Illustrated book of on Czech Cubism, Includes topics and , contextual information about cubist history, applied cubism in design and architecture. includes photography that depicts existing, destroyed, installation, and conceptual but unrealized installation. Review of Cubist furniture, metal, ceramics and posters are included
Prisma, Dreieck, Pyramide, Kristall -, dass dieses die grundlegenden Strukturen für den Aufbau der ganzen Welt wären, geisterte als der letzte Schrei kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Prag herum. Kubismus und Futurismus vereint und Georges Braque, André Derain, Pablo Picasso die neuen Götter. Mir war das irgendwann mal beim Sammeln von Bildbänden zu moderner Architektur aufgefallen. Die reaktivierte Hyper-Gotik mit allerlei spitzen Winkeln an Fassaden und Türmen faszinierte mich und ich dachte dann noch sehr lange, es habe sich um einen dezidiert als Nationalstil nach der nationalen Wiedererweckung im Gefolge der Staatsgründung der Tschechoslowakei in den 1920-er Jahren gehandelt.
Stimmt allerdings nicht so ganz. Zwar ist dieser Häuser-, Möbel- und Keramik-Kubismus mehr oder weniger singulär geblieben in der Welt, stand also durchaus für nationalen Stolz, doch handelt es sich eher um ein heftiges Strohfeuer, das im Jahr 1913 in Prag aufloderte, also noch im Habsburger Kaiserreich, und schon während des Krieges wieder abflaute. Dass es in der Architektur ein bisschen dauert, bis Projekte durchgeboxt sind, und dass es dort – dann übrigens auch öfters in der Provinz, in Hradec Králové, Brünn, dem Kurort Bohdanec an der Elbe, hin und wieder durch die zwanziger Jahre noch munter weitergeht, das gehört dazu.
Der hier als Autor genannte Alexander von Vegesack ist in den Neunzigern Direktor des Vitra Design Museums in Weil am Rhein (eröffnet 1989), gleich nördlich von Basel, gewesen. Ich habe dort noch viele herrliche Ausstellungen bewundert, aber bei dieser frühen Schau bin ich noch nicht dabei gewesen, habe dieses Katalogbuch also erst später erstanden und dann auch immer nur die Bilder durchgeblättert. Erst in den 2020-ern las ich es dann auch mal.
Nun mit den Jahren hat das einstmals „wunderbare“ Werk an Bedeutung und Schönheit eingebüßt. Bei mir landete naturgemäß nicht die amerikanische Ausgabe, die ich hier einblende, weil bei der deutschen überhaupt kein Autor und Verlag verzeichnet sind, auch keine Wertungen und Rezensionen, ihr buntes Titelbild war an sich netter. Auf meiner Ausgabe steht vorne nur „Vitra Design Museum“ und auf Seite 3 als Herausgeber von Vegesack, von dem sich aber kein Text im Buch befindet!
Vielmehr handelt es sich um eine Übernahme des Prager Katalogs; die Ausstellung geht voll und ganz aufs Konto der Kunsthistoriker des Prager Kunstgewerbemuseums. Sie tourte dann nach Weil, Düsseldorf, Paris, Madrid, Montréal. Was wir da bekommen, ist der typische Museumskatalog der 1980-er Jahre: gar nicht strapazierfähige Pappe außen, innen zuerst mal viel Bleiwüste, dann einen wirklich umfangreichen Bildteil - mit ganz dürren Textinformationen, wo es sich aktuell befindet, wann es wo schon mal in einem Katalog stand. Gegen die Aufsätze der Tschechen lässt sich nicht viel sagen. Sie sind nüchtern, akribisch, scheinen öfters ungeschickt übersetzt und vielfach irgendwo am Interesse des Kunstinteressierten vorbeizufliegen.
Es gibt zwar am Seitenrand immer ein paar kleine Verweise auf Katalognummern, die zu den gerade gemeinten Bildern hinten verweisen („Kat.-Nr. 79, 20“), aber wer will schon ständig hin und her suchen im relativ schweren Band? Es wäre doch viel schöner, wenn ein genereller Überblick möglichst konzentriert gehalten worden wäre, dann im Katalogteil zu jedem wichtigen Ausstellungsstück auch was stünde, wieso man gerade das zeigt.
Es geht wohl vielen so wie mir, dass sie vor allem die äußerlich bizarr geformten Kubismus-Häuser sehen wollten, aber man versteht jetzt auch, wieso das Meiste im Buch keine historischen oder aktuellen Fotos von Architektur sind (etliche Bauwerke gibt es nicht mehr, sehr bedeutende aber doch noch), sondern reihenweise Möbel (Tischchen, Stühle, Regale) und Geschirrstücke (Zuckerdosen, Milchkännchen, Vasen), die sich viel einfacher mit Dreiecken, Pyramiden und schwarz-weißen Streifen versehen ließen als Rathäuser, Schulen und Kaufhäuser. Übrigens – und einige Grundrisse belegen es – handelte es sich beim Kubismus für Architekten immer nur um Oberflächenspielerei. Die Statik beruhte auf hergebrachte Gitter und die Zimmeraufteilung war so rechteckig wie konventionell mit Renommiersalon, Bibliothek, Küche, Speisekammer, Kinderzimmer und Dienstmädchenkammern unterm Dach.
Leider scheint das Design-Buch selbst keinen Designer gesehen zu haben. Alles versucht, Platz zu sparen, und packt ständig alte und neue Aufnahmen, bunte und verblichene, große und kleine neben und übereinander, sodass es wimmelig wird.
Kurz: früher mal war es toll, wie viel, das man nirgendwo sonst bekommen hätte, man hier auf einen Schlag sah, heute sieht das eher gutgemeint aus, auf die Dauer eher was für die Menschen, die für die kleine Ecke in der Welt-Kunstgeschichte richtig brennen.