Von der Gewalt der Vergangenheit und der Liebe der Gegenwart
Wenn Nike ihre Wohnung in Berlin-Mitte verlässt, muss sie am Stolperstein ihrer Urgroßmutter vorbei. Nike ist als Jüdin in Ostberlin aufgewachsen, jede Straße trägt Erinnerung, auch schmerzhafte. Als sie ein Jobangebot in Tel Aviv bekommt, nimmt sie an. Dort trifft sie Noam, er ist Journalist, seine Geschichte ist tief und komplex. Nike lässt ihn in ihr Leben, als ersten Mann seit Jahren. Doch zwischen ihr und Noam steht Noams Onkel Asher. Der ist vereinnahmend und brutal und setzt alles daran, dass Nike aus Noams Leben verschwindet. Furchtlos und berührend erzählt Mirna Funk von der Gewalt, die in Nikes und Noams Familiengeschichten steckt. Wie leben sie mit ihren individuellen Bruchstellen? Und wie können sie einander lieben?
Mirna Funk works as a journalist, author and copy-writer. She lives in both Germany and Israel.
Born in Berlin in 1981, Funk majored Philosophy and History at Humboldt-University. She conducts articles, essays and copy for various magazines, newspapers and brands like NEON, NIDO, ZEIT Magazin and Süddeutsche Magazin.
Her debut novel Winternähe was published in July 2015 by S. Fischer Verlage. It was awarded with the "Uwe Johnson prize" for emerging writers and nominated for the "aspekte literature prize" for "best debut novel" as well.
Mirna Funk was invited by the Dutch Literature Foundation to stay at a writer-residency in Amsterdam from April 1 till May 15, by the PEN Belgium to live in Antwerp from June 1 till June 30 and by the Goethe Institute Finnland to work in Tampere from October 1 till October 31 2016.
Mirna Funk erzählt von zwei Menschen, die Ballast mit sich herumtragen. Die sich nicht darüber definieren zu gefallen. Die im Inneren etwas zerstört sind und trotzdem noch Hoffnung haben. Sie erzählt von toxischen Beziehungen, Missbrauch, Gewalt, von Aufbruch, Selbstfindung und den Bruchstellen einer Weltreligion, von tiefen Wunden und davon, dass die Traumatas anderer manchmal zu unseren eigenen werden können. Ein Buch mit einem harten Kern, andem sich manche sicherlich die Zähne ausbeißen werden. Ich komme mit schweren Büchern gut zurecht, oftmals sogar besser als mit lockerer Unterhaltungsliteratur. Nicht weil ich Unterhaltungsliteratur nicht mag, sondern weil sie mich auf lange Sicht nicht weiterbringt. Ich möchte niemand sein, dessen Entwicklung auf Stillstand steht und Bücher haben einen großen Anteil daran, meinen Verstand wach zu halten und ja, mich je nach ihrer Thematik sogar ein Stück weit zu heilen. "Zwischen Du & Ich" hat mir all das gegeben und mehr. Es hat inhaltliche Lücken und am Ende wird nicht jede Frage beantwortet; ob das gefällt oder nicht, muss man für sich selbst herausfinden. Ein schwieriges Buch, aber eben auch ungemein wertvoll.
Ein Roman, in dem die Wirkung transgenerationaler Traumata in seinen Protagonist*innen gezeigt und als Ursache für ihr Scheitern oder Weiterkommen dargestellt wird. Außerdem fließen Erläuterungen über die Shoah, Juden in der DDR, deutschen Kolonialismus oder gesellschaftliche Bewegungen wie intersektioneller Feminismus mit ein. Was vielversprechend klingt, wird m. E. nicht eingelöst. Bis auf die beiden Hauptfiguren Nike und Noam, bleiben alle Figuren flach und dienen als Stichwortgeber, die in künstlich wirkenden Dialogen Gewalt an Frauen oder die Ursachen des Genozids in Ruanda erklären müssen. Was sie sagen ist interessant und wichtig, aber ich denke, dass die Form in der es hier gemacht wird, den Thematiken nicht gerecht wird und evtl. in einem Sachbuch besser hätte verhandelt werden können. Obwohl die Leserin viel über das Innenleben und die traumatischen Vergangenheiten von Nike und Noam erfährt, wirkt ihre gemeinsame Gegenwart - und somit ein Großteil der Handlung dieses Romans - uninteressant, ja banal. Es wird viel auf Instagram gescrollt und darüber geredet, man hängt zu Hause rum, geht manchmal arbeiten. Obwohl Nike gerade erst nach Tel Aviv kam, um ihrem Leben nochmal eine neue Wendung zu geben, erfährt man nichts mehr über die eigentliche Aufgabe, die sie dort hinführte, sondern ist gezwungen nur noch ihr Beziehungsleben mit Noam zu ertragen. Letztlich kann Nike ihr transgenerationales Trauma durch ihren Aufenthalt in Israel wirklich besser begreifen, aber wie sie es dort hinschafft, lässt bei der Leserin keinen großen Erkenntnisgewinn zurück. Trotzdem ist das Buch ein Pageturner, wahrscheinlich weil man die ganze Zeit hofft, da käme noch ein bißchen mehr Tiefe.
Nike ist Mitte 30 und lebt in Berlin, sie ist durch ihre Mutter und Großmutter Jüdin, das Judentum wurde in ihrer Familie jedoch nicht praktiziert. Als sich auf ihrer Arbeit (sie arbeitet für den DAAD) die Möglichkeit ergibt, nach Tel Aviv zu gehen, ergreift sie die Chance und nimmt sich vor, Alija zu machen.
In Tel Aviv trifft Nike schnell auf Noam, einen Kolumnisten, der nicht viel Glück hatte, seinen Vater früh verlor, und mit einem Onkel aufgewachsen ist, der ihn misshandelt hat. Sein Leben hat er nicht so richtig im Griff, mit Nike will er das ändern, die beiden fangen so etwas wie eine Beziehung an, doch schnell wird klar, dass es nicht funktioniert, am Ende nicht funktionieren wird, der Schmerz der beiden sitzt tief, denn auch Nike wurde von ihrem Ex-Freund missbraucht.
Das erste Buch von Mirna Funk, Winternähe habe ich kürzlich gelesen und sehr geliebt, doch da kommt „Zwischen Du und Ich“ für mich leider nicht ran. Man kann dem Buch positives abgewinnen, wie das Setting in Israel, man kann es sehr leicht lesen, das, es gibt einige spannende Aspekte über das Judentum, es gibt interessante Ansätze, doch für mich spielt Mirna Funk die einfach nicht zu Ende. Die Charaktere und ihre Entscheidungen konnten mich nicht ganz überzeugen, ständig habe ich gezweifelt und mich gewundert, konnte mich nicht fallen lassen. Die letzte Szene ließ mich ratlos zurück.
Es ist klar, dass es in diesem Buch um Schmerz gehen soll, der über Generationen weiter vererbt wird, Schmerz, der teilweise vom Holocaust herrührt, aber dann hätte es für mich eine tiefere Auseinandersetzung damit gebraucht, es bleibt überall zu seicht, und geht mir nicht genug in die Tiefe. Vielleicht hätte das Buch ein bisschen länger sein sollen, um den Themen gerecht werden zu können.
Die Geschichte ist nett und einigermaßen unterhaltsam, aber mehr nicht, konnte mich leider nicht ganz überzeugen.🤷♀️
Pointless dialogues, tasteless sex scenes, forgotten plot lines, meaningless violence and brutal character background stories to justify their current actions - this novel has it all. The whole book basically consists of trigger warnings. I was so hoping to read a young and fresh book on modern Jewishness from a Jewish writer. This is not it. The only redeemable moments can be found on pages 86, 192 and 257. The rest is extremely boring and the sentences are so simple that the only use for this novel is to integrate it into some German A2 level course (if the teacher wants to traumatize their students).
Actual rating 3,5 Mirna Funk can write. That‘s a fact. Beware though, this book should come with quite a few trigger warnings (child abuse being one of them) and it was a bit more intense in that regard than I‘d anticipated, especially having read her other book too. I will have to let the story simmer in my head for a few days to grasp it all even deeper.
Meanwhile: once again, craving another holiday in Tel Aviv again soon.
Vielleicht hatte ich einfach zu hohe Erwartungen... Der Roman handelt von jeglicher Form der Gewalt, die man sich vorstellen kann (und hätte dadurch auch eine Träger-Warnung nötig gehabt). Die Prämisse klingt spannend und interessant, doch leider passiert auf den ersten 100 Seiten nicht viel. Viel bleibt ungeklärt und die Beziehung der beiden ist von Anfang an nicht gesund (auch wenn ich das als Leserin nicht sofort bemerkt habe). Das Ende ließ mich unbefriedigt zurück. Obwohl ich beide Protagonisten nicht immer sympathisch fand, hätten sie ein anderes Ende verdient. Was noch unbefriedigend war, sind die Dialoge. Diese wirken sehr gestellt und alles andere als natürlich. Was ich dem Roman aber zu gute halten muss, ist, dass ich viel über das Judentum und das Jüdisch-sein gelernt habe.
Eine böse Erinnerung und plötzlich die Chance zur Flucht: Nike kann für ein Jahr ihre Arbeit beim DAAD statt in Berlin von Tel Aviv aus erledigen. Dort plant die Judaistin eine Konferenz und da sie die Voraussetzungen zur Alija erfüllt, kann sie auch problemlos in das Land am Mittelmeer übersiedeln. Die ersten Tage sind hart, doch dann lernt sie Noam kennen, der ebenso wie sie gerade einen beruflichen Schlussstrich gezogen hat. Doch sie haben noch mehr gemeinsam: Erfahrungen von Gewalt und Vertrauensmissbrauch haben sie geprägt und machen funktionierende Beziehungen nahezu zu einem Ding der Unmöglichkeit. Zwei verwandte Seelen, die wissen, wie man mit Verletzungen umgehen muss und an welchem Punkt man lieber keine weiteren Fragen stellen sollte. Aber können die beiden so einfach überwinden, was sie seit Jahren verfolgt?
Die Journalistin Mirna Funk lässt den Leser lange im Dunkeln, was es genau ist, das die beiden Protagonisten so hat werden lassen, wie man sie kennenlernt. Damit einher geht die Illusion, dass es ein Happy-End geben könnte, dass ein Neuanfang ohne Ballast möglich sei und man schlimme Erlebnisse überwinden und hinter sich lassen könnte. Doch der Rahmen, den die Autorin in ihrem zweiten Roman setzt, ist noch viel größer: nicht nur die Erlebnisse von Nike und Noam haben Spuren bei diesen hinterlassen, sie tragen auch noch den Ballast der älteren Generationen mit sich, als Enkelkinder von Holocaust-Überlebenden lastet zusätzlich die Geschichte auf ihren Schultern.
Nike und Noam werden zunächst nacheinander vorgestellt und könnten eigentlich verschiedener kaum sein: die Berliner Mitt-30erin, die beruflich mit beiden Beinen auf der Erde steht, aber emotional ins Wanken gerät, als sie zufällig ihrem Ex-Freund begegnet und sich dann entscheidet, einen Neuanfang zu wagen. Einfach so in ein Land zu ziehen, das sie noch nie besucht hat, erfordert Mut und Tatendrang – doch schon kurz nach ihrer Ankunft werden alte Wunden wieder aufgerissen und man erfährt, was sie eigentlich gedanklich zurück in Deutschland lassen wollte.
So sympathisch Nike erscheint, so unsympathisch wirkt Noam von Beginn an auf mich. Ein völlig überhöhtes Ego, sein rücksichtloser Umgang mit Frauen und eine Art Jagdinstinkt, der ihn auf Nikes Spur leitet, lässt Schlimmes befürchten. Doch die Begegnung scheint in ihm etwas Anderes auszulösen, er kann sich zu dem Partner entwickeln, der er eigentlich immer sein wollte: verständnisvoll, das Positive sehend und die eigenen Bedürfnisse zurückstellen.
Wird jedoch der Mechanismus erst einmal in Gang gesetzt, lässt sich das Unglück nicht mehr aufhalten. Als Leser ahnt man, was geschehen wird, welches Ende es nehmen wird und hofft doch, dass irgendein Hindernis alles aufhalten könnte. Die Spirale der Gewalt dreht sich und es bleibt letztlich nur noch die Frage, wie schlimm die Verwüstung sein wird, die diese anrichtet.
Kein Wohlfühlroman, eher einer, der eine Triggerwarnung verdient hätte, da so manch ein Leser mit ähnlichen Erfahrungen hier an eigene Erlebnisse erinnert werden könnte. Nichtsdestotrotz eine lesenswerte Geschichte, da es der Autorin hervorragend gelingt, zum einen Dynamiken in der Interaktion aufzuzeigen, die unweigerlich zu einer Eskalation führen und sie ebenso ein toxisches Männlichkeitsbild mit seinen ganz eigenen Regeln vorführt, das jedoch auch seine Gründe hat – die jedoch zum keinem Zeitpunkt als Entschuldigung herangezogen werden. Spannend fand ich die im Roman aufgerissene Frage, inwieweit Kinder die Erlebnisse der Eltern ebenso verinnerlichen und diese auch ihr Leben bestimmen. Erzählerisch überzeugend und thematisch ganz sicher einer DER Romane der Gegenwart.
Nike ist Jüdin, mitte 30, lebt in Berlin und braucht vor allem eines in ihrem Leben: Struktur. Sie wurde in der Vergangenheit zutiefst verletzt und schwer misshandelt, weshalb sie sich an ihre durchgetakteten Tage klammert. Als sie dann aber eine Person aus ihrem "alten" Leben trifft, kehrt alles schlagartig in ihren Kopf zurück - und Nike bricht aus: aus ihrem Leben, aus Berlin, aus Deutschland, nach Tel Aviv. Dort begegnet sie Noam und kann sich bei ihm zum ersten Mal seit langer Zeit wieder fallen lassen...
Mirna Funk erzählt in ihrem Buch "Zwischen Du und Ich" eine Geschichte von Gewalt, multiplen, transgenerationalen Traumata und von verwundeten Charakteren. Ihr Schreibstil ist extrem dicht und klar, die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund und schafft Bilder im Kopf, die ich manchmal so gar nicht haben wollte. Genau das hat für mich dieses Buch aber ausgemacht. Die Charaktere haben so viele Ecken und Kanten - und vor allem Noam war mir absolut unsympathisch. Selten habe ich beim Lesen so viel Ekel gegenüber einer Figur verspürt und selten konnte ich trotzdem so viele ihrer Handlungen so gut nachvollziehen. Diese Ambivalenz war für mich sehr spannend.
Besonders gut hat mir an diesem Roman auch gefallen, dass ich so viel über das Leben und Bräuche von Jüd*innen sowohl in Berlin, als auch in Israel gelernt habe. Die Protagonistin Nike begibt sich im Laufe des Buches auf Spurensuche in ihre jüdische Vergangenheit. Das habe ich als sehr bereichernd empfunden.
In "Zwischen Du und Ich" verarbeitet die Autorin viele Themen, sie verbindet sie miteinander, stellt häufig die Frage, wie Traumata in der Vergangenheit mit Traumata späterer Generationen zusammenhängen. Sie ergründet, ob zwei Menschen, die beide ihr eigenes riesiges Päckchen zu tragen haben, trotzdem einander eine Stütze sein können, einander aus ihren Tiefen heraushelfen können - oder ob sie zusammen nur noch weiter hinabstürzen.
Ich wusste manchmal nicht, wo mich das Buch hinführen möchte. Es war mir auch manchmal ein bisschen zu viel, ein wenig zu überladen. Trotzdem hat es mich begeistert und es lässt mich auch nicht mehr los. Ich mochte die Geschichte, ich mochte den Schreibstil, ich mochte das Setting - daher gibt es eine Leseempfehlung. Ich habe mich in Mirna Funks Art, zu schreiben, verliebt und möchte nun unbedingt ihren anderen Roman "Winternähe" lesen 📖
ich bin irgendwie enttäuscht weil ich so hohe Erwartungen hatte… winternähe gehört zu meinen lieblingsbücher aber bei zwischen du und ich hatte ich ab der Mitte des Buches das Gefühl, die Geschichte ist rein konstruiert, etwas überstrapaziert und die Dialoge hölzern. Außerdem ist Noam ein weirder stalker creep für dessen Geschichte ich so gar keine Empathie aufbringen konnte, vllt aber auch weil mir Mirja Funk gerade bei seiner Darstellung zu oberflächlich geblieben ist und es wirkte als wolle sie schlicht schockierend. Nikes Part gefiel mir deutlich besser, wäre das Buch nur aus ihrer Sicht gewesen hätte ich mich ab der Mitte vllt nicht mehr so durch zwingen müssen. Leider räumte auch Funk Nikes Familiengeschichte nicht genug Raum ein obwohl der Roman über generationsübergreifende Traumata gehen sollte, blieb mir genau das Thema zu kurz. Dafür hätte ich dann lieber auf eine der zahlreichen sinnlosen Nebenfiguren verzichtet (natürlich hatte Nike mit ihrem Anwalt gebonded und kennt einen top Zahnarzt in Israel der ein alter Bekannter ist und ihr einen freundschaftspreis macht *clownemoji* - auch hier da hätte ich mir mehr Auseinandersetzung von Nike zu dem Sascha Thema gewünscht wieso all diese Nebenfiguren und das Thema und am Ende ist Nike nur so: ach cool hab neue Zähne ergo ein neu gewonnenes Selbstvertrauen see ya!)
Nachdem ich im letzten Jahr Winternähe gelesen und geliebt habe, wurde Zwischen Du und Ich von mir mit Vorfreude erwartet. Wie sein Vorgänger ist es knackig geschrieben und liest sich schnell. Mirna Funk erzählt so, dass man immer noch ein paar Seiten lesen will und noch ein paar mehr und ein paar mehr gehen noch.
Gewalt zieht sich durch die Familien- und Lebensgeschichten beider Hauptfiguren. Aber gerade die Teile des Buches die Noam begleiten sind unangenehm, teilweise verstörend, auf jeden Fall frustrierend. Nicht nur weil, die Schilderungen des Erlebten oft schwer zu ertragen sind (und man etwas unvorbereitet hineinschlittert - triggerwarnung?), sondern auch weil der erwachsene Noam keinen Weg aus der Viktimisierung findet, auch wenn seine größte Angst ist Opfer zu sein. Die doppelte Perspektive, mit Nike als Protagonistin und Ich-Erzählerin in einigen Kapiteln und Noam aus personaler Erzählform in den anderen, hilft dabei am Ende immer bei Nike zu bleiben. Und trotzdem gelingt es Mirna Funk Empathie mit Noam zu erzeugen, auch wenn das Verhältnis zu ihm dabei zwangsläufig ambivalent bleibt.
Die ersehnte Auflösung, in der Noam Verantwortung für sich selbst übernimmt, in der sich die Charaktere gegenseitig retten bleibt aus, der Zweifel der sich der Leser*in von der ersten Begegnung der beiden aufdrängt bewahrheitet sich. Das ist zwar keine Überraschung, aber zumindest relativ authentisch und Nike schafft so den ersten Schritt zur Selbstermächtigung. So dass auf den letzten Seiten doch noch so Etwas wie Hoffnung aufkommt.
Mir hat es gut gefallen aber fand es lange nicht so gut wie Winternähe. Die direkte Art wie Mirna schreibt war nicht mehr so überraschend für mich und die ganzen Site Stories über Gewalt, Trauma, Judentum und Genozide fand ich irgendwie belehrend. Habs aber auch fast ohne es wegzulegen durchgelesen.
Die Mittdreißigerin Nike hat die Chance, für ihren Arbeitgeber DAAD (Deutscher Akadamischer Auslandsdienst) für ein Jahr nach Tel Aviv zu gehen, um von dort aus eine Konferenz vorzubereiten. Damit beginnt Mirna Funks Roman „Zwischen du und ich“. Da sie durch ihre Mutter Jüdin ist, nutzt Nike Chance, sich in Israel einbürgern zu lassen (Alija zu machen), obwohl sie den Glauben nie praktiziert hat. Außerdem möchte sie die Zeit nutzen, um mehr über ihre Familie herauszubekommen, denn ihre Familienverhältnisse in Deutschland sind zu kompliziert, als dass sie dort etwas erfahren könnte. In Tel Aviv trifft sie auf Noam, einen bekannten ehemaligen Zeitungskolumnisten, der ebenfalls aus komplizierten familiären Verhältnissen stammt. So weit, so interessant. Und vor allem die Passagen, die die Autorin aus Nikes Sicht beschreibt, fand ich im Großen und Ganzen auch wirklich gut. Die Schilderungen ihrer Vergangenheit in einer toxischen und gewaltvollen Beziehung mit einem älteren Mann, ihre komplizierte Familie, in der viel über die anderen geredet wird, aber kaum jemand mit dem anderen zu reden scheint und die mutige Entscheidung zum Umzug nach Tel Aviv – das alles las sich spannend und interessant. Noam hingegen fand ich nicht sehr sympathisch. Zwar hat er es auch nicht leicht im Leben und auch seine Familienverhältnisse sind schwierig, aber er ist für mich ein Macho, dazu ist er egozentrisch, sexistisch, unbeherrscht und rücksichtslos. Frauen scheinen für ihn nur Objekte zu sein, dafür nimmt er sich selbst aber das Recht heraus, eifersüchtig zu sein und auch seinen Vaterpflichten gegenüber seinem Sohn Amit kommt er nicht wirklich nach. Nachdem Nike ihn getroffen hat (besser gesagt: nachdem er sie erst bei Instragram gestalkt und dann um ein Treffen gebeten hat), interessiert sie sich kaum noch für etwas anderes. Obwohl sie schon eine toxische Beziehung hinter sich hat, lässt sie sich Hals über Kopf auf ihn ein und ihre Arbeit und die Suche nach ihren Wurzeln geraten völlig in den Hintergrund („Ich war die gesamte Woche nicht zum DAAD gegangen, sondern hatte die Tage nur mit Noam verbracht.“). Und so wandelt sich auch die Handlung des Buchs zu einer eher platten Liebesgeschichte zweier traumatisierter Menschen. Die erwarteten Themen Religion, Kultur, jüdisches Leben in Deutschland und Israel, die Unterschiede zwischen „Ost-Juden“ und „West-Juden“ zu DDR-Zeiten finden fast ausschließlich im ersten Teil des Buchs statt und dann wird zugunsten einer hanebüchenen unguten Liebesbeziehung alles über den Haufen geworfen. Und auch das Thema der häuslichen Gewalt und der „vererbten Traumata“ (also Epigenetik) wird zwar erwähnt, aber nicht wirklich ausgeführt. Einzig der Zusammenhang zwischen deutscher Kolonialherrschaft und dem Bürgerkrieg in Ruanda wird ziemlich gut herausgearbeitet. Schon beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, ich hätte irgendwas verpasst. Ständig wartete ich auf Erleuchtung oder echte Handlung zwischen Sex oder Gewaltbeschreibungen für die ich mir durchaus eine Triggerwarnung gewünscht hätte. Also habe ich zurückgeblättert, noch einmal gelesen – und war doch nicht schlauer. Ich fand das Buch an sich nicht wirklich schlecht, aber ganz sicher auch nicht gut. Sprachlich ist es gut und flüssig zu lesen, die Autorin sagt durch Andeutungen und Rückblicke sehr viel, ohne es wirklich zu sagen. Insgesamt fand ich es stellenweise aber zu derb und zu vulgär. Für mich war das Buch gewollt und nicht gekonnt, vor allem Ende ließ mich auch nach mehrmaligem Lesen völlig ratlos zurück. Wichtige Themen werden nur angerissen, aber zu wenig verfolgt, die Charaktere waren eher unsympathisch und in ihren Motiven undurchsichtig. Alles in allem fehlte mir im Buch die Tiefe und es kam mir eher wie mit dem Vorschlaghammer erzählt vor, denn einfühlsam. Schade, das Thema hätte eine Menge Potential geboten, aber über jüdisches Leben gibt es sicher weitaus bessere Bücher. Von mir daher für die gute Idee eher ratlose und enttäuschte 2 Sterne.
Pointless dialogues, tasteless sex scenes, forgotten plot lines, meaningless violence and brutal character background stories to justify their current actions - this novel has it all. The whole book basically consists of trigger warnings. I was so hoping to read a young and fresh book on modern Jewishness from a Jewish writer. This is not it. The only redeemable moments can be found on pages 86, 192 and 257. The rest is extremely boring and the sentences are so simple that the only use for this novel is to integrate it into some German A2 level course (if the teacher wants to traumatize their students).
„zwischen du und ich“ ist ein Buch mit so vielen einzelnen Ebenen, die dann doch zu einem grossen Ganzen werden. Ich möchte gar nicht zu viel zu dem Buch sagen, außer, dass ich froh bin, dass es auf dem deutschen Buchmarkt Autor*innen wie Mirna Funk und Bücher wie „zwischen du und ich“ gibt. Absolute Leseempfehlung.
FUNK, Mirna: „Zwischen Du und ich“, München 2021 Ein sehr skurriler Roman. Zwar eine ausgefallene Geschichte, die sich in einer jüdischen Gesellschaft bewegt. Auf die Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg zurückblickt, aber auch das heutige Leben in Israel aufzeigt. Stilistisch ist es nicht sehr gut. Die ersten zwei Drittel des Buches ziehen sich. Erst am Schluss kommt Spannung auf und man vergisst die nicht so gute Schreibweise. Die zwei Hauptpersonen sind Nike und Noam. Nike eine junge Frau aus Berlin, die jüdische Vorfahren hat. Sie arbeitet für einen deutschen Austauschdienst und meldet sich für ein Jahr nach Tel Aviv. Als deutsche Frau mit jüdischen Vorfahren bekommt sie die Doppel-Staatsbürgerschaft. Noam ist ein in Israel lebender 40-jähriger Mann. Seine Mutter – eine deutsche Jüdin – hatte die Familie verlassen und der Vater war gestorben. Sein Onkel zog ihn auf. Mehr schlecht als recht. Er hat nie richtig Fuß gefasst. Keine Beziehungen und keinen Dauerjob. Als Kolumnist in einer sozialistischen Tageszeitung wurde er bekannt, aber auch diesen guten Job wirft er hin. Die beiden Akteure teilen sich die einzelnen Kapitel im Buch. Jeweils aus einer Perspektive wird die Geschichte erzählt. Im Zuge des Aufenthalts von Nike in Tel Aviv kommen die beiden zusammen. Sie sind aber sehr unterschiedlich. Noam ist von seinem Onkel abhängig. Er hatte nie einen Fixpunkt. Mit Nike sieht er die Chance eines Neuanfangs, aber es gelingt nicht und endet in einem Desaster. Viele Sätze sind hebräisch und für den unkundigen Leser unverständlich. Hier wäre eine Übersetzung – und sei es nur im Anhang – sehr nützlich.
Eindrucksvolles Buch, eindrucksvolle Sprache und klasse Beschreibung von Beziehungen. Einzig die Anbahnung des ersten Treffens zwischen Nike und Noam fühlt sich für mich wie ein Bruch an, der nicht passt und der für mein Empfinden sehr unerwartet und zu schnell passiert. Das hat mich irritiert und passte für mich nicht ganz zur sonstigen Erzählweise, sie ich super finde. Auf jeden Fall und insgesamt ein wirklich tolles Buch mit Inhaltswarnung: Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, sexualisierte und häusliche Gewalt, Misogynie, Depression, Mord
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Man muß das Buch zur Hälfte lesen, ehe die beiden Protagonisten sich kennenlernen. Beide sind emotional kaputte Typen, Noam mehr als Nike. In dem Buch geht es um häusliche Gewalt, Femizide, Kindesmißbrauch, Epigenetik etc. Für die insgesamt 300 Seiten sind es irgendwie zu viele Probleme. Selbst über die Beschneidung jüdischer Jungen gibt es einen kritischen Absatz. Das Leben im heutigen Telaviv wird lebhaft beschrieben. Insgesamt habe ich das Buch aber gerne gelesen. Ich würde 3.5 Sterne vergeben.
Auf der einen Seite habe ich das Buch sehr gerne gelesen, es ist toll geschrieben und es wird eine spannende Handlung aufgebaut, bei der man sich immer wieder fragt: wo fährt das alles hin, wie geht es weiter? Auf der anderen Seite hört alles sehr abrupt und ungelöst auf, wobei auch der Einblick in die Charaktere nicht mehr so schön intensiv ist wie zu Beginn des Buches. Trotzdem bin ich froh, es gelesen zu haben ☺️
Nike und Noam. Zwei jüdische Menschen, die jeweils eine verworrene und schwierige Vergangenheit mit sich herum tragen und nicht wissen wie sie gegen ihr Trauma und das Trauma ihrer Vorfahren angehen sollen
“Zwischen Du und Ich” von Mirna Funk habe ich am Wochenende innerhalb von 48 Stunden inhaliert. Und es hat mich auf eine emotionale Achterbahn geschickt. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, wollte unbedingt wissen wie es mit Nike und Noam weitergeht.
Nike lebt in Ostberlin und braucht die Ordnung in ihrem Leben, um den Schmerz, den sie in sich trägt, zu ertragen. Doch dann wird, das was sie erfahren hat, durch eine Begegnung wieder hervorgerufen und sie bricht aus ihrem Leben aus, stürzt sich in ein neues Leben in Tel Aviv als sich die Chance im Rahmen ihres Jobs auftut. Dieser Move ist so gar nicht Nike-like und in Tel Aviv angekommen, steht sie vor existenziellen Fragen, und der Angst, dass die Entscheidung doch überstürzt war. Doch dann taucht Noam in ihrem Leben auf. Noam, der selbst tiefe Wunden trägt. Die Frage, ob zwei Menschen, die durch Bruchstellen — wie es Mirna Funk benennt — geprägt sind, einander lieben können, stellt sich. Wie gehen Menschen mit ihren Schmerzen um? Können sie sie zusammen überwinden oder gemeinsam mit ihnen leben?
Mirna Funk ist nachdem ich ihren ersten Roman “Winternähe” gelesen habe, zu einer meiner liebsten Schriftstellerinnen geworden. Sie schafft es außergewöhnlich gut, dass ihre Worte klar und teils mit unerwarteter Brutalität Geschichten erzählen, die mich berühren und erschüttern. Die mich nachhaltig zum Nachdenken anregen. So auch “Zwischen Du und Ich”.
Doch Nike und Noam waren mir nicht immer sympathisch. Das müssen Protagonist*innen auch nicht sein. Aber die Abscheu, die ich Noam und seinem Onkel Asher gegenüber empfand, war nicht mit anderen Figuren zu vergleichen, die ich sonst schon in Romanen kennengelernt habe. Obwohl Noam Schreckliches erlebt hat, das ihn zu dem Menschen gemacht hat der er ist, viel es mir wirklich schwer Empathie für ihn aufzubringen. Seinen toxischen Charakter zu erlesen war für mich manchmal wirklich schwer erträglich. Solche Charaktere so haarscharf nachzuzeichnen, sehe ich als besondere Stärke Mirna Funks.
Mit Nike habe ich beim Lesen sehr mitgefühlt und es war auch am Ende ihre Perspektive, die mich vom Roman begeistert hat. Mir hat es sehr gut gefallen, dass wir sie dabei begleiten können wie sie sich auf die Spuren jüdischen Familiengeschichte begibt. Hier ist es der Autorin wahnsinnig gut gelungen zu beleuchten, wie transgenerationale Traumata wirken. Außerdem habe ich vieles über jüdisches Leben und Traditionen erfahren.
Auch wenn das Buch für mich nicht ganz an Winternähe ran kommt, das für mich ein absolutes Highlight dieses Jahr ist, empfehle ich es euch. Ich muss allerdings eine große Triggerwarnung für (sexualisierte) Gewalt aussprechen.
Dieses Buch lies sich für mich so fesselnd und leicht lesen, dass es einen Kontrast zu seinem schweren, teils brutalen Inhalt bildet. Die Schicksale von Nike und Noam werden Schicht für Schicht geschildert, so berührend, dass ich mich ihnen nah gefühlt habe - zumindest so nah, wie es eben geht, bei zwei Protagonist*innen, die so viel Schreckliches erlebt haben, dass sie sich selbst nicht nah sein können und deren Schicksal ich nicht annähernd nachvollziehen kann. Selbst Noam, den ich zu Anfang unausstehlich fand, hat Sympathien bei mir geweckt. Gleichzeitig wird, für mich sehr bewegend, geschildert, was es bedeutet, heute Jüd*in zu sein und den gesamten Schmerz der vergangenen Generationen mit sich zu tragen. Insgesamt mochte ich diesen Roman sehr, bis auf ein, zwei sperrige Dialoge (wie beispielsweise das Gespräch über Ruanda) und ich glaube, er wird mich noch einige Zeit begleiten.
In dem Buch begleiten wir Nike, die in Berlin-Mitte wohnt und vor deren Wohnhaus der Stoplerstein ihrer Urgroßmutter liegt. Nike ist Jüdin und hat ein sehr kompliziertes Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Außerdem hatte sie in der Vergangenheit eine toxische Beziehung zu einem Mann und lässt seit dem niemanden mehr an sich heran. Als sich ihr die Chance bietet für ein Jahr in Tel Aviv zu arbeiten, nutzt sie diese und beschließt in diesem Jahr auch Alijah zu machen.
In Tel Aviv lernt Nike Noam kennen. Noam ist ein berühmter Kolumnist und Überlebenskünstler, der durch schlimme Kindheitserfahrungen geprägt ist.
Nike und Noam erleben eine intensive Zeit. Als Leser bekommt man das Gefühl, dass sich hier zwei verletzte Seelen gefunden haben und sich gegenseitig gut tun. Doch Noams Onkel Asher setzt alles daran, Nike aus Noams Leben zu vertreiben.
Ich habe den Schreibstil der Autorin geliebt. Das Buch war sehr intensiv - zum einen sehr brutal und zum anderen ging die Geschichte sehr tief ins Innere der beiden Protagonisten. Mirna Funk ist es sehr gut gelungen zwei völlig unterschiedliche Protagonisten zu schaffen und aus der jeweiligen Sicht eine authentische Erzählung zu schreiben. Ich konnte auch sehr gut nachvollziehen, warum sich die beiden zueinander hingezogen fühlten, was sie verband. Geliebt habe ich die Beschreibungen von Tel Aviv, das Leben in Israel und den Humor, der die ganze Zeit, trotz der bedrückenden Thematik, mitschwang.
Das Ende fand ich sehr authentisch und echt. Allerdings fehlte mir in der zweiten Hälfte manchmal die Tiefe. Nikes Gefühlswelt blieb dort für mich eher nur an der Oberfläche greifbar und ging nicht so tief, wie zu Beginn des Buches. Hier hätte ich mir ein paar mehr Seiten gewünscht. Auch von ihrem eigenen Leben in Tel Aviv und der Alijah hätte ich gerne noch mehr erfahren. Insgesamt aber ein wirklich bewegendes Buch, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Der Rhythmus der Sprache, den Mirna Funk gekonnt einsetzt, macht die Dialoge so real, in spannungsgeladenen Momenten wirken die Worte so rhythmisch, schnell, während andere Situationen bildhaft, langsam, sinnlich beschrieben werden. Das Einweben von so vielen wichtigen Themen, jedoch alle zum Kernthema Gewalt passend, gab der Geschichte eine Komplexität, mit der man in verschiedensten Facetten den Umgang mit Traumata, vor allem transgenerationalen Traumata, erfahren konnte. Wie funktioniert Heilung? Ist Heilung schmerzhaft? Inwiefern sind wir, sind Juden und Jüdinnen von den Traumata ihrer (Ur)großeltern beeinflusst und wie kann man damit umgehen? Die pro Kapitel alternierenden Erzählperspektiven lassen Leser*innen die Hauptcharaktere auf unterschiedliche Weise kennenlernen. Während Noam in 3. Person singular erzählt, lesen wir Nikes Gedanken und Erlebnisse in 1. Person singular. Letzteres gibt eine Nähe, lässt uns uns mehr mit Nike identifizieren, während Noams Perspektive durch die Distanz mehr Kritik von Seiten der Leserinnen zulässt. Die unglaubliche Bandbreite an Erlebnissen, den Gefühlen dazu, die facettenreiche Darstellung von Traumata und Gewalt, die dadurch ausgelöst oder erlebt wird und nicht zuletzt die Opferrolle und der Umgang damit, vor allem im jüdischen Kontext, machen diesen Roman zu einem Meisterwerk.
"....und vielleicht können zwei Menschen mit so viel Vergangenheit in ihrem Leben sich niemals gegenseitig anerkennen. Sich nicht sehen, sich nicht fühlen, sich nicht spüren, sich nicht annehmen. Nicht gut füreinander sein."
Ich habe mich erst etwas davor gedrückt, #zwischenduundich zu lesen. #Winternähe von @mirnafunk habe ich geliebt, jetzt der zweite Roman. Aber als ich ihn dann zu.lesen begann, dachte ich: Ah, genau, das war es, was ich so mochte. Ich mag, wie Mirna Funk schreibt. Es hat etwas erzählendes, detailverliebtes, es entstehen sofort Bilder im Kopf. Gleichzeitig ist es prägnant und cool. Ich empfand es als schön, mit Nike in Berlin zu sein - ich vermisse Berlin und meine Freunde dort. Es hat sowas von ... Sorry .... Zeitgeist.
Die Geschichte von Nike und dann Noam handelt von Trauma, von Missbrauch und wie wir unsere Vergangenheit nicht abstreifen können. Von der Suche nach Liebe und von der Emanzipation, dem Willen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mich hat das sehr berührt und ich hoffe, Mirna Funk schreibt bald den nächsten Roman.
In „Zwischen Du und Ich“ beschreibt Mirna Funk die Geschichte von Nike und Noam, die beide - obwohl sie sich zuvor nie begegnet sind - sofort eine tiefe Verbundenheit spüren. Diese Verbundenheit, geformt aus Verletzungen der beiden aus der individuellen Vergangenheit, hilft beiden, gemeinsam den ersten Schritt Richtung Heilung zu gehen. Auch wenn dieser Schritt weder aus großer gegenseitiger Hilfe besteht noch die beiden zusammenschweißt. Das Buch ist nicht in sehr anspruchsvoller Sprache geschrieben, und genau das erlaubt es, eine so tiefe Verbundenheit zu den Charakteren aufzubauen. Man fühlt mit Nike und Noam an jedem einzelnen Schritt der Zerrissenheit mit und kann ihn auch mitfühlen, wenn man ihn eigentlich nicht nachfühlen kann. Das Buch verbindet Themen wie Familiengeschichten, individuelles Trauma und kollektives Trauma auf so vielen verschiedenen Ebenen und schafft es gleichzeitig, ein rundes Bild zu zeichnen, wie jede Ebene mit der anderen zwangsläufig verbunden ist, wie sich ein Netz aus Traumata individuell zusammensetzt und trotzdem kollektiv erlebt werden kann.