Alex ist gerade 30 geworden, hat mit seinem besten Freund ein Café eröffnet, plant die Zukunft mit seiner Freundin Lisa. Und jetzt muss er sterben. Die Diagnose verändert alles, und Alex trifft eine überraschende Entscheidung: Er will die verbleibende Zeit auskosten, sich dann verabschieden und in ein Hospiz gehen. Er schreibt eine Liste, steht vor der großen Frage, was wirklich wichtig ist, wenn die Lebenszeit abläuft. Mit wem möchte er seine letzten Tage verbringen? Was noch klären? Und was macht ihn eigentlich glücklich?
Sein bester Freund Bene und seine Freundin Lisa sind zunächst gar nicht einverstanden mit Alex’ Weg, möchten lieber bis zum Schluss beim ihm bleiben. Trotzdem versuchen sie, möglichst viele dieser kleinen Alltagsmomente mit ihm zu erleben, die plötzlich so kostbar sind – bis er sein Leben hinter sich lässt und sich auf den Weg macht an den Ort, an dem er sterben möchte.
Im Hospiz bezieht Alex sein letztes Zimmer. Er knüpft Kontakte, lernt Menschen kennen, die den kleinen Rest ihres Lebens hier verbringen, und er knüpft Freundschaften; vor allem zu Kasper, jenem störrischen alten Mann, der so gerne noch einmal die Welt umsegelt hätte.
Doch der Tod lässt auf sich warten; und dann überlegt das Schicksal es sich einmal mehr anders und schenkt Alex Lebenszeit. Aber wo anfangen, wenn man bereits abgeschlossen hat? Wenn man nicht einfach zurück kann ins alte Umfeld, weil man für die Menschen dort tot ist? Es ist der sterbenskranke und doch so lebendige Kasper, der Alex schließlich auf eine Idee bringt …
Fabian Neidhardt ist Straßenpoet, Sprecher & Botschafter des Lächelns. Schreibt mit links, seit er einen Stift halten kann, und erzählt Geschichten, seit er 12 ist. 1986 als erster von vieren in eine polnisch-italienische Familie geboren, lebt in Stuttgart. Nach dem Volontariat beim Radio studierte er Sprechkunst und Kommunikationspädagogik an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart und Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Hildesheim. Bis Mai 2019 absolvierte er die Ausbildung zum Storyliner bei der UFA Serienschule in Potsdam. Seit 2010 sitzt er als Straßenpoet mit seiner Schreibmaschine in Fußgängerzonen und schreibt Texte auf Zuruf. 2019 entwickelte er den Prosaroboter, der auf Knopfdruck Geschichten ausdruckt. 2020 ist er Stipendiat des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.
Fabian Neidhardt ist hier mit seinem Verlagsdebüt ein sehr einfühlsames Buch über das Sterben und den Sinn des Lebens gelungen und das auch noch, obwohl der Protagonist aus meiner Sicht nicht eben der Sympathischste ist.
Alex ist ein Vermeider, ein Schweiger, ein Flüchter und ein Mehlwurm*, jemand der sich lieber verdrückt, als sich einer unangenehmen oder schwierigen emotionalen Situation zu stellen und mit ihr zu konfrontieren, egal wie viele Leute er damit verletzt, indem er sie gefühlsmäßig am ausgestreckten Arm verhungern lässt. Nichtsdestotrotz hat der Protagonist auch seine guten Seiten, er war zwar nie der Macher, oder derjenige, der seine eigenen Ideen verwirklicht hat, aber wenn sein bester Kumpel Bene und seine Freundin Lisa mitmachen und ihm eigentlich den Anstoß geben, seine Träume zu verwirklichen, dann ist er dabei und man kann sich auf ihn als Freund in allen Situationen verlassen.
Die erste Entscheidung von Alex konnte ich als Leserin noch sehr gut nachvollziehen. Er hat unheilbaren Magenkrebs mit Metastasen in der Leber, sein Vater ist daran elendiglich verreckt, und dieses Trauma, den Vater vor seinen Augen so leiden zu sehen, das er als kleines Kind durchmachen musste, hat er nie verwunden. Das möchte er Bene und Lisa nicht antun. Mit einer Lebenserwartung von sechs Monaten, genießt er noch vier Monate nach der Diagnose das Leben in vollen Zügen und checkt nun zwei Monate vor seinem prognostizierten Tod allein in einem Hospiz ein. Er will dort inkognito, ohne Kontakt zu seinen Freunden ganz allein und einsam sterben. In Rückblenden wird vom Autor die Vergangenheit von Alex aufgerollt und sein Abschluss mit seinen Liebsten, er hat davor einfach sein Leben aufgeräumt.
„Also was willst du tun? Ganz konkret?“
"Ich habe die letzten Tage sehr viel Zeit damit verbracht, genau darüber nachzudenken. Es gibt gar nicht so viele Dinge, die ich unbedingt tun will. All die Dinge, von denen ich glaubte, sie erledigen zu wollen oder zu müssen, all die ToDos, die mich früher wach gehalten haben, wirken ganz schön klein neben dem Tumor. Er skaliert das Leben neu."
Abseits der Rückblenden geht auch das Leben von Alex weiter. Weigert er sich zunächst noch, irgendjemand im Hospiz kennenzulernen, weil sich Freundschaften nicht lohnen, da alle sowieso sehr schnell sterben werden, ändert er irgendwann seine Strategie und freundet sich mit mehreren Hospizbewohnern an, lernt auch ihre letzten unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte kennen. Das war fast der berührendste Teil des Buches, wie sensibel der Autor sterbende Menschen schildert, die eben trotzdem noch zählen, auch wenn sie nicht mehr lange da sind. Auch das Personal in dieser Einrichtung ist vorbildlich und einfühlsam, das hat mir extrem gut gefallen, denn bei diesem emotional sehr anstrengenden Job der Sterbebegleitung, die Würde der Kranken zu bewahren, ist schon eine große Leistung.
In der Mitte des Buches gibt es dann einen Plottwist, den ich hier ohne zu spoilern durchaus verraten kann, denn er steht im Klappentext. Whoo, was für eine Entwicklung! Weil das Hospiz gesetzlich nur 30 Plätze anbieten kann und dieser Alex seit drei Monaten nicht stirbt, also seine bezahlte und prognostizierte Zeit schon ein Monat übertroffen hat, im Gegenteil, es geht ihm von Tag zu Tag besser, ordnet die kaufmännische Leiterin routinemäßig eine neue Untersuchung an. Dabei kommt raus: Der bösartige Tumor war eine Fehldiagnose der Magentumor ist gutartig und die am Röntgenbild gezeigten Metastasen in der Leber sind auch nur kleine gutartige Tumore. Alex ist fuchsteufelswild, verständlich, hat dies aber irgendwie auch verursacht, denn nach der ersten Diagnose war er so geschockt, das gleiche Schicksal wie sein Vater zu erleiden, dass er sich jeder weiteren Untersuchung und Therapie verweigert hat.
Hier muss ich nun erstmals und bedauerlicherweise auch den Haymonverlag ordentlich kritisieren, denn wenn im Klappentext und auf der Rückseite des Covers nicht derart gespoilert worden wäre, hätte ich viel mehr Vergnügen am Roman gehabt und diese Überraschung besser auskosten können. Eigentlich hätte man nur drei Sätze hinten und vorne weglassen müssen.
Als Alex wieder in sein altes Leben einsteigen will, sieht er durch das Fenster seines Cafés, wie sich sein bester Freund Bene und Lisa küssen. Das ist nun die Vermeidungsreaktion, die ich gar nicht nachvollziehen konnte, obwohl ich natürlich weiß, dass es zu Hauf solche Menschen gibt. Anstatt hineinzugehen, alles zu erklären und zu fragen, was mit den beiden los ist, verdrückt Alex sich einfach ungesehen und gibt erneut Fersengeld, ohne die Situation klar zu regeln. Ein echter Mehlwurm* also, der den Kopf in den Sand steckt.
Da er nun ob der neuen Situation nichts mit sich anzufangen weiß, da er ja eigentlich gar nicht mehr existiert, arbeitet er die Letzte-Wünsche-Listen seiner Freunde im Hospiz ab, die teilweise schon gestorben sind, oder zu krank sind, ihre letzten Wünsche zu erfüllen. Das ist ganz großes Kino und es entstehen wundervolle Szenen, die die Leben der Sterbenden teilweise sogar nachträglich in Ordnung bringen.
Erneut wird am Ende Alex zufällig mit seinem Schicksal konfrontiert. Das Ende ist offen, lässt aber durchaus hoffen, dass Alex nun sein Leben endlich in die Hand nehmen wird.
Fazit: Absolute Leseempfehlung! Eine sensible, traurige aber auch Hoffnung machende Auseinandersetzung mit dem Thema in Würde Sterben und dem Sinn des Lebens, das keinen einzigen Augenblick in den Kitsch abzugleiten droht. Wenn ich mir verkniffen hätte, den Klappentext zu lesen, wäre sogar überhaupt nichts zu kritisieren gewesen.
* Mehlwurm ist ein ganz besonders fieses, sehr regionales Schimpfwort, nicht mal gesamtösterreichisch sondern oberösterreichisch für einen sehr passiven Mann. Es hat eher eine phonetische Bedeutung im Sinne von [Mööh-wuam] und basiert auf dem Spruch. „Du bist koa Mau (Mann) sondern a Mööh-wuam“.
Mit 30 verschwendet man normalerweise keinen Gedanken daran, dass das eigene Leben bald vorbei sein könnte. Genau damit wird Alex aber konfrontiert, als er von dem bösartigen Tumor erfährt, der in seinem Körper wächst. Er will die Zeit, die ihm bleibt, danach alleine in einem Hospiz sterben. Seine Entscheidung stößt auf Unverständnis bei seiner Freundin und seinem besten Freund, dennoch zieht er den Plan durch.
Bei einer Untersuchung im Hospiz erfährt Alex, dass es einen Fehler bei der Diagnose gab, der Tumor ist gutartig und bedroht sein Leben nicht. Alex beschließt daraufhin, die letzten Wünsche der Hospizbewohner zu erfüllen, er lernt Schach und Lindy Hop, fährt in den Heimatort von Lilia am Gardasee. Seine Freunde denken währenddessen immer noch, dass er sterben muss.
Die Geschichte ist wirklich herzzerreißend. Mit 30 zu wissen, dass man sterben muss, ist schwer, dazu kommt, dass Alex Vater an Krebs starb, als er sieben war, und seine Mutter starb, als er 17 war. Diese Coming-of-Age Geschichte ist ein wirklich unterhaltsames Leseerlebnis, relativ kurze Kapitel machen es leicht lesbar, die paar kitschigen Stellen möchte ich gerne verzeihen.
Das Buch erzählt von Schicksalsschlägen, Freundschaften, Liebe und dem Finden des eigenen Wegs. Schweres wird hier leicht serviert, liebevoll von Menschen erzählt, die sterben müssen und von denen, die weiterleben können. ❤️
Wenn ich in eine Buchhandlung gehe, habe ich eigentlich in 99% der Fälle bereits vor Augen, welches Buch beziehungsweise welche Bücher ich mitnehmen werde, denn meine Bücherwunschliste ist lang und wird immer länger. Trotzdem stöbere ich gern, auch wenn mich dann wirklich selten ein Buch spontan so sehr anspricht, dass ich es unbedingt und sofort haben muss. Am vergangenen Samstag ist aber tatsächlich wieder einmal einer dieser raren Fälle eingetreten: Kurz nach dem Betreten des Buchladens ist mir in der Auslage nahe des Eingangs Immer noch wach von Fabian Neidhardt ins Auge gestochen. Den Namen des Autors und den Titel des Buches hatte ich bis dahin weder gehört noch gesehen, aber die Covergestaltung war auf Anhieb so ansprechend, dass meine Aufmerksamkeit geweckt war. Aber nicht nur die Optik war für mich sofort interessant, sondern auch der Klappentext: Die beschriebene Geschichte voller Schwermut, aber auch Tragikomik klang genau nach meinem Geschmack. Also schnappte ich mir das hübsche Büchlein und trug es nachfolgend quer durch den Laden – nur um es vor dem Rausgehen wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückzustellen. „Brauche ich diesen Roman wirklich jetzt auf der Stelle, obwohl so viele andere tolle Bücher schon so lange ein unbestimmtes Dasein auf meiner Wunschliste fristen?“, fragte mich beim Stöbern die Stimme der Vernunft in meinem Kopf immer wieder und so beschloss ich, Immer noch wach auch erstmal auf die Warte-/Wunschliste zu setzen. Das Ende der Geschichte war dann allerdings, dass mir der Roman danach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte, sodass ich letztendlich später noch mal extra zu der Buchhandlung zurückgelaufen bin und mir das Buch doch noch gekauft habe. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich das getan habe, denn hier lag ich mit meinem Instinkt wirklich goldrichtig: Zwischen diesen beiden – ich muss es noch einmal betonen – hübsch gestalteten Buchdeckeln steckt eine wirklich besondere und vor allem besonders erzählte Geschichte, die nachhaltig beschäftigt.
Alex ist Anfang 30 und eigentlich ziemlich zufrieden mit seinem Leben: Gerade erst hat er zusammen mit Bene, seinem besten Freund seit Kindertagen, seinen Traum erfüllt und ein eigenes Café eröffnet, in der langjährigen Beziehung mit Lisa ist er sehr glücklich und er ist umgeben von vielen Menschen, die ihn lieben. Doch dann dreht sich sein Schicksal von einem Tag auf den anderen und eine Schockdiagnose reißt Alex den Boden unter den Füßen weg: In seinem Magen wird ein bösartiger Tumor entdeckt, der bereits gestreut hat, der Arzt stellt ihm keine Heilungschancen mehr in Aussicht. Schnell ist sich Alex klar darüber, dass er seine letzten Tage nicht so verbringen möchte wie einst sein Vater, der ebenfalls an Magenkrebs litt und am Ende vor seinen Liebsten praktisch dahinvegetierte. Zum Leidwesen seines engsten Familien- und Freundeskreises entscheidet Alex sich also dafür, zum Sterben in ein weit entferntes Hospiz zu gehen – ohne sie. Konfrontiert mit seinem nahenden Lebensende und dem Tod anderer BewohnerInnen, holt Alex im „Haus Leerwaldt“ bald nicht nur die eigene Vergangenheit ein und er merkt, dass er den frühen Verlust seiner Eltern nie ganz überwunden hat, plötzlich sieht er auch seine Beziehung(en) zu Bene und Lisa in einem neuen Licht. Eine überraschende Nachricht und die Bekanntschaft mit anderen Gästen des Hospizes, insbesondere mit dem todkranken, aber erstaunlich munteren Senioren Kasper, zu dem Alex eine ganz besondere Bindung aufbaut, wecken in ihm im wahrsten Sinne des Wortes neue Lebensgeister…
Die komplette Rezension gibt es auf meinem Blog Emerald Notes nachzulesen.
Das ist das bewegendste Buch das ich seit langem gelesen habe. Auch nach 30 Jahren in der Altenpflege berührt es mich noch ungemein wie die Menschen mit ihrer Krankheit und dem Sterben umgehen. Ich habe selten so sehr geweint und doch auch lächeln müssen wie in diesem Buch.
Alex ist 30 , hat gerade mit seinem besten Freund Bene und Lisa,seiner Traumfrau seinen Traum von einem kleinen Cafe wahr gemacht.Da haut es ihn plötzlichum und er bekommt die Diagnose Magenkrebs ,nur noch palliative Behandlung möglich .Seine Welt stürzt ein ,denn mit sieben Jahren verstarb sein Vater an Magenkrebs und so will er nicht dahin vegetieren sondern leben solange und so gut es noch geht bevor er sterben muss. Seine Mutter hatte den Tod ihrers Mannes nicht verkraftet und sich einige Jahre später erhängt und so blieben Axel nur Bene und Lisa . Er regelt seine Angelegenheiten,feiert eine Abschiedsparty und geht in ein Hospiz ,allein um seinen Freunden das schlimme Ende zu ersparen ,doch für Lisa und Bene bricht eine Welt zusammen weil er die letzet Zeit ,die ihm noch bleibt allein verbringen will,doch Alex ist unerbittlich und verschwindet aus dem Leben seiner Freunde. Im Hospiz lernt er andere menschen kennen ,die meist kurze Zeit später sterben und er beginnt eine Liste zu schreiben mit all den Wünschen ,die einige der Bewohner des Hospizes nicht mehr erfüllen konnte und mit Hilfe von Kasper,der schon lange im Hospiz ist lernt er seine Situation an zu nehmen. Als dann das Wunder geschieht und bei einer Routineuntersuchung klar wird das er kein Krebs hat sondern eine gutartige Geschwür hat ist Alex erst mal erschüttert ,besonders da er nun das Hospiz verlassen muss.Ohne Geld und ohne Unterkunft muss er sich neu sortieren .Sein Wunsch seine Freunde wieder zu sehen endet in einem Desaster ,denn Alex denkt Bene und Lisa wären ein Paar und Lisas Kind von Bene und er geht still und leise weg um seinen Freunden nicht noch mehr weh zu tun als er es so schon hatte .Kasper drängt ihn dann die Liste der uenrfüllten Wünsche ab zu arbeiten und gibt ihm seine Kreditkarte.Und so macht sich Alex auf die Reise ,die die Wünsche der inzwischen verstorbenen Hospizbewohner erfüllen soll. Doch es wird eine Reise zu sich selbst . Als Alex,der Kasper versprochen hat ihn aus dem Hospiz zu nehmen und mit ihm bis zu dessen Ende zusammen zuwohnen,mit einem Tourgide über den Wunsch einen 8000der zu besteigen sich plötzlich Bene gegenübersieht, sind beide erst mal fix und alle ,besonders Bene ist erstmal schockiert seine todgeglaubten Freund wieder zu sehen. doch mehr verrate ich nicht .Lest selbst und legt euch viele Taschentücher bereit denn es wird mega emotional
Fabian Neidhardts emotionaler Debütroman handelt vom Kampf mit Krebs, menschlicher Würde, dem Recht zu autonomen Entscheidungen über das eigene Leben – und dem Prozess des Loslassens von den liebsten Menschen im Angesicht des eigenen Todes.
Der dreißigjährige Protagonist Alex wird mit Krebs diagnostiziert und beschließt, die übrigbleibenden Monate seines Lebens in der Isolation einer Hospiz zu verbringen. Die Adresse möchte er allerdings niemandem verraten – denn Alex weiß genau, wie er aus dem Leben scheiden will.
Bekannte Typen, Charaktermerkmale und Szenarien finden sich auch in dieser Handlung wieder. Keine von den Nebenfiguren ist besonders interessant. Jedoch haben diese Elemente in Bezug zur Hauptfigur eine sehr genau gewählte Position. Ihre kollektive Funktion ist es, Alex‘ Entwicklung zu kontrastieren, illustrieren und zu unterstützen. Auf dem Weg hin zum Tod und zurück zu sich selbst findet er in seiner Empathie gegenüber scheinbar Schwächeren den Weg zur eigenen inneren Stärke.
Diese Reise auf allen Ebenen der Menschlichkeit ist packend, emotional und mitreißend.
Alex bekommt die Diagnose Krebs. Noch nicht mal 30, gerade im Leben angekommen. Er ist mit seiner Freundin zusammen gezogen, hat mit seinem besten Freund ein Café eröffnet und jetzt das.
Fabian Neidhardt erzählt diese Geschichte lakonisch, mit leichten Andeutungen und sehr wenig schmückendem Beiwerk. Ich mag diesen Stil und weiß es zu schätzen. Für Geplänkel habe ich keine Zeit, ich bin eine ungeduldige Leserin. Alex hat auch keine Zeit (mehr). Die einzelnen Szenen kommen daher wie ein Film, mit harten Schnitten. Es gibt keine Übergänge, keine ausschweifenden Beschreibungen, die bildhafte Sprache untermalt das noch. Alex hat also Magenkrebs, genau wie sein Vater. In seiner Reaktion schwingt ein gewisser Todeswunsch mit. Als der Vater nach langem Leiden stirbt, ist Alex gerade mal 7 Jahre alt und er weiß zwei Dinge:
Auch ihn wird der Krebs eimal erwischen. Er will nicht, dass seine Angehörigen seinen letzen Kampf mitansehen müssen, in einem Krankenzimmer, dass nach Scheiße stinkt.
Nach der Diagnose will er keine Behandlung, keine weiteren Untersuchungen, es schwingt ein unterschwelliges „Endlich“ mit. Als hätte er schon lang darauf gewartet, dass es ihm wie seinem Vater ergeht, und er sich in diese Situation hineinfallen lassen kann. Er erinnert sich an das Sterben und auch an das danach. Wie seine Mutter in ihrer Trauer beinahe verschwand. Nur sein Freund Bene war ihm Halt und Trost. Jetzt, Jahre später hat Alex Mühe, seiner Freundin Lisa und seinem besten Freund Bene begreiflich zu machen, was ihn umtreibt. Warum er egoistisch sein, in ein Hospiz gehen und ohne „Zeugen“ im Sinne von Leidtragenden sterben möchte.
Ich verstehe Alex in seinem Wunsch; wenn man beim Sterben nicht egoistisch sein darf, wann denn bitte dann? Aber auch die Position der Freunde ist verständlich, die ihn anschreien: „Kämpfe. Wehr dich gegen den Krebs. Lass das nicht so geschehen.“ Sie möchten für ihn da sein, ihn begleiten.
Doch Alex setzt sich durch. Er hat eine Löffelliste, gut, die ist sehr kurz, aber immerhin. Er regelt seine Angelegenheiten, verabschiedet sich, feiert eine letzte Party, wohnt seiner eigenen Beerdigung bei. Eine Beerdigung ist für die Angehörigen, nicht für den Verstorbenen. Sind wir nicht alle neugierig, wie sich unsere Lieben von uns verabschieden? Was sie am Grab sagen?
Alex steigt in einen Zug, fährt kilometerweit, um in einem Hospiz, allein und ohne Trost oder Beistand seiner Freunde zu sterben. Aber wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Hier nimmt die Geschichte nochmal eine Wendung, Alex geht in eine Richtung, die ich vermutet habe, gleichzeitig überrascht er mich. Spoilerfrei kann ich sagen, dass er eine ganze Menge lernt. Über sich, über Abschiede, über das Leben und das Für-jemanden-dasein-wollen. Im Hospiz lernt er Kasper kennen, der ist auch allein. Allerdings unfreiwillig. Die beiden freunden sich an, während sie auf ihr Ende warten. Sterben, das geht nicht so schnell. Alex ist für Kasper da, aber nicht nur das. Alex erweitert seine Löffelliste. Kurz dachte ich, ach das wird jetzt wieder so eine Das-Beste-kommt-zum-Schluß-Geschichte. Ja und Nein. Es ist eine Geschichte über Zeit. Über geschenkte Zeit und darüber, was man damit anfangen kann und will und mit wem.
Ich hab das Buch gern gelesen und mit einem Seufzen und einem guten Gefühl in der Magengegend zugemacht. Ein bisschen Zeit ist noch.
Alex ist 30 Jahre alt, als er eine schwerwiegende Diagnose erhält die ihn mitten aus dem Leben reißt. Er baut Stück für Stück sein Leben ab. Doch plötzlich hat er doch mehr Zeit als gedacht. Was also tun, wenn man mittlerweile vom Leben gelernt hat?
Ich habe mich etwas schwer getan mit diesem Buch, vielleicht habe ich es auch zu falschen Zeit gelesen. Den Kerngedanken finde ich schön, ist es doch ein Memento Mori, welches den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben schärft. Gleichzeitig hat es sich für mich zeitweise angefühlt, als würde jemand relativ grob in sehr sensiblen Gewässern schwimmen. Und die ein oder andere Tragik oben drauf hat für mich nicht viel zu der eigentlichen Geschichte beigetragen. Zudem hätte ich Alex an vielen Stellen ganz doll schütteln wollen, obwohl ich mit ihm gefühlt habe.
Das ist (wie immer) mein ganz persönlichen Fazit, da es mit persönlichen Erfahrungen besprenkelt ist. Für mich sind es 3/5 ⭐. Gelesen: Mitte März 2021
Ein Zitat: "Kennst du diese Momente, in denen du dir die ganze Nacht Sorgen um etwas machst, das du sowieso nicht aufhalten kannst? Du deshalb nicht schlafen kannst, was es eigentlich nur noch schlimmer macht? Und dann passiert es und es ist überhaupt nicht schlimm und im Nachhinein fragst du dich, warum das Ganze. Vielleicht ist es mit dem Sterben ja genauso."
Erstens, alle meine Freunde (der kleine Freundeskreis den man noch sehen darf) lieben das Cover von diesem Buch und haben sich schon angemeldet es lesen zu wollen :). Natürlich habe ich es aber als erstes gelesen und fand es genial, da ich allgemein solche Geschichten sehr mag. Es ist ein sehr sensibles Buch über einen 30jährigen Mann der die Diagnose Magenkrebs erhalten hat. Das Buch wird auch aus seiner Sicht erzählt und wirkt deshalb auch noch eine weile nach. Die einzelnen Figuren fand ich sehr realitätsnah beschrieben. Die Erzählung war sehr realistisch und es gab kein Richtig oder Falsch, sondern es wurden alles Fassten beleuchtet. Der Roman von Fabian Neidhardt kommt auf meine Favoriten Buchliste und ich würde es jeden weiterempfehlen.
Sehr sehr schönes Buch. Ich hätte nicht mit dem Plot gerechnet! Das einzige auszusetzen ist, dass ich die Kapitel gegen Ende als sehr wirr angeordnet, empfunden habe…
Intensive Geschichte, mit ansprechendem Schreibstil
„Immer noch wach“ des Autoren Fabian Neidhardt, erzählt auf berührende Weise davon, wie wertvoll bewusst gelebte Zeit sein kann. Das Setting ist dabei nicht immer leicht zu verdauen, gerade die Szenen im Hospiz gingen mir durch die authentischen Schilderungen sehr Nahe. Besonders mochte ich den Schreibstil, welcher sich angenehm leicht liest und ohne Schnörkel auskommt. Die Handlung war dann doch anders als erwartet und konnte mich, bis zuletzt immer wieder überraschen. Der Hauptprotagonist machte es mir allerdings, durch seine nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen, nicht leicht ihn zu mögen. Auch wenn einige der Szenen durchaus so denkbar wären, blieb die gesamte Handlung für mich trotzdem fiktiv, da nicht alles authentisch wirkte. Der Kraft der Geschichte tut dies natürlich trotzdem keinen Abbruch. Das Buch trifft durch seine wuchtige Erzählung mitten ins Herz und löst durch die zahlreichen überraschenden Wendungen ein richtiges auf und ab der Gefühle beim Leser aus. So habe auch ich bis zuletzt mitgelitten und gehofft und kann das Buch allen Leser*innen empfehlen, die sich auch an vermeintlich schwierige Themen herran trauen, denn eine leichte Lektüre ist „Immer noch wach“ sicherlich nicht.
Ein sensibel erzähltes Buch über einen 30jährigen Mann, der Magenkrebs hat. Es wird konsequent aus seiner Sicht geschildert und meiner Meinung gerade deswegen so wirkungsvoll. Fabian Neidhardt schreibt wirklich großartig und zeigt die Empfindungen seine Protagonisten Alex nachvollziehbar. Schon Alex Vater hatte Magenkrebs und starb daran. Daher verweigert sich Alex jeglicher Therapie und zeiht sich in ein Hospiz zurück. Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblicke auf Alex früheres Leben mit seinem Kumpel Bene, mit dem er gemeinsam ein Cafe in Stuttgart eröffnete und seiner Freundin Lisa. Die tiefen Beziehungen werden eindringlich gezeigt.
Ich schätze den Stil von Fabian Neidhardt, der sich durch Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit und besonders eine hohe Dichtheit auszeichnet.
Ein wundervolles Buch, dass den Leser überraschen wird. Freude bereitet und auch etwas Trauer. Definitv zum Nachdenken anregt. Fabian schreibt lebendig und einfühlsam. Und am Ende will man am liebsten mit jemandem drüber reden. So ging es mir auf jeden Fall. Definitiv empfehlenswert.
Eine kurzweilig erzählte und zugleich nicht immer leichte Geschichte vom Abschiednehmen und Neuanfangen. Der 30‐jährige Alex entscheidet nach einer Krebsdiagnose, gegen die Wünsche seiner Freundin und seines besten Freundes, auf weitere Untersuchungen und Behandlungen zu verzichten, die verbleibende Zeit zu nutzen und für seine letzten zwei Monate allein ins Hospiz zu gehen. Es ist ein schmerzhafter Abschied für alle. Im Hospiz dann die Konfrontation mit anderen Menschen, Schicksalen, ihren unerfüllten Träumen und immer wieder der Tod. Schließlich die Nachricht der Fehldiagnose - Alex kann nicht bleiben, ihn verlässt der Mut zu einer Rückkehr in sein altes Leben, stattdessen versucht er, die letzten Wünsche der verstorbenen Hospizbewohner für sie zu erfüllen, getrieben von seiner eigenen Suche nach einem sinnvollen Neuanfang. Es ist eine interessante Idee, erzählerisch spannend umgesetzt. Mir persönlich fehlte die tiefere Auseinandersetzung mit der Beziehungsdynamik zwischen den drei Freunden, die hier so schicksalhaft zusammenhängen.
4 Sterne "Letztlich existieren wir nur, weil andere auf uns reagieren "
Neidharts Schreibstil hat mir unfassbar gut gefallen, da es einem Thema, welches recht schwer ist eine Leichtigkeit gegeben hat, die die Thematik aber nichts ins Lächerliche gezogen hat, ganz im Gegenteil. Die Story selber hat mich auch gut mitgerissen, auch wenn sie mich leider zwischendrin kurz verloren hat, aber recht schnell wieder packen konnte
Alex ist 30, hat sich den Traum eines eigenen Cafés erfüllt, das er mit seinem besten Freund Bene betreibt. Außerdem plant er die Zukunft mit seiner Freundin Lisa. Und all das durchkreuzt eine Krebsdiagnose. Alex hat seinen Vater an Krebs verenden sehen, das will er seinen Liebsten nicht zumuten, für ihn ist klar: er verbringt noch ein paar Monate mit Lisa und Bene und geht dann für die letzten zwei Monate in ein Hospiz. Und dann gerät das Timing durcheinander. Und er hat mehr Zeit als ursprünglich gedacht – was soll er damit anstellen? Fabian Neidhardt hat ein wunderschönes Märchen geschrieben, voller Liebe für seine Figuren und voll mit warmherzigem Humor.
»Aber viel schlimmer sind die Spiegelflächen des Alltags, die Rahmen meiner Realität, die Bene und Lisa bilden und die mir jetzt fehlen. Da ist niemand, dem ich einen Gedanken erzählen oder mit dem ich über etwas Lustiges lachen kann. Niemand, der meine in Falten gelegte Stirn mit zwei Fingern und sanftem Druck glättet. Niemand, der mich in die Schulter knufft, wenn ich gedankenverloren hinter der Theke stehe, und nachfragt, was los ist. Niemand, dessen Reaktion auf mich mir zeigt, ob ich komisch bin. Ob ich bin. Letztlich existieren wir nur, weil andere auf uns reagieren.«
Was zerstört ein Leben, eine Beziehung, eine Freundschaft mehr: eine tödliche Krankheit oder ein medizinischer Fehler? Als bei Alex, der bereits seinen Vater durch einen Darmtumor verloren hat, dieselbe Krankheit im Endstadium diagnostiziert wird, trifft er dann die seiner Meinung nach beste Entscheidung für sich, seine Frau und seinen brüderlichen Freund und Partner? Er wird so lange wie möglich bei ihnen bleiben, aber bevor er an der Schwelle des Todes steht, wird er in ein Hospiz gehen und dort allein sterben. Die Erzählung ist eine Verflechtung von Zeiten und Ebenen: Alex' Vergangenheit, mit der Erzählung seiner Freundschaft zu Bene und seiner Liebe zu Lisa; die Gegenwart im Hospiz, wo jeden Tag jemand geht und wo er neue Freunde findet, bis zu dem Moment, in dem die Enthüllung geschieht. Denn alles war ein Missverständnis: Alex ist zwar krank, aber nicht an einem tödlichen Tumor erkrankt, und mit ein paar Anpassungen könnte sein Leben wieder in die Bahnen zurückkehren, die er abrupt verlassen hatte. Er könnte, aber kann er das? Denn alles hat sich verändert, und er weiß es. Ein wunderschönes Buch, an das ich immer wieder denken muss.
Ich bin nicht reingekommen ins Buch, auch nach 50 Seiten nicht.. Allein der Fakt, dass Alex als Krebskranker ins Hospiz möchte, hat für mich als Spannungsbogen nicht ausgereicht. Die Beschreibungen der Begegnungen im Hospiz waren für mich zu alltäglich. Vielleicht gebe ich der Story nochmal eine Chance, aber aktuell erstmal zur Seite gelegt.
Wo beginnen, wenn man alles zurückgelassen und mit allem abgeschlossen hat? Eine Geschichte über das Leben und den Tod, über die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist und über die Spannung zwischen den eigenen Bedürfnissen und denen naher Menschen. Unterhaltsam und an einigen Stellen berührend, insgesamt fehlte mir aber in der Geschichte etwas. Die Charaktere fühlten sich teilweise seltsam distanziert an, das Hin- und Herspringen in der Zeit hat nur teilweise funktioniert. Leider ist mir vieles nicht wirklich hängen geblieben. 3.5 Sterne.
Was passiert, wenn eine Krebsdiagnose falsch diagnostiziert wird und man, nachdem man sich von allen verabschiedet hat, gar nicht stirbt? Dieser Roman geht genau dieser Frage nach und dabei versucht der Protagonist (Alex) immer wieder, sich selbst näherzukommen und gleichzeitig mit den Geistern aus seiner Vergangenheit abzuschliessen, denn nur so wird eine Zukunft ohne Angst gelingen. Schafft er es, über seinen eigenen Schatten zu springen? Und wem begegnet er sonst so auf der Gradwanderung zwischen Leben und Tod? Wer kann dem Tod trotzen, und für wen ist die Zeit schon fast abgelaufen? Der wahre Held in diesem Buch ist meiner Meinung nach der kichernde Kasper. Diese Figur wird von Mal zu Mal sympathischer und erobert jedes Herz im Sturm. Absolutes Lesevergüngen! Der Abspann am Schluss ermöglicht eine zusätzliche Perspektive bezuglich Buchprojekt und lässt erkennen, wie viel Arbeit der Autor in dieses Buch tatsächlich gesteckt hat. Vielen Dank dafür!