Mutmaßlich 600 Jahre vor Christus schrieb der chinesische Philosoph Lǎozǐ das Daodejing, Gründungsschrift des Daoismus, unendliche Weisheiten ausspuckendes Sprüchebuch und lebenslange Inspirationsquelle gleichermaßen für Bruce Lee wie für Ursula K. Le Guin – und viele andere. Mutmaßlich im Frühjahr 2020 wiederum schrieb Marius Goldhorn einige Gedichte auf; im Eindruck des Lockdown, der Lektüre von Ursula K. Le Guin, des Daodejing, eines YouTube-Video-Gespräches zwischen letzterer und Donna Haraway und des Kaufs eines neuen MacBooks. Dabei entstanden ist YIN, ein Buch, das (wie sein Titel sagt) versucht das Weiche, das Flüssige im Autor zu fassen zu kriegen und daraus eine Textsammlung zu bauen, die Poetry ist, aber ohne große poetische Gesten auskommt. Die Tiefe besitzt und sich trotzdem angenehm „wegliest“, sich den Leser*innen nicht in den Weg stellt, sondern ihnen gewissermaßen den Weg bereitet.
Marius Goldhorn wurde 1991 in Lahnstein geboren und ist Autor des Romans »Park« (Suhrkamp Verlag) und des Gedichtbandes »Yin« (Korbinian Verlag). Seine Erzählungen und Essays wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 erscheint sein zweiter Roman bei Kiepenheuer & Witsch.
Viele Orangen und oft das Macbook hehe. Hab das Heft bei Dussmann gesehen, gekauft und in der S-Bahn nach Hause gelesen. Das ist so was, was ich in einem Jahr nochmal lesen müsste, um eine wirkliche Meinung zu bilden. Ein paar Zeilen haben mit mir resoniert, anderes waren eher Sachen, die mir nur lediglich aufgelistet vorkamen und dadurch nicht ganz bei mir gezündet haben.