Die Zwillinge Delia und Jun besuchen eine Seehunde-Aufzuchtstation und dürfen zusehen, wie die jungen »Heuler« versorgt werden, damit sie überleben können. Dabei wird ihnen bewusst, welche Gefahren die Verschmutzung der Nordsee für Tiere und Pflanzen mit sich bringt. Doch die Sommerferien werden zu einem richtigen Abenteuer, als die Zwillinge ein kleines, verlassenes Seehundbaby finden. Sie wissen natürlich, was jetzt zu tun ist...
Der Titel sagt alles. Kinder finden Heuler, Heuler wird gerettet. Dazwischen viele Informationen zum Wattenmeer, zur Verschmutzung der Nordsee mit keinerlei Anregungen, was man als Kind dagegen tun kann. Oh, stimmt nicht! Man wird darüber informiert, dass man Mitglied im WWF werden kann. Toll übrigens, dass ein Mensch vom WWF auch das Vorwort zum Buch geschrieben hat, so bekommt diese Werbung für eine WWF-Mitgliedschaft auch gar keinen seltsamen Beigeschmack. Was soll ich sagen, sonst ist die Geschichte recht farblos. Die Protagonisten Jun und Delia sind brave Kinder ohne besondere Charakterausprägungen, auch die Eltern fallen vor allem durch ihre Beliebigkeit auf (sie hat eine weiche Stimme, er schwimmt viel). Die Sprache ist klar, allerdings auch ohne Witz und Raffinesse. Wirklich ätzend sind die vielen Fehler in der deutschen Überstezung; Kommata werden prinzipiell eher ausgelassen. Außerdem hat mich gestört, dass in den Untertiteln der einzelnen Kapitel bereits die gesamte Handlung zusammengefasst wird, Spannung kommt also gar nicht groß auf. Ich weiß nicht, ob es unbedingt nötig ist, dass Kinder schon vorweg den Fortlauf der Handlung erfahren, funktioniert schließlich in anderen Büchern für Kinder auch wunderbar ohne. Letztlich ist "Das Findelkind vom Watt" für mich ein Werbebuch für den WWF. Statt Kindern vielleicht zu schmackhaft zu machen, dass sie durch ihr eigenes Handeln zu einer sauberen Umwelt beitragen können (ja, auch Kinder können Wasser sparen, Müll vermeiden etc.), bietet Dieuwke Winsemius genau zwei Möglichkeiten: 1. Wenn Du eine kranke Robbe findest oder einen verlassenen Heuler, dann bring' das Tier zu einer Seehund-Station 2. Du könntest auch förderndes Mitglied beim WWF werden, dann bekommst Du viele bunte Tierzeitschriften. Wow.