Der gefeierte Rockstar Brad Galloway wird nach einem Konzert auf der Berliner Waldbühne tot in seiner Hotelsuite aufgefunden. Bei ihm findet die Polizei ein Kästchen mit einer blutigen Feder, auf seiner Brust steht die Frage: "Was zählt das Leben deiner Lieben?" Der LKA-Ermittler Tom Babylon wird mit der Polizeipsychologin Sita Johanns auf den Fall angesetzt - und bald führen die Spuren in die Vergangenheit, in die Zeit des Kalten Krieges und des Mauerfalls. Nach und nach merkt Tom, dass dieser Fall viel persönlicher werden könnte, als ihm lieb ist...
"Die Hornisse" von Marc Raabe hat für mich alles, was ein sehr guter Thriller braucht: eine ordentliche Portion Spannung, ein vertrackter Fall, viel Ermittlungsarbeit, einen tollen Schreibstil und vielschichtige Charaktere. Ich hatte aber auch nichts anderes erwartet, denn Raabe hat schon mit den beiden anderen Bänden der Reihe um Tom Babylon und Sita Johanns bewiesen, dass er zur Crème de la Crème der deutschen Thriller-Autor*innen gehört.
Wie schon in den Vorbänden verwebt der Autor auch in diesem Thriller wieder Vergangenheit mit Gegenwart und das auf sehr gelungene Weise! Dieses mal wird die Geschichte der Eltern von Tom Babylon aufgearbeitet und so geschickt eine Brücke zwischen dem Mord an Galloway und der Spionage und Bespitzelung während des Kalten Krieges geschlagen. Die Kapitel spielen meist abwechselnd in Vergangenheit und Gegenwart, was den Thriller umso rasanter gemacht hat. Ich konnte mich zwischenzeitlich kaum entscheiden, welcher Handlungsstrang mich mehr in seinen Bann ziehen kann.
Zu dem hochspannenden Fall kam wieder meine Liebe zu den Charakteren hinzu. Seien es nun Sita und Tom, die sowieso absolut perfekt harmonieren und ein tolles Team bilden, oder auch Bene, Toms (krimineller) Freund aus Kindertagen und Toms Eltern - alle sind realitätsnah gestaltet, haben ihre Ecken und Kanten und Probleme. Genau das hat sie mir sympathisch gemacht und der Geschichte den perfekten Schliff gegeben.
Was ich an Marc Raabes Thriller-Reihe auch mag, ist, dass es einen Erzählstrang gibt, der sich durch alle Bände hindurch zieht. Deshalb ist es auch in meinen Augen nicht sinnvoll, die Bücher in der falschen Reihenfolge zu lesen - denn gerade das Verschwinden von Toms Schwester und seine Suche nach ihr kann man nur richtig nachvollziehen, wenn man den Ermittler von Beginn an begleitet. Und ich möchte zwar nicht zu viel verraten, aber: vor allem das Ende hat es in sich und man versteht nur warum, wenn man auch die anderen Teile gelesen hat.
Ich bin wieder mal absolut hin und weg von Marc Raabes neuestem Buch und kann es kaum abwarten, bis der nächste Teil der Reihe erscheint! Ich vergebe 5 / 5 🌟.