Ja, dieses Buch. Wo soll ich da anfangen? So sehr ich die Geschichte mögen wollte, so wenig hat sie mich abgeholt. Ideen wären viele da, aber an der Umsetzung hat es für mich persönlich gemangelt.
Inori wird um 4:00 Uhr morgens aufgeweckt und von einer ihr bis dahin unbekannten Tante dazu aufgefordert eine neue Schule zu besuchen, nachdem diese ihr knapp nebenbei mal erzählt, ihre Eltern hätte magische Fähigkeiten (was für welche wird logsicherweise nicht gesagt, obwohl ich als Leser immerhin dank des Titels schon zuordnen kann, in welche Richtung es geht) und nach einem fragenden Blick zu ihren Eltern steht sie im nächsten Kapitel schon vor der Schule und findet das alles schon einmal ganz in Ordnung, ohne überhaupt je eine richtige Antwort bekommen zu haben. Danach wird nie wieder irgendetwas von ihren Eltern erwähnt, weshalb ich bis jetzt keine Ahnung habe, warum ihre Eltern ihr nichts gesagt haben. Und nur ganz wenige Seiten später trifft sie die Zimmerkameradin und beginnt den Unterricht.
So knapp wie ich das zusammengefasst habe, so plötzlich ist auch alles in die Geschichte gestartet und konnte mich damit erst einmal überhaupt nicht abholen. Ich habe nichts, wenn die Geschichte ein gutes Tempo auflegt, aber einfach mal alles auf wenige Seiten zu quetschen, ohne wirklich mehr zu bringen, ist dann doch zu viel, besonders wenn die Grundfragen nicht mal ansatzweise geklärt werden.
Innert so ungefähr dreissig Seiten ist Inori nämlich aus dem alten Leben gerissen worden, hat eine komplett neue Schule begonnen, ein Dutzend neue Leute kennengelernt und obendrein noch magische Gene, was auch immer es denn für welche sind (sie kann mit dem Namen der Akademie glaube ich nicht so viel anfangen, wie es mir scheint und aufgeklärt wird sie eigentlich auch nie wirklich). Scheint sie das gross aus dem Ruder zu werfen? Nicht wirklich, aber das ist auch das Einzige, was ich so bisher über Inori weiss. Gleiches kann ich auch über all die anderen Kameraden sagen, von denen ich zwar nach all den Seiten schon alle Namen kenne, aber sonst nichts über sie weiss. Ich brauche zwar absolut keine tiefgründigen Charakteraufbauten (ich mag eher Weltenaufbauten, wobei das bei dieser Schule ebenfalls nicht wirklich grossartig ausgenutzt wird), aber so wie das Buch begonnen hat, scheint es mich dazu einzuladen, mich auch genauso wenig für all das zu interessieren, wie Inori es selbst augenscheinlich tut.
Das Problem wird danach aber noch grösser, als dann erst mal lange Zeit so absolut gar nichts geschieht. Sie muss mehr Sport üben, hört einige Geräusche und eine Party findet statt. Nachdem mich der Start schon überhaupt nicht packen konnte, habe ich mich dadurch nun erst recht in der Geschichte verloren. Ich kann nicht einmal sagen, wann und ob Inori überhaupt herausgefunden hat, was denn nun ihre besonderen Gene überhaupt tun können, weil ja nichts dazu folgt und ich weiss auch nicht, warum man durch die Zeit reisen soll. Es gibt eine gesamte Schule dafür, die Schüler darauf vorbereiten soll und dann weiss ich eigentlich nicht einmal warum. Müssen sie Artefakte in der Zeit suchen, wollen sie gewisse Zeitstränge verhindert oder neu knüpfen, etc.?
Besonders wenn man eigentlich eine magische Akademie erwartet und dann erst einmal so gar nichts über die Magie darin lernt oder auch irgendetwas an ihr besonders wirkt. Es müssen ja nicht hundert neue Fächer dafür erfunden werden. Ich finde es sogar toll, dass die «normalen» Fächer Teil des Stundenplans sind, aber wie will man so diesen Nexus finden und die Leute darauf vorbereiten, damit umzugehen? Und wie soll ein gerade mal leicht intensiverer Geschichtsunterricht und etwas Kampfunterricht dabei helfen, sich auf Zeitreisen vorzubereiten? Man muss ja nicht alles gleich machen, aber ich habe schon genügend Zeitreisebücher gelesen, um zu sehen, dass es weitaus mehr als nur einige Daten und etwas Schwertkampf braucht, um auch wirklich mal reibungslos in eine andere Zeit zu gelangen und dort nicht aufzufallen (Traditionen, alte Sprachen, Kleidung, Krankheiten, Umgangsarten, Essen, Überlebensstrategien, Gesellschaftsaufbau, Währungen und Masse, Religionsunterricht, etc.). Genau solche Dinge hätten nämlich auch die Zwischenseiten zwischen dem Start an der Akademie und der ersten Zeitreise zu einem tollen Leseerlebnis für mich machen können und gleichzeitig auch die eigentliche Welt aufgebaut. Nur Sportunterricht allein, kann das leider nicht machen.
Tatsächlich erfährt sie die wichtigsten Dinge, gerade einmal, als sie mit Cestian bereits zusammen ist und am Meer der Zeit steht. Dort hört man zum ersten Mal etwas von Schlüsseln und Zeitströmungen, die einen in der Zeit ungewollt herumschicken können. Grundlegende Informationen, die gerade einmal kurz vor dem Ende folgen und so einige der ersten Dinge sind, die man wohl eigentlich lehren sollte, wenn man Leute darauf vorbereiten will, durch die Zeit zu reisen und sie nicht gleich darin verlieren will. Denn so wie es klingt, sind diese Schlüssel ja nicht gerade ein magisches Artefakt, über welches man eigentlich nichts wissen sollte, sondern ein wesentlicher Bestandteil davon, überhaupt durch die Zeit reisen zu können. Und ja, ich habe nichts dagegen, wenn man manche Dinge erst später lernt. Ganz am Anfang eine Informationsflut einzubauen ist auch nicht das Wahre, aber in den letzten paar Kapiteln gerade mal zum Punkt zu kommen und erste wichtige Dinge zu erzählen, ist ebenfalls keine Lösung.
Mich hat das Buch wirklich nie packen können und zugegebenermassen, habe ich gerade in der Mitte so einiges gescannt, weshalb gerade Details, wie die Geräusche, nicht ganz so aufgenommen wurden, aber ich denke nicht, dass sie für mich die Geschichte noch hätten retten können. Ich habe Band zwei ebenfalls gleich noch zu Hause und gerade mit dem Ende sehe ich noch wahnsinnig viel Potential, um der Geschichte auch wirklich noch eine Chance zu geben, eben auch weil die Idee gut ist, aber für mehr als aufgerundete drei Sterne reicht es leider wirklich nicht.