(3 Sterne):
Seelendonner hat mich leider nicht vollständig überzeugen können. Keine Frage, der Schreibstil ist super. Aber ich bin einfach mit der Handlung nicht warm geworden... Ich brauche irgendwie immer Charaktere, bei denen ich mich wohl fühle, mit denen ich mich identifizieren kann, mit denen man lachen, weinen, leiden kann. Das mag nur an mir liegen, aber mir persönlich war es nicht möglich zu auch nur einem der Charaktere wirklich eine enge persönliche Bindung aufzubauen... Es war nicht so, dass Kauna und Deema nicht sympathisch waren... Aber ich wurde nie zu dem Punkt an sie herangeführt, in dem ich mich wirklich um sie gesorgt hätte. Mit ihnen mitgelitten hätte. In dem mir wirklich wichtig gewesen wäre, was mit ihnen blieb. Sie blieben für mich (für andere mag das anders sein) blass, ungreifbar, unnachvollziehbar an vielen Stellen.
Abgesehen davon, fand ich die Thematik der Crae grundsätzlich Mal Interessant, aber auch nicht ausreichend umgesetzt: Sie waren irgendwie da, aber irgendwie auch nicht. Dadurch dass die einzigen Crae die wirklich eine Rolle spielen, Kauna und Deema waren, fehlt einem das Gefühl für das Volk. Man erfährt sehr wenig bis kaum etwas über die Herkunft ihrer Kräfte, die Tatsache, dass die Crae selbst nicht wissen woher diese kommen, schien als würde kein wirklicher Hintergrund existieren. Auch habe ich um ehrlich zu sein das System dahinter nie ganz verstanden und hatte oft das Gefühl, dass es halt gerade so funktionierte, wie es musste, nur um die Szene zu erfüllen/in der Situation zu helfen.
Auch das Wertesystem der Crae hat mir nicht getaugt. Es wirkte bei Zeiten so widersprüchlich, dass es beinahe unrealistisch wirkte, dass dieser Stamm sich so daran halten würde. Zusätzlich das gefühlt endlose Kapitel, in dem Kauna ihrem Leben ein Ende bereiten wollte. Das war eines der Schlüsselkapitel, mit dem mir Kauna als Prota unsympathisch geworden ist. Es hat sich angefühlt, wie Drama, um des Dramas Willen. Um ehrlich zu sein, war ich auch etwas schockiert von der Präsenz des Suizids als Thema. Ich selbst hatte bereits in meinen noch jungen Jahren viele Berührpunkte auch im engeren Kreis, und kenne viele, denen es ähnlich geht. Gerade deswegen viel es mir schwer, Suizid als Mittel zum erzeugen von Drama/Wertesystem wirklich zu akzeptieren. Es war stellenweise unsensibel.
Das Worldbuilding fand ich zunächst interessant und hat mich mitunter dazu bewegt, das Buch zu lesen. Orientalisches Setting, 19. Jahrhundert... Leider muss ich sagen, dass mich gerade hier das Buch sehr enttäuscht hat. Das orientalische Setting konnte ich persönlich kaum spüren, außer dass einmal ein Kuppelgebäude/ein Gewürzstand erwähnt wurde, oder eine Verschleierung. Es war einfach zu abstrakt. Wüsste ich nicht, dass es ein orientalisches Setting sein soll, hätte ich das nicht gemerkt. Auch die "Technologie des 19. Jahrhunderts" hat sich von mir ferngehalten... Klar, es gab eine Eisenbahn. Es gab Pistolen. Aber beides spielte eine so geringe Rolle, als dass ich nie wirklich das als solch ein Setting wahrgenommen hab. Es hat mir nie das FEELING vermittelt.
Ich war um ehrlich zu sein auch zum Teil hoffnungslos verwirrt vom Worldbuilding, was taten die Ta'ar, was die Unnen. Wer glaubt an was. Wer schaut jetzt wie aus. Wie erkenne ich wen. Wieso waren die Reiche eigentlich geeint, wenn sie so unterschiedlich waren? Wieso konnte Hawking die Unnen so leicht hinter sich sammeln?
Um ehrlich zu sein, war ich am Ende des Tages sehr enttäuscht. Ich glaube, die Story hat unglaublich Potential. Die Welt hat Potential. Aber es war lange nicht ausgenutzt.
Ich habe Band 2 nach diesem ersten Teil eigentlich überwiegend gelesen, weil mir die Autorin sehr sympathisch ist, und ich sie gerne unterstützen würde. Außerdem habe ich sehr gehofft, dass dieser im Vergleich zu Band 1 besser sein würde, weil ich sehr, sehr viel Potential darin gesehen habe, und ich sehen wollte, ob sich die Story für mich verbessert. Auch dieser konnte mich mitunter wegen den oben genannten Punkten leider nicht überzeugen.
Fazit:
Inhaltlich (2 Sterne) -> für mich zu flach, zu oberflächlich, zu ungreifbar (Charaktere/Worldbuilding/Plot), desweiteren grenzwertig (Suizid-> Triggerwarnung wäre angebracht, das wäre allerdings eher ein Hinweis an den Verlag)
Schreibstil (4 Sterne) -> Sehr flüssig zu lesen, packend
Gesamt: 3 Sterne
Ich will damit nicht die Autorin schlechtreden, denn sie hat was drauf. Vielleicht konnte mich auch nur DIESE Geschichte nicht überzeugen. Ich bin mir sicher, dass Leute das Buch lieben werden. Ich vergönne das ihnen und ich vergönne das auch der Autorin. Mein Fall war es nicht.