Rezension
New Chances von Lilly Lucas
Der Schreibstil war wieder unglaublich toll, er ließ sich locker und leicht lesen, sodass man nur so durch die Seiten flog. Da gibt es rein gar nichts auszusetzen, Lilly Lucas schreibt einfach flüssig, gefühl- und gleichzeitig humorvoll!
Mit der Protagonistin Leonie bin ich nicht sofort warm geworden und es hat etwas gebraucht, bis ich eine Verbindung zu ihr aufbauen konnte. Sie kannte man im Gegensatz zu Sam noch nicht aus den vorherigen Bänden. Da sie aus Deutschland kam und demnach ganz neu in Green Valley war, gab es einige Parallelen zu Lena aus Band 1. Leonie hingegen war nur auf Durchreise und zufällig dort gestrandet. Ich hatte teilweise Probleme damit, mich in sie hineinzuversetzen, da sie etwas flach wirkte. Demnach konnte ich ihre Gedanken und Entscheidungen nicht immer nachvollziehen.
Sam war ein verantwortungsbewusster, fürsorglicher alleinerziehender Vater, der alles für seine Tochter Maya tat. Demnach mutierte er hin und wieder mal zu einem Helikoptervater und tat sich schwer damit, Zeit getrennt von seiner zweijährigen Tochter zu verbringen. Ihn habe ich schnell in sein Herz geschlossen - seine hinreißende Tochter sowieso. An sich war er jedoch ein etwas verschlossener Mensch, demnach war er anfangs unergründlich. Leider hat mir bei seinem Charakter teilweise die Tiefe gefehlt, denn auf mich wirkte er ähnlich wie Leonie einfältig. Mir erschien es so, als würde die Tatsache, dass er alleinerziehender Vater war, ihn ausmachen. Zwar war er zudem auch ein guter Koch, mehr erfuhr man jedoch nicht über ihn, was ich wirklich schade fand. Er hatte einen eigenen Traum, auf den er hinarbeitete. Dieses Thema hätte man noch mehr ausbauen können, anstatt es nur nebensächlich zu behandeln.
Es war wirklich wundervoll, all die Charaktere wiederzutreffen, diese waren wie eine Großfamilie zusammengewachsen.
Wieder nach Green Valley zu kommen fühlt sich jedes mal wie nach Hause kommen an. Dieser Ort strahlt einfach Gemütlichkeit und Geborgenheit aus, sodass man sich dort einfach wohl fühlt.
Man befand sich sofort direkt im Geschehen. Es gab eine Reihe an Zufällen, bis Leonie in der Bar auf Sam traf – ihm ihr Herz ausschüttete. Ich muss gestehen, dass es mir die 100 etwas zu schnell waren, denn es passierte so viel auf einmal. Gerade weil die Handlung so viele Gemeinsamkeiten mit der von Band 1 hatte, konnte mich die Geschichte nicht immer mitreißen. Ich habe das Buch ohne weiteres zur Seite legen können, da teilweise einfach das Bedürfnis weiterzulesen fehlte. Da ich so hohe Erwartungen hatte, war es leider umso enttäuschender. Ich habe die für die Reihe typischen Wortgefechte zwischen den Charakteren, die prickelnden Szenen, das Auf und Ab der Gefühle vermisst. Die Chemie zwischen Leonie und Sam war von Anfang an da, das steht außer Frage, jedoch konnte ich die Verbindung zwischen ihnen nicht nachvollziehen. Ihre Gefühle füreinander waren für mich nicht greifbar, sondern wirkten überwiegend erzwungen. Auch hat der Spannungsbogen hier gefehlt, denn die Handlung war vorhersehbar. Wo zu viel Tempo am Anfang war, gab es ab der Hälfte zu wenig davon. Es wurde sich in Nebensächlichkeiten verlaufen, die dem Ganzen nicht viel beitrugen und auch den Handlungsstrang nicht vorantrieben.
So harsch es auch klingen mag, der Geschichte fehlte oftmals etwas Eigenständiges, Individuelles, denn die Handlung wirkte nicht unbedingt originell oder einzigartig, sondern austauschbar und eintönig. Die Szenen wo Leonie für Maya sorgte waren herzerwärmend und zuckersüß, nur leider nahm ihr Job als Nanny viel zu viel Platz ein. Ihren Traum ihr eigenes Craftbeer zu brauen, fand ich total interessant, jedoch wurde dies genauso wie Sams Ziele, oft außen vor gelassen.
Was mich aber am meisten an dem Buch gestört hat war das abrupte Ende. Das Drama auf den letzten 50 Seiten wurde nicht richtig behandelt, sondern nur beendet. Es kam einfach viel zu plötzlich und ich konnte erstmal nicht glauben, dass die Geschichte schon zu Ende war. Man konnte sich weder von den Charakteren noch von Green Valley verabschieden. Dementsprechend hat mich der Schluss unzufrieden und voller Fragen zurückgelassen. So sehr ich dieses Buch auch lieben wollte, ich konnte es einfach nicht.
Ich habe mir insgesamt viel mehr von der Geschichte erhofft. Meine Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt und der Funken ist einfach nicht übergesprungen. Die Charaktere waren leider flach und die Handlung meist sehr eintönig. Es ist eher eine leichte Lektüre für Zwischendurch und ein mehr oder weniger gelungener Abschluss der Green-Valley-Love-Reihe, der mich aber etwas wehmütig zurücklässt. 3.5/5 [Werbung|Rezensionsexemplar]
Klappentext:
Während eines Work-and-Travel-Aufenthalts in den USA ihren Traum verwirklichen und Erfahrungen im Craft-Beer-Brauen sammeln – das hat sich die 21-jährige Leonie gewünscht. Doch dann geht schief, was nur schief gehen kann, und Leonie strandet in der Kleinstadt Green Valley, auf der Suche nach irgendeinem Job. Einziger Lichtblick ist der ebenso attraktive wie einfühlsame Barkeeper Sam, dem sie prompt ihr Herz ausschüttet. Keiner von beiden ahnt, dass sie sich schon am nächsten Tag wiedersehen werden: Leonie bewirbt sich als Nanny für die kleine Maya, obwohl sie keinerlei Erfahrung mit Kindern hat – und ohne zu wissen, dass Sam Mayas Vater ist …