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Mr. Crane

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Im Sommer 1900 wird der Schriftsteller Stephen Crane im Tuberkulose-Sanatorium Badenweiler von der jungen Kranken­schwester Elisabeth gepflegt. Sie kennt seine ­Bücher, seit Langem fühlt sie sich ihm seelenverwandt. In den heißen ­Tagen im Sanatorium entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern eine obsessive Liebesbeziehung, die sie vor ­allen geheim halten müssen. Crane, von Fieber und Delirien befallen, erzählt Elisabeth von seinem Schreiben, seinen Liebschaften und seinen Erlebnissen als Kriegsberichterstatter. Mitgerissen und ermuntert durch Cranes Erzählungen wagt Elisabeth endlich, ihm das ­große Geheimnis ihres Lebens zu offenbaren.

256 pages, Hardcover

Published September 23, 2020

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About the author

Andreas Kollender

10 books22 followers

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Community Reviews

5 stars
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Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Sabrina.
166 reviews17 followers
November 21, 2020
Ich wusste bereits wegen des ansprechenden Covers und dem interessanten Klappentext, dass das ein Buch ganz nach meinem Geschmack werden würde, aber hätte nicht erwartet, dass es mich tatsächlich so sehr in den Bann ziehen würde, wie es es letztendlich getan hat.

War ein richtiger Page-Turner und ich konnte es manchmal nur schwer aus der Hand legen.
Stephen Crane ist ein Autor, den ich auch sehr bewundere und dessen Arbeit und Leben ich auch schon mit großem Interesse verschlungen hab.
Umso mehr hat mir deswegen dieser kleine Ausflug nach Badenweiler gefallen und ich fand die kurze Liebesgeschichte zwischen ihm und der Krankenschwester Elisabeth wirklich fantastisch gelungen.
Ebenso die Sprünge zwischen den Jahren 1900 und 1914. Wahnsinn was man alles in insgesamt 8 Tage packen kann.
Es ist auf jeden Fall eine Leseerfahrung gewesen, die ich nicht missen wollen würde und die mir bestimmt lange in Erinnerung bleiben wird.
Das war mal etwas anderes und mir hat angefangen beim Schreibstil bis hin zu den Charakteren und dem Plot alles daran gefallen.
Profile Image for Sara.
7 reviews
September 18, 2023
Das Buch ist im Grunde eine Biografie, die als Roman geschrieben wurde.
Das Leben des Stephen Crane wird anhand einer Liebesgeschichte erzählt. Die Geschichte spielt in dem Kurort Badenweiler, welches um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert renommierr für Tuberkulose-Kuren war.

Die nächste Protagonistin neben Stephen Crane ist seine Krankenschwester. Diese erfährt von ihm viel über dessen Werdegang. Es macht Spaß, als Lese soviel über den einzigartigen Charakter von Stephen Crane zu erfahren.

Die Liebesgeschichte ist stellenweise mir persönlich zu melodramatisch und fehl am Platz erschienen. Die Liebesgeschichte hätte meines Erachtens nach gut in deutlich gekürzterer Fassung geschildert werden können.
Dennoch ist dies insgesamt ein gelungenes Buch, was teilweise nur etwas langatmig wirkt und so nicht unbedingt ein Pageturner ist.
Profile Image for Susanne Probst.
104 reviews8 followers
November 3, 2020
Zwei mal acht Tage in einem Sanatorium in Badenweiler im Schwarzwald - 1900 und 1914.

Herbst 1914.
Elisabeth, der 39-jährigen Oberschwerster, ist es auf dem Flur des Sanatoriums, als würde sie vom Blitz getroffen, als ihre Kollegin Victoria den Namen Stephen Crane erwähnt.
Als sie dann im Park ein Buch dieses amerikanischen Schriftstellers auf der Bank am Brunnen entdeckt, braucht sie erst einmal einige Zeit, um wieder zu sich zu kommen.
Erinnerungen ploppen auf, Gefühle übermannen sie.
Stephen Crane war vor 14 Jahren acht Tage lang Patient hier in dieser Heilstätte für Lungenkranke.
Er wurde damals wegen der Zuspitzung seiner bereits länger bestehenden Tuberkulose eingeliefert und sie war seine Krankenschwester.

Die Ankündigung seines Kommens und sein Aufenthalt selbst waren einschneidende Ereignisse für Elisabeth, denn sie hatte alle seine Bücher gelesen und eines davon, „The Monster“, berührt sie nach wie vor ganz besonders, weil sie sich mit dessen entstellter Hauptfigur identifiziert.
Schon die ersten Momente ihrer Begegnung waren außergewöhnlich und intensiv: die Blicke, der Händedruck.

Während sich Fieberphasen mit klaren Momenten abwechselten kamen sich Elisabeth und der 28-jährige Stephen Crane über die Tage hinweg näher.
Es war für Elisabeth eine aufregende, ereignisreiche und lebensverändernde Zeit voller verstörender, aufwühlender, glücklicher und erregender Momente.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen.
Wir wechseln stetig zwischen 1900 und 1914 hin und her und begleiten die Protagonisten auf beiden Strängen jeweils acht Tage lang.

1914 erinnert sich Elisabeth an die Tage mit Mr. Crane und betreut gleichzeitig den stummen 25-jährigen Bernhard Fischer, einen Lieutenant der im 1. Weltkrieg verletzt wurde.
Er ist der erste verwundete Soldat, der im Sanatorium aufgenommen wurde und er liegt in dem Zimmer und in dem Bett, in dem einst Steven Crane lag.
Er ist der Besitzer des oben genanntem Buches, das all‘ die Erinnerungen ausgelöst hat.
Der Autor jongliert hier, auf dieser Ebene, zwischen Erinnerungen und gegenwärtigen Geschehnissen.

Der andere Erzählstrang spielt 1900, in dem Jahr, in dem die für Elisabeth überwältigende Begegnung mit Mr. Crane stattfand.
Hier tauchen wir in Elisabeths kurze Zeit mit dem „komischen Vogel“ (S. 63) und in Cranes zum Teil verworrene Erinnerungen sowie in seinen „großen Koffer voller Geschichten“ (S. 75) ein.

Bereits auf den ersten Seiten stolperte ich über eine schöne Formulierung:
„Das Leben sei schön, sagte Mr. Crane, es komme immer darauf an, wohin man sehe. Komme darauf an, wo das Rettungsboot sich gerade befinde, auf dem Wellenkamm oder im Tal, umschlossen von grauem Wasser.“ (S. 72)

Ebenfalls bereits auf den ersten Seiten bekam ich große Lust auf den Kurzroman „The Monster“, den Stephen Crane geschrieben hat und von dem Elisabeth so fasziniert war. Ich kam nicht umhin, ihn mir zu kaufen, so neugierig hat mich die Krankenschwester darauf gemacht.

Durch die Lektüre erfahren wir auf originelle Weise, nicht chronologisch, sondern ungeordnet und in Bruchstücken etwas über Steven Crane und sein Leben.
Wir bekommen einen Eindruck
von dem 1871 in New Jersey als 14. Kind geborenen Schriftsteller, der mit 28 Jahren im Sanatorium in Badenweiler seiner Tuberkulose erlag.
Das Buch zu lesen bedeutet darüber hinaus auch, eine außergewöhnliche Frau kennenzulernen, die mehr als einmal Schicksal gespielt hat und es bedeutet, in unkonventionelle Innenwelten einzutauchen, in der Paranoia, Fieberfantasien, Erinnerungen, wahre, erfundene oder beschönigte Geschichten eine Rolle spielen und erotische Szenen sowie morbide und sehnsüchtige Fantasien, Extreme und Obsessionen vorkommen.
Wir werden mit makaberen und nahezu unfassbaren Szenen konfrontiert und manchmal können wir über die Protagonistin nur den Kopf schütteln.

Gegen Ende wird die Atmosphäre zunehmend dramatisch, was äußeren Geschehnissen und inneren Entwicklungen geschuldet ist.

Andreas Kollender erzählt sowohl eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, als auch eine biographische Geschichte.
„Mr. Crane“ ist Realität eingebettet in Fiktion.

Ich empfehle das Werk sehr gerne weiter! Es ist kurzweilig, unterhaltsam, spannend und interessant.

... und jetzt freue ich mich auf „Die Tapferkeitsmedaille“, das wohl bekannteste Werk von Stephen Crane, denn auch darauf hat mich Andreas Kollender mit seinem Roman neugierig gemacht..


Profile Image for Claudia Stückner.
635 reviews5 followers
January 9, 2021
"Krankheit akzeptieren heißt, sie als ein Mosaiksteinchen in einem großen Ganzen zu sehen." (Ebo Rau)
Badenweiler im Sommer 1900, wird für Schriftsteller und Kriegsreporter Stephan Crane zum letzten Ausweg seiner Tuberkulose Erkrankung. Längst haben ihn alle anderen Ärzte aufgegeben, weshalb er zusammen mit seiner Frau Cora und Nichte Helen in das Sanatorium nach Badenweiler reist, das für seinen guten Ruf bekannt ist. Dort soll ihn die junge Krankenschwester Elisabeth pflegen, die eine große Liebhaberin seiner Bücher ist. In seinem Fieberwahn erzählt Crane Elisabeth aus seinem Leben, seinen Liebschaften und den Erlebnissen als Kriegsreporter. Währenddessen wird Elisabeths Zuneigung zu Crane immer stärker, in ihm erkennt sie das erste Mal, was wahre Liebe ist. Nach und nach wird ihr Vertrauen zu dem doch recht unbekannten Mann immer stärker und sie offenbart ihm ihre sogar ihr größtes Geheimnis.

Meine Meinung:
In "Mr.Crane" gelingt es dem Autor auf wundersame, extravagante Weise das Leben des viel zu früh verstorbenen Schriftsteller darzustellen. Während auf der einen Seite ein todkranker Mann steht, stellt er hier eine revolutionäre, ungehorsame Krankenschwester, die voll Hunger nach Anerkennung, Liebe und Geborgenheit ist. Eine recht eigenwillige Liebe verbindet die beiden, obwohl sie wissen, dass ihnen sehr wahrscheinlich nur noch wenige Tage bleiben werden. Umso intensiver beschreibt hier Andreas Kollender den kranken Stephan Crane, der in seinem Fieberwahn manches aus dem Nähkästchen plaudert, bei dem man nicht so recht weiß, sind sie nun wahr oder nur einer seiner vielen erfundenen Geschichten. Aus einer unheimlich schnellen Vertrautheit und Zuneigung zu der durch einen Unfall gezeichneten Elisabeth wird sehr schnell eine innige, intensive Liebe. Die dadurch entstehenden zwei erotischen Szenen haben mich weniger gestört als viel mehr verwirrt. Besonders die Dreistigkeit und der Egoismus, mit dem Elisabeth diese einfordert, sie kommt mir mitunter vor wie dem Liebeswahn verfallen. Da ich selbst diesen Beruf ausgeübt habe, konnte ich manche Reaktion Elisabeths so gar nicht verstehen. Besonders da man ja eigentlich keine Beziehung zu seinem Patienten haben sollte. Doch dem Autor scheint dies hier nicht wichtig zu sein. Den er möchte hier eher eine Elisabeth darstellen, die durch die Begegnung Cranes zur Rebellin wird und ihr eigenes Leben, Liebe und Ehe hinterfragt. So wirkt dieses Buch für mich stellenweise recht verwirrend und nicht nur wie ein Bericht über Stephan Crane, sondern eher als eine Art Emanzipation von Schwester Elisabeth. Wie sie jedoch teils mit ihren Mitmenschen umgeht, hat mich doch mitunter nicht nur überrascht, sondern sogar gestört. Deshalb sollte man das Buch auch nicht allzu kritisch sehen. Man muss schon recht intensiv bei Lesen dabei sein, sonst verliert man sich recht schnell in dieser Geschichte. Besonders da Cranes Erinnerungen schon recht kompakt und verwirrend dargestellt werden. Was jedoch wiederum sehr gut zu seiner Krankheit und dem Fieber passt. Dass die Tuberkulose im Jahr 1900 eine schreckliche Krankheit war, das spiegelt der Autor hier allerdings wirklich bemerkenswert wider. Selbst wenn ich etwas anderes von der Geschichte erwartet hatte, ist es doch ein gutes literarisches Werk, das Andreas Kollender hier darstellt. Darum gibt es von mir 4 von 5 Sterne dafür.
Profile Image for Helena.
159 reviews11 followers
November 22, 2020
Elisabeth, deren eine Gesichtshälfte aufgrund eines Feuerunglücks entstellt ist, arbeitet als Krankenschwester im Tuberkulose-Sanatorium Badenweiler, wo einst Anton Tschechow Patient war. Im Sommer 1900 reist ein weiterer prominenter Schriftsteller im fortgeschrittenen Tuberkulosestadium ein: Stephen Crane. Elisabeth, die alle seine Bücher gelesen hat, fühlt eine große Verbundenheit zu dem Patienten, die dieser auch vom ersten Augenblick an erwidert. Acht intensive Tage folgen… Vierzehn Jahre später, Elisabeth ist mittlerweile Oberschwester, wird ein junger Soldat mit schweren Verletzungen in das Sanatorium gebracht. Er soll wieder gesund gepflegt und an die Front geschickt werden. Doch Elisabeth versucht dies um jeden Preis zu verhindern…

Der Roman „Mr. Crane“ kommt in einer edlen Qualität daher: fester Einband mit Lesebändchen, auf dem Schutzumschlag ist ein Bild des Schriftstellers zu sehen, im Hintergrund sieht man das Profil einer Frau. Auch der Klappentext ist vielversprechend und macht neugierig. Ich lese gerne Romane, in denen reale Personen fiktional verarbeitet werden. Leider war der Roman ganz anders als ich erwartet habe. Ich habe intensive Gespräche zwischen Stephen Crane und Elisabeth erwartet. Eine geistige Verbindung wie sie nur zwischen zwei Menschen, die von Leid gezeichnet sind, entstehen kann. Statt dessen spielt sich bei den beiden die Annäherung hauptsächlich auf der körperlichen Ebene ab. Ungeachtet dessen, dass sich Mr. Crane im Endstadium seiner Tuberkulosekrankheit befindet und somit extrem schwach und außerdem auch äußerst ansteckend ist, kopuliert er mit Elisabeth wann er nur kann. Elisabeths Verhalten ist sogar noch unverständlicher und gewissenloser: Sie weiß, dass sie ihn schwächt, rüttelt ihn oftmals aus dem Schlaf, damit er eine seiner Geschichten zu Ende erzählt und ‚päppelt‘ ihn schließlich mit Whiskey und Zigaretten auf, damit er länger bei Bewusstsein bleibt. Ein besonders schlechtes Gewissen scheint sie deswegen nicht zu haben, „im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“ scheint ihre Devise zu sein. Gegenüber dem Oberarzt wird sie auch noch aufmüpfig, der ihr mit Verständnis begegnet und ihr sogar eine bessere Position anbietet. Sie hätte eigentlich wegen ihrer Unprofessionalität gefeuert werden sollen, stattdessen ist sie ein paar Jahre später Oberkrankenschwester… Ich frage mich, was die Intention des Autors gewesen ist. Zwar hat Mr. Crane ein paar Geschichten aus seinem Leben zum Besten gegeben, aber als Mensch und Schriftsteller ist er mir persönlich nicht näher gekommen. Die ‚Liebesgeschichte‘ zwischen ihm und Elisabeth ging mir weder nah noch fand ich sie in irgendeiner Form überzeugend. Der zweite Erzählstrang ist meiner Meinung nach besser gelungen: Elisabeth rettet ein Menschenleben, als Wiedergutmachung ihrer Schuld Mr. Crane gegenüber (so meine persönliche Interpretation).

Als Fazit halte ich fest, dass es sich bei „Mr. Crane“ um eine abstruse, wenig überzeugende Geschichte handelt, dem der abgehackte Erzählstil und die oftmals aneinander vorbeiredenden Figuren zusätzlich geschadet haben.
Profile Image for Luisa.
283 reviews
December 5, 2020
Mr. Crane also: eines der großen Talente der amerikanischen Literatur, sehr früh mit Ende 20 an TB verstorben. Doch wer nun ein Psychogramm des Autors am Ende seines Lebens erwartet, wird sich wundern. Eigentlich müsste der Roman vielmehr „Schwester Elisabeth“ heißen, denn nicht Mr. Crane, sondern die Entwicklung und Entfaltung der ihn 1900 in Badenweiler pflegenden Krankenschwester steht im Zentrum dieses sprachlich sehr wunderbaren Romans.

Während des auf zwei Zeitebenen erzählten Geschehens durchlebt Schwester Elisabeth nochmals die für sie alles definierenden Tage im Sommer 1900, die sie zu der Figur werden lassen, die sie am Ende des Buches ist. Auch wenn der Roman vermutlich keinen feministischen Ansatz verfolgt: am Ende des Tages setzt er ein Ausrufezeichen hinter die Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Frau. Irritierenderweise geht dieser Effekt auf Kosten der Protagonistin, die man zu Anfang der Geschichte als sympathische, fürsorgliche und etwas einsame Pflegerin wahrnimmt und am Ende als manipulativen und egozentrischen Charakter erkennt, die auf ihrem Weg den berühmten Autor zu einem Objekt ihrer Bedürfnisse macht. Diese Art der negativ verlaufenden Sympathielenkung findet man nicht häufig, sie ist hier der schonungslosen, ungefilterten Innensicht auf Elisabeths Gedanken und Emotionen geschuldet, auf ihr zielgerichtetes Vorgehen, ihre eigenen Wünsche erfüllt zu sehen. Unbequem wird Elisabeth als Figur vermutlich für den Leser auch dadurch, dass sie im Kontext ihrer Zeit „unangepasst“ wirkt und sich in ihrer Figur eine Vertauschung der Geschlechterrollen anbahnt. Während Crane immer schwächer und abhängiger wird, wird sie dominanter und rücksichtsloser in ihrem Handeln. Auch wenn Elisabeth also nicht meine Gunst erlangt, so ist sie als Figur sehr gut konzipiert.

Schwierigkeiten bereitete mir der obsessive Charakter der Beziehung zwischen Crane und Elisabeth. Ich mag dieses Verhältnis nicht als „Liebe“ bezeichnen, dazu war mir das Verhältnis zu „oversexed“. Sicherlich macht dieser Fokus Sinn, wenn es um die Idee einer Befreiung aus einer restriktiven Gesellschaft und Normenwelt geht, aber gestört hat es mich in dem Ausmaß den es hier einnahm dennoch – aber das ist selbstverständlich Geschmackssache.

Die wundervolle Sprache des Romans, die sehr gelungen und sinnvoll platzierten Bilder, haben mich jedoch begeistert und durch den Text getragen. Wortwahl und Stil haben mich von Anfang an in ihren Bann geschlagen. Was die Art des Schreibens angeht, gehört der Roman zu meinen Lieblingsbüchern in diesem Jahr – aber leider konnte die Story mich nicht ganz so abholen.
390 reviews
November 14, 2020
Der Schriftsteller Stephen Crane ist an Tuberkulose erkrankt und kommt im Jahr 1900 in ein Sanatorium. Dort trifft er auf die junge Schwester Elisabeth zu der er schnell eine Beziehung aufbaut.

Vorab: Selten hat mich ein Buch so irritiert. Einerseits ist da der Schreibstil, der auf mich manchmal sehr verworren wirkte, zum anderen war es mir manchmal kaum möglich dem Gesagten zu folgen. Vor allem der kranke Crane, der in Zeiten und Situationen munter umher hüpft, hatte es mir und auch der Schwester Elisabeth nicht leicht gemacht. Doch auch ihr Verhalten hat mich nicht selten irritiert. Wie kann eine gut ausgebildete Schwester, die weiß wie Tuberkulose übertragen wird und was sie mit dem menschlichen Körper anstellt, solche Risiken eingehen (von gesellschaftlichen Folgen mal abgesehen)? Ja, es gab eine gewisse Verbindung zwischen den beiden, aber ist es diese wert alles zu verlieren? Für mich eine klare Sache – nein! Auch wenn Crane ein netter Mensch zu sein schien, so hat er auch einige Schwierigkeiten fernab der Erkrankung, die ihn Tag für Tag mehr schwächt. Elisabeth, die ebenfalls so manche Schwierigkeiten zu bewältigen hat, war mir anfangs sympathisch, doch das legte sich mit der Zeit, denn ihre Handlungen waren einfach zu wenig nachvollziehbar.
Und trotz aller Kritik habe ich das Buch dennoch recht schnell gelesen und wollte wissen, was genau da vor sich geht. Schnell gelesen, obwohl ich es teils sehr langatmig fand und genau das ist auch ein Aspekt, der mich einfach nur irritiert, denn gewöhnlich komme ich bei langatmigen Büchern kaum voran.
Gelungen fand ich die zweite Zeitebene, die die Ereignisse um Crane wieder in den Vordergrund rückten und erklärten, warum Elisabeth 14 Jahre später so und nicht anders bei ihrem neuen Patienten handelte. Die Geschichte um den neuen Patienten fand ich auch ganz gelungen – nur war sie gar nicht sooo elementar.
Gelungen sind weiter die eingestreuten historischen Fakten und die Aspekte über den Krieg oder Kriech, wie Elisabeth sagt, der allgegenwärtig ist und kritisch betrachtet wird.

Das Buch ist aus meiner Sicht bestenfalls mittelmäßig und wirklich empfehlen kann ich es nicht.
Profile Image for Wal.li.
2,581 reviews75 followers
December 30, 2020
Schwester Elisabeth

Aus Hamburg kam Schwester Elisabeth an die Lungenklinik in Badenweiler. Hauptsächlich Patienten, die unter Tuberkulose leiden, werden dort behandelt. Für viele der Patienten ist es allerdings schon zu spät. Im Sommer des Jahre 1900 erreicht der bekannte amerikanische Schriftsteller Mr. Stephen Crane die Klinik. Ihm geht es sehr schlecht. Schwester Elisabeth kennt seine Bücher und Geschichten. Die Werke könnten direkt für sie geschrieben worden sein. Schwester Elisabeth übernimmt die Pflege Cranes, er soll der Patient sein, der die Krankheit übersteht. Während Elisabeths Schichten führen die beiden intensive Gespräche über das Leben des Autors und auch die Krankenschwester hat etwas zu erzählen.

Schon mit den ersten Sätzen werden die Figuren der Schwester Elisabeth und Stephen Crane sehr lebendig. Die schwere Krankheit ist immer gegenwärtig. Der Schriftsteller ringt mit dem Tod. Und doch erscheint er der Krankenschwester wie eine Offenbarung. Crane scheint in ihre Seele zu blicken. Ihre kleine körperliche Beeinträchtigung nimmt er kaum wahr. Und so kann Elisabeth sich öffnen und von ihren Träumen erzählen. Sie möchte eine moderne Frau sein. Ihre Tante in Amerika könnte ein Vorbild sein. Vielleicht könnte sie auch Ärztin werden. Vielleicht könnte Crane ihre Rettung sein, wenn er die Krankheit übersteht.

Aus humorvollen und hintergründig witzigen Dialogen ergeben sich große Teile der Handlung. Und so fühlt man sich gleich ins Geschehen eingebunden. Als hätte Crane geahnt, dass er nicht viel Zeit haben würde, hat er sein Leben mit Geschichten gefüllt. Und in Schwester Elisabeth hat er eine Zuhörerin, die jedes seiner Worte aufsaugt. Sowohl die Krankenschwester als auch der Schriftsteller sind sehr vielschichtige Persönlichkeiten, die in ihrer Zeit herausragten. Und in dem Roman gibt es noch etliches mehr zu entdecken. Zwar kommt einem Schwester Elisabeth manchmal etwas radikal vor, aber sie hat auch die Fähigkeit zu versöhnen. Dieser Roman gefällt durch seine Modernität und seinen lockeren Tonfall. Gleichzeitig lernt man einen Schriftsteller kennen, der heutzutage wohl nicht mehr ganz so bekannt ist.
343 reviews5 followers
November 18, 2020
Ein toller Roman, im 19. Jahrhundert angesiedelt. Spannend wie ein Krimi und sehr informativ. Vor allem besticht auch das Lokalkolorit - das Krankenhaus Badenweiler, Schwarzwald. Über eine ungewöhnliche Beziehung und die Selbsterforschung einer jungen Frau, die lernt, ihrem eigenen Kopf zu folgen und sich von falschen Vorstellungen zu befreien. 25. September 1914, in diesem Sommer wird der Schriftsteller Stephen Crane im Tuberkulose-Sanatorium Badenweiler von der jungen Kranken­schwester Elisabeth gepflegt. Sie kennt seine ­Bücher, seit Langem fühlt sie sich ihm seelenverwandt. In den heißen ­Tagen im Sanatorium entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern eine obsessive Liebesbeziehung, die sie vor ­allen geheim halten müssen.
Crane, von Fieber und Delirien befallen, erzählt Elisabeth von seinem Schreiben, seinen Liebschaften und seinen Erlebnissen als Kriegsberichterstatter. Mitgerissen und ermuntert durch Cranes Erzählungen wagt Elisabeth endlich, ihm das ­große Geheimnis ihres Lebens zu offenbaren.
Andreas Kollender gelingt es in „Mr. ­Crane“ meisterhaft, das Wesen dieses viel zu früh verstorbenen Genies ­heraufzubeschwören. An dessen Seite steht die rebellische Krankenschwester Elisabeth. Eine ­aufregende und radikale Liebe verbindet die beiden. Doch ihnen bleiben gerade einmal acht gemeinsame Tage. Acht Tage, wie man sie ­intensiver nicht erleben könnte. Psychogramm zweier Menschen, die durch Zufall aufeinander treffen und miteinander auskommen müssen. Beeindruckend.Verschachtelt, komplex und intelligent zugleich, ist Kollenders Buch gewiss keine leichte Kost. Aber es belohnt durch poetischen, kraftvollen Stil und eine großartige Geschichte. Die Sprache des Autors entwickelt eine unglaubliche Sogwirkung, augenblicklich ist man gefangen in seiner Geschichte. Ein Roman über ein aufregendes Leben. Spannend und hintergründig, ein großartiges Werk von unwiderstehlicher Faszination.

Profile Image for Lena.
53 reviews2 followers
December 15, 2020
*Rezensionsexemplar*

"Vielleicht seien das die einzigen Worte, die sich wirklich lohnen, hatte Mr.Crane gesagt, die, die wir uns kaum auszusprechen wagen."



In einem Tuberkulose-Sanatorium pflegt eine junge Krankenschwester namens Elisabeth den Schriftsteller Stephen Crane. In seinen Delirien und im Fieberwahn erzählt er ihr immer wieder von seinen Erlebnissen. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine obsessive Liebesbeziehung, die sie vor allen geheim halten müssen.



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Die Geschichte von Elisabeth und Mr.Crane hat mich sehr fasziniert. Während dem Lesen wurden bei mir etliche Bilder geweckt, denen gerade auch durch viel Implizites viel Freiheit gelassen wurde. Ich fand den Schreibstil sehr angenehm und kam gut voran.

Das Buch kam mir sehr "aufgeladen" vor, in den heissen Tagen wird die Liebesbeziehung der beiden immer obsessiver, immer intensiver und die Gefahr, die sie miteinander eingehen immer grösser. Ich fand die Figur von Elisabeth wirklich interessant, da schnell klar wird, dass sie die eigentliche Protagonistin des Werks ist. Ihre Gedankengänge und auch ihr Verhalten ist sehr eigen für eine Frau in der damaligen Zeit, was ich ein spannendes Element finde.

Die Geschichte spielt auf zwei Ebenen und so erinnert sich Elisabeth immer wieder an ihr Verhältnis zu Mr.Crane. Auch das finde ich einen sehr gelungenen Handgriff. Der / die Leser*in erhält dadurch ein Gefühl der Nähe zu der Protagonist, man ist quasi dabei, wenn sie die Ereignisse verarbeitet.

Leider konnte ich trotz allem nicht ganz warm werden mit der Beziehung die Elisabeth und Mr.Crane zueinander führen. Obwohl mir bewusst ist, dass das vom Autor stellenweise sicher so gewollt ist, hat mich die Beziehung und vor allem auch der Umgang Mr.Cranes mit Elisabeth erschrocken. Es war mir oft zu intensiv und zu heftig. Dadurch hatte ich ein weniger grosses Verständnis für die beiden, was ich sehr schade finde.

Mein Kritikpunkt ist natürlich sehr subjektiv und die Tatsache, dass mir die Liebesbeziehung der beiden nicht gefallen hat, liegt vermutlich auch einfach daran, dass ich als junge Frau in einer ganz anderen Zeit lebe. Alles in allem ein gutes Buch, das mir ein paar interessante Stunden bereiten konnte und das ich sehr gerne weiterempfehle. An alldiejenigen, die sich für das Entdecken einer solche Liebesbeziehung bereit fühlen natürlich.
Profile Image for yellowdog.
860 reviews
November 7, 2020

Eigenwillig und leidenschaftlich

Im deutschen Sanatorium Badenweiler war einst Tschechow zur Behandlung und auch der amerikanische Schriftsteller Stephen Crane.

Andreas Kollender wählt für seinen Roman 2 Erzählzeiten, die sich kapitelweise abwechseln. 1900, als sich die Krankenschwester Elisabeth und Stephen Crane treffen und verlieben.Und 1914, als Elisabeth einen verwundeten Soldaten namens Fischer pflegt und ihm von Mr.Crane erzählt.
So ergänzen sich die Abschnitte gut.

Es gefällt mir auch gut, dass es sich um eigenwillige und leidenschaftliche Figuren handelt.
Die Dialoge zwischen Elisabeth und Crane halte ich sehr gelungen.

Das Buch weckt das Interesse auch mal einen Roman von Stephen Crane zu lesen. Er ist bekannt für Die rote Tapferkeitsmedaille. Ein Klassiker, der auch verfilmt wurde.

Andreas Kollender schreibt gut und er hat auch einen Sinn für Ironie, wenn er immer wieder Zitate aus „Die Frau als Hausärztin“ zwischenschaltet, ein ziemlich altmodisches Nachschlagebuch.

Mr.Crane hingegen kann man trotz des historischen Kontext der modernen Literatur zurechnen.
Profile Image for Kingofmusic.
276 reviews56 followers
January 3, 2021
Ein bildgewaltiges Puzzle

Aus dem Bielefelder Pendragonverlag kommt schon früh im Jahr 2021 ein Lesehighlight!

Andreas Kollender erzählt den Leser:innen in "Mr. Crane" aus den letzten Tagen des Schriftstellers Stephen Crane und verbindet dies mit einer (fiktiven) Lovestory zwischen ihm und der Krankenschwester Elisabeth. An die Tage mit Stephen Crane erinnert sich Elisabeth parallel zu einem zweiten Erzählstrang, der 14 Jahre später in Zeiten des Ersten Weltkriegs angesiedelt ist. Dabei erfährt die geneigte Leserschaft erst nach und nach aus dem Leben von Stephen Crane.

Andreas Kollender lässt den Autor von "Die rote Tapferkeitsmedaille" teilweise sehr wirr und (gewollt) zusammenhanglos aus seinem Leben erzählen; dies ist aber angesichts des nahen Todes (Stephen Crane hatte Tuberkulose) ein durchaus interessanter Erzählansatz, der die Dramatik (erfolgreich) erhöht - entwickelt die Geschichte doch von relativ Anfang an einen Sog, dem sich die geneigte Leserschaft kaum entziehen kann.

Die lustvollen Passagen zwischen Stephen Crane und Schwester Elisabeth muten zunächst etwas seltsam an und sind bestimmt auch nicht Jedermanns Sache; sie machen aber recht deutlich, dass sich hier zwei gesucht und gefunden haben und sind auch geschickt "platziert". Den Beschreibungen nach muss Mr. Crane scheinbar ein ziemlicher "Frauenheld" gewesen sein...

Sehr deutlich kommt meiner Meinung nach in der Erzählung Stephen Cranes und somit auch Andreas Kollenders (kritische) Stimme zum Thema "Fotos von Menschen in unmittelbarer Nähe des Todes oder im direkten Anschluss" durch - damals wie heute ein ethisch und moralisch hoch emotionales und fragwürdiges Thema.

Viel Raum gibt Andreas Kollender in seinem Roman auch dem Spiel von Licht und Schatten, was ihm äußerst gut zu Gesicht steht. Überhaupt ist die Sprache sehr poetisch und bildhaft und als Leser:in muss man schon öfter etwas genauer und langsamer lesen, um die Botschaft dahinter zu "erkennen". Das sorgt jedoch nicht für einen Abbruch des Leseflusses; im Gegenteil.

Wie oben bereits erwähnt, ist "Mr. Crane" ein frühes Highlight im Jahr 2021 für mich und vergebe deshalb 5* und eine absolute Leseempfehlung!

© kingofmusic
Displaying 1 - 12 of 12 reviews

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