Die Wissenschaft der Logik, laut Brecht »eines der größten humoristischen Werke der Weltliteratur«, ist das dunkle Herz des Hegel’schen Systems. Während Hegel seit einiger Zeit mit seiner Rechtsphilosophie oder auch der Phänomenologie in die intellektuelle Debatte der Gegenwart zurückgekehrt ist, bleibt seine Logik ein ungelesenes Hauptwerk der Philosophiegeschichte. So wartet dieses schwer zu durchdringende, kolossale Werk in unseren Tagen immer noch auf eine öffnende Neulektüre jenseits der Fachwelt. Patrick Eiden-Offe hat sich dem Exerzitium unterworfen, die Logik jeden Morgen eine Stunde zu studieren, konsequent von Anfang bis Ende. Er hat mit und in dem Buch überraschende und berührende Erfahrungen gemacht, die bei der bloßen Aneignung durch die Sekundärliteratur entgehen. Dabei hat er einen Hegel entdeckt, dessen radikales Denken zu einer ganz eigenen, hermetischen Sprache drängt, die allenfalls noch mit der Hölderlins vergleich bar ist; einen Hegel, der der Sache selbst »auf den Grund gehen« will und dann bloß noch protokollieren kann, wie sie »zugrunde geht«. Und einen Hegel, dessen Philosophie Züge eines abgründigen Humors trägt. Das Lesen der Logik wird zu einem Selbstversuch, ebenso wie das Schreiben darüber. Am Ende erscheint Die Wissenschaft der Logik selbst als ein Essay, dem als Trostbuch der modernen Seele für unsere Tage unbedingte Aktualität zukommt.
Das Buch ist offensichtlich eher ein Unterhaltungsbuch, stellt einige Bezüge und Interpretationen auf versucht das Ganze halbwegs abwechslungsreich im Sinne moderner Literatur darzustellen. Allerdings wirkt es auf mich recht beliebig, "Hauptsache" viele Bezüge aufgemacht, aber wenig ausgearbeitet, wenig Struktur und Einheit, und wenn der Autor dann doch mal Stellung bezieht, wirkt es oft irgendwie schräg. Es fühlt sich ein wenig an wie eine Buchform des FAZ-Feuilletons (oder dessen wie ich mir das FAZ-Feuilleton vorstelle). Immerhin sind konsequent Quellenhinweise angegeben, auch und gerade zu den weniger offensichtlichen Quellen.