Ljuba Arnautovic erzählt mit ihrer Familiengeschichte das Drama des 20. Jahrhunderts in Wien, Moskau und im Gulag. Ein poetischer Roman über Schicksal und politische Willkür.
1934 schickt Eva, die in Wien dem Republikanischen Schutzbund angehört, ihre Söhne Slavko und Karl fort, um sie vor den Nationalsozialisten in Sicherheit zu bringen. Die „Schutzbundkinder“ machen Ferien auf der Krim und kommen dann in ein luxuriöses Heim in Moskau. Bis Hitler den Pakt mit Stalin bricht. Slavkos Spuren verlieren sich, Karl wird aufgegriffen, kommt in eine Besserungsanstalt für Kinder und Jugendliche und schließlich als „Volksfeind“ ins Arbeitslager. Im Gulag lernt er seine zukünftige Frau Nina kennen – die Mutter der Autorin. Karl will nach Wien zurück, sobald es die Umstände erlauben, seine Frau zwingt er damit in die Fremde … Ljuba Arnautovic erzählt anschaulich, poetisch und mitreißend, wie Menschenverachtung und politische Willkür im 20. Jahrhundert das Schicksal der Menschen bestimmten – das Schicksal ihrer eigenen Familie.
Am Anfang des Buches hatte ich ein paar Schwierigkeiten in die Thematik reinzukommen und die verschiedenen Personen zuordnen zu können. Nach ein paar Kapiteln hat sich dann für mich aber alles geklärt. Der Schreibstil der Autorin ist sehr nüchtern, was mir in diesem Kontext jedoch wirklich gut gefallen hat, weil es sich um eine wahre, so geschehene, Geschichte handelt und da Ausschmückungen meiner Meinung nach eher fehl am Platz wären. Die eingefügten Originaldokumente, wie z. B. Verhörprotokolle aus der Zeit im Arbeitslager haben mich sehr nachdenklich gestimmt und erschrocken und sie unterstützen nochmal den Fakt des Realitätsbezugs. Es wird deutlich, wie erdrückend und grausam die Zeit damals für unschuldige Menschen, sogar Kinder war und es wird gezeigt, wie der Kampf ums Überleben der einzige Gedanke war. Eine Leseempfehlung von mir!
Ein super wichtiges und berührendes Buch, dessen Thema mir peinlicherweise bisher gar kein Begriff war. Es gelingt ihm anhand der Familiengeschichte der Autorin große Themen zu behandeln: Das Rote Wien und seine Beziehungen nach Moskau, die „Schutzbundkinder“, die auf der Flucht vor dem Faschismus in die Mühlen des Stalinismus gerieten, die Realität in den Gulags und das Weiterleben danach. Toll und poetisch geschrieben auf eine sehr subtile Art, die sich immer wieder wie ein kleiner Schlag in die Magengrube anfühlt.
ich hab das buch zufälligerweise in der stadtbücherei gesehen und hab das mitgenommen, weil die Autorin und ich den gleichen vornamen haben das buch hat mir richtig gut gefallen und ich will auf jeden Fall den roman über die beiden töchter lesen ab dem moment, an dem karls briefe an nina und erika nebeneinander platziert wurden, war ich so invested in das leben der kinder und ninas leben
Fascinating and upsetting novel, based on the author's family history. As the flap says, it describes how world events and personal choices affect several generations of ordinary people. Many are crushed, few survive, lives are blithed and all bear scars.
Knowing next to nothing about what happened in Austria between roughly 1900 - 1960, I had to read up a bit, to understand what will be quite obvious to people from Vienna or Austria. To me, when an author describes a scene at the Jesuitenwiese in the Green Prater, this is just some place in a park. To those familiar with Austrian history, lots of extra depth and meaning is added to the sad story of one of the novel's main characters.
Seems the author's first book, available in translations, describes the history of Eva. This second book describes what happens to her children. Had I known this, I might have started with the first novel. Right now, with a war going on in an area which plays an important role in the small novel, I need a break and will read something 'lighter'.
nach einer langen pause nach dem briefaustauch erika/karl und nina/ karl hab ich es endlich fertig und ich bin echt begeistert. Die parallele vom Anfang des Buches, wo Anastasia 32 ist und die Geschichte beginnt zum Ende, mit einer 32 Jährigen Tochter Nina, die wie ihr symbolischer Geburtsbaum oft entwurzelt wurde und nicht wirklich weiss, wo sie hingehört. Ich hoffe, dass sie irgendwie ihren Frieden gefunden hat. Eine weitere interessante Figur im Buch ist meiner Meinung nach Erika. Sie vermisste Slavko so sehr, dass sie ihn in allem suchte, auch in seinem Bruder, was seine Ehe zerstörte, sowie auch seine Beziehung mit seinen Kindern. Die Verlusste und Schmerzen die diese Personen erleben mussten sind schrecklich und ich war ebenso des öfteren nahe an den Tränen, am Ende konnte selbst ich es nicht mehr aushalten. Die Art, mit der die Autorin schreibt, ist dast schon Schicksalsgleich, traurig und gleichzeitig auch irgendwie schön. Nostalgisch eben. Wird auf jeden Fall nochmal gelesen und analysiert werden. Wow.
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Spannende Familiengeschichte beginnend in der Zwischenkriegszeit in Österreich, die mir in der Form nicht bekannt war.
Schicksale von Kindern österreichischer kommunisten, die in die progressive sowjetunion geschickt wurden, um dem Nationalsozialistischen Regime zu entgehen.
Anfänglich eine gute Idee, die sich prompt in einen Alptraum ändert, nachdem hitler Russland angreift.
Ein sehr guter Bericht über die Irrungen und Wirrungen Europas und ihrer Menschen vor 80 Jahren. Unnahbar wird das Buch durch die Erzählform, der Stil ist manchmal etwas hölzern, die Ich-Form wäre greifbarer, aber vielleicht kann man so eine (die eigene?) Geschichte nur mit Distanz erzählen.
I had a pretty tough start into this book but at about a fourth it really turned around and I really enjoyed the story. The story tells us about different people before, during and after war. It ws told really factual and it progressed really fast. I quite enjoyed it.
Die Lebensgeschichten haben in mir ein Gefühl der Ungerechtigkeit in ihren vom Krieg geprägten Schicksalen hinterlassen & den Eindruck einer großen Ohnmacht gegenüber staatlicher Willkür.
Not quite as good as the first part, but still very powerful. Especially the first half of the book. Looking forward to the final instalment of the author’s family history.
Mehr ok als gut, die Briefromanform kommt stark zur Geltung und nimmt die zwischenmenschliche Spannung. Diese Lagerliteratur scheint wieder populär zu werden. Gut zu lesen für ein Wochenende.
Ein wunderbares Buch über eine fürchterliche wahre Geschichte. Die Erzählform ist so mitfühlend. Man kann es gar nicht fassen was diesen Leuten in dieser Zeit in Russland angetan wird, aber es ist nicht schockierend.