musste dann allerdings herzhaft lachen, weil die Beschreibungen des Autors zu komisch waren. Der Stil des Autors ist ungewöhnlich, flüssig und bodenständig. Er vereint Humor und Charme mit direkten und bildhaften Beschreibungen. Zudem erzählt er das Geschehen locker und erschafft gleichzeitig ein aussagekräftiges Bild in meinem Kopf. Seine Dialoge können lustig, emotional oder ernst sein. Gute Unterhaltung ist in jedem Moment gegeben. Schon nach wenigen Seiten befand ich mich mitten im Geschehen und flog beim Lesen geradezu durch die Seiten.
Der Band beginnt mit einer Reise über das Meer. Halbar und seine Begleiter ahnen nicht, dass es schon auf dieser gefährlich wird. Es kommt es zu einer Szene, die sich ganz anderes entpuppte als ich auf den ersten Blick erwartete. Ich war genauso überrascht wie Halbar und fand seine Reaktion gewaltig. Er handelte schnell und richtig, wodurch er zu einer positiven Wendung führte. Übrigens kann ich Yorricks Verhalten absolut nachvollziehen. Danach fand eine kampflastige Begegnung auf hoher See statt, die es in sich hatte. Dennoch rechnete ich nicht mit der Entscheidung der Kapitänin und fragte mich, welche Folgen das haben wird. Der Aufenthalt in Habana war mit sehr gefühlsintensiven Szenen gespickt. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich davon halten soll, doch brauchten die Protagonisten wohl eine Auszeit.
Der ursprüngliche Auftrag der Königin von Hamb führte die Freunde an einen Ort in Amarak, der sehr beeindruckend war. Ich las den Verlauf in weiterer Folge mit großem Interesse. Einer Person brachte ich Misstrauen entgegen und wartete auf den Grund dafür. Das Aufeinandertreffen mit dem Wendigo verlief mit Überraschungen und Wahrheiten, die für starke Abschnitte sorgten. Gerade Yorrick lernte ich von einer neuen Seite kennen und sah Magie von der ich vorher nichts geahnt hatte. Über die Figur in der Wüste musste ich schmunzeln. Ich liebe solche Anspielungen, die der Autor immer wieder gerne macht. Ilgar tat mir einmal besonders leid. Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen. Trotzdem muss ich über die Hintergrundidee des Autors schmunzeln.
Die nächstfolgenden Geschehnisse erschütterten Halbar und ließen mich über die Dummheit der Menschen den Kopf schütteln. Erneut baute der Autor politisierend auf das aktuelle Weltgeschehen Elemente ein. Er verflocht es stimmig mit dem Geschehen und stieß damit dramatische Szenen an. Die Kämpfe im gesamten Buch sind hervorragend und detailreich dargestellt, wodurch ich sie in Gedanken vor mir sah. Der letzte Kampf mit dem Wendigo toppte alle Bisherigen. Allerdings nahm er eine Wendung, bei der ich ungläubig den Kopf schüttelte. War sie nun genial oder unglaubwürdig? Ich bin mir noch immer nicht sicher. Jedenfalls ging das Buch mit bildgewaltigen Szenen zu Ende, bei denen ich mitfieberte und mit den Augen an den Zeilen klebte. Der Epilog ist ein ruhiger, wenn auch trauriger Abschluss des Bandes.
Mein Fazit: Der zweite Band beginnt ungewöhnlich und mit der humorvollen Art des Autors. Schon nach wenigen Seiten befand ich mich mitten in der Welt von Halbar und seinen Begleitern. Durch den lockeren und bildhaften Stil flog ich durch die Seiten und genoss das Lesen. Es gab viele gute Wendungen, wobei mich die um den Wendigo am meisten erstaunte. Die Kampfszenen sind detailliert und bildhaft beschrieben, sodass ich mitfiebern konnte. Gleichzeitig gab es gefühlsintensive Szenen, z.B. auf Habana oder am Ende des Buches. Die Anspielungen des Autors auf Film, Fernsehen, Politik und der Weltgeschichte sind stimmig mit der Welt verflochten. Sie gehören zu meine Lieblingselementen. Das Buch bereitete mir viel Lesespaß und beste Unterhaltung.
Ich vergebe 5 von 5 möglichen Sternen!
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!
Ich weiß nicht, ob hier der Rezenz-Effekt zu tragen kommt, aber aus irgendwelchen Gründen finde ich das aktuelle Buch/die aktuelle Reihe, welches/welche ich gerade von Ivan lese, am Besten. So ist es auch hier. Es passiert so viel, es wird nicht ein einziges Mal um den großen Brei herum geredet, BAMM BAMM BAMM, Kapitel auf Kapitel geht es Schlag auf Schlag weiter.
Der "Klamauk", von dem häufig die Rede ist, unterhält mich unheimlich. Die Referenzen auf Personen, Orte und Ereignisse suchen ihresgleichen. Sei es die Kraft der Roten Bullen, die Demok-Ratten, der orange (oder der gelbe!) König, die Schiffe "Blaubär" und "Hein", Nugul mit Sonnenkugeln und Mutander... an jeder Ecke zaubert Ivan ein Schmunzeln auf dein Gesicht. Besonders toll fand ich die Episode um die Geschichte Ilgars sowie den feuchtfröhlichen Ausflug.
Eines meiner nächsten Bücher wird auf jeden Fall Teil 3 sein.
Lieblingsstellen: "»Ich könnte den Walaker beschwören.« Halbar war sich nicht sicher, ob die Vorstellung einer weiteren Beschwörung durch die Geistersprecherin ein Hoffnungsschimmer war - oder eine handfeste Drohung. »Was ist dieser Walaker?« Sacheen setzt zu einer Erklärung an, zögerte, blickte einen Moment lang in den Himmel - und zuckte schließlich mit den Schultern. »Er ist der Walaker, der Ranger von Talaxas. Manche sagen, dass er einst ein Mensch war, andere glauben, dass er die Verkörperung, die Essenz der Wüste selbst ist. Es ist schwierig, ihn zu beschwören, und das Ritual ist streng geregelt. Ein einziger Fehler genügt, um in das Rundhaus getreten zu werden. Was auch immer das bedeuten mag.«"
"»Ja, und das ist noch das kleinste Problem an deiner Erscheinung. Du strahlst Bildung und Intelligenz aus, und davor fürchten sie sich. Nein, wir brauchen einen stiernackigen, leicht zurückgebliebenen Fettsack oder Muskelprotz mit fragwürdiger Gewandung. Jemanden, den man es abnimmt, die trumpen Lügen des orangenen Clown-Königs zu glauben, ihm selbst nach Jahrhunderten noch nachzutrauern.« Halbar fühlte vier Augenpaare plötzlich auf sich gerichtet, teilweise von vielsagendem Grinsen begleitet. Wer solche Freunde hatte, brauchte keine Feinde mehr."
"Ihre Blicke trafen sich, und sie senkte leicht den Kopf, versuchte seinem Starren auszuweichen, während ein Hauch von Rot über ihre Wangen huschte. So viel Unausgesprochenes. So viel Ungesagtes. So viel voreinander Verborgenes."
Gute Fortsetzung, bin gespannt auf Bann 3. Harte Fantasy mit reichlich Klamauk und postapokalyptischem Humor, am Schluss schaut auch noch der Cthulhu Mythos auf einen Gastauftritt vorbei. Sprachlich ist Ivan Ertlov derzeit der beste deutschsprachige Erzähler, und das merkt man an jeder einzelnen Zeile. Inhaltlich gibt es auch wieder ordentlich Geschichtsunterricht und Gesellschaftskritik, aber diesmal geht dieser fast in "too much" Klamauk und Popkulturwitzen unter. Trotzdem ein sehr gutes Buch, Kaufempfehlung.