Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Zum Einen erleben wir Hedi Mitte der 50er Jahre. Sie sitzt im Gefängnis, weil sie einen Mann erschossen hat und wartet dort auf ihre Hinrichtung. Dem Journalisten Noah erzählt sie ihre Lebensgeschichte. Und lässt dabei die gar nicht so goldenen Zwanziger in einem Hurenhaus in Berlin auferstehen.
Hedi wächst bei ihrer Großmutter auf, die ein Hurenhaus betreibt. Die schöne Hure Colette , die Domina Natalia und der Stricher Emil sind ihre Weggefährten. Nicht unbedingt der beste Platz um eine 8-jährige aufzuziehen und auch Hedis Erlebnisse und sind nicht wirklich kindgerecht. Das Leben im Bordell "Ritze" ist hart und wird sehr realistisch dargestellt. Anna Basener scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen, so dass das Buch eine Altersempfehlung ab 18 erhalten sollte. Sex und Gewalt sind an der Tagesordnung. Die Autorin hat einen sehr rotzigen Schreibstil, der Berliner Akzent ist immer wieder zu finden, wie ja auch schon der Titel des Buches erahnen lässt. Viele Momente und Erzählungen sind wirklich schockierend,wir werden als Leser nicht geschont. Man muss ich schon eine dicke Haut beim Lesen zulegen um nicht alles an sich ran zu lassen. Immer wieder aufkeimende Gefühle von Liebe und Freundschaft werden fast im Keim erstickt, so dass die Story recht deprimierend ist. Dabei aber mit einem dreckigen Humor und einer gewissen Leichtigkeit geschrieben, dass ich mich trotzdem gut unterhalten fühlte und auch des Öfteren ziemlich schmunzeln musste.
Das alles ist wunderbar lebendig geschrieben und mit viel Schwung, so dass die Seiten nur so dahinfliegen und das ein oder andere Mal das Kopfkino anspringt, gewollt oder ungewollt.
Auch die zweite , kürzer gehaltene Zeitebene, die Gespräche zwischen Hedi und dem Journalisten Noah sind spannend und interessant und erzählen eine Geschichte in sich. Wer war der Mann, den Hedi erschossen hat und warum hat sie ihn erschossen. Darüber schweigt Hedi, aber wird Noah es herausfinden?
Die Charaktere sind überraschend tiefgründig, die Meisten wenigstens. Bei dem einen oder anderen Charaktere hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht. Auf jeden Fall kann man sie wunderbar lieben oder verachten. Und bemitleiden. Und feiern. Oder alles gleichzeitig.
Die Story spitzt sich zum Ende hin zu und das Ende, die verschiedenen Enden sind sehr dramatisch und "hollywood-like", ganz wie es ich für die Film Diva Hedi gebührt. Mich hat das Ende sehr berührt auch wenn es mir schon zu viel "Drama" war.
Das Buch gibt es als Hörspiel bei "Audible" und ich bin versucht, es noch mal zu hören. Oder ich höre den Vorgeschichte, die als quasi zweiter Teil veröffentlicht wurde. So oder so wird mich die Geschichte nicht so schnell wieder loslassen