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Die verratene Generation

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14 Millionen Deutsche wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mit Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben, über 2 Millionen von ihnen ermordet, mindestens 2 Millionen Frauen und Mädchen unter ihnen vergewaltigt. Die Thematisierung der Vertreibungsverbrechen gilt gesellschaftlich als Tabuthema – ebenso wie die Diskussion darüber, ob die alliierten Flächenbombardements mit 600000 Todesopfern Kriegsverbrechen waren. Der Großteil der zivilen Opfer war weiblich. Vergleichsweise wenig ist in der Wissenschaft über die Rolle der Frau im Nationalsozialismus geschrieben worden, so gut wie gar nichts über ihren Einsatz im Krieg. Dabei zwangen die Nazis, obwohl dies im Widerspruch zu ihrer eigenen Ideologie stand, beinahe jede deutsche Frau in den Kriegsdienst. Viele Millionen etwa schufteten als Rüstungsarbeiterinnen, 1,5 Millionen standen als Wehrmachtshelferin, Kriegshilfsdienstmaid oder Lazarettschwester mitten im Kriegsgeschehen. Frauen zitterten Nacht für Nacht in Luftschutzkellern um ihr Leben, wurden ausgebombt und verletzt, trauerten um ihre gefallenen Ehemänner. Sie waren auch die ersten Opfer der einrückenden Sowjetarmee, die keine Gnade mit ihnen kannte. Wenn sie das alles überlebt hatten, krochen sie am Ende auf Trümmern und räumten auf. Bis heute leiden diese Frauen an unverarbeiteten Kriegstraumata, für die sich zu wenige ihrer Nachkommen interessierten.

Nach dem Erfolg seines Buches Die verdammte Generation über die Stigmata, denen die letzten Soldaten des Zweiten Weltkrieges ausgesetzt waren, lässt Historiker Christian Hardinghaus nun 13 der letzten Zeitzeuginnen einer verratenen Generation sprechen, die erst von den Nazis, dann von alliierten Soldaten missbraucht worden sind und bis heute gesellschaftlich als vermeintliche Mittäterinnen eines Verbrecherregimes gebrandmarkt werden. In historisch umfassenden und mutigen Einleitungen widerlegt er Vorurteile und appelliert an ein Überdenken unserer Erinnerungskultur.

336 pages, Hardcover

Published November 1, 2020

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About the author

Christian Hardinghaus

31 books10 followers
About the Author

Dr. Christian Hardinghaus, born in 1978 in Osnabrück, Germany, is a German writer, historian, and media researcher with a Ph.D. A versatile author who moves skillfully between non-fiction and fiction, his works are consistently characterized by thorough historical research and psychological depth. He lives with his wife and two children in his hometown of Osnabrück, where he works as a full-time writer. Visit his official website at christian-hardinghaus.de for more information about his work and upcoming releases.


Academic Background

As the grandson of a doctorate-holding historical scientist, his fascination with history was practically laid in his cradle. After completing his high school education with a focus on history, he studied history, media, and literature, eventually earning his doctorate in 2011 in the field of propaganda and prejudice research. He rounded out his academic training with studies in psychology, pedagogy, and didactics, qualifying as a high school teacher for history and German. His research focuses include World War II, propaganda, everyday life in the Third Reich, and true crime phenomena.


Literary Work

Hardinghaus's literary portfolio encompasses both non-fiction books and novels, including thrillers. His non-fiction works and biographies document historical facts and extraordinary life stories, with particular emphasis on making history not just informative but experiential.

Among his most renowned works are the biography "Ferdinand Sauerbruch und Charité," exploring the life of the master surgeon and misunderstood resistance fighter, and "Das Wolfsmädchen" (The Wolf Girl). His scholarly work "Kriegspropaganda und Medienmanipulation" (War Propaganda and Media Manipulation) has been highly praised in academic circles.

Hardinghaus is particularly known for his "Generationen Reihe" (Generations Series), comprising "Die verdammte Generation" (The Cursed Generation), "Die verratene Generation" (The Betrayed Generation), and "Die verlorene Generation" (The Lost Generation). This remarkable series is based on over 100 interviews with witnesses of World War II, providing invaluable historical documentation through oral history.

His most internationally recognized work is "Verschollen in Panama" (Lost in Panama), investigating the mysterious disappearance of Kris Kremers and Lisanne Froon. His most popular novels include "Ein Held dunkler Zeit" (A Hero of Dark Times), "Drei Tage im Feuer" (Three Days in Fire), and "Die Buchhändlerin von Königsberg" (The Bookseller of Königsberg).


International Presence

Due to growing international demand for Hardinghaus's non-fiction works, he has begun publishing several of his books in English. These translations include "The Cursed Generation," "Hitler's Lost Boys," and "Hitler's Betrayed Daughters" from his Generations Series, as well as "Still Lost in Panama," the English version of his investigation into the Kremers-Froon case. This expansion into the English-language market reflects the universal relevance of his historical research and storytelling.


Journalistic Background

His career as a writer began at the Neue Osnabrücker Zeitung, where he gained valuable experience as a local journalist. Over the years, this developed into extensive journalistic work for renowned media outlets such as P.M., Psychologie Heute, and Gala. As a member of the German Association of Specialized Journalists, he actively works to strengthen serious journalism.


Knowledge Transfer and Media Presence

Today, Hardinghaus shares his expertise through lectures at schools and universities on historical topics, media education workshops, expert commentary in German and international media, and regular appearances on radio and television.

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Nastja Plaumann.
37 reviews
October 1, 2023
⭐️3.75

,,Wir dürfen nicht an einer einseitigen Vermittlung von Geschichte hängen."

Ein erdrückendes und emotionales Werk, dass nicht nur wichtigen Zeitzeuginnen eine Stimme gibt, sondern auch auf die heutigen gesellschaftlichen Konflikte hinweist.
Profile Image for Gordon.
503 reviews12 followers
February 12, 2026
War for the Common Woman

I'd never read about WW II from the German point of view. This book echoes work I'd done with Marines who had been at Waimea's Camp Tarawa. The crushing weight of war destroys common people while often sparing the evil men who declare war. If you like the humanity of this book, try The Cursed Generation, about the boys in the Wermacht.
Profile Image for Tinstamp.
1,180 reviews
December 15, 2020
Die Bücher von Christian Hardinghaus begleiten mich nun schon eine Weile und immer wieder bin ich begeistert von seiner sachlichen und sehr interessanten Darstellung der Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg. Der Historiker fesselt mit seinen Berichten und Analysen und bringt die Geschichte jedem Leser näher. Was hätte ich mir gewünscht, damals in der Schule, nur einen Bruchteil dessen so interessant erzählt zu bekommen.

Nachdem der Autor in "Die verdammte Generation" den männlichen Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges ein Buch gewidmet hat, sind es nun in "Die verratene Generation" die Frauen. Es bleibt nicht mehr viel Zeit diese immens wichtigen Zeitzeugen anzuhören, denn seit 75 Jahren ist der letzte Weltkrieg beendet. Doch noch heute leben wir mir den Nachwirkungen und zwar mehr, als wir oftmals denken.
Bevor sich Hardinghaus wieder den Einzelschicksalen seiner Zeitzeuginnen widmet und ihnen eine Stimme gibt, geht der Autor auf die Rolle der Frau während des Zweites Weltkrieges ein. Diese steht im Vergleich zu den männlichen Soldaten sehr im Hintergrund und wird oftmals fälschlich dargestellt und dies von vorwiegend weiblichen Historikerinnen. Es geht um die Frage der Schuld und wie die Gesellschaft von heute diese Zeit sieht. Danach widmet er sich Frauen auf der Flucht. Dabei kam es massenhaft zu Gewalt, Ausgrenzungen und Vergewaltigungen. Die Flucht geschah meistens in Etappen, denn der Russe kam immer schneller näher und war gefürchtet. Die Flüchtlinge waren jedoch innerhalb ihres eigenen Landes nicht willkommen.

Im letzten Teil wird näher auf die Bombardierungen eingegangen. Besonders der Feuersturm in Hamburg und die Zerstörung Dresdens am Ende des Krieges nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Wie die Menschen diese furchtbaren Flächenbombardments, die nach heutigen Maßstäben völkerrechtlich als Kriegsverbrechen gewertet werden erlebt haben, lässt Hardinghaus seine Zeitzeuginnen berichten. Für uns Leser ist es unvorstellbar, wenn man die Zahlen der verschiedenen Bomben liest, die auf die Städte abgeworfen wurden, wie dabei überhaupt jemand überleben konnte.
Gelernt habe ich auch wieder einiges, wie z.Bsp., dass es Hoch- und Tiefbunker gibt. Lores Vater war Architekt und half mit beim Bau vieler Bunker in Hamburg.
..."musste ich meinem Vater versprechen, dass ich immer nur in Hochbunkern Schutz suche. Die hielt mein Vater für sicher."
Außerdem erfahren wir, dass es sogar eigene Bunker für schwangere Frauen gab.

Die Zeitzeuginnen sind aus unterschiedlichen Schichten und Regionen, diesmal aber großteils (Dank Corona) im Norden Deutschlands angesiedelt. Trotzdem sind die Erzählungen sehr individuell. Hardinghaus hat besonders darauf geachtet unterschiedliche Lebensberichte in seinem Buch zu veröffentlichen. Dabei werden die Bombardierungen in Dresden, der Feuersturm in Hamburg, die Vertreibung der Sudetendeutschen oder die Flucht über die Haff theamtisiert. Auch den Trümmerfrauen gibt er ein Sprachrohr.
Die Frauen haben während des Krieges ihre Familie zusammengehalten und oftmals unaussprechliches Leid erfahren. Doch sie gaben nicht auf und wurden zeitlebens nie gehört. Helden waren nur die Männer, die Frauen nicht.
Die ereignisreichen und doch so unterschiedlichen Lebensgeschichten verschmelzen mit dem historischen Kontext zu spannenden und berührenden Erzählungen, die einem viele verschiedene und oftmals neue Einblicke gibt. Manchmal entscheiden nur Sekunden oder wenige Meter über Leben und Tod.
Zahlreiche private Fotos bringen dem Leser, die vom Autor ausgewählten dreizehn Zeitzeuginnen, noch näher. Auch Bilder von den zerstörten Städten lassen einem nur sprachlos zurück. Was bin ich froh, dass ich diese Zeit nicht miterleben musste.

Fazit:
Nach der Sicht männlicher Zeitzeugen in seinem Werk "Die verdammte Generation" hat der Autor nun den Frauen, die diese Zeit miterlebt haben, eine Stimme gegeben. Gewohnt lebendig hat der Historiker die Erzählungen der Zeitzeuginnen festgehalten, um #gegendasvergessen anzukämpfen. Falls eure Großmütter geschwiegen haben, so wie die meisten Männer und Frauen, die die Weltkriege miterlebt haben, dann liest dieses Buch! Auch diesmal kann ich wieder nur eine klare Leseempfehlung abgeben und rate wirklich jeden sich diese beiden Bücher über die letzten Zeitzeugen zu kaufen oder zu wünschen (Weihnachten naht!)
Profile Image for JoBerlin.
365 reviews40 followers
January 7, 2021
Der Historiker und Schriftsteller Dr. Christian Hardinghaus ist bekannt für seine Veröffentlichungen aus dem "Großväterland", das meint die 30er und 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts, einen Schwerpunkt legt er dabei auf Geschehnisse während des 2. Weltkriegs. So bezieht sich seine neueste Veröffentlichung (Nov. 2020, Europa-Verlag) auf die "verratene Generation", eine Generation von Männern und Frauen, die sozusagen unverschuldet in den braunen Abgrund taumelten, später dann bei den Folgegenerationen auf wenig Gehör und schon gar kein Verständnis für ihr wohl überwiegend naiv-ignorantes-ungewolltes Dazutun fanden.

Aus meiner Sicht ist ein Buch zu diesem Thema wünschenswert, ja notwendig - natürlich sollte der Recherche eine kritische Betrachtung folgen. Letzteres wollte oder konnte Christian Hardinghaus nicht zufriedenstellend leisten und so findet sich im Buch eine Vielzahl von widersprüchlichen Aussagen.
Als argumentativ schwach empfinde ich gleich zu Beginn die Ausführungen zur - als Kriegsverbrechen gewerteten - Bombardierung deutscher Städte und Bevölkerung. Der Autor zeigt damit gleichsam, dass es sich nach dieser Sichtweise keineswegs um eine regimebefreiende Vorgehensweise (wie 2020 zum 75. Jahr des Kriegsendes gefeiert) im Sinne der deutschen Bevölkerung handelte. – Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein anderes Ende des schon lange verlorenen Krieges nicht schneller oder gar schonender möglich war, denn es gab – gemäß den Vorgaben des totalen Krieges - eben keine Einsicht, kein Erbarmen und auch kein Waffenstillstands- oder gar Kapitulationsangebot der deutschen Staatsführung. Und ja - ein Aggressor, der zum Zwecke der Land- und Ressourcennahmen ganz bewusst-gewollt einen Krieg beginnt, der muss mit seiner Bevölkerung die Konsequenzen tragen, auch und gerade in Zerstörung von Lagern, Produktionsstätten und Siedlungen, falls das notwendig sein sollte.

Christian Hardinghaus benutzt in seiner weiteren Untersuchung Zeitzeugeninterviews, dabei kommen "Vertriebene aus dem Osten, Flüchtlinge, Opfer des alliierten Bombenkrieges" zu Wort, Frauen allesamt – "verführt, verbraucht, verraten und vertrieben". Das interessiert mich und ich bin gespannt.
Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die berechtigte Frage "was hättet ihr denn getan?" Ja, was hätten wir wohl getan, wir Nachkommenden ---- hätten wir überhaupt etwas getan oder ist der widerspruchlose Gehorsam etwa doch eine ganz deutsche Eigenschaft?
Christian Hardinghaus prangert die stereotyphaften Fragen und Weisheiten der Folgegenerationen zu Recht an: Ihr habt doch alles gewusst – warum habt ihr nichts unternommen - ihr habt doch alles erst möglich gemacht. Allerdings decken sich die Aussagen der oral history interviews allzu oft mit eben jenen Klischees. Enttäuschend. Das Argument "wir wussten ja nichts " findet sich in so gut wie jedem Interview. Der Rauch der Bücher, das Klirren der Scheiben, das Plärren der Ansprachen, das Verschwinden der Nachbarn – all das blieb unbemerkt, so stärkte man das Regime sozusagen ungewollt unbewusst. Und so wird klar: Wenn eine Erinnerung schadet, dann ist Vergessen vielleicht nicht der beste, aber doch der zutiefst menschlichste Weg.
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