Noch ein Tipp: Momentan (03/2022) gibt es das Buch beim Bundesamt für politische Bildung für 4,50 Euro aus der Schriftenreihe zu kaufen, da spart man sich die fast 20 Euro des Hardcovers. . .
Uhhh, wo fange ich hier an?
Erstens, das ist kein Sachbuch. Wenn überhaupt ist es ein Erfahrungsbericht. Für ein Sachbuch gibt es zu viele subjektive Erkärungen ohne Quellenangaben, was an schieren Behauptungen grenzt. Daher nenne ich es mal eher Erfahrungsbericht.
Für mich persönlich sehr durchwachsener Aufbau des Buchs, leider überwiegend schlecht. Hier habe ich keinen roten Faden erkennen können, und das ist schon sehr überraschend, da es sich um ein so kleines Buch mit gerade einmal 122 Seiten handelt, quasi eine Hausarbeit.
Grjasnowa spricht auf so wenigen Seiten so viele unterschiedliche Themen an, dass ich kaum eine Ordnung oder Gliederung erahnen konnte. Aufgefallen ist mir auch jeweils die sehr subjektive Wertung einzelner Aussagen. Hier habe ich tatsächlich etwas Statistik oder wenigstens mehr Quellen oder Zitate erwartet, gar Fußzeilen. Doch Fehlanzeige. Einiges kam mir vor, als sei es als Aussage einfach hingeschrieben worden ohne tatsächliche Darlegung, warum es so ist oder ob es überhaupt so in der Realität so ist. Hier hat mir die Argumentationskette gefehlt.
Ich verstehe durchaus, dass Grjasnowa sehr viele negative Erfahrungen gemacht hat und sie es in diesem kleinen Buch verarbeitet. Dennoch denke ich, dass Menschen in Deutschland die kaum Deutsch sprechen es wirklich viel schwerer haben.
Auch der Seitenhieb über die deutsche "Die Zeit" Autorin, die einfach davon ausgeht, ein Kind mit Migrationshintergrund habe automatisch Eltern die Hartz V beziehen, fand ich so erschreckend und doch gleichzeitig passend für Autoren der "Zeit", die sich schlicht und einfach für etwas Besseres halten :D Da frage ich mich, woher will sie das wissen? Sie hat doch gerade erst geschrieben, sie wisse nicht was die Eltern des Kindes beruflich machen. Das fand ich interessant, hier hätte Grjasnowa dann weiter gehen sollen und die Vorurteile der Dame auseinander nehmen sollen. Vorurteile aufzählen, Statistiken benennen.
Auch das Bsp. mit Herr Spahn, der sich über Englisch in Restaurants beschwert, ja da hätte ich gerne gewusst, wie es mit den Sprachkenntnissen von Spahn aussieht, den hätte Grjasnowa auch in die Mangel nehmen können, und so gibt es ganz viele Bsp. die Grjasnowa zwar aufzählt doch nicht so wirklich weiter kommt. Sie scheitert letztendlich an einer argumentativen Bewertung.
Für mich persönlich ein Griff ins Klo, da der Titel so viel Kraft hat aber letztendlich nur wenig wirklich Handfestes präsentieren konnte. Es war auch komisch, dass Grjasnowa nicht einmal das Thema Identität wirklich näher erläutert; bzw. wie es ist, mit mehreren Sprachen und dementsprechend mehreren Kulturen aufzuwachsen und manchmal mit der eigenen Identität hadert. Das Thema Identität und Zugehörigkeitsgefühl wären auch Punkte für gute Argumente gewesen. Wirklich schade.