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Sterbewohl

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Was tust du, wenn dein Staat dich im Rentenalter auffordert, eine Sterbepille zu schlucken, damit du der Allgemeinheit nicht zur Last fällst?
Sagst du Nein und erträgst die Repressalien? Fliehst du ins Ausland? Versuchst du die Schweinerei öffentlich anzuprangern? Oder schluckst du das Gift?

Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten.
Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

220 pages, ebook

Published November 3, 2020

29 people want to read

About the author

Olivia Monti

13 books8 followers
Phd: European University Institute, Florence, Italy, law. Writer. Present domicile Zürich, Switzerland. Monti is my pen name. Real name is Olivia Kleinknecht.

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Displaying 1 - 29 of 36 reviews
Profile Image for ❀ Tina ❀.
806 reviews181 followers
January 19, 2021
#oliviamontisterbewohl #NetGalleyDE

Ich war nach dem lesen des Klappentextes direkt an diese Geschichte interessiert. Es klang neu, erfrischend und nach aktueller Gesellschaftskritik. Das Buch hält im Großen und Ganzen seine Versprechen.
Normalerweise bin ich eher an Charakterorientierten Geschichten interessiert. Die so gut wie kaum vorhandene Charakterentwicklungen haben mich nicht so sehr gestört, wie es normalerweise der Fall gewesen wäre, da von vornherein klar war, dass die Prämisse und die Idee im Vordergrund stehen.Die Charaktere werden recht oberflächlich beschrieben.
Dieses Buch leidet an dem klassischen, aber immer widerkehrenden Syndrom "too much telling instead of showing". Dies gilt sowohl für die Charaktere, als auch für die Geschichte. Das Zukunftsszenario und wie es zu dieser Gesellschaft kam, wurde leider nur ansatzweise in Rückblenden oder sogar Nebensätzen erklärt. Die Charakterentwicklung und -beschreibungen wirken nicht dynamisch und werden ebenfalls häufig in Anekdoten erzählt. Beides fügt sich, meiner Meinung nach, nicht dynamisch ein.
Das Ende kam mir vor wie ein großer Stilbruch. Der Ton des Buches verändert sich, aufgrund der plötzlich aufkommenden "Actionszenen", vollkommen. Es passte nicht so recht in das zuvor ruhige Bild.
Ich werde dennoch mehr Bücher dieser Autorin austesten.
Trotz all diesen aufgelisteten Kritikpunkten, kann ich jedem nur empfehlen die Geschichte zu lesen. Es ist dennoch eine erfrischende Gesellschaftskritik. Außerdem möchte ich der Autorin ein großes Lob aussprechen, dass sie dieser Altersgruppe, von der Mann in der Fiktion viel zu wenig liest, Gehör und Aufmerksamkeit schenkt! Danke dafür!
Profile Image for Tintenwelten.
811 reviews44 followers
January 8, 2021
Das Deutschland der Zukunft ist nur noch eine Scheindemokratie. Die Regierung hat sogenannte Sterbeseminare eingeführt zu denen der ältere Teil der Bevölkerung in Luxushotels eingeladen wird. Dort erleben sie einen mehrwöchigen Urlaub auf Kosten des Staates. Während ihres Aufenthaltes wird ihnen „Sterbewohl“ schmackhaft gemacht, eine tödliche Pille, die sie einnehmen sollen bevor sie der Gesellschaft oder ihren Angehörigen durch Rentenzahlungen, Erkrankungen oder lediglich Einschränkungen des Alters zur Last fallen. Angeblich ist es eine freiwillige Entscheidung, ob man sein Leben beenden möchte oder nicht. Doch es geht das Gerücht um, dass noch niemand aus diesen Hotels zurückgekehrt ist.

Nadja, Anna, Fred und Max sind in heller Aufregung, denn sie haben den gefürchteten Brief vom Gesundheitsamt bekommen, der sie zu einem solchen Seminar „einlädt“. Alle sind zwar über 65 Jahre alt, aber definitiv noch nicht bereit zum Sterben. Grade Nadja ist eben erst in Rente gegangen und hat noch so einiges vor. Die vier beschließen, dass sie sich keinesfalls freiwillig aus dem Leben zu verabschieden werden.

Die von Olivia Monti erdachte dystopische Welt ist mehr als erschreckend und menschenverachtend, denn sie vertritt das Motto „Wer nichts beiträgt, ist nichts wert“. Das gilt dementsprechend für Kranke, Alte und sogar Arbeitslose. Eine verstörende Vorstellung, die allerdings leider auch irgendwie aktuell ist. Denn durch Corona erheben sich manche Stimmen, die verlauten lassen, es träfe „nur“ die älteren, schwächeren oder sowieso schon kranken Menschen. Das erweckt den Anschein als würde ihr Sterben keinen großen Verlust darstellen. All diese Menschen sind aber auch Großeltern, Eltern, Kinder, Geschwister oder Freunde von irgendjemanden und deren Tod wiegt natürlich schwer... Daher ist für mich schon fast unverständlich, dass sich im Buch niemand gegen diese neue Regelung auflehnt oder sie wirklich hinterfragt. Im Gegenteil: sie findet immer mehr Fürsprecher.

Ich finde die Botschaft des Buchs sehr wichtig: Wann ist Leben lebenswert und wann nicht mehr? Und vor allem: wer darf darüber entscheiden. Jawohl nur der Betroffene selber! Deswegen sind beispielsweise Patientenverfügungen auch so wichtig, denn darin legt jeder selber fest, welche lebensverlängernden Maßnahmen in welcher Situation durchgeführt werden sollen und wann nicht.

Auf der anderen Seite wird natürlich auch die Frage nach Sterbehilfe aufgeworfen.. Ein schwieriges und unangenehmes Thema, das allerdings nicht weniger von Bedeutung ist. Denn auch hier sollte doch gelten: Jeder sollte entscheiden dürfen, dass er schmerzfrei und in Würde gehen darf, wenn für ihn sein Leben nicht mehr lebenswert ist.

Für mich ist „Sterbewohl“ nicht unbedingt der typische Kriminalroman, auch wenn es so draufsteht. Es ist eher eine Dystopie mit Gesellschaftskritik und Elementen des Kriminalromans. Denn die Senioren versuchen die Machenschaften der Sterbehotels aufzudecken und begeben sich dabei in zunehmende Gefahr.

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und mitreißend geschrieben. Man erlebt die Geschehnisse aus Nadjas Sicht, kann ihre Gedankengänge und vor allem ihre Angst sehr gut nachvollziehen. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto haarsträubender wird das Ganze. Sie wird mir garantiert noch lange im Gedächtnis bleiben und ist definitiv sehr lesenswert!
Profile Image for DrunkenCherry.
782 reviews133 followers
January 12, 2021
Der Klappentext zu Sterbewohl klang einfach richtig gut und ich war super neugierig auf das Buch.
Allerdings merkt man recht schnell, dass die Autorin einen sehr einfachen, wenn nicht gar oberflächlichen Schreibstil hat. Das war sehr schade, denn dadurch hatte ich das Gefühl, nur die Rohfassung eines Romans zu lesen.
Die Ausführungen über den Staat und wie er funktioniert hätten viel genauer sein können. Denn ich denke mal, dass alte Leute zum Sterben gezwungen werden, ist nicht das einzig große Ding, das in diesem dystopischen Deutschland schief läuft.
Auch die Personenbeschreibungen waren sehr dürftig. Eine wirkliche Beziehung ließ sich nicht zu den Figuren aufbauen.
Auch verhielten sich die Figuren oftmals sehr seltsam. Hier wird eine kleine Begegnung in einer Kapelle zur flammenden Liebe aufgebauscht und es wird ständig zwischen zutiefst deprimiert und fröhlich beschwingt hin und her geswitcht.
Die Ausführungen über das Sterbehotel fand ich im Grunde echt gut. Aber vieles wiederholte sich, anstatt etwas mehr in die Tiefe zu gehen. Die eigentliche Pille, um die es ging, spielte eine sehr untergeordnete Rolle. Die Wirkung wurde nur kurz angerissen.
Ab hier leichte Spoiler: Warum wird den alten Leuten eine Luxusreise gegönnt, anstatt sie direkt nach der Ankunft im Hotel zusammenzutreiben und abzumurksen? Was ist mit dem seltsamen Todesguru? Warum wird es offen gelassen, warum er so manipulieren konnte und für jeden anders aussah? Zum Schluss blieben leider sehr viele Fragen offen.
Hätte die Autorin sich mehr Zeit für ihre Geschichte genommen und sie richtig ausgearbeitet, hätte hier ein richtig guter Roman bei rauskommen können. So wirkte es etwas halbgar aber dennoch ganz interessant.
Allerdings war der Showdown viel zu schnell vorbei und der Schluss danach viel zu lang.
Auch habe ich die seltsame Formatierung des Textes nicht verstanden. Die vielen Absätze hatten keinerlei Sinn.
Fazit: Sterbewohl hätte mehr sein können, bietet aber einen interessanten Ansatz. Könnte ich mir irgendwie sehr gut als Abendfilm in der ARD vorstellen.
Profile Image for Lesebegeistert_.
437 reviews14 followers
February 1, 2021
Hach ich weiß nicht. Schlecht war’s nicht & auch interessant und originell. Die Idee war wirklich gut. Dennoch war es mir persönlich zu stumpf und oberflächlich geschrieben. Das ist leider nicht so meins. Es kam mir vor als hätte die Autorin einen klaren Plan, wo die Geschichte hin soll & dann wurde einfach drauf los geschrieben. Ein bisschen als wäre es eine Rohfassung... Die Spannung war mäßig vorhanden, mal mehr mal weniger. Ich kam eher schleppend voran... trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt & hab mich auch nicht gelangweilt.

Die Charaktere waren anfangs sehr farblos, wurden für mich aber nach einiger Zeit zum Glück greifbarer. Ab der Hälfte mochte ich sie sogar echt gern und man konnte gut mitfiebern. Besonders Marwa und Fred haben sich in mein Herz geschlichen. Generell fand ich es super mal Charaktere im Rentner-Alter zu begleiten.
Trotz meiner Kritik hatte die Geschichte etwas, wodurch man wahrscheinlich noch länger drüber nachdenken wird. Das Szenario ist gar nicht so weit entfernt und auch echt nicht unrealistisch. Das war tatsächlich beängstigend.
Das Setting war okay. Nicht besonders eindringlich, aber darum ging es auch nicht, es kamen leichte See-Vibes rüber...
Insgesamt ein ganz netter Read für zwischendurch mit einer sehr interessanten Thematik, mal was anderes - aber da hätte die Autorin definitiv noch mehr draus machen können. Ich hätte mir ein bisschen mehr Tiefe gewünscht, denn das hätte das Thema wirklich hergegeben. Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein guter Krimi für Leute ist, die es gern schlicht mögen. Meinen Geschmack hat „Sterbewohl“ leider nicht ganz treffen können, aber Potential sehe ich in der Story definitiv.
Noch 3/5⭐️
151 reviews2 followers
October 6, 2021
"Ich bin noch zu jung zum Sterben" - dieser Satz begegnet dem Leser im Buch immer wieder. Und er ist so nachvollziehbar!

Deutschland ist nicht (mehr) das Land, welches wir heute kennen. Es ist eine Diktatur unter Führung der BP - der Bürgerpartei. Allein die Wahl dieses Namens ist schon irgendwie makaber, denn Bürger sind offenbar nur jene, die etwas für die Gemeinschaft tun – also Geld verdienen. Alle anderen sind Ballast und Schmarotzer und sollen sterben - allen voran die Rentner! Dass diese jahrelang für den Staat geschuftet haben, ist völlig unerheblich; ihre Renten kosten den Staat Geld - viel Geld - und genau das soll verhindert werden.

Zu diesem Zwecke gibt es diverse Sterbehotels auf Fehmarn und Menschen die in Rente gehen, erhalten eine entsprechende "Einladung" um sich dort in sogenannten Sterbeseminaren davon überzeugen zu lassen, welchen Vorteil ihr Tod für die Gemeinschaft hat. Der Einladung zu folgen und die Entscheidung mithilfe von Sterbewohl aus der Gemeinschaft auszuscheiden ist freiwillig, heißt es. Wie aber kann es dann sein, dass niemand, der in ein solches Sterbehotel fuhr, wieder nach Hause kommt? Und warum schlägt niemand die Einladung aus?

Die Geschichte wird aus Nadjas Perspektive in der Ich-Form erzählt, die dafür sorgt, dass die Distanz des Lesers deutlich verkürzt wird. Zunächst erfährt der Leser, dass eine pensionierte Lehrerin, die schon ihr ganzes Leben ein ängstlicher Mensch gewesen ist, sich nun mit dem eigenen Alter konfrontiert sieht. Soweit nichts ungewöhnliches mit 65 und der Aussicht, dass sich das Leben nach der Pensionierung radikal ändern wird. Doch dann bekommt Nadja ihren Brief vom Gesundheitsamt – und nicht nur sie. Spätestens hier wird es beklemmend, denn all die Dinge, die Nadja erzählt, erinnern einen an die Zeit im dritten Reich. Was ich hierbei als wirklich bedrückend empfunden habe, ist der Umstand, dass die Autorin aktuelle Probleme, die wir aus den täglichen Nachrichten kennen, mit den Handlungsweisen im dritten Reich vermischt und so eine Szenerie erschafft, die irgendwie gar nicht so unmöglich erscheint.

Gemeinsam mit ihren Freunden Max, Fred und Anna, die im gleichen Haus wie sie wohnen, und einer befreundeten Journalistin – Marwa – checkt sie im Hotel Paradies ein. Was ihnen dort widerfährt, ist schier unglaublich und wiegt schwer beim Leser. Das Böse wird unter einem schönen Schein verborgen und doch kann dieser Schein das Schreckliche nicht gänzlich verschwinden lassen. Ich empfand die gesamte Erzählung als überaus unheilvoll und auch wenn die Autorin es nicht erwähnt hätte, sind die Parallelen zur Vergangenheit einfach unübersehbar. Ich denke, jeder kennt das unbestimmte Gefühl, in der heutigen Zeit immer durchsichtiger, gläserner zu werden und hier zeigt die Autorin fast schon brutal, wie sowas im „Endstadium“ aussehen könnte.

Ein bisschen schade ist es, dass die Protagonisten eher blass bleiben. In der Menge der „Hotelgäste“ gehen sie etwas unter. Sie haben noch nicht einmal Nachnamen. Allerdings bringt das dem Leser auch das Gefühl näher, dass die Menschen nicht mehr als solche gesehen werden, sondern nur noch wie Nummern oder auch wie Vieh betrachtet und behandelt werden. Dennoch hätte mich das Vorleben der Figuren interessiert – vielleicht auch im Zusammenhang damit, wie aus der Demokratie die Diktatur wurde. So kommt man jedoch in eine fertige Szenerie, die zunächst unglaublich wirkt und erst im Laufe der Zeit immer glaubhafter wird, mehr Substanz bekommt.

Obwohl der Einzelne nicht so sehr im Fokus steht, kann die Autorin mittels ihrer Dialoge und dieser latent düsteren Stimmung – die z.B. so gar nicht zur wundervollen Natur vor den Hotelfenstern passen will – sehr große Spannung aufbauen. Mich hat sie jedenfalls ohne Pause in ihrer Geschichte gehalten. Dies schafft sie unter anderem damit, dass sie die Phantasie des Lesers anregt und nicht jedes Detail zeigt. Vielmehr überlässt sie den Leser seinen eigenen Gedanken.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und es gibt keine Längen. Im Hinterkopf stellt sich der Leser unweigerlich Fragen, wie etwas funktionieren kann. Wie kann dieser Tötungsapparat überhaupt durchführbar sein, warum hinterfragt niemand, was passiert? Vieles wird am Ende zumindest erwähnt. Jedoch hatte ich hier ein bisschen das Gefühl, dass es schnell gehen musste und so werden die Auflösungen z.T. nur aufgezählt, aber nicht mehr so spannungsgeladen beschrieben wie der Rest der Geschichte. Wieder andere Details, die aus meiner Sicht jedoch wirklich wichtig gewesen wären, erfährt man gar nicht und so bleibt der Leser am Ende mit seinen eigenen Spekulationen zurück.

Bemerkenswert finde ich, dass in dieser brutalen Welt, die die Autorin zeichnet, fast gänzlich auf wirklich brutale Szenen verzichtet wird. Erst im Showdown kann davon die Rede sein, aber auch hier verliert sich die Autorin nicht in den schmerzhaften Szenen. Ich glaube, genau das macht die Geschichte so zermürbend, aber doch spannend.

Ein Wort zum Cover: Es ist eines der außergewöhnlichen! Während viele Bücher ihrem Genre entsprechend einen gewissen Wiedererkennungswert haben, ist dieses passend zum Inhalt des Buches gestaltet, was mir sehr gut gefällt. Damit fällt es unter den Krimis ganz bestimmt auf.

Fazit:
Den Leser erwartet hier eine sehr spannende Geschichte, die aus meiner Sicht weniger ein Krimi als eine Endzeitstory ist – wobei… Man muss sich wohl auch die Frage stellen, wie unmöglich ist es wirklich, was hier skizziert wird? Abgesehen von den blassen Charakteren hat mir die Geschichte sehr gut gefallen und ich kann sie weiterempfehlen. Für schwache Nerven ist sie allerdings nichts. 4 von 5 Sternen.
Profile Image for Tinstamp.
1,100 reviews
March 14, 2021
Nach "Das Haus" ist "Sterbewohl" mein zweiter Krimi von Olivia Monti. Der Klappenetxt hat mich auch hier sofort angesprochen.

Deutschland in der Zukunft. Der Staat wird schleichend zur Diktatur. Die "Bürgerliche Partei" hat die Macht übernommen. Alte, kranke und arbeitslose Menschen werden als Belastung angesehen. Nach dem Motto "Wer nichts beiträgt, ist nichts wert" sucht der Staat nach einer Lösung, denn das Sozialsystem ist schon lange an seine Grenzen gestoßen. Deswegen sollen diese Menschen die Allgemeinheit nicht belasten und ab einem bestimmten Alter Sterbeseminare besuchen. Ihnen wird die Pille "Sterbewohl" angeboten, um zu vermeiden an Demenz zu erkranken oder ein Pflegefall zu werden. Die Entscheidung sei freiwillig und man kann jederzeit abreisen. Doch warum kennt niemand jemanden, der aus dem Seminar wieder zurückgekommen ist?

Diese Briefe sollten eigentlich erst Menschen ab 80 Jahren erhalten, doch Nadja hat gerade ihre erste Rentenzahlung erhalten, als auch schon eine Einladung zum Sterbeseminar ins Haus flattert. Nadja ist erst 65 und wollte nun endlich ihre Freizeit mit den Dingen verbringen, für die sie früher keine Zeit hatte. Sie ist gesund und fit und soll in zwei Wochen zum Sterbeseminar in einem Luxushotel auf Fehrmann einchecken? Nicht nur Nadja, sondern auch ihre Freunde Anna, Max und Fred, mit denen sie ein Mietshaus teilt, um sich im Alter später gegenseitig zu unterstützen, haben denselben Brief erhalten und alle sind noch weit von den achzig, ja selbst von den siebzig Jahren, entfernt. Ihnen bleibt keine Möglichkeit die Einladung abzulehnen, obwohl sie niemanden kennen, der jemals von diesen Seminaren lebendig zurückgekehrt ist. Und warum sollen sie ein Testament aufsetzen und einen Sachverwalter bestimmen? Nadja und ihre Freunde haben keinerlei Möglichkeiten sich dem Staat zu widersetzen. Sie wissen sie müssen diese Reise antreten - aber sie sind nicht gewillt zu sterben.

Die Autorin hat mit "Sterbewohl" ein Thema aufgegriffen, das schockiert und zum Nachdenken anregt. Das beschriebene Szenario ist erschreckend und menschenverachtend, denn es ist gar nicht allzu weit bis zu der Realität, die Olivia Monti hier erschaffen hat. Schon heute sind Menschen ab Vierzig für den Arbeitsmarkt schwer vermittelbar, obwohl das Rentenalter immer wieder angehoben wird. Hier entsteht für mich eine Diskrepanz. Die unterschwelligen Bemerkungen älteren Arbeitnehmern gegenüber, fallen auch mir immer mehr auf, umso näher ich dem Rentenalter komme.
Aber auch aktive und passive Sterbehilfe sind immer wieder aktuelle Themen. Ferdinand von Schirach hat mit "Gott" dieses Thema erst vor kurzem in seinem neuen Buch aufgegriffen, auch wenn er dieses anders anpackt. Gerade die Differenzierung ist bei diesem Thema sehr schwierig. In Olivia Montis Krimi, den ich lieber Dystopie oder Thriller nennen würde, scheinen die Parallelen zum Dritten Reich immer wieder durch. Haben wir ein Recht gesunde Menschen zu töten? Und wann ist ein Leben lebenswert? Dies sind nur zwei Fragen, die einem beim Lesen immer wieder im Kopf herumschwirren. Der Plot ist genial und der Aufbau, für die nicht gerade vielen Seiten, komplex.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Nadja geschrieben. Die Sätze sind kurz, prägnant und einfach. Die Figuren bleiben leider etwas an der Oberfläche.
Monti versteht es gekonnt Spannung zu erzeugen. Ich musste mich zusammennehmen, um nicht alle meine Fingernägel abzuknabbern, so sehr hat mich das nur 216 Seiten starke Buch gefesselt. Man fiebert förmlich der Auflösung entgegen, die man kaum erwarten kann.
Und diese ist auch das kleine Manko am Buch. Es ist zu kurz und der Showdown kommt etwas zu überhastet. Mehr Seiten und noch etwas mehr an Erklärungen zum Aufbau des Staates und dem System hätten dem Buch gut getan. Man hätte aus diesem genialen Thema noch mehr herausholen können...

Trotz meiner Kritik hatte ich sehr spannende Lesestunden. Das Thema wird noch lange nachhallen und mich zu Diskussionen anregen. Ich empfehle diese Dystopie, die gar nicht so weit entfernt scheint, gerne weiter.

Noch ein Wort zum Cover: Ich finde es einfach genial!

Fazit:
Die Autorin hat ein Thema aufgegriffen, das zum Nachdenken anregt und eine Botschaft trägt. Der Spannungsbogen ist hoch und hat mich das Buch in einem Rutsch durchlesen lassen. Das beklemmende Szenario wurde von der Autorin großartig umgesetzt. Nur das Ende konnte mnich nicht so ganz überzeugen.
Profile Image for Lesezeichenfee.
511 reviews5 followers
November 26, 2020
Ein kleiner Horrortrip

Olivia Monti Sterbewohl Kriminalroman Epubli 2020

Die Autorin Olivia Kleinknecht schreibt hier unter einem Pseudonym. In diesem Buch geht es um Deutschland, das eine Scheindemokratie geworden ist und Menschen ab 65 in Sterbeseminare schicken. Nadja (die in Ich-Form erzählt), Anna, Max und Fred werden in ein Sterbeseminar ins Hotel Paradies auf Fehmarn eingeladen. Fred treibt eine Journalistin auf, Marwa meldet sich selbst dort an.

Ich wollte dieses Buch unbedingt haben. Ein Krimi, der auf Fehmarn spielt und dazu mal ältere Leute, das fand ich gut. Ich mag ja auch Katzenkalender mit „normalen“ Katzen und nicht nur so süße kleine Babykatzen. Dass das Ganze aber in eine völlig andere Richtung driftet, darauf wäre ich jetzt nicht wirklich gekommen, obwohl der Rückentext des Buches ja eigentlich drauf hinweisen könnte. Aber der ist absolut zu harmlos beschrieben.

Das Cover ist sehr, sehr auffällig, wie eine Pillenschachtel gestaltet und insgesamt ist alles stimmig. Mit nur einer Einschränkung, da steht Fehmarn und Hotel Paradies. Es könnte überall spielen, auf einer Insel, die eine Brücke hat, denn Lokalkolorit finde ich, gibt es kaum und der ist mehr so allgemein gehalten. Trotzdem möchte ich dem Cover eine 1 geben.

Also eins kann ich schon mal sagen, wer keine Psychothriller mag, sollte dieses Buch nicht lesen. Das ist etwa so wie bei Shining von Steven King. Dieses Buch könnte erst mal Angst hervorrufen, denn das ganze ist in kurzen Sätzen und Kapiteln geschrieben, so dass es durchaus realistisch wirkt. Erst mal.

Und ich hab auch einen Krimi erwartet, aber das gehört für mich zu dem kompletten Gegenteil von Cosy Crime. Keine Ahnung wie man das nennt, aber ich würde so was wie makabere Zukunftsvision oder Science Fiction angeben.
Wer ist denn die Zielgruppe für dieses Buch? Ich möchte sagen von Teenies bis Senioren gibt es keine Grenzen. Ich finde schon, dass man sich damit auseinandersetzen sollte, soweit es geht.

Für Fehmarn-Fans ist das Buch nicht so gut geeignet, wenn man sich vor Ort auskennt, ist man vom Lokalkolorit enttäuscht. Es könnte überall stattfinden. Angefangen davon, dass sie über die Brücke auf die Insel kommen. Nein, da steht nicht Fehmarnsundbrücke! Da steht nur Brücke. Und dann Burg mit roten (verklinkerten oder Klinker-) Häusern vorbei und so. Es wird dann auch ein Ausflug gemacht, auf die andere Seite, es hört sich an, wie Katharinenhof, wird aber nicht explizit genannt. Makaber ist, wenn ich es richtig verstanden habe, steht das Hotel am Tunneleingang (der Tunnel wird im Buch nicht erwähnt).

Die Charaktere sind gut gezeichnet und ich kann sie mir vorstellen. Auch wenn ich mir ab und an gewünscht hätte, dass Anna, Max, Fred oder Marwa auch mal zu Wort gekommen wären. Trotzdem gefällt mir Nadja in der Ich-Erzählform und aus ihrer Perspektive.

Es gibt da ein paar unplausible Sachen.
- Fehmaraner würden ihre Insel nicht freiwillig verlassen und Urlauber würden sich die Insel auch nicht auf Dauer wegnehmen lassen
- Es fahren nur Busse auf der Straße B 207 / E 47. Von den Hotels und zu den Hotels, die Urlauber bringen keine Privat-PKW. Es kommen auch keine LKW, die Essen und Trinken auf die Insel bringen.
- Jede Stunde fährt ein Schiff von Puttgarden nach Rödby. Warum, wenn doch niemand auf die Insel kommt, soweit und da rüber fahren kann?

Mein – Lesezeichenfees – Fazit:
Es ist ein Buch, das man nie vergisst. Davon bin ich überzeugt, denn es ist sehr erschreckend und das was Deutschland geschichtlich schon erlebt hat, da wäre so etwas ganz sicher vorstellbar. Eine Horrorvision. Shining hab ich damals 3 Sterne gegeben. Und von daher finde ich die Bewertung dafür angemessen. Ich mein, es ist ja schon ein Kompliment von mir, Sterbewohl mit Shining auf eine Stufe zu stellen. Genauso gut könnte ich 4 Sterne geben. Es fällt mir schwer, dieses Buch zu bewerten. Eins ist sicher, diese Autorin sollte man sich unbedingt merken!

PS: Würde das Buch auf einer fiktiven Insel spielen, die niemand kennt, (hätte ich es wahrscheinlich nicht gelesen,) aber wenn, dann hätte ich 5 Sterne gegeben. Denn so gibt es leider einige sachliche und logistische Fehler, die das Lesevergnügen getrübt haben.
Profile Image for Samantha Bolden.
83 reviews2 followers
November 24, 2020
Kurzmeinung: Eine erschütternde Dystopie, die das Blut zum Kochen bringt und einen mit den Zähnen knirschen läßt! Intelligente Gesellschaftskritik!

Brauchen wir nicht mehr, zu teuer - entsorgen! 💀💀💀💀💀💀

Wenn die Falschen in Deutschland an die Macht kämen, eine Demokratie zum Schein aufrechterhalten und die Kassen klamm sind, könnte der eine oder andere sehr zynische Ideen aushecken. Und sie umsetzen wollen.

Jeder bekommt einen Brief, der das 65. Lebensjahr erreicht hat. Sterbeseminare in luxuriösen Hotels und natürlich freiwillig die letale Pille Sterbewohl schlucken, selbstredend um der Allgemeinheit einen pekuniären Dienst durch das vorzeitige Ableben zu ermöglichen.

Anna bekommt ebenfalls solch einen Schrieb. Das Sterbeseminar soll auf Fehmarn stattfinden. Ja, ja, Rentner belasten finanziell den Staat, der fast pleite ist und sollen ( oder müssen??? ) den Kopf hinhalten. Das wird zumindest gewispert.

Die Partei, die regiert bzw. diktiert erinnert an eine ganz gewisse, dessen Kürzel ich hier nicht schreiben will.

Fehmarn ist eine tolle Insel. Aber bekommt sie nicht immer mehr die Konturen eines Totenschädels?

Nadja bekommt auch solch einen Brief und sie ist die Hauptprotagonistin und Icherzählerin des Buches. Dieses Subjektive gibt dem ganzen Geschehen eine unmittelbare emotionale Komponente.

Nadja, Anna, Max und Fred sind nun gemeinsam auf Fehmarn. Nach Kennenlernen im Hotel verschwinden neue Bekanntschaften. Wohin? Sehr mysteriös!

Mortop ist so ein "H" und hat seine Ohren überall.

Viele Senioren arbeiten im Hotel, weil sie weiterleben wollen.

Wird es nicht langsam Zeit zurückzuschlagen? Werden sich Nadja und Co. wehren oder widerstandslos die Tablette schlucken?

Solch eine Dystopie könnte mal real werden, vor allem, wenn man an Typen wie Boris Palmer denkt oder an aktive Sterbehilfe, wo Ältere dazu gedrängt werden könnten, diese "wahrzunehmen". Oder wenn man Leuten ab einem bestimmten Alter diverse Operationen vorenthalten will, weil ja angeblich sinnlos: Die sterben ja eh bald!

Die Historie hat bewiesen, daß eigentlich Undenkbares wahr werden kann. Solche Parteien können nur ans Ruder kommen, wenn die Menschen sich nicht für Politik interessieren oder falsch wählen. Nachdenken. Bitte richtig wählen.

Manchmal schreit man in den Wind hinein. Oder ist der einsame Rufer in der Wüste. ( Aber kein Wüstling! )

Es macht einen fertig, sich solch ein Szenario vorzustellen.

Gesellschafts - und Sozialkritik vermengen sich gekonnt mit ( An ) Spannung. Erschreckend, aber Olivia Monti läßt die Hoffnung zumindest sacht durch die dichten, finsteren Wolken durchbrechen.

Es ist ebenso eine eindringliche Warnung, ohne moralinsauer zu sein, tunlichst die Augen weit geöffnet zu halten, damit es nie so weit kommt.

Profile Image for Wiebke.
689 reviews4 followers
February 22, 2021
Spannende Grundidee

Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten. Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

Bei „Sterbewohl“ von Olivia Monti hat mich erst das Cover neugierig gemacht aber der Klappentext hat mich dann zum Lesen überzeugt. Auch wenn Kriminalroman auf dem Cover steht, würde ich persönlich, das Buch eher dem Genre Dystopie oder Spannungsroman zuordnen. Sterbehilfe ist ein aktuelles Thema. Den Gedanken einfach mal weiter zu spinnen und das Ganze zu einem Angebot der Regierung zu machen, fand ich sehr spannend.
Die Autorin versetzt uns hier in ein Zukunftsdeutschland, welches wie das dritte Reich nur digitaler, anmutet. Die Menschen werden überwacht und kontrolliert. So drohen z.B. Strafen, wenn man sein Handy nicht dabei hat oder ausschaltet. Die Agenturen wissen alles über deinen Lebenslauf, einzelne Wohnungen werden verwanzt und es wird nur noch der Mitbürger geschätzt, der jung ist und noch arbeiten kann. Die Alten werden verachtet und recht schnell zu Sterbeseminaren in Luxushotels eingeladen.
Unsere Protagonisten wollen aber alle noch nicht sterben und sind wirklich skeptisch. Sie begeben sich in das Hotel „Paradies“, um der ganzen Sache auf den Grund zu gehen.
Das Ganze wird aus Sicht von Nadja geschildert. Sie ist mir direkt recht sympathisch gewesen und kam sehr authentisch rüber. Durch diese Perspektive war der Leser immer mittendrin und wusste nur so viel, wie die Figuren. Das hat es interessant gemacht.
Insgesamt fand ich die Umsetzung gekonnt morbide und auch recht zukunftsnah. Manchmal hätte ich mir noch ein wenig mehr Pepp gewünscht und vielleicht noch etwas mehr Tiefgang. Mir hat der letzte Funke gefehlt aber trotzdem hat mir dieses Buch wirklich gut gefallen. Ich lese gerne Dystopien und lasse mich von Zukunftsvisionen gruseln.
Und dazu sieht man hier wieder einmal: Es muss nicht immer ein großer Verlag dahinterstehen. Ich empfehle das Buch gerne weiter.
1,292 reviews2 followers
December 4, 2020
Das Buch handelt von vier WG-Bewohnern und Freunden, die alle über 65 sind und gerade Rente erhalten. Die Geschichte wird von Nadja erzählt, die ihre Rente genießen möchte, nachdem sie als Geundschullehrerin die letzten Jahre viel Stress hatte. Anna war Schwester in einem Altenheim, Max ein Bankmitarbeiter und Fred hat von seinem Vermögen gelebt und musste nicht arbeiten, dies ist im Staat allerdings verpönt. Denn Deutschland ist zur Zeit dieser Geschichte nur noch eine Scheindemokratie, in der nur Leute zählen, die dem Staat Geld einbringen...so hat sich die Regierung ein neues einzigartiges Konzept überlegt. Er lädt Rentner für 14 Tage in ein Luxushotel ein. Dort werden Sterbeseminare veranstaltet und es wird den Leuten schmackhaft gemacht die Pille "Sterbewohl" zu nehmen, die sie friedlich einschlafen lässt. Offiziell ist das einnehmen der Pille freiwillig und die Leute können jederzeit abreisen. Auch die vier Freunde erhalten eine Einladung zu einem Seminar auf der Insel Fehmarn...

Diese Handlung hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen, denn die Geschichte wird sehr realistisch erzählt. Das Buch ist etwas zwischen Krimi und Science-Fiction, beklemmend real dargestellt. Das Buch hält einige Gänsehaut Momente bereit, aber nicht, weil gleich eine Person hinter dem Vorhang hervorspringt, sondern aufgrund der morbiden Grausamkeit, die nach und nach ans Licht kommt. Das Buch ist sehr Gesellschaftskritisch und behandelt Fragen wie "was sind ältere Menschen überhaupt wert, bzw Menschen, die nur Geld machen, aber sonst keinen "Nutzen" haben"? Ab welchem Punkt nehmen die Menschen diese Pille freiwillig und ab wann wird es ihnen eingeredet/aufgezwungen". Welche Methoden werden dazu genutzt?
Das Buch hat mich sehr fasziniert, aber auch erschrocken und wird mir auch noch längere Zeit im Gedächtnis bleiben! Das Ende war mir etwas zu Science-Fiction lastig, das hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber ich empfand es jetzt auch nicht als sehr "Störend" für die insgesamte Geschichte.

Fazit: Das Buch bereitet einem Gänsehaut aufgrund der Geschichte, die genau so passieren könnte! Ausserdem mochte ich die Gesellschaftskritik sehr und das man sich hier wirklich viele Gedanken macht. Ich kann das Buch nur weiter empfehlen und gebe gern die volle Punktzahl.
409 reviews3 followers
November 28, 2020
Ein dystopischer Krimi mit makaberen Inhalt!

"Sterbewohl"von Olivia Monti ist ein dystopischer Kriminalroman mit mässiger Spannung.
Dies hat die Autorin auf dem Cover,was ich unheimlich gelungen finde,schon verraten.
Die Medikamentenpackung in Buchform gefällt mir sehr gut und sie passt hervorragend zum makaberen und erschreckendem Inhalt.

Hier geht es um eine Rentnergruppe ab 65Jahre,die gleichzeitig vom Staat eine Einladung für ein zwei wöchiges Sterbeseminar auf der Insel Fehmarn erhalten.
Obwohl alles ohne Zwang stattfinden soll, wird den Rentnern die Sterbewohl-Pille auf eine äusserst penetrante und hinterhältige Weise schmackhaft gemacht.
Es kommen im scheinheiligen Hotel immer mehr kuriose Vorfälle an den Tag,die vier rüstigen Rentner wollen nicht weg sehen.
Der Staat fordert die alten Menschen auf,der Allgemeinheit nicht zur Last zu fallen.
Aber da hat der Staat sich leider die falschen ins Paradies eingeladen,denn
Nadja,Anna,Max und Fred lassen sich nicht so leicht manipulieren und versuchen,die Schweinerei öffentlich anzuprangern.

Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl freiwillig.
Wie manche munkeln,kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und locker zu lesen,außerdem ist er leicht verständlich.
Auch wenn mässige Spannung angedeutet ist,war der Krimi mir etwas zu "sanft".
Die Handlung war mir zu leicht durchschaubar.
Erst am Ende ist der Spannungsbogen mit einer Wendung etwas angestiegen.
Die Kapitel sind schön kurz und es wird komplett aus Nadjas Sicht erzählt.
Nadja ist eine pensionierte Lehrerin,die ihrem Berufsleben nicht nachtrauert.
Wieso,weshalb,warum wurde sehr gut beschrieben.
Deswegen konnte ich mir Nadja die ganze Zeit sehr gut vorstellen,die restlichen Charaktere dafür umso weniger.
Es wird zwar öfter über ihre Freunde und dessen Handlungen geschrieben,richtig hineinversetzen konnte ich mich in dessen Lage leider gar nicht.
Das Thema des Krimis ist äußerst interessant und regt zum nachdenken an.
Ist Deutschland wirklich nur noch eine Scheindemokratie?

Es gibt einige makabere Stellen,die mir gute Unterhaltung geboten haben.
Die Vergleiche aus der NS-Zeit fand ich hier eher unpassend.
Ich vergebe drei Sterne.
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December 23, 2020
Ein außergewöhnlicher Thriller

Inhalt: Deutschland in naher Zukunft. Wirtschaftskrise und Inflation brachten die „Bürgerpartei“ an die Macht, die die demokratischen Strukturen Deutschlands aushöhlte. Das neueste Sparprogramm der BP: Rentner werden zu Sterbeseminaren nach Fehmarn eingeladen, wo ihnen geraten wird, das Medikament „Sterbewohl“ einzunehmen. Dadurch könne man, so die Idee der BP, Einsparungen in der Rentenkasse vornehmen. Zwar wird betont, die Einnahme von „Sterbewohl“ sei völlig freiwillig, doch Nadja, die gemeinsam mit ihren Freunden zu einem Sterbeseminar eingeladen worden ist, befürchtet Schlimmes.

Persönliche Meinung: „Sterbewohl“ kündigt sich auf dem Cover bescheiden als „Kriminalroman“ an, doch das Buch geht weit über die Grenzen dieser Gattung heraus. Einerseits finden sich besonders im Luxushotel auf Fehmarn Aspekte eines Thrillers: Der Leiter der Sterbeseminare ist suspekt bis offen bedrohlich, mehrmals verschwinden Seminarteilnehmer, das Hotelpersonal nuschelt Seltsames vor sich hin und das Luxushotel ist abgeschottet. Andererseits ist „Sterbewohl“ auch eine Dystopie: Es spielt in naher Zukunft in einem Deutschland, das mit seinen Methoden und Denkweisen an das nationalsozialistische Deutschland erinnert. Dabei ist die Welt glaubhaft und potenziell durchaus möglich, wodurch „Sterbewohl“ auch parabelhafte Strukturen erhält. Auch das Figurenpersonal ist besonders: Die Figuren, die auftreten, sind hauptsächlich bereits im Rentenalter. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive Nadjas, einer 65-jährigen Grundschullehrerin in Rente. Dabei werden häufig Themen angesprochen, die man bei jüngeren Protagonist*innen nicht so häufig findet. Nadja reflektiert über ihr Leben, was sie hätte anders machen können/sollen/wollen, was sie überhaupt noch erwartet und wie das Alter ihr zusetzt. Der Tod ist somit auch in den Gedanken der Protagonistin allgegenwärtig. Der Erzählstil lässt sich aufgrund seiner eher kurzen Sätze flüssig und zügig lesen. „Sterbewohl“ ist insgesamt ein außergewöhnlicher, dystopischer Thriller mit einem ungewöhnlichen Figurenpersonal.
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Author 1 book11 followers
May 26, 2023
Zunächst bedanke ich mich bei der Autorin Olivia Monti herzlich für das Rezensionsexemplar.

WORUM GEHT’S?

In „Sterbewohl“ geht es um die Rentnerin Nadja, die in einem alternativen, scheindemokratischen Deutschland lebt. Alte Menschen werden auf sogenannte Sterbeseminare in Luxushotels auf Fehmarn eingeladen, wo ihnen die Pille „Sterbewohl“ angeboten wird. Auf diese Weise möchte der Staat den Senior*innen das Sterben möglichst schmackhaft machen. Und es heißt: Das Ganze sei freiwillig. Wer nicht sterben wolle, könne den Luxusurlaub dort genießen und dann wieder abreisen. Doch tatsächlich ist niemand von solch einem Sterbeseminar zurückgekehrt. Irgendetwas stimmt da nicht.

Als Nadja und ihre betagten Nachbarn Anna, Max und Fred ihre Einladungen ins Sterbehotel bekommen, beschließen sie, der Sache auf den Grund zu gehen. Und schnell merken sie: Die Sache stinkt zum Himmel.

MEINE MEINUNG

Gleich mal vorneweg: Ich lese normalerweise keine Krimis (höchstens mal einen Psychothriller), aber dieses Buch zu lesen, hat sich gelohnt.

„Sterbewohl“ hat mich gut unterhalten und ich bin ziemlich leicht in die Handlung eingestiegen. Obwohl es ein Krimi ist, ermittelt hier nicht die Kriminalpolizei, sondern eine Gruppe Senior*innen, die sich nicht so schnell einschüchtern lässt.

Die Idee hinter dem Buch ist genial, das steht fest. Vielleicht hatte ich jedoch etwas zu hohe Erwartungen, denn auch wenn mir die Geschichte gefallen hat, hat sie mich nicht völlig in ihren Bann gezogen (aber fast).

Mit der ängstlichen Nadja hat Olivia Monti eine wunderbare Protagonistin erschaffen. Nadja war mir super sympathisch und ich mochte ihre Art zu erzählen und zu denken. Einiges hat sie auch mit mir gemeinsam.

Generell gefiel es mir, dass es in der Geschichte um das Altern ging. Ein Thema, mit dem ich mich bisher noch nicht so viel auseinandergesetzt habe. Es ist auch eher selten, dass Geschichten aus der Sicht von Senior*innen erzählt werden. Das empfand ich als sehr erfrischend und eine gute Abwechslung von den vielen jungen Protagonist*innen in anderen Büchern.

Die Handlung ist spannend und mit einer Prise Humor versehen. Ich habe fleißig mitgerätselt und auch wenn einiges so eintraf, wie ich es vermutet habe, hat mich die Autorin immer wieder mit tollen Twists überrascht.

Der Schreibstil ist flüssig und kurzweilig. Ich mochte Olivia Montis Erzählweise bereits in „Das Haus“, aber „Sterbewohl“ hat mir noch mehr gefallen. Trotz des ernsten Themas gelang es der Autorin, mich immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Und das weiß ich sehr zu schätzen.

Mir ist es wichtig, dass eine Geschichte ein stimmiges Ende hat und das ist hier auf jeden Fall gelungen. Vielleicht ein bisschen in die Länge gezogen, aber es bleiben dadurch keine Fragen offen. Das Einzige, was mich etwas ratlos zurückließ, war die Verwirrung über Mortop am Ende – mehr möchte ich dazu nicht sagen, um nicht zu spoilern.

Hervorragend fand ich die Erkenntnis der Figuren, dass es im Leben eigentlich nicht um den „ollen Erfolg“ ginge, sondern um die Freude und schönen Momente. Und um die Liebe, ganz klar.

FAZIT

Olivia Monti ist mit „Sterbewohl“ ein kurzweiliger Krimi gelungen, den ich gerne gelesen habe. Für volle fünf Sterne reicht’s zwar nicht, denn dafür hätte mich das Buch vollkommen von den Socken reißen müssen, aber es sind auf jeden Fall gute vier Sterne. Ich empfehle den Krimi gerne weiter.
Profile Image for Anja..
9 reviews
January 24, 2021
Sterbewohl ist eines dieser Bücher, dass mich auch in Lesepausen nicht losgelassen hat.
Es ist als Kriminalroman eingeordnet, ich würde es eher einen dystopischen Thriller nenn. Es spielt in Deutschland in nicht allzu ferner Zukunft. Nach einer Wirtschaftskrise hat die „Bürgerliche Partei“ die Macht übernommen und das System immer mehr zu einer Art Diktatur gemacht. Alte, kranke und arbeitslose Menschen werden als Belastung angesehen und werden vom Gesundheitsamt zu einem zweiwöchigem Sterbeseminar eingeladen. Nach diesem kostenlosen Aufenthalt in einem Luxushotel sollen sie entscheiden ob sie die Pille „Sterbewohl“ nehmen und somit freiwillig aus dem Leben zu scheiden um Staat und Gesellschaft nicht zur Belastung zu werden. Auch Nadja, Anna, Max und Fred bekommen solch eine Einladung. Und das obwohl sie alle noch keine 70 sind und jetzt nach Renteneintritt ganz andere Pläne hatten als zu sterben. Sie haben den Verdacht, dass da in den Sterbehotels nicht alles mit rechten Dingen geschieht.
Das Szenario an sich fand ich schon einmal super spannend. In der Debatte um Sterbehilfe wurde oft von Kritikern gewarnt, dass wenn Sterbehilfe erlaubt ist Alte und Kranke Menschen sich vielleicht verpflichtet fühlen werden zu sterben. Und dass es eine Krise wegen dem bald nicht mehr funktionierende Rentensystem geben kann, ist auch nicht ganz abwegig. In diesem Buch wurden diese Probleme weitergedacht und in ein ganz schreckliches System geführt, das viele Parallelen zum dritten Reich hatte. Diese Vergleiche wurden auch oft im Buch gezogen und einiges hat wirklich daran erinnert. Ich denke vor allem wenn man diese Parallelen und historische Bilder im Kopf hat ist es manchmal unglaublich schwer das Buch zu lesen. So ging es mir zumindest.
Das Buch ist so rasant geschrieben, dass kaum eine Verschnaufpause da ist. Dadurch ist es aber auch durchgehend spannend.
Insgesamt finde ich das Buch absolut gelungen! Es ist spannend, gesellschaftskritisch, regt zum Nachdenken an und die Charaktere wirkten plastisch.
422 reviews4 followers
December 1, 2020
Pille, Tod und keine Kosten für den Staat!

Momentan explodieren die Kosten der Bundesregierung und die schwarze Null ist in weiter Ferne. Was kann man da tun um den Staatshaushalt zu entlasten? Bingo – die langen und immer länger andauernden Rentenzahlungen sollten gesenkt werden. Die Idee ist simple, man lädt die Rentner zu einem Wellness-Urlaub ein bei dem es „aufklärende Sterbeseminare“ gibt und das offene Angebot eine Pille zum Sterben zu nehmen solange man noch frisch ist und selbst entscheiden kann. Offensichtlich eine Win-Win-Situation.
Dieses krasse Gedankenspiel hat Olivia Monti (Pseudonym von Olivia Kleinknecht) in ihrem neuen Kriminalroman „Sterbewohl“ durchgespielt. Sehr gelungen! Für mich ist es fast mehr ein spannungsgeladener Roman, der ein Schreckensszenario der Zukunft in Deutschland entwirft. Auf den ersten Blick harmlos und selbstbestimmt, aber wer nicht mitmachen möchte bekommt Probleme.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive einer rüstigen Rentnerin geschildert, die gerade mal Mitte 60 ist und eine Einladung zum besagten Urlaub erhält. Sie lebt mit 3 anderen Rentner zusammen, die dem gleichen Schicksal ins Auge schauen. Aber nicht mit den 4! Sie fahren, aber sind investigativ und mit viel Gegenwehr im Einsatz.
Mir hat der Krimi äußerst gut gefallen. Es ist eine makabre dystopische Zukunftsvision, die gar nicht so absurd ist, wenn man die heutigen Zeiten betrachtet. Wie ein Weckruf mehr Wert auf das Miteinander, das Menschliche zu legen. Die Idee ist gut durchdacht und der Krimi zieht einen von Seite zu Seiten weiter in den Bann und man ist einfach ungläubig wie real das Ganze klingt.
Ach, und der Krimi ist keineswegs nur für „ältere Semester“ spannend und interessant. Das ist genderfreie und altersfreie Lektüre für alle, die sich sonst auch gerne mit gesellschaftlichen Dynamiken befassen. Sprich: Jedermann.
390 reviews
December 7, 2020
Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie und hat sich dazu entschlossen Menschen ab 65 zu Sterbeseminaren zu schicken. Getarnt als netter Urlaub auf Fehmarn, werden die Menschen manipuliert und instrumentalisiert und schnell wird klar: Lebend kommt man nicht mehr von der Insel. Nadja, die Erzählerin, und ihre Freunde wollen das Spiel so aber nicht mitmachen, denn sie haben noch keine Lust aus dem Leben zu scheiden, nur weil es für den Staat so bequemer wäre. Daher nehmen sie eine Journalistin mit und schauen sich die Sache mal an.

Ein Krimi mit älteren Protagonisten, die sich ihrem Schicksal nicht ergeben wollen – das klang mal anders als und das war es auch. Allein das interessante Szenario, das die Autorin schafft, ist bedrückend und wenn man ehrlich ist, ist es nicht so utopisch, wie es eigentlich sein sollte. Ältere Menschen sind hier nur noch ein Kostenfaktor und ihren Familien ein Klotz am Bein, zumindest wird das suggeriert. Dabei zeigt sich schnell, dass die Protagonisten hier vielleicht nicht mehr zur aller schnellsten Truppe gehören, dennoch noch lange nicht zum alten Eisen. Trotzdem sollen sie „freiwillig“ den Tod wählen. Wie manipuliert wird, ist interessant, was es mit den Menschen macht nicht weniger und dennoch – irgendwas hat mir gefehlt und zwischendurch gab es schon manche Länge.

Die Charaktere sind altersentsprechend und durchweg recht gut dargestellt. Die knappen Kapitel und der gute Stil lassen den Leser nur so durch das Buch rasen (bis auf ein paar Seiten zwischendurch) und das Herz nicht selten mit, denn es gibt schon Momente, die es wirklich in sich haben, trotzdem – ein Krimi ist es nicht wirklich, aber ein Roman, der nachdenklich stimmt. Leider hat mich das Ende nicht ganz so überzeugt. Insgesamt eine ganz passable Leistung und ein an sich gelungenes Gedankenspiel.
401 reviews
December 9, 2020
Deutschland ist nicht mehr, was es einmal war - es gibt keine Demokratie mehr. Der Staat hat kein Geld mehr und so wird an denen gespart, die nichts mehr einbringen und nur noch kosten - den Rentnern, den Alten und Arbeitslosen. Das Gesundheitsministerium versendet Einladungen zu Sterbeseminaren in Luxushotels an die älteren Leute. Dort werden ihnen die Vorteile von Sterbewohl, der tödlichen Pille, klar gemacht. Angeblich kann man aus den Hotels wieder abreisen, aber es ist noch nie einer heim gekehrt!

Nadja, aus deren Sicht dieses hochinteressante Buch erzählt wird, ist über 65 und hat gerade erst ihre erste Pension nach einem anstrengenden Lehrer-Berufsleben erhalten. Sie will reisen, noch etwas erleben und ihren Ruhestand erleben. Doch da erhält sie, ebenso wie drei ihrer Freunde, eine Einladung zum Sterbeseminar. Zusammen mit einer befreundeten Journalistin checken sie im Sterbehotel ein und wollen den Vorgängen dort auf den Grund kommen, wodurch sie sich in große Gefahr begeben ...

Wenn so unsere Zukunft aussieht - na dann gute Nacht! Die Vorgänge in diesem spannend geschriebenen dystopischen Krimi schockieren den Leser und lassen ihn nachdenklich zurück. Es ist unheimlich realistisch beschrieben, wie die Gäste des Seminars manipuliert und beeinflusst werden. Einzelne Ereignisse erinnern an die Schrecken des dritten Reiches. Es ist sehr aufwühlend, das alles hautnah mit zuerleben und mit den Protagonisten mit zufiebern. Erwähnenswert finde ich noch das Buchcover, welches mit seinem besonderen Design schon alle Blicke auf sich zieht.
169 reviews1 follower
April 17, 2021
Olivia Monti hat hier einen seichten Krimi erschaffen, der zum Nachdenken anregt.

In diesem Buch ist Deutschland nur noch eine Scheindemokratie. Deutschland ist pleite, die BP regiert und macht es den Älteren und kranken Menschen nicht gerade leicht. Hat man ein gewisses Alter erreicht, bekommt man eine Einladung in ein Luxushotel, um sich dort mit dem Thema Tod und Sterben zu befassen. In den Seminaren geht es darum, wie man der Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst erweisen kann, in dem man die Pille Sterbewohl schluckt und sich vom Leben verabschiedet.

Mich hat das Cover sofort in den Bann gezogen und ich war mega gespannt auf diese Geschichte.
Die Stimmung in dem Buch ist bedrückend, die Charaktere hingegen sehr blass.
Die Spannung kommt in Schüben und klingt durch einige Wiederholungen wieder ab.

Ich fand das Thema und die Idee der Geschichte wirklich toll, nur leider sehr einseitig. Der Leser begleitet eine pensionierte Grundschullehrerin und ihre Freunde, die eine Einladung zum Luxushotel erhalten, obwohl sie noch nicht mal 70 Jahre erreicht haben.
Noch so ein Punkt, den ich nicht ganz verstanden habe, warum erhalten sie jetzt schon eine Einladung?

Der Schluss war mitreißend und ich habe sehr mitgefiebert.
Der Charakter Mortop, hat mir von Anfang an nicht gefallen. Ich fand ihn viel zu überspitzt und unpassend für dieses Genre.

Ich bin wirklich hin und her gerissen. Einerseits war es wirklich toll zu Lesen, andererseits hätte ich mir gern mehr Umschreibungen und Erklärungen gewünscht und die Person Mortop ging einfach gar nicht.
406 reviews1 follower
December 8, 2020
+ + Endstation Paradies

Bei diesem Buch hat mich das Cover sofort angesprochen und der Klappentext hat eine außergewöhnliche Geschichte versprochen. Ein Staat der seine alten Bürger, aus Kostengründen, in den "freiwilligen" Tod schickt, ist eine Horrorvorstellung. Daher war ich auf die Umsetzung sehr gespannt.

Die Geschichte wird aus Sicht der pensionierten Lehrerin Nadja erzählt. Sie und ihre 3 engeren Bekannten bekommen vom Gesundheitsministerium die Einladung zum "Sterbeseminar" auf der Insel Fehmarn. Dort können sie sich in Seminaren und Einzelgesprächen informieren und dann entscheiden, ob sie weiterleben und ein Dahinsiechen in Kauf nehmen oder elegant und selbstbestimmt, mit der Tablette "Sterbewohl" , friedlich entschlafen wollen.

Olivia Monti erzählt eine Geschichte, die man am besten am Stück lesen sollte, damit man die Unsicherheit der Protagonisten, die Verzweiflung und den Kampfgeist durchgehend spürt. Sie beschreibt Szenen, die man aus der NS-Zeit kennt und sich erschreckender Weise auch in einer Zukunft vorstellen kann. Man stellt sich beim Lesen unweigerlich die Frage: "Wer darf über Leben und Tod entscheiden?"

Die Geschichte ist in einer nüchternen und einfachen Sprache geschrieben, die für mich hervorragend zur Handlung gepasst hat. Es geht um ganz normale Menschen. Ein Dame sagt z.B. " Dieser Staat hat mir nichts geschenkt. Jetzt will er, dass ich ihm mein Leben schenke!"
Profile Image for Sarah83 sbookshelf.
449 reviews36 followers
December 8, 2020
"Sterbewohl" .
In einem Deutschland in nicht allzu weiter Zukunft ist "Sterbewohl" das Maß aller Dinge. Denn, wie sollen die Renten bezahlt werden und warum überhaupt soll irgendjemand dem Staat weiter auf der Tasche liegen?
Die Demokratie existiert nicht mehr und alte Menschen verschwinden. Sie erhalten einen Brief vom Gesundheitsamt und werden zu einem Seminar von "Sterbewohl" eingeladen. Alles völlig freiwillig. Doch warum kennt man dann keinen, der von diesen Seminaren zurückkehrt?
Als die Hauptfigur Nadja und ihre drei Nachbarn zu dem Seminar eingeladen werden, sind sie von Beginn an skeptisch, doch wirklich wehren kann man sich gegen die Aufforderung des Gesundheitsamtes nicht. So machen sie sich nach einer kurzen Vorplanung auf und wollen auf der Insel Fehmarn herausfinden, was mit den Menschen in den 14-tägigen Aufenthalten passiert.
Auf gut 200 Seiten schildert Olivia Monti, was passiert, wenn eine Gruppe von Menschen zur Belastung für den Staat wird und was passiert, wenn sich jeder nur um sich selber kümmert.
Eine düstere Vorstellung von einem Staat, der über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entscheidet und sich Mitläufer sucht, die ihre Vorstellungen unterstützen. Sei es, aus Überzeugung, sei es durch massiven Druck.
Eine Welt, die man sich nicht wirklich vorstellen mag und die an dunkle Zeiten erinnert.
Mitreißend geschrieben und spannend bis zum Schluss konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen.

5 von 5 Pillen
1,404 reviews7 followers
January 13, 2021
Perfider Gedanke genial gesponnen
Was ist, wenn der Staat nicht für seine Bürger arbeitet, sondern gegen sie?
Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie, nach einer Wirtschaftskrise mit nachfolgender Inflation wurde die DM wieder eingeführt.
Die Kassen sind leer. Wenn man seinen Bürgern keine Rente mehr zahlen muss, lässt sich viel einsparen.
Da bietet sich doch ein Sterneseminar an. Den Rentnern wird in komfortabler Umgebung der selbstbestimmte Tod schmackhaft gemacht.
Es ist eine Pflichtveranstaltung zu der mehr oder wenig betagte Rentner eingeladen werden.
Alles ganz freiwillig. Wer sich gegen Sterbewohl entscheidet reist einfach wieder ab. Nur, es wird gemunkelt, dass bisher niemand von so einem Sterbeseminar zurückgekehrt ist.
Auch Nadja, Anna, Max und Fred haben eine Einladung zum Sterbeseminar bekommen.
Gerade mal Mitte bis Ende 60 haben sie noch einiges vor im Leben.
Die 4 wollen sich 2 schöne Wochen auf Kosten des Staates machen und wieder nach Hause zurückkehren.
„Sterbewohl“ von Olivia Monti ist ein Kriminalroman der anderen Art.
Die Autorin spinnt hier einen perfiden Gedanken und lässt ihrer Phantasie freien Lauf.
Dabei fesselt sie den Leser und lässt die zuerst lockere Atmosphäre immer beängstigender und bedrückender werden.
Das Buch ist in einem verständlichen und flüssigen Schreibstil verfasst.
Die 215 Seiten habe ich in einem Zug gelesen.
Profile Image for Elke.
1,905 reviews42 followers
December 3, 2020
Eine bitterböse Geschichte hat uns die Autorin mit 'Sterbewohl' serviert. In einem ganz anderen Deutschland, in dem der Staat die Kontrolle hat und Demokratie nur noch ein Wort ist, werden Rentner in ein Luxushotel eingeladen, um dort an einem Sterbeseminar teilzunehmen. Sie sollen die Vorzüge eines vorzeitigen Ablebens kennenlernen und idealerweise gleich vor Ort das Medikament 'Sterbewohl' nehmen, um der Gesellschaft nicht länger zur Last zu fallen...

Nadja, die sich auf ihren Ruhestand freut, erhält viel zu früh eine Einladung zu einem Sterbeseminar im Hotel Paradies. Auch ihre Mitbewohner, allesamt äußerst rüstige Rentner, die eigentlich viel zu jung dafür sind, werden nach Fehmarn eingeladen. Gemeinsam mit einer Journalistin beschließen sie, den Dingen vor Ort auf den Grund zu gehen. Der Verdacht, dass die Teilnehmer des Seminars nur scheinbar eine Wahl haben und am Ende niemand aus dem Hotel zurückkehrt, erhärtet sich mit jedem Tag, den die Gruppe im Hotel Paradies verbringt. Und bald rückt auch ihr eigenes Ende näher - oder können sie dem Wahnsinn, der im Sterbehotel lauert, noch rechtzeitig entkommen?

In diesem unheimlichen Szenario fällt einem mehr als einmal die Kinnlade herunter angesichts der schockierenden Entdeckungen, es wird richtig fies und makaber und am Ende ist die Spannung kaum noch zu ertragen. Das Buch gibt aber auch zu denken, über die eigene Zukunft im Alter, über den Status von und Umgang mit alten Menschen heutzutage, über das Miteinander und Füreinander nicht nur in der Familie, sondern auch in der Gesellschaft. Zuallererst aber ist dieses Buch ein richtig guter, origineller, schockierender und spannender Krimi.
56 reviews2 followers
December 9, 2020
Nadja (60) erhält eine Einladung zu einem Sterbeseminar an einem beliebten Urlaubsort in einem Luxushotel. Ihre Freunde auch. Ihnen schwant, dass man versuchen wird, sie zum freiwilligen Sterben zu überreden, um die Gesellschaft zu entlasten. Man soll doch gehen, wenn es am schönsten ist.
Die Freunde haben aber keine Lust auf einen frühen Abgang und wehren sich. Dabei entdecken sie, dass die Realität noch viel schlimmer ist als ihre Vorstellung.
Vermutlich will die Autorin, den Leserinnen und Leser vor Augen führen, wohin manche Entwicklungen führen könnten und kreiert so eine Gesellschaftsform, die andere Prioritäten setzt als unsere aktuelle.
Die Idee ist spannend. Die Figuren sind angenehm, aber wirklich überraschend und spannend ist das Buch nicht.
Es lässt sich leicht und flüssig lesen. Auch wenn die Autorin am Ende noch ein wenig das Tempo anzieht, bleibt doch eigentlich alles vorhersehbar, bzw. hat sich bereits von Anfang an abgezeichnet. Da die Figuren einem nicht wirklich ans Herz wachsen (können), bleibt man als Leserin etwas unbefriedigt zurück.
Der Satzspiegel des Buches wirkt unprofessionell.
Profile Image for Lisa_V.
736 reviews3 followers
January 27, 2021
Gesellschaftskritischer Krimi

Was macht man mit den alten Menschen einer Gesellschaft, wenn es dem Staat finanziell so schlecht geht, das die Renten nicht gezahlt werden können? Man macht ihnen das sterben schmackhaft! Genau mit dieser makaberen Frage beschäftigt sich der Krimi „Sterbewohl“ der Autorin Olivia Monti. Die Freunde Nadja, Anna, Max und Fred (alle über 65) werden vom Staat zu einem sogenannten Sterbeseminar geladen und schnell merken sie, das etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Mit ihrer spannenden Geschichte, gelingt es der Autorin erschreckend wirklichkeitsnah und trotzdem dystopisch aufzuzeigen, was eine Gesellschaft dazu bringen könnte, alle Prinzipien des Grundgesetzes klaglos aufzugeben. Immer wieder führt sie dafür auch Beispiele aus dem dritten Reich an und macht den Leser nachdenklich. Der Schreibstil ist zwar eher einfach gehalten, liest sich aber nach der Gewöhnung an die Ich-Erzählweise, leicht und flüssig. „Sterbewohl“ ist vor allem durch sein Thema und das entworfene diktatorische System, kein gewöhnlicher Krimi. Ich empfehle das Buch für alle die offen sind für Neues und sich von der spannenden Geschichte überzeugen lassen wollen.
30 reviews
December 19, 2020
❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤
Rezension zu "Sterbewohl" am 19.12.2020

Nachdenklich

Die Jahre vergehen wie im Fluge. Nadja
und ihre drei anderen Freunde sind über 65 und werden ins Hotel Paradies zu einem Sterbeseminar eingeladen. Um über ihr Leben selber zu entscheiden....

Wie wird ihre Entscheidung sein?🤔

Mich hat dieses herrliche Buch wirklich sehr nachdenklich gemacht. Aber auch etwas erschrocken. Als ich z.B. las, das ein Brot z.B. mal eine Million Euro gekostet hat. Da habe ich mich gefragt, wer bezahlt mir dieses Brot?🤔
Wenn man z.B. diese Summe nicht auf dem Konto hat?🤔
An wen kann man sich in diesem Fall wenden?

Wer eine Antwort darauf hat, kann es mir gerne Jederzeit mitteilen. Zeit genug ist dafür da.

Nadja und ihre drei Freunde fand ich dabei auch von Anfang an supersympathisch. Das Hotel gefiel mir auch aufgrund der sehr leckeren und eleganten Mahlzeiten dort.

Nach dieser kulinarischen Reise bekommt es heute von mir die gutüberlegten 5 Sterne

😄liebevoll empfehlen kann ich es Jedem Interressierten daran😄

❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤
Profile Image for Maria Beltrami.
Author 52 books73 followers
December 31, 2020
Ein Buch wie dieses hätte zu keinem besseren (oder schlechteren, je nach Sichtweise) Zeitpunkt veröffentlicht werden können, während die COVID-Pandemie unter den älteren Menschen verheerende Schäden anrichtet. In einem Deutschland der Zukunft, in dem eine Partei, die wie eine Kreuzung aus AfD und FDP aussieht, die Wahlen gewonnen hat, überschneidet sich das Problem der Rentenzahlung mit dem, die Bevölkerung jung zu halten. Lösung? Assistierter Suizid. Freiwillig, denn das neue Regime will sicher nicht wie das Dritte Reich aussehen. Aber sind wir sicher, dass dieser Selbstmord so freiwillig ist? Eine Gruppe älterer Freunde entdeckt es auf eigene Kosten: Sie werden alle in eines der sogenannten Sterbehotels geschickt und haben nicht die Absicht zu sterben.
Ein sehr "deutscher" Roman, mit Charakteren, die einigen der schlimmsten Albträume entnommen zu sein scheinen, die uns die Geschichte beschert hat, vom Todestheoretiker bis zum willigen Henker.
Lediglich das teils überhastete, teils etwas langgezogene Ende verhindert eine Bestnote.
297 reviews
January 3, 2021
Meinung:
Dieses Buch hat mich eiskalt erwischt und die wirklich erschreckende Grundthematik war für mich kaum zu ertragen und ein absoluter Garant für eine Gänsehaut und einen Pageturner, der mich fast ausschließlich gepackt hat.
Denn was die deutsche Autorin Olivia Monti in ihrem dystopischen Thriller erschaffen hat, ist an Spannung und atmosphärisch sehr düsterer und packender Atmosphäre kaum mehr zu übertreffen und diese innovative Idee ängstigte mich doch ein wenig, entwickelt aber auch gerade deshalb eine solche Sogkraft, dass ich dieses Buch innerhalb eines Tages verschlungen habe.
Einzig und allein der Schreibstil konnte mich an der ein oder anderen Stelle nicht so ganz von sich überzeugen, da dieser doch recht einfach gehalten war und nicht ganz dem entsprach, was ich normalerweise so mag.

Dies tat aber dem sehr packenden und spannenden Leseerlebnis kaum einen Abbruch, da man diese Geschichte einfach verschlingen muss. Ein wirklich überaus spannendes und Gänsehaut machendes Buch !!!
733 reviews5 followers
November 29, 2020
Meine Meinung:
Dieses Buch konnte mich wirklich überaus positiv überraschen, da es wirklich eine innovative Idee beinhaltete, welche ich so überzeugend nicht erwartet hätte.
Zum einen ist der Schreibstil der Autorin Olivia Monti so dermaßen spannend und packend, dass ich dieses Buch bis zum Ende hin nicht mehr aus der Hand legen konnte und die knapp 220 Seiten in einem Rutsch verschlungen habe. Vor allem die Handlung, die zwischen Dystopie und Thriller schwankt ist so spannend und erschreckend geschildert,, dass man häufiger mit offenen Mund und voller Staunen vor dem Buch sitzt und komplett gepackt ist von einer Geschichte, die in meinen Augen hätte nicht besser erzählt werden können.

Mein Fazit:
Ein toller Grundgedanke, der ebenso spannend, wie überraschend umgesetzt wurde und mich komplett von sich überzeugen konnte. Hinzu kommt ein sehr versierter und gekonnter Schreibstil, der das Verschlingen des Buches nochmal erleichtert !
2,273 reviews13 followers
December 1, 2020
Zum Inhalt:

Ist Deutschland etwa keine Demokratie mehr? Nadja, Anna, Max und Fred glauben auf jeden Fall nicht mehr daran und erst recht nicht mehr als sie kaum über 65 Jahre alt die Einladung zum Sterbeseminar bekommen. Hier soll ihnen frühzeitig schmackhaft gemacht werden eine sogenannte Sterbepille zu schlucken um die Allgemeinheit zu entlasten. Natürlich auf freiwilliger Basis. Aber ist das wirklich so?

Meine Meinung:

Puh, das Buch ist schon ein wenig gruselig und am Ende des Tages ein stück weit leider auch noch vorstellbar. So wie früher bestimmt Volksgruppen ausgelöscht wurden, werden hier eben die Alten aussortiert. Natürlich freiwillig. Schüttel. Mit hat das Buch recht gut gefallen, es war sehr kurzweilig und hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Hoffentlich wird es nie zu solchen Entwicklungen in der Gesellschaft kommen.

Fazit:

Gruselig
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