Eine bisher unbekannte Seite des Nobelpreisträgers Ivo Andric: Texte über die Schlaflosigkeit, das Altern und die Vergänglichkeit, herausgegeben von Michael Martens
„Hat noch wer die Welt so geliebt wie ich?“ Sein ganzes Erwachsenenleben lang hat sich der Jahrhundertschriftsteller Ivo Andric, weltweit gelesen und ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur für seine historischen Romane, Notizen gemacht – Alltagsbeobachtungen, Reiseeindrücke, Charakterbilder, lakonische Kürzestgeschichten. Zu den schonungslosesten, erschütterndsten, intimsten Texten zählen jene, die sich mit der Schlaflosigkeit, dem Altern, der Vergänglichkeit beschäftigen. Pralle Lebenslust gemischt mit Franz Kafka und Edgar Allan Poe, so lässt sich dieses großartige Buch charakterisieren, das der Andric-Biograf Michael Martens zusammengestellt hat.
Ivo Andrić (Serbian Cyrillic: Иво Андрић; born Ivan Andrić) was a Yugoslav novelist, poet and short story writer who won the Nobel Prize in Literature in 1961. His writings dealt mainly with life in his native Bosnia under Ottoman rule. Born in Travnik in Austria-Hungary, modern-day Bosnia and Herzegovina, Andrić attended high school in Sarajevo, where he became an active member of several South Slav national youth organizations. Following the assassination of Archduke of Austria Franz Ferdinand in June 1914, Andrić was arrested and imprisoned by the Austro-Hungarian police, who suspected his involvement in the plot. As the authorities were unable to build a strong case against him, he spent much of the war under house arrest, only being released following a general amnesty for such cases in July 1917. After the war, he studied South Slavic history and literature at universities in Zagreb and Graz, eventually attaining his PhD. in Graz in 1924. He worked in the diplomatic service of the Kingdom of Yugoslavia from 1920 to 1923 and again from 1924 to 1941. In 1939, he became Yugoslavia's ambassador to Germany, but his tenure ended in April 1941 with the German-led invasion of his country. Shortly after the invasion, Andrić returned to German-occupied Belgrade. He lived quietly in a friend's apartment for the duration of World War II, in conditions likened by some biographers to house arrest, and wrote some of his most important works, including Na Drini ćuprija (The Bridge on the Drina). Following the war, Andrić was named to a number of ceremonial posts in Yugoslavia, which had since come under communist rule. In 1961, the Nobel Committee awarded him the Nobel Prize in Literature, selecting him over writers such as J.R.R. Tolkien, Robert Frost, John Steinbeck and E.M. Forster. The Committee cited "the epic force with which he ... traced themes and depicted human destinies drawn from his country's history". Afterwards, Andrić's works found an international audience and were translated into a number of languages. In subsequent years, he received a number of awards in his native country. Andrić's health declined substantially in late 1974 and he died in Belgrade the following March. In the years following Andrić's death, the Belgrade apartment where he spent much of World War II was converted into a museum and a nearby street corner was named in his honour. A number of other cities in the former Yugoslavia also have streets bearing his name. In 2012, filmmaker Emir Kusturica began construction of an ethno-town in eastern Bosnia that is named after Andrić. As Yugoslavia's only Nobel Prize-winning writer, Andrić was well known and respected in his native country during his lifetime. In Bosnia and Herzegovina, beginning in the 1950s and continuing past the breakup of Yugoslavia, his works have been disparaged by Bosniak literary critics for their supposed anti-Muslim bias. In Croatia, his works had occasionally been blacklisted following Yugoslavia's dissolution in the 1990s, but were rehabilitated by the literary community. He is highly regarded in Serbia for his contributions to Serbian literature.
Dieses Werk versammelt Aphorismen zum Thema Schlaf aus den Tagebüchern des Autors. Auch wenn einige Passagen zum Nachdenken anregen halte ich es eher für Betrug am Leser, dies als vom Autor gewollte Auswahl anzupreisen (die Wahrheit findet sich kleingedruckt im inneren des Buches, während der Klappentext etwas anderes suggeriert. Insgesamt vielleicht eine nette Lektüre für schlaflose aber etwas, was dem Autor in keiner Form gerecht wird.
Insomnia – Nachtgedanken ist eine Sammlung von Notizen, Aphorismen, Tagebucheinträgen etc., die Ivo Andrić in seinen von Schlaflosigkeit geplagten Nächten verfasste. Davon gab es reichlich, denn das Problem verfolgte ihn sein Leben lang. Es geht dabei überwiegend um die schlaflosen Nächte an sich, aber auch Themen wie das Altern, das Schreiben und Kunst im Allgemeinen werden bearbeitet. Es gibt durchaus interessante und faszinierende Gedanken, die Andrić in einem neuen Licht erscheinen lassen. Besonders spannend finde ich seine Bedenken bezüglich der Ungewissheit über die Rezeption eines Werkes nach Veröffentlichung. Er beklagt die Machtlosigkeit des Autors, wenn es um die unter Umständen falsche oder auch mutwillig boshafte Interpretation seines Werkes geht. Wie sehr er damit recht behalten sollte, zeigte sich in den 1990er-Jahren, als Auszüge seines Schaffens als Legitimation für die brutalen Kriegshandlungen im damaligen Jugoslawien herangezogen wurden. Insgesamt war die Lektüre dennoch sehr zäh, mich haben nur wenige Auszüge tatsächlich begeistert. Wenn ich nicht gerade erst die sehr empfehlenswerte Biografie Im Brand der Welten: Ivo Andrić. Ein europäisches Leben gelesen hätte, so wäre wahrscheinlich keinerlei Bezug zu den Nachtgedanken entstanden. Der Herausgeber und Übersetzer Michael Martens schreibt in seinem Nachwort, man müsse dieses Buch losgelöst von der Biografie des Schriftstellers lesen. Diese sei gar hinderlich, um den anderen, den existenzialistischen Ivo Andrić kennenzulernen. Das überzeugt mich nicht. Ich denke, ich hätte das Buch schnell weggelegt, wenn mein Interesse an der Person nicht so groß wäre.
„Insomnia. Nachtgedanken“ versammelt Aufzeichnungen des jugoslawischen Schriftstellers Ivo Andrić, der unzählige Nächte schreibend durchwacht hat, aus sechs Jahrzehnten über die Schlaflosigkeit, das Altern und die Vergänglichkeit des eigenen Daseins, zusammengestellt und herausgegeben von Michael Martens im Zsolnay Verlag.
Da es sich um Tagebuchnotizen Andrićs handelt, die von ihm selbst vermutlich nicht für eine Veröffentlichung vorgesehen waren, zeigen diese Selbstbetrachtungen und teils Traumszenen einen ehrlichen Einblick in sein Seelenleben – intim und nichts beschönigend. Andrić, schlaflos, während in den finsteren Sälen seiner Gedanken Dramen „ihren Höhepunkt und ihre Auflösung“ finden, setzt sich in diesen einzelnen Textfragmenten mit seinen quälenden Selbstzweifeln, begangenen Verfehlungen, alten und neuen Ängsten und seinem Schamgefühl auseinander. Aber obwohl dies zuerst sehr pessimistisch anmutet, mangelt es nicht an ironischen oder auch hoffnungsvollen Anklängen. So vergleicht er beispielsweise unseren Planeten mit einem Schweinestall und berichtet von einer Sommernacht voller Glück.
Sehr berührt haben mich beim Lesen insbesondere die Notizen über das Fehlen seiner bereits verstorbenen Ehefrau und sein Vergleich von Tod mit Donner. „Ich bin ohne Sie zurückgeblieben wie ohne Atem und Tageslicht. Von dem Tisch, an dem ich frühstücke, scheint mir nur die Hälfte zu existieren, jene, die für mich eingedeckt ist. Auf der anderen Seite, wo Sie sitzen sollten, beginnen der Abgrund und die Finsternis des Lebens ohne Sie. Neben diesem Abgrund muss ich jetzt leben und alles mit ihm teilen.“ „Du weißt, dass es ihn gibt, hast darüber gelesen, oft auch nachgedacht, unbestimmt, ohne Ende und Schlussfolgerung. Manchmal erwähnst du ihn auch im Gespräch oder beim Schreiben, stets weise und ruhig, als wüsstest du alles darüber. Und wenn es dann passiert, dass er in deiner nächsten Umgebung einschlägt und unerwartet jemanden trifft, den du liebst und mit dessen Existenz du dein schönstes Wohlgefallen verbindest, erst dann merkst du, dass du nicht weißt und nie wirklich wusstest, was der Tod ist, und dass du auswendig geredet und geschrieben hast, oberflächlich und leer."
Andrićs Tagebuchnotizen aus schlaflosen Nächten sind wunderschöne literarische Miniaturen – gleichzeitig zart und kraftvoll. Manche Sätze erinnern beinahe an kleine Lebensweisheiten, die ich mir zuhauf markiert habe. Seine Nachtgedanken haben mir gut getan und sehr gut gefallen.
Ich hatte das Gefühl, dass die Zeilen dieses Buches mir aus der Seele gesprochen haben.
Hier einige meiner liebsten Zitate aus diesem Buch:
„Kein Rummelplatz, keine Kirche, kein Theater ist so lebendig und bevölkert wie diese dunklen Stunden, in denen man schlafen sollte. Unter dem grellen Licht des Gewissens und der Erinnerung wimmelt und kriecht ein ganzes Volk umher.“ - „Ich war froh, dass ich nicht einschlafen konnte, da ich fürchtete, dass mein Glück sich mit den Träumen vermischen und bis zum Morgen dahinschwinden könnte. Wachsein bedeutete, es zu hüten und unversehrt in einen neuen Tag zu tragen. Wach zu sein bedeutete, glücklich zu sein. Einzuschlafen, und sei es auch nur für einen Augenblick, bedeutete, einen Augenblick des Glücks zu verlieren.“ - „Hat noch wer die Welt so geliebt wie ich? Nachts, wenn alle schlafen und es höchste Zeit ist, sich zur Ruhe zu legen, bin ich noch unruhig, und bevor ich einschlafe, zucke ich zusammen bei dem Gedanken, dass jetzt jemand, verspätet und allein, durch die Straßen geht, und dass ich ihm begegnen und ihn sehen und mit ihm sprechen könnte. Immer habe ich zu wenig Luft, niemals genügen mir Wasser, Pflanzen und menschliche Gesichter. Meine Kraft verbrauche ich, und die Jugend habe ich verloren, aber Frieden habe ich nie gekannt vor lauter Liebe und Sehnsucht nach der Welt. Nachts, wenn ich müde von allem nach Hause komme, wünschte ich, man möge mir mit kalter und stummer Erde die brennenden Augen und den bitteren Mund bedecken und mich befreien von dem Sehnen, der Unruhe und der Trauer nach Erfüllung. Vor dem Abend, wenn ich an einem Haus hoch oben ein noch von der Sonne beschienenes Fenster sehe, bedaure ich, dass ich nicht dort bin. Mein Herz zieht sich zu-sammen, wenn ich daran denke, dass es irgendwo einen Gipfel gibt, von dem aus ich noch für einige Augenblicke die Sonne sehen könnte, während sie mir hier längst untergegangen ist.“ - „Es gibt herrliche Nächte, in denen alles in uns singt, in denen zu wachen und einzuschlafen süß ist. Seligkeit ohne Worte und Erinnerungen, und das ohne jeglichen äußerlichen Anlass oder Grund. Wie die Ahnung einer Existenz, friedlich und himmlisch, vor oder nach diesem Leben.“ - „Es gibt einen Gedanken, der für sich genommen schrecklich ist, in dem sich aber vielleicht auch Trost für alle und eine Lösung für alles finden ließe. Und das ist: Vielleicht ist das, wovor wir zittern und was wir mit Furcht und zugeschnürter Kehle als schwersten Schlag und unsere endgültige Niederlage erwarten, längst geschehen. Wir wissen das aber nicht und leiden nun ohne Grund.“ - „Fluch und Schande dieser Welt, das sind die Menschen von geringem Verstand und harten Herzen“ - „Die Schlaflosigkeit ist stumm, und es ist bekannt, dass die übelsten Raubtiere lautlos töten.“
Also finished Insomnia by Ivo Andric last week, a collection of thoughts by the author, who was suffering from often times crippling insomnia, which was really somber and suffocating at times, but is held up by Andric very vulnerable site he offers us here. The thoughts were probably never to be published if the author had a say, but they released them regardless posthumously.