Finn und Paul sind seit Kindertagen unzertrennlich. Jetzt, kurz vor dem Abitur, ist nichts mehr wie früher. Was die Zukunft für sie bereithält, ist ungewiss und macht Angst, und dann ist da noch Khalil, der plötzlich zwischen ihnen steht. Khalil, der Unberechenbare, den Paul vergöttert, obwohl Finn ihm nicht über den Weg traut.
Nachdem Paul einen schweren Unfall hat, muss er damit klarkommen, dass sein Gedächtnis nicht über einen Tag hinausreicht. In der Reha erhält Paul einen Brief von Khalil, der Entsetzliches befürchten lässt. Paul überzeugt Finn, dass sie Khalil aufhalten müssen. So beginnt ein Roadtrip, der sie von Köln über Berlin, London bis nach Hamburg zum G20-Gipfel führt. Und der alles für immer verändert.
Die Geschichte zwischen 3 Freunden, Paul, Finn und Khalil war anders und doch irgendwie bereits bekannt. Sie reflektiert den damaligen Zeitgeist gut und referiert auf die damaligen bekannten TV-Serien und sonstigen Ereignissen wie das G20 in Hamburg. Es war ein eigenartiger Road Trip von Paul und Finn auf der Suche nach der Wahrheit und sich selbst. Eine Coming-of-Age Geschichte mit einem Freund, Paul, der durch ein Unfall daran leidet, dass seine Erinnerung jeden Tag neu beginnt mit keiner Erinnerung an seine Vergangenheit. Finn, der sich selbst noch nicht gefunden hat seit dem Unfall und mit Paul durch die Gegend irrt. Und Khalil mittendrin, der ebenfalls viel privat einzustecken hat.
Auch wenn die Geschichte an sich spannend erzählt war, fand ich den Anfang eher zäh, weil hauptsächlich so ausführlich über Finn erzählt wurde. Leider wird am Ende aber wenig Bezug auf ihn genommen und eher der Blick auf Paul gelenkt. Ich fand es schade, dass die Geschichte nicht mit einer Detailaufnahme von Finn geendet hat, aber das ist wohl meine persönliche Präferenz gewesen. Das Gefühl von Unsicherheit, Macht und Verrücktheit von Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen wurde gut geschildert, aber leider hat die Balance irgendwie nicht gestimmt. Es gab viele interessante Charaktere, aber ich konnte keine tiefe Verbindung zu keinem von denen aufbauen. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte sehr viel Potential hatte, aber diese nicht wirklich genutzt hatte.
Das Buch fand ich trotz allem lesenswert, trotz der kuriosen Wendungen. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, wobei ich eher zu 4 Sternen tendiere.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Finn, Paul und Khalil sind allerbeste Freunde und bereiten an ihrer Schule einen 5-Sterne-Abistreich vor. Schon als Zehnjährige planten Finn und Paul eine gemeinsame Reise nach Kanada. Doch mit Khalil und Finns Freundin Darja hat sich die Dynamik ihrer Beziehung verändert. Darja, die meinungsstarke Tochter von Migranten, braucht Abstand von ihrem Schülerleben und hat sich längst für einen Einsatz in Tansania beworben. Im Windschatten des Abistreichs wird Paul von einem Auto angefahren, erleidet eine schwere Hirnverletzung und wird seit mittlerweile einem Jahr in einer Reha-Klinik behandelt. Er hat das Gedächtnis verloren und muss jeden Morgen von Neuem aus seinem gelben Notizbuch zusammensuchen, wer er ist und wer die anderen Leute sind. In eigener Schrifttype erzählt Paul seine Erlebnisse in Tagebuchform. Khalils Vater, ein einflussreicher syrisch-stämmiger Geschäftsmann, sorgt dafür, dass der Abistreich und seine Nachwirkungen für die Clique keine juristischen Folgen haben.
Noch während Pauls Reha verschiebt sich die Beziehung der jungen Leute. Darja bereitet ihr Tansania-Projekt vor, für Paul hofft man als Leser gemeinsam mit seinen Eltern jeden Tag auf Besserung, nur Finn wirkt unvorbereitet auf das Leben nach dem Abi. Da Paul sich nicht erinnern kann, was am Vortag passierte, fällt es lange nicht auf, dass Finn seinen Freund in der Reha nicht besucht. Wenn Finn sich um Paul kümmern würde, müssten seine Besuche doch in Pauls Tagebuch eingetragen sein. Kann man Finn trauen?
Im Jahr nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt schlägt ein Brief von Khalil in der Clique ein wie eine Bombe. Khalil Bukhari hatte theoretisch ein Stipendium für eine amerikanische Universität, doch das Studium konnte er nicht antreten, weil sein Vater aus Syrien stammt. Nun ist der junge Mann untergetaucht und hat sich in die analoge Welt verabschiedet. Über seine Motive und sein nächstes Ziel lässt sich nur das Schlimmste befürchten. Weil Khalil offenbar nur Paul vertraut, entwickelt Finn die Schnapsidee, Paul aus der Klinik abzuholen und mit ihm gemeinsam Khalil nachzureisen.
Aus Tagebucheintragungen, Briefen und Nachrichten entsteht ein krimireifes Roadmovie, das bei mir ein Netz aus Zweifeln schuf. Was traue ich Khalil zu und warum, welche Probleme türmen sich in den Elternhäusern der Jungen auf – und: muss ein Reiseprojekt des unfertig wirkenden Finn nicht zwangsläufig schiefgehen? Orkun Ertener sät von Beginn an Zweifel. Ich musste an so vielen Stellen zweifeln, dass die Lösung mich am Ende nur aus den Schuhen werfen konnte.
Ortun Erteners zweiter Roman fesselt und überrascht, er überzeugt mit liebevoll gezeichneten Figuren – sehr vielen Figuren! – und berührt mit der Innensicht eines Schwerverletzten, der aufgrund seiner Gedächtnisstörung nur schwer vertrauen kann.
Sie wollen nur ausgelassen das Abitur feiern, so wie alle Jahrgänge vor ihnen, doch dann geschieht das Unfassbare: Paul wird angefahren und schwer verletzt. Zwar überlebt er, aber fortan wacht er jeden Morgen auf und hat vergessen, was seit dem Unfall geschehen ist. Sein bester Freund seit Kindheitstagen, Finn, kann nicht mit den Schuldgefühlen umgehen und zieht sich zurück. Monate vergehen, bis Finn Paul in der Reha besucht und dort Unglaubliches erfährt: offenbar plant ihr ehemaliger Mitschüler Khalil einen Terroranschlag. Paul überredet Finn, ihm zu helfen und Khalil zu finden. So beginnt ein aberwitziger Roadtrip nach Berlin und London, der schließlich in Hamburg endet und die beiden Freunde innerhalb weniger Tage erwachsener werden lässt als all die Jahre zuvor.
„Paul war in einem Alptraum erwacht, den er jeden Tag aufs Neue ertrug, ohne ihn je zu verstehen, schlimmer noch, ohne sich jemals an ihn zu erinnern.“
Es ist ein Unfall, wie er tagtäglich auf deutschen Straßen geschieht, der das Leben der drei Freunde völlig aus der Spur wirft. Paul lebt in seiner eigenen Welt, die er sich tagtäglich neu erarbeiten muss. Finn hat jeglichen Halt verloren und vegetiert tatenlos in seinem Kinderzimmer vor sich dahin. Khalil versucht lange Zeit noch retten, was vor dem Unfall war, bevor er aufgibt und sich scheinbar radikalisiert ob der Ungerechtigkeit der Welt. Es ist kein klassisches coming-of-age-Setting, das Orkun Ertener gewählt hat, ums Erwachsenwerden geht es eher in zweiter Linie. Es ist ein Roman über Schuld, Schulgefühle und den Umgang mit ihnen, und ebenso ein Roman darüber sich und seine Freunde zu erkennen und so anzunehmen wie sie sind.
Ein Brief Khalils mit der Ankündigung eines Anschlags setzt die Handlung letztlich nach einer Phase der Schockstarre, die durch den Unfall ausgelöst wird, in Gang. Die Suche nach dem Freund treibt Paul und Finn an, gibt ihnen dabei die Gelegenheit das zu erzählen, was sie voreinander geheim gehalten haben. Obwohl sie beste Freunde waren, gab es Ungesagtes, nicht Sagbares, aus unterschiedlichsten Gründen Verschwiegenes. Zwar muss sich Paul täglich die Welt wieder erarbeiten, gleichzeitig hat er jedoch auch erkannt, dass er vergessen kann, eine Gabe, die Gesunden nicht gegeben ist, die unweigerlich allen Ballast mit sich tragen müssen.
Finn, Paul und Khalil waren für mich keine sympathischen Figuren, nicht nur, weil sich ihre Melancholie auch auf einem als Leser legt. Dennoch erscheinen sie authentisch im Umgang mit den Erlebnissen und der Welt, in der sie leben. Sie haben keine guten Strategien und die schlechten versagen dann auch noch, aber das ist nun einmal ein Teil des Erwachsenwerdens: manchmal scheitert man kläglich.
Die Geschichte einer langjährigen Freundschaft und den Auswirkungen eines Unfalls. Anfangs wirkt es fast wie ein Jugendroman, aber das liegt nur daran, dass die handelnden Figuren Finn, Paul und Khalill alles junge Männer sind.
Paul hat nach einem Unfall das Problem, das er Tag für Tag alles vergisst. Dieses Thema wurde schon wiederholt in Literatur und Film verarbeitet. Es wird im Verlaufe der Handlung ziemlich dramatisch, was mich teilweise irritierte.
Ich schätze an dem Roman das zeitgenössische. Die Figuren sind eigentlich gut gemacht, blieben mir aber leider mehr oder weniger fern und so ganz weiß ich am Ende nicht, was soll ich mit dem Leseergebnis anfangen. Vielleicht geht es anderen Lesern anders.