In den Geschichten von Martha, Maria und Magda im schlesischen Gleiwitz spiegelt sich die Geschichte einer Grenzregion wider: die Geschicke von Deutschen, Polen und Tschechen, Christen und Juden, die liebten und hassten, Familien gründeten und einander verließen, vertrieben wurden und sich wiederbegegneten. Gekonnt spannt Dörthe Binkert den großen Bogen von den 20er- bis zu den ausgehenden 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Mit viel Gespür und noch mehr Herzblut zeichnet sie das Porträt einer Zeit und einer Region, in der Freude und Leid nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt waren.
Dörte Binkert, born in Westfalia, studied German, Art History and Politics in Frankfurt.
She has been working as chief editor for various German publishers and is now living as a free-lance author and agent in Zurich.
Dr. phil. Dörthe Binkert wurde 1949 in Hagen in Westfalen geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf. In Frankfurt studierte sie auch Germanistik, Kunstgeschichte und Politik. Nach ihrer Promotion arbeitete sie dreißig Jahre lang für große deutsche Publikumsverlage, u.a. als Cheflektorin. Sie veröffentliche zahlreiche Sachbücher, vor allem zu Frauenthemen.
Seit 2007 ist sie als freie Autorin tätig. Dörthe Binkert zog 1975 nach Zürich, wo sie bis heute lebt und arbeitet. 2008 erschien ihr erster historischer Roman Weit übers Meer, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einem Ozeandampfer spielt.
Ein hervorragend recherchiertes Buch schlesischer/polnischer Geschichte eingebunden in das Schicksal der Familien von Luise und Magda. Spannend und mitreißend aber auch erschütternd ob der massenhaften Vernichtung von Menschen und der wieder herrschenden Aktualität.
Luischen Strebel ist das letzte Kind von Martha und Carl. Doch wie jedes Nesthäkchen ist sie etwas Besonderes speziell für ihre Mutter, die sich freut, aber keine weiteren Kinder mehr möchte. In der Paulstraße wohnen sie zwar etwas beengt aber gut und mit netten Nachbarn. Im Jahr 1921 geht es in Gleiwitz, Schlesien, wirtschaftlich nicht so gut. Doch die Stadt der Kohle strebt auf. Luise wächst recht behütet auf. Mit ihrer besten Freundin Magda zieht sie durch die Gassen, gerne geht sie zur Schule, wobei Mathematik ihr Lieblingsfach ist. Doch die politischen Entwicklungen gehen weder an der Familie noch an Luischen vorbei.
Anhand des Schicksals der Familienmitglieder der Strebels, derer Freunde, Verwandten und Bekannten berichtet die Autorin von der Geschichte der Stadt Gleiwitz, Gliwice in Oberschlesien. Eine Gegend, die immer schon eine Nähe zu Polen hatte, die geprägt von frühen Industriebetrieben auch einen Verkehrsknotenpunkt bildete. Hier lebt Carl Strebel als Bahnbeamter friedlich nachdem der große Krieg überstanden ist. Bald schon muss er sich jedoch damit auseinandersetzen, dass seine Söhne in Streit geraten. Während Konrad mit seiner polnisch-stämmigen Frau ein eher unpolitisches Leben führen möchte, strebt Heinrich schon früh nach einer Parteikarriere. Und wie schon mehrfach in der Gegend geht es in der Grenzstadt hin und her zwischen Polen und Deutschland.
Mit berührenden und ehrlichen Worten macht die Autorin das Leben der Menschen in Gleiwitz, Gliwice vom frühen 20. Jahrhundert bis in die heutige Zeit glaubhaft und lebendig. Fröhlichkeit und Mut stehen neben Leid, Trennung und Krieg. Welch extreme Gegensätze es innerhalb einer Familie geben konnte, wo sich wie so oft mäßigende Einflüsse nicht durchsetzen konnten. Tief taucht man ein in die Vorkriegs- und Kriegsjahre, erfährt hautnah, dass es zwar auch in grausamen Zeiten schöne Momente geben kann, dass das Leid, verursacht von fehlgeleiteten Machthabern, aber nie zu etwas Gutem führt. Nach dem Ende von Kriegen sind einfach zu viele Menschen gefoltert, getötet, ermordet. Überlebende Familien auseinander gerissen und Flüchtlinge nirgends gern gesehen. Wie hieß es nicht von Carl Sandburg „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“. Wenn die Menschen nur auf ihn hören würden. Was geschieht, wenn die Menschen sich verleiten lassen, ist sehr anschaulich im Anhang dieses Buches nachzulesen. 4,5 Sterne
Seit ich klein bin, haben meine Großeltern Gleiwitz und Schlesien oft in ihre Erzählungen einfließen lassen - auch über ihre Flucht habe ich einiges gehört. Trotzdem habe ich vieles erst jetzt beim Lesen richtig wahrnehmen, verarbeiten und auch historisch einordnen können, was ich immer erzählt bekommen habe.
Ein tolles Buch, das einem auf gekonnte Weise auch die Geschichte Schlesiens näher bringt, den Lebensalltag für die Menschen begreifbar macht und den Leser mitleben lässt bzw zeigt, was es heißt und damals hieß, die Heimat zu verlassen, zu lesen, wie politische Entscheidung sich auf das tägliche Leben auswirken, vor der Entscheidung zu stehen das Land zu verlassen oder nicht zu verlassen und den Zwang der staatlichen Autoritäten zu spüren, durch den jeweils gar keine Wahl möglich ist.
Für mich ist das ein Buch, das die Vergangenheit lebendig beschreibt und den Leser durchleben lässt.
Danke an Dörte Brinkert für dieses vielschichtige Werk, das klar und gut durchdacht so vieles aufzeigt, das Menschen durchleben.
Anfangs hatte ich etwas Mühe mit dem Sprachstil warm zu werden. Dennoch hat mich die Geschichte sofort in seinen Bann gezogen und ich wollte gern wissen wie es weitergeht und was die Figuren erleben. Ich hätte auch noch weitergelesen, denn von einigen hätte ich gern mehr erfahren.
Die ganze Zeit, während ich dieses Buch las, musste ich an meine Großmutter denken, die das wahrscheinlich so oder so ähnlich erlebt hat. Leider kann ich sie dazu nicht mehr befragen.
Daher fand ich es umso schöner zu lesen "wie es war" auch wenn es fiktiv war. Es gibt eine bessere Vorstellung. In einigen Situationen wird man auch stutzig, denn es sind schon ab und an parallele zu Heute erkennbar. Durchaus erschreckend.
Klare Leseempfehlung für alle die gern Historische Romane lesen.
Also der Klappentext ist mal wieder etwas unpassend. Tschechen spielen in diesem Roman kaum eine Rolle. Und es geht um viel mehr Frauen als nur um Martha, Maria und Magda. Auch Agnes, Luise, Hedwig, Klara, Ida, Paulina und andere erleben Liebe, Freundschaft, Trauer, Drama, Leid, Not usw. Den Titel verstehe ich nicht. Im ganzen Buch sagt niemand "Vergiss kein einziges Wort" zu irgendwem.
Etwas verwirrend fand ich, dass Martha eine geborene Wieczorek ist und später in der Wohnung eine Familie Wiczerek wohnt. Wenn man als Autorin so ähnliche Namen wählt, dann sollte geklärt werden, ob das nun Zufall ist oder ob mehr dahinter steckt. Andererseits gibt es im Text immer wieder unnötige Wiederholungen. Insgesamt finde ich den Roman sprachlich aber sehr gelungen. Gut finde ich die ausführliche Zeittafel im Anhang des Romans. Dort kann man entweder während der Lektüre immer wieder nachschlagen oder man liest es sich vorher oder hinterher in einem Rutsch durch.
Ich habe dieses Buch gelesen, weil ein Teil meiner Familie auch aus Oberschlesien stammt und ich zwar schon eine Menge historischer Romane gelesen habe, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielen, aber da war der Schauplatz Berlin, Hamburg, Augsburg, Stuttgart oder Frankfurt am Main, also Städte, die vor und nach dem Krieg zu Deutschland gehört haben. Aber dieser Roman hier spielt nun in Oberschlesien, das in den letzten Jahrhunderten immer wieder hart umkämpft wurde und dessen Grenzen immer wieder hin und her geschoben wurden. Was das mit den Menschen dort macht, was sie als Heimat empfinden und welche Nationalität und Identität sie haben, ist sehr interessant. Dieser Roman konnte mir die Konflikte der Menschen untereinander, das Lebensgefühl und den Alltag in dieser Region näher bringen. Mein Bild, das sich vorher hauptsächlich aus Erzählungen meiner Eltern zusammensetzte, wird dadurch bunter, erhält mehr Dimensionen. Da ist es auch nicht so schlimm, dass die Handlung eigentlich nichts Neues erzählt. Es gibt den ewigen Konflikt zwischen dem einen Bruder, der Nazi ist und dem anderen, der eine Polin heiratet, eine Schwester, die eine Jüdin liebt, eine weitere Schwester, die einen verheirateten Mann liebt, eine uneheliche, ungeplante Schwangerschaft, prügelnde Ehemänner, betende Ehefrauen, die ewige Konkurrenz zwischen Katholiken und Protestanten usw. Immer, wenn die Geschichte eigentlich dramatisch werden müsste, wurde die Erzählung merkwürdig distanziert. Dennoch wird sehr deutlich, dass alle Armeen und Regierungen/Verwaltungen die "feindliche" Bevölkerung immer übel drangsaliert haben. Und dass Neid, Abgrenzung "Wir gegen die anderen", Rachsucht und das Abschieben von Verantwortung "Die anderen sind schuld!" die Wurzel allen Übels sind. Die Welt könnte so ein schöner Ort sein, wenn die Menschen endlich aufhören würden, gegeneinander zu kämpfen, sondern stattdessen an einem Strang ziehen. Wenn man sich gegenseitig hilft, wird doch allen geholfen. Stattdessen wird auf Patriarchat und Kapitalismus gesetzt, Menschen werden ausgebeutet, bis sie rebellieren. Allerdings flieht doch niemand aus seiner Heimat, um sich woanders zu bereichern, worauf die Autorin übrigens auch am Ende ihrer Danksagung hinweist.
Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben - meine Großmutter musste ebenfalls 1945 aus Schlesien fliehen. Leider konnte ich sie nie selbst nach ihren Erlebnissen fragen, weshalb mir dieser Roman wertvolle Hintergrundinfos geliefert hat. Die Erzählstränge waren vielfältig, es wurden viele Facetten des Lebens in Schlesien beleuchtet, vieles verstehe ich nun besser.
Der Schreibstil war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, wirkte aber authentisch, da er die Gedankenwelt der jeweiligen Person widerspiegelte, aus deren Perspektive berichtet wurde.
Das Buch war sehr informativ, allerdings ist mir keine der Hauptfiguren wirklich ans Herz gewachsen. 4 Sterne nur deshalb, weil mir etwas mehr Lebendigkeit und Spannung fehlten, es wurde eher "berichtet".
Ein ausgezeichneter Roman mit Fokus auf Identität, Familie und Menschlichkeit (diese anscheinend verändert sich nicht, wenn es um Vorurteile geht). Die Handlung ist fesselnd, die historische Fakten sind detailliert recherchiert. Ich finde besonders gut, dass keine grausamen Details explizit beschrieben sind. Die Charaktere sind authentisch geschrieben, sodass ich das Gefühl habe, ich würde sie kennen. Sehr empfehlenswert! Ich hoffe, die Autorin schreibt weitere historische Romane!!!
Eine Geschichte, die mir sehr ans Herz ging. ♥️😪 Vor Jahren habe ich eine Rundreise durch Polen / Schlesien gemacht und die meisten dieser Orte selbst besucht. Es hat sich so wunderbar angefühlt, "literarisch" nochmal zurückzukehren. Und eine Wallfahrt nach Częstochowa durfte natürlich nicht fehlen. ✨️
Raamatu sündmused algavad 1921. aastal Gleiwitzi linnas (praegune Gliwice, enne Teist maailmasõda oli linn Saksamaa aladel, pärast sõda jäi Poolale). Loo keskmes on sakslastest Strebelite perekond, kus on kokku viis last: Konrad, Heinrich, Ida, Hedel, Klara, Luise (sünnib raamatu alguses). Me jälgime Strebelite elu sõjaeelsetest aastatest tänapäevani välja. Vanim poeg Konrad abiellub poolatar Paulinaga ja see tekitab peres suurt tüli, sest kuigi naabrid, ei saa poolakad ja sakslased omavahel läbi. Peresiseselt tekib kõige suurem lahkheli noorema venna Heinrichiga, kes on juba varakult oma vaadete poolest natsipartei pooldaja. Heinrich on pere must lammas ja tema iseloomu arvestades pole üllatav, et temast saab natside võimu ajal kõrge ametnik. Ta naine Helga on samuti väga tõsiusklik parteiliige. Sõja lõppedes on Heinrich väga kiire natsitaagast loobuma ja paneb lääne poole ajama. "Ilus" Ida unistab oma õmblusateljee avamisest, ta viib selle unistuse ka täide ja on kuni sõjani väga edukas. Tal on juuditarist armastatu Ruth, kes sõja puhkedes Saksamaalt Hollandisse põgeneb. Seal Ruthi jäljed katkevad ja ta saatust võib vaid oletada. Klara töötab koos Idaga õmblussalongis, sõja alguses ta abiellub ja mees läheb kohe rindele. Abikaasa hukkub, Klara läheb vanematekoju tagasi ja hakkab lesestunud isa eest hoolitsema. Klara on ainuke, kes kõigele vaatamata ei tahtnud oma kodust loobuda, kuid lõpuks lahkuma sunnitakse. Hedelist saab meditsiiniõde ja kahjuks pole tal armastuses õnne. See, keda tema tahab on alati juba abielus. Luise on pere pesamuna. Vanemad on tema sünni ajaks juba eakamad ja nii sõbruneb ta vennanaise Paulinaga, kes on talle vanuse poolest rohkem emaks sobiv. Teismeline Luise läheb koos Konradi perega Poola pulma, kohtab seal oma elu armastust ning jääb sellest üheöösuhtest rasedaks. Konservatiivne isa viskab ta kodust välja ja edaspidi peab Luise sõprade abiga ise hakkama saama. Ta jääb elu lõpuni üksikuks. Kõrvaltegelased, sõbranna Magda, Strebelite naabrinaine Agnes ning Marie, kes Luise enda juurde elama võtab, on sama värvikad ja olulised kui Strebelite pereliikmed. Raamatu ajalooline osa oli väga uudne ja huvitav, sest Saksa-Poola suhtetest ja pärastisest maadejagamisest olin küll kuulnud, aga mitte lugenud. Mu mehe sakslannast vanaema elas enne Teist maailmasõda Breslaus ja läks juba sõja ajal Saksamaale tagasi. Seegi linn jäi pärast sõda Poolale. Raamat ei saanud minu käest täispunkte ja üldse mitte kvaliteedi pärast. Oleksin lihtsalt tahtnud mõne tegelase saatusest rohkem teada, kui oled neile terve raamatu kaasa elanud, siis tundub lõpplahendus stiilis "elab x linnas" natuke vähe. Sõjaraamatud pole praegu vast kõige sobivam lugemine, aga kui see kõrvale jätta, siis julgen soovitada küll.